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Marktbericht 20:38 Uhr

Makrtbericht negativ

China, Nordkorea und das billige Öl

Konjunkturängste vertreiben die Anleger

Stand: 06.01.2016, 20:38 Uhr

Vom "Januar-Effekt" ist an der Börse derzeit nichts zu sehen. Im Gegenteil: Schwache Daten haben die Angst vor einer Konjunkturabkühlung in China geschürt. Der Dax sackte ab. An der Wall Street rissen runde Marken. Für zusätzlichen Druck sorgt die Fed.

Wie aus dem Protokoll der letzten Sitzung Mitte Dezember hervorgeht, sahen einige Fed-Vertreter die Zinserhöhung als enge Entscheidung. Sie hätten sich vor allem um die aus ihrer Sicht zu niedrige Inflation gesorgt. Um den Bedenken dieser Gruppe entgegenzukommen, legte sich die Fed darauf fest, die Zinsen schrittweise und somit möglichst behutsam anzuheben. Nur unter dieser Prämisse stimmte kein Mitglied gegen die Zinserhöhung. Allerdings erwarten die Fed-Vertreter, dass nach Erreichen der Vollbeschäftigung im laufenden Jahr Arbeitskräfte knapp werden, sodass das Lohnniveau und damit auch die Inflation letztlich anziehen werden. Der Vizechef der US-Notenbank, Stanley Fischer, hält 2016 vier Zinsanhebungen für möglich.

Wall Street weitet Verluste aus

Das Fed-Protokoll sorgte zunächst für kaum Reaktionen an der Wall Street. Dann aber weiteten sich die Verluste aus. Der Dow lag eineinhalb Stunden vor Handelsschluss gut 1,8 Prozent im Minus - klar unter der Schwelle von 17.000 Punkten. Der marktbreite S&P 500 fiel unter die Marke von 2.000 Zähler.

Euro steigt Richtung 1,08 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro zog an - auf bis 1,0790 Dollar. Positive ADP-Arbeitsmarktdaten hatten noch am frühen Nachmittag den US-Dollar beflügelt. Im Dezember wurden in der Privatwirtschaft rund 257.000 Stellen geschaffen. Die Prognosen lagen bei 198.000. Die ADP-Daten sind ein gutes Omen für die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag. Dagegen trübte sich überraschend die Stimmung im US-Dienstleistungssektor ein. Der Einkaufsmanagerindex des ISM fiel von 55,9 Punkten im November auf 55,3 Zähler im Dezember. Volkswirte hatten mit einem leichten Anstieg gerechnet. Zudem sanken die Neuaufträge der US-Industrie um 0,2 Prozent im November.

Dax verliert weiter an Boden

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Nicht ganz so schlimm traf es die europäische Aktienmärkte. Der Dax sackte um 0,9 Prozent ab. Der EuroStoxx50 büßte 1,2 Prozent ein. Das ist ein schlechtes Omen für 2016! Denn statistisch gesehen entwickelt sich das Börsenjahr meist so wie die erste Börsenwoche. Demnach drohen herbe Verluste. Seit Montag hat der Dax fast 600 Punkte eingebüßt. Das sind gut fünf Prozent. "Die Verkäufer haben die Kontrolle übernommen", meint Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Index-Radar.

Geht Chinas Konjunktur die Luft aus?

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Börse 20.15 Uhr

Anleger sorgen sich um die Kraft der Konjunkturlokomotive China. Enttäuschende Konjunkturdaten und eine überraschend starke Yuan-Abwertung haben Spekulationen angeheizt, dass es um die Verfassung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft schlechter bestellt ist als bislang gedacht. Der Einkaufsmanagerindex fiel im Dezember auf 50,2 Prozent. Damit liegt er nur noch knapp über der Wachstumsschwelle. "Die Frage von Investoren wird lauter, wann die Regierung der immer größer werden Diskrepanz zwischen Marktreaktion und offiziell gemeldeten Daten Rechnung tragen wird und ihre Wachstumsprognosen anpasst", meinte Jochen Stanzl, Analyst von CMC Markets.

