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Marktbericht 20:05 Uhr

Marktbericht negativ

Dax verliert 2,6 Prozent

Längst überfällige Korrektur

von Lothar Gries

Stand: 17.04.2015, 20:05 Uhr

So schnell kann's gehen. Am Morgen noch war der Dax über die Schwelle von 12.000 Punkten geklettert. Doch dann ging es über 300 Punkte gen Süden. Für den Einbruch sind gleich eine ganze Reihe von Faktoren verantwortlich.

Nach einem schwächelnden Verlauf am Vormittag bricht der Leitindex in den Mittagsstunden um 200 Punkte ein und weitet im weiteren Handelsverlauf seine Verluste immer weiter aus. Am Ende geht der Dax bei 11.688 Punkten aus dem Handel, 310 Zähler oder 2,58 Prozent weniger als am Vortag. Alle 30 Dax-Werte notieren im Minus. Damit hat der Leitindex in dieser Woche fast 700 Punkte eingebüßt, satte 5,6 Prozent. Das ist der höchste Wochenverlust seit November 2011.

Aus Sicht von Marktexperten hat gleich eine ganze Reihe von Faktoren zu dem Einbruch beigetragen. Dazu gehört zunächst eine technische Panne beim Finanzdienstleister Bloomberg. In Online-Netzwerken tauchten am frühen Vormittag erste Meldungen über Probleme auf. Marktteilnehmern zufolge waren die Server fast zwei Stunden ausgefallen, auf den Bildschirmen bewegte sich so gut wie nichts mehr. Kurse zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren waren nicht verfügbar. In Großbritannien musste sogar eine Anleiheauktion verschoben werden.

Willkommenes Ventil Griechenland

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Börse 20.15 Uhr

Hinzu kam der kleine Optionsverfall an der Terminbörse Eurex. Darauf deutet der abrupte Einbruch in der Mittagszeit hin. Und da das Geschäft an den Terminmärkten meist wesentlich größer ist als an den Kassamärkten, kann es zu erheblichen Kursbewegungen kommen. Dieser Einbruch hat dann viele Anleger zu Gewinnmitnahmen veranlasst, besonders bei den in den vergangenen Monaten besonders gut gelaufenen Papieren wie Bayer und K+S.

Als willkommenes Ventil für die längst erwartete Konsolidierung dient auch die unendliche Debatte über die Lage in Griechenland, das sich weiterhin weigert substanzielle Reformen anzugehen. Einige Marktstrategen wie Jens Klatt verweisen zudem auf eine scharfe Korrektur am chinesischen Future-Markt. Die scheint einigen Händlern wegen des Serverausfalls bei Bloomberg entgangen zu sein. Auch hier hatte der Markt eine unglaubliche Rally hingelegt und alle globalen Aktienmärkte abhängen können. Dass es dort nun zu einer Korrektur kam, sei nur eine Frage der Zeit gewesen, so Klatt.

Vorübergehende Schwäche?

Wie so oft in der jüngsten Vergangenheit ist auch der Euro nicht ganz unschuldig am Einbruch der Aktienmärkte. Notierte die Gemeinschaftswährung vor einer Woche noch bei 1,0420 Dollar, ist sie heute sogar über die Schwelle von 1,08 Dollar geklettert, hat also in einer Woche rund vier Cent dazugewonnen. Keine gute Nachricht für die exprotorientierten Unternehmen. Bei Börsenschluss am Abend notiert der Euro bei 1,0789 Dollar.

Auch von der Wall Steet kam keine Hilfe. Im Gegenteil. Wegen enttäuschender Quartalszahlen und der anhaltenden Unsicherheit über Griechenland rutschte der Dow Jones-Index gleich in der ersten Handelsstunde wieder deutlich unter die Marke von 18.000 Punkten. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der US-Leitindex 1,8 Prozent tiefer bei 17.782 Punkten.

Und nun? "Die aktuelle Konsolidierung ist verständlich und sogar notwendig, um neue Kräfte für die nächste Aufwärtsbewegung zu sammeln", erläutert Philipp Müller, Portfolio Manager von der Performance IMC Vermögensverwaltung AG, seine Sicht der Dinge. Wegen des billigen Geldes der Notenbanken, vor allem von der Europäischen Zentralbank (EZB), sowie dem zum Dollar schwachen Euro traut er dem Dax im Sommer einen Anstieg auf bis zu 13 500 Punkte zu.

