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Marktbericht 20:13 Uhr

Neutrale Börsenstimmung

Dax auf Berg- und Talfahrt

Kein (Börsen-)Tag für schwache Nerven

Kleiner Lichtblick an der Börse: Positive Impulse aus den USA haben am Donnerstag die dramatische Dax-Talfahrt vorläufig gestoppt. Die zunehmenden Sorgen um die Konjunktur in Europa hatten zuvor die Kurse tief nach unten gedrückt.

Die europäischen Aktienmärkte erlebten am Donnerstag eine atemberaubende Achterbahnfahrt. Nachdem es am Morgen leichte Erholungstendenzen gegeben hatte, sackten am späten Vormittag die Kurse binnen kurzer Zeit dramatisch ab. Der Dax büßte innerhalb von wenigen Minuten über 200 Punkte ein und drehte deutlich ins Minus. In der Spitze fiel das deutsche Börsenbarometer um 2,5 Prozent auf knapp 8.355 Punkte.

Wall Street hievt den Dax nach oben

Doch am späten Nachmittag gab's dann doch noch ein Happy-End. Im Sog der Wall Street, die ihre Kursverluste eindämmte, schaffte der Dax die Wende und rettete sich mit einem kleinen Plus von 0,1 Prozent in den Feierabend. Im späten Parketthandel ging die Erholung weiter. Der L-Dax schloss bei über 8.600 Punkten. Der Dow drehte zweieinhalb Stunden vor Handelsschluss leicht ins Plus. Freilich: Auf Ein-Monatssicht hat der US-Leitindex gut sieben Prozent eingebüßt. Der Dax sogar zwölf Prozent.

Notenbanker rät zur Verschiebung der Zinswende

Die Hoffnung auf frische Geldspritzen der US-Notenbank machte die Anleger wieder etwas mutiger. Der Chef der regionalen Notenbank von St. Louis, James Bullard, empfahl der US-Notenbank Fed, das Ende der lockeren Geldpolitik zu verschieben und eine Pause bei der Drosselung der Wertpapierkäufe einzulegen, auch wenn die Fundamentaldaten weiterhin Stärke zeigten.

US-Wirtschaft kommt wieder in Fahrt

Tatsächlich fielen die neuesten Konjunkturdaten aus Amerika überraschend gut aus. So stieg die Industrieproduktion im September stärker als erwartet um 1,0 Prozent. Prognostiziert worden war ein Plus von nur 0,4 Prozent. Auch der Philly-Fed-Index trübte sich im Oktober nicht so sehr ein wie befürchtet. Er fiel um 1,8 Punkte auf 20,7 Zähler. Volkswirte hatten mit einem stärkeren Rückgang auf 19,8 Punkte gerechnet. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel derweil auf den tiefsten Stand seit 14 Jahren.

Inflation in Europa auf Fünfjahres-Tief

In Europa hingegen droht sich die Konjunktur abzukühlen. Manche Experten reden gar schon von der Gefahr eines Abschwungs. Im September fiel die Inflation auf ein Fünfjahrestief, die Preisteuerung betrug nur noch 0,3 Prozent. Zudem sank der Überschuss in der Leistungsbilanz des Euroraums. "Es herrscht große Angst vor einer Konjunkturkrise", sagte Aktienmarkt-Experte Robert Halver von der Baader Bank.

Sorgen um Griechenland

Besonders Griechenland rückt nun wieder ins Rampenlicht. Wegen Spekulationen auf vorgezogene Neuwahlen befindet sich seit Tagen die Athener Börse auf Talfahrt. In dieser Woche hat sie mehr als 13 Prozent verloren.

Investoren trennen sich von südeuropäischen Bonds

Auch an den Rentenmärkten werden Griechenland und andere südeuropäische Länder derzeit gemieden. Die Rendite zehnjähriger griechischer Staatspapiere kletterte auf mehr als neun Prozent. Vor wenigen Tagen lag sie noch bei 6,5 Prozent. Die Renditen zehnjähriger italienischer und spanischer Staatsanleihen zogen ebenfalls kräftig an - auf 2,75 und 2,425 Prozent.