Sorgen um Nordkorea

Zur Unsicherheit an den Finanzmärkten trug auch die Nachricht bei, wonach Nordkorea erstmals eine Wasserstoffbombe getestet haben soll, meinte ein Händler. Außerdem halten die Spannungen zwischen den beiden wichtigen Ölförderländern Saudi-Arabien und Iran an. "Nicht nur die konjunkturellen, sondern auch die geopolirischen Risiken nehmen zu", erklärte Gregor Kuhn, Analyst von IG Markets.

Öl fällt und fällt

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Woche
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Die Furcht vor einer Konjunkturflaute in China zog die Rohstoffpreise nach unten. Das Industriemetall Kupfer verbilligte sich um über ein Prozent auf 4.593 Dollar je Tonne. Der Preis der Rohölsorte Brent fiel erstmals seit mehr als elf Jahren unter die Marke von 35 Dollar je Barrel. Die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran werden von vielen Marktteilnehmern als negativ gesehen, weil dadurch eine gemeinsame Linie in der OPEC zum Abbau des Überangebots unwahrscheinlicher werde, heißt es von der Commerzbank.

Gold glänzt wieder mehr

Anleger flüchteten in sichere Häfen. Der Goldpreis stieg am Mittwoch auf 1.094 Dollar je Feinunze. Seit Silvester hat sich das gelbe Edelmetall um 2,5 Prozent verteuert. In Euro notiert der Goldpreis inzwischen bei 1.014 Euro.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Gold in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa fliegt auf den Dax-Thron

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im Dax gab es nur ganz wenige Gewinner. Dazu zählte die Lufthansa. Sie führte mit einem Plus von rund 1,6 Prozent den Dax an. Bereits gestern hatten die Titel der Airline deutlich zugelegt- angetrieben von einer einem positiven Analystenkommentar.

Kaufempfehlungen helfen SAP

Unter den Dax-Favoriten reihte sich die SAP-Aktie mit einem Plus von 0,9 Prozent ein. Sie profitierte von zwei optimistischen Analystenstudien. Barclays hat das Kursziel für SAP von 80 auf 100 Euro angehoben, die Baader Bank erhöhte von 80 auf 85 Euro. Beide Banken bestätigten ihre Kaufempfehlungen.

Kundenansturm bei der Telekom-US-Tochter

Die Deutsche Telekom gehörte ebenfalls zu den Gewinnern im Dax mit einem Plus von 0,6 Prozent. Die US-Tochter T-Mobile US hat 2015 mehr Neukunden gewonnen als erwartet. Die Zahl der Handy-Nutzer erhöhte sich um 8,3 Millionen auf 63 Millionen. Die Telekom hält momentan noch zwei Drittel der Anteile an ihrer Tochter und will sich langfristig aus dem umkämpften US-Markt zurückziehen.

VW-Absatz in den USA bricht erneut ein

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Autowerte zählten zu den größten Dax-Verlierern. VW büßte rund zwei Prozent ein. Auf dem US-Automarkt gerät der Autobauer immer mehr ins Hintertreffen. Der Absatz der Kernmarke VW sank im Dezember erneut um 9,1 Prozent. Im November waren die Verkäufe um gut ein Viertel geschrumpft. Dennoch will VW den Diesel-Markt USA nicht aufgeben. Es gebe keinen Grund, die Diesel-Offensive nicht fortzusetzen, sagte VW-Chef Matthias Müller der "Wirtschaftswoche".

Daimler hängt BMW ab

Auch die deutschen Premium-Hersteller taten sich in den USA schwer. Bei BMW brachen die US-Verkäufe im Dezember um 17,7 Prozent ein. Das lag vor allem an den massiven Rückgängen beim 3er. Rivale Daimler schaffte im letzten Monat hingegen ein Verkaufsplus von 1,7 Prozent.

