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Börsentrend 20:10 Uhr
Dax gerät unter Druck
Immer mehr Wolken am Börsenhimmel
von Robert Minde
Vom Optimismus zum Jahresanfang ist nicht mehr viel geblieben am deutschen Aktienmarkt. Die Anleger werden angesichts neuer Konjunktur- und Eurosorgen zunehmend misstrauischer und ziehen sich zurück.
Der Leitindex Dax geriet vor allem im späten Geschäft stärker unter Druck und schloss letztlich knapp ein halbes Prozent tiefer bei 7.593 Punkten.
Zuvor war der Index lange Zeit richtungslos um seinen Schlusskurs gedümpelt. Nachbörslich bewegte sich nicht mehr viel, der L/E-Dax schloss bei 7.594 Punkten.
Der Kursrutsch kurz vor Handelsschluss passt zu einer Woche, die von zunehmenden Rezessionssorgen in Europa und der Angst vor einem "Krieg der Wechselkurse" getragen war. Auch beschwichtigende Töne von EZB-Präsident Mario Draghi oder Finanzminister Wolfgang Schäuble im Vorfeld des G20-Treffens in Moskau haben das tief sitzende Misstrauen der Investoren nicht besänftigt.
G20-Treffen fest im Blick
Die Anleger erhoffen sich aktuell nichts sehnlicher, als klare Aussagen der großen Industrie- und Schwellenländer zur zukünftigen Währungspolitik. Denn spätestens seit Japan mit Brachialgewalt versucht, den Yen-Kurs zu drücken, herrscht bei den Investoren tiefste Verunsicherung.
"Solange die Industrienationen dieser Welt weiter kein nennenswertes Aufwärtsmomentum bei ihren Wachstumsraten vorweisen können und sich die Geldpolitik mit Nullzinsen und ineffektivem geldpolitischen Stimulus als impotent erweist, dürfte das Thema Abwertungswettlauf kaum an Faszinationskraft verlieren", sagte Commerzbank-Analystin Caroline Hecht und goss damit weiteres Öl ins Feuer der Bären.
In der Tat prallen in Moskau grundlegende Positionen der Mächtigen dieser Welt aufeinander. Im Kampf um mehr Wirtschaftswachstum scheint jedes Mittel recht, zumal vor allem Europa tief in der Rezession steckt. Aber auch US-Präsident Obama hat zuletzt keine Zweifel daran gelassen, dass ihm neue Jobs wichtiger sind als eine ausufernde Staatsverschuldung.
US-Konjunkturzahlen verpuffen
Es passt zum Gesamtbild, dass auch die zahlreichen US-Konjunkturdaten am miesen Trend nichts ändern konnten. Üblicherweise sorgen sie stets für Bewegung, zumal die meisten Daten auch noch besser ausfielen als erwartet.
Vor allem das von der Universität Michigan ermittelte Verbrauchervertrauen für den Februar stieg gegenüber dem Vormonat von 73,8 auf 76,3 Zähler und übertraf damit auch die bei 74,8 Punkten liegenden Erwartungen. "Die Entwicklung ist erfreulich und zeigt, dass es nicht zu einem nachhaltigen Stimmungseinbruch gekommen ist. Insofern festigen sich die Erwartungen eines anhaltenden Konsumwachstums in den USA", kommentierte Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen die Zahlen.
Zuvor waren auch der Empire-State-Index, der die wirtschaftlichen Aktivitäten im Großraum New York misst, und die Kapazitätsauslastung der Industrie für den Januar besser ausgefallen. Lediglich die Industrieproduktion lag leicht im Minus.
Die US-Aktienmärkte reagierten mit leichten Aufschlägen, der Nasdaq-Composite-Index erreichte im Handelsverlauf mit 3.206 Punkten sogar ein neues Zwölf-Jahres-Hoch. Aktuell tendiert die Wall Street wenig verändert, der Dow-Jones-Index liegt 0,1 Prozent im Plus, die Nasdaq steht bei 3.199 Zählern.
Euro gibt nach
Am Devisenmarkt schwankte der Euro zwischen dem Tagestief bei etwas über 1,33 Dollar bis fast 1,34 Dollar um rund einen dreiviertel Cent. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs am Freitag auf 1,3325 (Donnerstag: 1,3327) Dollar fest. Ob sich die G20 auf ein starkes Bekenntnis zu freien Wechselkursen werden einigen können, gilt am Markt als fraglich, zu unterschiedlich scheinen die Interessen der Beteiligten.