Euro und Ölpreise fallen

Der Euro geriet zeitweise stark unter Druck und büßte gut ein Cent gegenüber dem US-Dollar ein. Am Abend rappelte er sich wieder auf und bewegte sich um die Marke von 1,28 Dollar. Der Ölpreis setzte seine Talfahrt fort. Das US-Rohöl der Sorte WTI fiel erstmals seit dem Sommer 2012 unter die Marke von 80 Dollar je Barrel.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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US-Dollar in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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WTI
WTI: Kursverlauf am Börsenplatz New York Mercantile Exchange für den Zeitraum 1 Woche
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Apple enthüllt neue iPad-Generation

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Am Abend waren alle Augen auf Apple gerichtet. Der Hightech-Konzern präsentierte in Cupertino die neue iPad-Generation mit schnelleren Chips und dem vom iPhone bekannten Fingerabdruck-Sensor. Marketingchef Phil Schiller hob den Apple Air 2 als dünnsten Tablet der Welt hervor. Außerdem stellte Apple einen neuen iMac-Schreibtischrechner mit einer deutlich höheren Bildschirm-Auflösung vor. Schließlich gab der Konzern bekannt, dass der iPhone-Bezahldienst Apple Pay am kommenden Montag in den USA starte.

Autoaktien rasen nach vorn

Die Autoaktien brachten den Dax in Schwung. VW legte fast zwei Prozent, Daimler 1,6 Prozent zu. Ein positiver Analystenkommentar trieb Conti an die Dax-Spitze mit einem Plus von fast 3,5 Prozent. Händlern zufolge profitierten die Autowerte davon, dass die Opec keine Pläne hat, weniger Öl zu produzieren.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa-Aktie trotzt dem Streik

Der Streik bei Germanwings schadete dem Aktienkurs der Konzernmutter Lufthansa nicht. Im Gegenteil: die Titel der Lufthansa zogen um fast drei Prozent an - wohl auch dank des sinkenden Ölpreises. Die Airline reagiert auf den Druck der asiatischen und arabischen Fluglinien und will offenbar die unrentabel gewordenen Flüge nach Abu Dhabi streichen. Vorstandschef Carsten Spohr hat keine Lust mehr, bei den Flügen Geld draufzulegen.

Bankaktien im Stress

Dagegen standen Bankaktien auf der Verliererseite. Die Deutsche Bank war mit einem Minus von drei Prozent Dax-Schlusslicht, die Titel der Commerzbank gaben rund ein Prozent nach. Europaweit wurden Bankwerte wegen der Sorgen um den EZB-Stresstest abgestraft. Der Index für die Banken der Euro-Zone fiel um über fünf Prozent auf ein 13-Monats-Tief.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Milliardengewinn von Goldman Sachs

Da konnten auch die starken Quartalszahlen von Goldman Sachs nicht viel helfen. Die US-Investmentbank hat ihren Gewinn im dritten Quartal deutlich auf 2,1 Milliarden Dollar gesteigert. Goldman profitierte von dem wieder angesprungenen Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren, Devisen und Rohstoffen. Es war das stärkste dritte Quartal seit 2009.

RWE: Zitterpartie um Dea

Zu den größten Dax-Verlierern gehörte auch RWE. Denn der Verkauf der Tochter Dea an eine Investorengruppe um den russischen Oligarchen Michail Fridman droht zu platzen. Laut der "Financial Times" ist der britische Finanzminister Edward Davey "nicht geneigt", seine Zustimmung zu geben. Die britische Gasproduktion macht ein Fünftel von Dea aus.

MVV macht mehr Wind, Hochtief steigt aus

Seinen Ausstieg aus der Offshore-Windenergie verkündete am Donnerstag der Baukonzern Hochtief. Schiffe, Pontons und sonstige Anlagen sollen an das belgische Unternehmen GeoSea verkauft werden, Laut Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes hat sich die "Ausrichtung des Konzerns verschoben". Dagegen setzt der Mannheimer Energieversorger verstärkt auf die Windenergie. MVV gab am Donnerstag bekannt, die Mehrheit am defizitären Projektentwickler Juwi zu übernehmen. Die Partnerschaft mit dem Marktführer bei der Projektentwicklung biete "eine hervorragende Plattform der Weiterentwicklung", sagte MVV-Chef Georg Müller. Juwi musste 2013 nach einem Einbruch bei der Nachfrage einen zweistelligen Millionenverlust verbuchen.

Hochtief: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gewinnwarnung von QSC

Im TecDax war die Aktie von QSC mit einem Minus von acht Prozent Schlusslicht. Der Telekom-Konzern aus Köln gab schwache Zahlen zum dritten Quartal bekannt und senkte seine Jahresprognose. Statt 450 Millionen Euro werde das operative Ergebnis Ebitda nur noch bei 430 Millionen Euro liegen.

Trüber Ausblick von Jenoptik

Jenoptik: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9.12
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Mit einem Minus von einem Prozent kam die Aktie von Jenoptik glimpflich davon. Das Technologie-Unternehmen hatte am Mittwochabend eine Gewinnwarnung ausgegeben. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde von 52,5 auf 50 Millionen Euro sinken. Bislang hatte man eine Steigerung um fünf Prozent erwartet.