In Deutschland verkaufte Mercedes 5,3 Prozent mehr Autos - und hängte BMW ab. Die Münchner setzten nur 4,3 Prozent mehr Fahrzeuge ab. Marktführer VW schaffte trotz des Abgasskandals ein Plus von 4,4 Prozent. Besonders Porsche war gefragt. Der Zuwachs lag bei rund 17 Prozent. Insgesamt wurden nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts 2015 bundesweit rund 3,2 Millionen Neuwagen zugelassen. Das sind 5,6 Prozent mehr als 2014. Zuletzt hatten die Autobauer 2009 mehr Neuwagen verkauft - dank der Abwrackprämie.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Infineon abgestuft

Lange Zeit Dax-Schlusslicht war Infineon mit einem Minus von über drei Prozent. Das US-Analysehaus Bernstein Research hat die Titel des Chipherstellers von "Outperform" auf "Market Perform" abgestuft und das Kursziel auf 14 Euro belassen. Das Risiko-Rendite-Profil der Infineon-Aktien sei momentan ungünstig, heißt es in einer Bernstein-Studie. Im Falle eines Abschwungs in der Halbleiter-Branche könnten die Umsätze des Chip-Konzerns zehn Prozent niedriger ausfallen als von Infineon angepeilt.

Analysten treiben Wirecard und Compugroup

Analystenstudien trieben im TecDax im TecDax die Aktien von Wirecard und Compugroup an. Die Titel von Compugroup zogen um fast sieben Prozent an. Die Berenberg Bank hat die Aktien von Compugroup von Halten auf Kaufen hochgestuft. Das Kursziel wurde von 31 auf 39 Euro angehoben. Die Aktien von Wirecard legten über ein Prozent zu. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat die Bewertung der Papiere von Wirecard mit "Overweight" und einem Kursziel von 55,00 Euro aufgenommen.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dialog im Apple-Sog

Am TecDax-Ende notierte dagegen die Aktie von Dialog Semiconductor. Der angebliche Apple-Zulieferer litt unter einem Medienbericht, wonach Apple die Produktion für das iPhone 6S und 6S Plus um 30 Prozent drosseln muss. Das hatte am Dienstag bereits die Apple-Aktie und die gesamte Nasdaq belastet.

Monsanto verschärft den Sparkurs

Der US-Agrarmulti Monsanto zeigt sich wegen der Abwertung des argentinischemn Peso für 2016 pessimistischer. Der bereinigte Gewinn dürfte eher in der unteren Hälfte der angepeilten Spanne von 5,10 bis 5,60 Dollar je Aktie liegen, warnte Monsanto. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2015/16 rutschte der Saatguthersteller in die Miesen. Der Verlust betrug 253 Millionen Dollar. Der Umsatz schrumpfte um fast 23 Prozent. Wegen der mauen Geschäfte in der Landwirtschaft verschärft Monsanto den Sparkurs und streicht 3600 Jobs bis 2018.

Computer-Uhr von Fitbit enttäuscht

Der Fitness-Spezialist Fitbit will sich mit eigenen Computer-Uhren gegen Rivalen wie Apple und Samsung behaupten. Auf der Technik-Messe CES stellte das Start-up aus San Francisco am Dienstag das neue Modell "Blaze" vor, das mit einem Touchscreen erstmals in der Smartwatch-Liga mitspielen soll. Die Anleger zeigten sich jedoch enttäuscht von der neuen Uhr. Die Aktie brach am Dienstag um 18 Prozent ein. Am Mittwoch setzte sich die Talfahrt fort.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 27. Juni

Unternehmen:
Telekom Austria: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Geldmenge M3 für die Euro-Zone für Mai, 10:00 Uhr
USA: Markit PMI Dienste für Juni, 15:45 Uhr

Sonstiges:
EZB: Forum zu Zentralbanken (bis 29. Juni) in Sintra, mit EZB-Präsident Draghi

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