Telekom kommt unter die Räder
Unter den Einzelwerten fiel im Dax vor allem die Telekom-Aktie negativ auf. Das Papier war mit einem Abschlag von 3,2 Prozent größter Verlierer im Dax und setzte damit seine jüngste Talfahrt fort. Analysten hatten sich negativ zum aggressiven Wettbewerbsumfeld geäußert, zudem scheint die angekündigte Fusion mit der US-Gesellschaft MetroPCS nicht so problemlos über die Bühne zu gehen wie geplant.
Größter Gewinner waren nach einer Kaufempfehlung des Analysehauses Main First Lanxess mit einem Plus von gut 3,5 Prozent. Der Spezialchemiekonzern sollte seine Ziele für 2012 erreichen, sagte Analyst Ronald Köhler, der zudem das Kursziel von 58,00 auf 71,00 Euro anhob. Er rechne zudem mit einem positiven Ausblick auf 2013.
BMW ruft X5 zurück
Das Unternehmen ruft in den USA wegen möglicher Bremsdeffekte mehr als 30.000 Fahrzeuge des Typs X5 zurück. In die Werkstätten gerufen werden X5-Modelle der Baujahre 2007 bis 2010. Betroffen seien allerdings nur solche mit V8-Motoren. Rückrufaktionen dieser Art sind für Automobilhersteller stets ein teures Vergnügen und belasten zudem das Image. Die BMW-Aktie bewegte sich kaum.
Commerzbank – Zeit für den Einstieg?
Die Aktien der Commerzbank legten nach der Vorlage der endgültigen Zahlen 1,2 Prozent zu. Allerdings macht das Geldhaus seinen Investoren wenig Hoffnung auf schnelle Besserung. Die Commerzbank hat einfach zu viele Baustellen. Für 2013 geht Konzernchef Martin Blessing zudem davon aus, dass die Erträge wegen des Schrumpfkurses weiter unter Druck bleiben. Analysten sehen allerdings langsam wieder mehr Licht am Horizont.
Finnisches Silber für Eon
Der Energiekonzern Eon verkauft seine letzte Beteiligung an einem Atomkraftwerk in Finnland. Wie viel Geld es dafür gibt, legte Eon nicht offen. Doch dürfte der hoch verschuldete Konzern froh sein, für das Milliardenprojekt keine Mittel aufbringen zu müssen. Die Aktie, die zunächst positiv auf die Nachricht reagierte, hat diese Avancen aber nicht verteidigen können und stand am Ende mit einem Minus von 1,3 Prozent als zweitschlechtester Wert im Dax da.
VW-Konzernabsatz steigt deutlich
Bedingt durch ein weiter gutes Geschäft vor allem in China stieg der Absatz für den VW-Gesamtkonzern im Januar um 14,9 Prozent auf 749.900 Fahrzeuge. Ein Teil der Zuwächse auf dem wichtigsten Markt China sei jedoch auf das spätere Neujahrsfest im Februar zurückzuführen. Deshalb dürften die Verkaufszahlen im Februar zurückgehen, sagte Vertriebsvorstand Christian Klingler.
Für die Kernmarke VW waren bereits am Dienstag Zahlen bekannt gegeben worden. Der Absatz erhöhte sich dabei um 17,4 Prozent auf 491.900 Autos. VW-Vorzüge schlossen trotzdem leicht im Minus.
Gesco fällt zurück
Die Beteiligungsfirma Gesco mit ihren Töchtern aus dem Maschinen- und Fahrzeugbau hat nach neun Monaten ihren Umsatz gesteigert. Unter dem Strich verzeichnete das Unternehmen aber einen leichten Gewinnrückgang. Die im Kleinwerteindex SDax notierte Aktie verliert 2,6 Prozent.
Wird die Aareal Bank aggressiver?
Im MDax gehörte die Aktie der Aareal Bank nach einer positiven Studie der Deutschen Bank zu den größten Gewinnern. Seit etwa einem Jahr führe das Management den Immobilienfinanzierer sehr konservativ, heißt es darin. Da sich das Umfeld mittlerweile etwas aufgehellt habe, stiegen die Chancen, dass man wieder zum "normalen" Geschäftsverhalten zurückkehre. Ein aggressiver Ansatz könnte den Gewinn um zwanzig Prozent nach oben treiben. Auch bei der Profitabilität sieht Analyst Hendricks Potenzial.