KWS Saat erntet weniger Gewinn

Nicht überzeugen konnte auch der Saatguthersteller KWS mit seinen Zahlen. Im abgelaufenen Quartal (bis Ende Juni) musste KWS Saat einen Gewinnrückgang um 13 Prozent auf 80,3 Millionen Euro hinnehmen. Höhere Kosten für Marketing und Vertrieb wurden genannt. Der Umsatz legte um knapp drei Prozent auf 1,18 Milliarden Euro zu. Die Aktie schloss 0,7 Prozent tiefer.

Forfait von der Sanktionsliste entfernt

Um über 100 Prozent nach oben auf 1,35 Euro schoss die Aktie der Deutschen Forfait im späten Handel. Das im Prtime Standard notierte Unternehmen gab am Abend bekannt, von der US-Sanktionsliste gestrichen worden zu sein - ohne Strafzahlung. Im Februar 2014 hatte die US-Exportkontrollbehörde die Gesellschaft wegen behaupteter Verstöße gegen Iran-Sanktionen auf die Liste gesetzt. Künftig kann die Forfait wieder Geschäfte in US-Dollar tätigen.

Roche wächst solide

Im Ausland nimmt die Berichtssaison langsam an Fahrt auf. So glänzte der Schweizer Pharmakonzern Roche mit guten Zahlen. In den ersten neun Monaten kletterte der Umsatz währungsbereinigt um fünf Prozent auf 34,76 Milliarden Franken. Einen Zulassungserfolg konnte das Unternehmen bereits am Vorabend feiern: Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat den Hoffnungsträger Esbriet zugelassen, der gegen die bislang unheilbare tödliche Lungenkrankheit idiopathische pulmonale Fibrose (IPF) eingesetzt wird.

Europäische Konjunkturflaute bremst Nestlé

Dagegen spürt ein anderer Schweizer Konzern zunehmend Gegenwind: Nestlé. Wegen des schwierigen Marktumfelds in Europa und des starken Frankens musste der weltgrößte Lebensmittelkonzern in den ersten neun Monaten des Jahres einen Umsatzrückgang von drei Prozent auf 66,2 Milliarden Franken hinnehmen. Ohne Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe betrug das Wachstum 4,5 Prozent. Konzernchef Paul Bulcke versuchte die Anleger zu beruhigen und bestätigte die Jahresziele. Die Börse reagierte skeptisch: die Aktie büßte über drei Prozent ein.

Online-Geschäft beflügelt BSkyB

Besser lief es für den britischen Bezahlsender BSkyB, der kurz vor der Übernahme von Sky Deutschland steht. Das Unternehmen konnte im ersten Quartal 760.000 neuer Abos seinen Umsatz um sechs Prozent auf 1,93 Milliarden Pfund steigern. Vor allem für Online-Angebote wie Sky go Extra gab es eine enorm starke Nachfrage. Der Gewinn zog um 14 Prozent auf 233 Millionen Pfund an. Die Aktie verlor trotzdem knapp drei Prozent.

Philip Morris senkt Jahresziele

Zwiespältige Zahlen lieferte Philip Morris. Der Tabakkonzern übertraf zwar mit seinen Quartalszahlen die Prognosen, senkte aber wegen der ungünstigen Wechselkurse seine Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr. Anstelle von 4,87 bis 4,97 US-Dollar je Aktie dürften nur noch 4,76 bis 4,81 Dollar hängen bleiben.

US-Berichtssaison mit Macken

Die US-Berichtssaison verläuft bisher nicht nach Wunsch. Gewinnwarnungen von Ebay und Netflix belasten, der Einzelhandelskonzern Walmart berichtete über schwächere Geschäfte. Einzig das Kreditkarten-Unternehmen American Express berichtete über gute Umsätze und Gewinne.

nb

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Tagestermine am Montag, 3. November

Unternehmen:
Audi: Q3-Zahlen
L'Oreal: Q3-Umsatzzahlen, nach Börsenschluss
Ford Motor: Absatzzahlen Oktober
Alstria Office Reit: Q3-Zahlen, nach Börsenschluss
Sprint Corp: Q3-Zahlen, nach Börsenschluss
Holcim: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Ryanair: Zahlen erstes Halbjahr 2104/15, 08:00 Uhr
HSBC: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Peking: HSBC PMI Industrie für China, Oktober endgültig, 02:45 Uhr
Berlin: Markit-Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie im Oktober, 09:55 Uhr
USA: Bausausgaben September, 16:00 Uhr
USA: Einkaufsmanagerindex Industrie, Oktober, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Japan: Märkte wegen eines Feiertages geschlossen

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