Umbau kostet GE Milliarden

Bei den Einzelwerten im Dow sorgt der Siemens-Konkurrent General Electric für eine Überraschung. Das Unternehmen hat im ersten Quartal 13,6 Milliarden Dollar Verlust gemacht. Grund sind Kosten in Höhe von etwa 16 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit dem Ausstieg bei der Finanztochter GE Capital. Der Quartalsgewinn der Industriesparte stieg dagegen um neun Prozent. Die GE-Aktie tendierte vorbörslich ein Prozent leichter. GE will sich auf das Industriegeschäft konzentrieren und hat sich deshalb von den Gewerbeimmobilien getrennt.

Bayer: Analysten senken den Daumen

Im Dax ist am Freitag vor allem die Bayer-Aktie unter Druck geraten. Grund sind skeptische Urteile von Analysten. Während die Deutsche Bank das Kursziel auf 155 Euro angehoben hat und das Papier weiter zum Kauf empfiehlt, sind angelsächsische Analysten vorsichtiger. So hat die britische Investmentbank Barclays die Einstufung für Bayer auf "Underweight" mit einem Kursziel von 111 Euro belassen. Nach Einschätzung der US-Investmentbank Morgan Stanley ist die Luft bei den Bayer-Aktien erst einmal raus. Analystin Amy Walker hob allerdings das Kursziel von 143 auf 151 Euro an.

Deutsche Bank enttäuscht mit Postbank-Beschluss

Einer der schwächsten Werte im Dax ist auch die Deutsche Bank. Die Aktie verliert mehr als drei Prozent. Damit reagieren die Anleger auf eine Meldung des "Spiegel", wonach sich der Vorstand der Deutschen Bank zwar zum Verkauf der der Postbank entschlossen hat, auf die Abspaltung des kompletten Privatkundengeschäfts aber verzichtet. Eine halbherzige Lösung also, die das Bankhaus kaum weiter bringen dürfte und vom Markt entsprechend abgestraft wird.

Thyssen verkauft Edelstahltochter

Überdurchschnittlich bergab geht es auch mit der Aktie von ThyssenKrupp. Der Konzern hat einen Käufer für seine Edelstahltochter VDM Metals gefunden, sie soll an den Finanzinvestor Lindsay Goldberg Vogel (LGV) abgegeben werden. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Deal führt zu einer Buchwertberichtigung um 100 Millionen Euro.

Winterkorn bleibt VW-Chef

Erleichtert reagierten dagegen die Anleger von VW. Vorstandschef Martin Winterkorn konnte sich gegen Aufsichtsratschef und Großaktionär Ferdinand Piëch durchsetzen und bleibt. Der Vertrag des 67-Jährigen könnte sogar über 2016 hinaus verlängert werden. "Martin Winterkorn ist einer der fähigsten Manager der Automobilbranche - der Richtige, das VW-Lenkrad weiter in Richtung Zukunft einzuschlagen", erklärte der Audi-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Peter Mosch. Die Aktie dreht allerdings im Tagesverlauf doch noch ins Minus.

Die März-Verkaufszahlen (plus zwei Prozent auf 968.300 Fahrzeuge) zeigen indes, dass die Kernmarke VW weiter unter Druck bleibt. Vertriebschef Christian Klingler sprach davon, dass "2015 kein Selbstläufer wird".

Daimler will in China kräftig wachsen

Auch die Daimler-Aktie hält sich besser als der Gesamtmarkt. Die Stuttgarter wollen kräftig in China investieren. In diesem Jahr soll in jeder Woche ein neuer Händler eröffnen. Am Freitag kündigte China-Vorstand Hubertus Troska vor der Shanghaier Automesse an, dass es bis Jahresende 500 Mercedes-Händler im Reich der Mitte geben soll. Die Marke mit dem Stern hat im ersten Quartal in China, dem größten Automarkt der Welt, 18 Prozent zugelegt. Das ist mehr als der Markt für die Oberklasse, der um zehn Prozent wächst.

Osram einziger Gewinner im MDax

Auch im MDax notieren bis auf Osram alle Werte im Minus. Osram kann nach der gestrigen Prognoseerhöhung und einem guten zweiten Geschäftsquartal punkten. Das Münchener Unternehmen hat sein operatives Ergebnis (Ebita) unter anderem wegen positiver Währungseffekte im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 151 Millionen Euro gesteigert.

DMG Mori Seki wird japanisch

Der japanische Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori Seiki bekannt gegeben, dass er nunmehr 52,54 Prozent der Aktien und damit die Mehrheit am Unternehmen hält. "Damit wird die Aktiengesellschaft ein konsolidiertes Unternehmen im Konzern", hieß es am Freitag aus Tokio Die Japaner arbeiten bereits seit dem Jahr 2009 eng mit den Bielefeldern zusammen. Allerdings ist auch der vom Investor Paul E. Singer geführte US-Hedgefonds Elliott mit 10,11 Prozent an Bord. Elliott ist bekannt dafür, seine Interessen energisch zu vertreten. Die im MDax notierte Aktie gibt nach.

BB Biotech gut unterwegs

Die im TecDax notierte Schweizer Biotech-Holding hat sich zufrieden zum Geschäftsverlauf und zu den Branchenperspektiven im ersten Quartal geäußert. Der Gewinn per Ende März betrug 379,4 Millionen Franken. Das Unternehmen begrüßte die Verbesserung der Eigenkapitalausstattung vieler kleinerer und mittlerer Unternehmen, die das aktuell gute Marktumfeld für Börsengänge und Kapitalerhöhungen nutzen. Die Aktie gehört zu den wenigen Gewinnern im Index.

WCM kommt in Schwung

Der Geschäftsabschluss der Beteiligungs- und Grundbesitzgesellschaft WCM für 2014 stand ganz im Zeichen der Vorbereitungen für den Neustart. Durch diverse Kapitalmaßnahmen wurde das Eigenkapital kräftig erhöht. Es lag nach minus 2,1 Millionen Euro per Ende 2013 zum Jahresschluss 2014 bei 31,8 Millionen Euro. Wegen eines positiven Steuereffektes drehte das Konzernergebnis von minus 0,5 Millionen Euro auf plus 1,2 Millionen Euro. Mieteinnahmen waren noch keine enthalten. Im Dezember 2014 wurde aber ein erstes Gewerbeimmobilienportfolio erworben.

Nestlé bestätigt Prognose

Der Schweizer Lebensmittelriese hat im ersten Halbjahr 20,9 Milliarden Franken umgesetzt. Analysten hatten mit 21,42 Milliarden Franken im Schnitt mehr erwartet. Beim organischen Wachstum, einer wichtigen Ertragsgröße der Schweizer, lag Nestlé jedoch besser. Das Wachstum betrug 4,4 Prozent, erwartet waren nur 4,3 Prozent. Der Ausblick für das Gesamtjahr bleibt unverändert.

Syngenta leidet unter dem hohen Dollar

Der weltgrößte Hersteller von Pflanzenschutzmitteln ist mäßig ins erste Halbjahr gestartet. Wegen des starken Dollars und des langsamen Starts in die Anbausaison sank der Umsatz auf 4,0 nach 4,7 Milliarden Dollar im Vorjahr. Analysten hatten im Schnitt 4,33 Milliarden Dollar prognostiziert. Die Jahresprognose bestätigte der Schweizer Konzern jedoch. Das operative Ergebnis (Ebitda) werde sich bei stabilen Wechselkursen etwa auf Vorjahresniveau bewegen.

American Express enttäuscht

Abwärts geht es mit der Aktie von American Express. Dabei hat der Kreditkartenkonzern im ersten Quartal überraschend mehr verdient. Je Aktie war es 1,48 Dollar, elf Cent mehr, als Analysten im Schnitt erwartet hatten. Die Kunden haben mit ihrer Amex-Karte sieben Prozent mehr ausgegeben als vor einem Jahr. Zudem sanken die Rückstellungen für säumige Zahler. Der starke Dollar belastete jedoch das Auslandsgeschäft.

AMD im Rückwärtsgang

Einen zweistelligen Kurseinbruch verzeichnet die Aktie des Chipherstellers AMD aus, der wegen eines schwachen PC-Geschäfts im ersten Quartal deutlich schwächer abgeschnitten hat. Die Börse rasierte die Aktie daraufhin gnadenlos ab. Nachbörslich verlor das AMD-Papier an der Nasdaq 11,15 Prozent.

Mattel grenzt Verlust ein

Dagegen kann die Aktie des Spielzeugherstellers Mattel zulegen. Der Verlust war im ersten Quartal mit 0,08 Dollar weniger stark ausgefallen als erwartet. Experten hatten 0,09 Dollar prognostiziert. Absolut fiel der Fehlbetrag im Jahresvergleich deutlich von 27,7 auf 14,6 Millionen Dollar. Der Umsatz sank im ersten Quartal von 946 auf 922 Millionen Dollar.

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Aareal Bank:Q1-Zahlen, 7:30 Uhr
Munich Re: Q1-Zahlen, 7:30 Uhr
Eon: Q1-Zahlen, 7:30 Uhr
Henkel: Q1-Zahlen, 7:30 Uhr
Beiersdorf: Q1-Zahlen, 8 Uhr
RTL: Q1-Zahlen, 8 Uhr
Pro7Sat1: Q1-Zahlen, 8 Uhr
Axel Springer:Q1-Zahlen, 7:30 Uhr
Continental: Q1-Zahlen, 8:30 Uhr

Konjunktur:
D: Auftragseingang Industrie, März vorläufig, 8 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe für die Woche bis zum 2. Mai, 14:30 Uhr

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