Dialog – Investoren bringen sich in Stellung
Im TecDax waren die Aktien von Dialog Semiconductor mit einem Aufschlag von 5,3 Prozent Tagessieger. Ein Händler sprach von weiteren Deckungskäufen in so genannten Leerverkaufspositionen bei dem Chiphersteller vor den in der nächsten Woche erwarteten Zahlen. Das Analysehaus Jefferies erneuerte zudem seine Kaufempfehlung. Es senkte zwar das Kursziel leicht von 20 auf 18,50 Euro, womit dem Papier aber gut 35 Prozent Plus zugestanden werden.
Westag & Getalit verdient weniger
Die im Prime Standard der Frankfurter Börse notierte Aktie hat nach vorläufigen Zahlen des Holz- und Kunststofferzeugers 0,4 Prozent, die Vorzugsaktie 1,1 Prozent zugelegt. Zwar blieb der Umsatz im abgelaufenen Jahr 2012 nahezu unverändert bei 48,9 Millionen Euro, das Ergebnis vor Steuern ging jedoch auf 10,8 nach 11,8 Millionen Euro im Vorjahr zurück. Grund für den Rückgang war die schlechte Qualität der eingekauften Rohmaterialien, was zu höheren Herstellungskosten geführt habe. Das endgültige Ergebnis kommt am 14.3.
PPR auf Elf-Jahres-Hoch
Aus dem Ausland gab es einiges an Zahlenmaterial. So legte die Puma-Mutter PPR ihre Bilanz vor. Die Aktien machten einen kräftigen Satz nach oben und gehören zu den großen Gewinnern im französischen Leitindex CAC40. Der Umsatz legte 2012 um rund zehn Prozent auf 9,74 Milliarden Euro, der Nettogewinn um gut ein Drittel auf 1,36 Milliarden Euro. Die Luxus-Marken füllen dem französischen Konzern die Kasse und gleichen die Schwäche der Sport-Tochter Puma aus.
Eni steckt voller Energie
Aktien von Eni waren ebenfalls gefragt. Der italienische Energiekonzern hat im abgelaufenen Geschäftsjahr von einer gestiegenen Produktion profitiert und den Gewinn leicht gesteigert. Der im Schlussquartal rückläufige Überschuss verfehlte zwar die Erwartungen, auf bereinigter operativer Basis lobten Börsianer aber das über den Marktprognosen ausgefallene Ergebnis.
Anglo American schüttet kräftig aus
In London legten die Aktien von Anglo American gut 1,5 Prozent zu. Zwar hat sich der Gewinn des Bergbaukonzerns halbiert – wegen Abschreibungen auf ein Projekt in Brasilien. Doch positiv überraschte das bereinigte Ergebnis. Händler lobten zudem die Dividendenanhebung.
Kraft verfehlt die Erwartungen
Der bekannte US-Lebensmittelhersteller hat im vierten Quartal netto 89 Millionen Dollar oder 15 Cents je Aktie verdient. Der Umsatz fiel um elf Prozent auf 4,49 Milliarden Dollar. Damit hat das Unternehmen die Erwartungen der Analysten, die bei 23 Cents je Aktie lagen, verfehlt. Das im Umbau befindliche Unternehmen erhöhte allerdings seinen Gewinnausblick für 2013 von bisher 2,60 auf 2,75 Dollar je Aktie.
Der Lebensmittel-Multi hatte sich Anfang Oktober aufgespalten. In Mondelez war das Snack- und Süßwarengeschäft der alten Kraft Foods aufgegangen. Zudem ist hier das Lebensmittel-Geschäft außerhalb Nordamerikas angesiedelt. Das Papier liegt leicht im Plus.
Burger-King-Zahlen schmecken den Aktionären
Denn die Aktie der bekannten amerikanischen Fast-Food-Kette liegt an der Wall Street kräftig über vier Prozent vorne. Im vierten Quartal 2012 hat der drittgrößte US-Hamburger-Brater den Nettogewinn auf 48,6 Millionen Dollar fast verdoppelt. Vor allem Zimtschnecken und Lebkuchen-Shakes kamen im Weihnachtsgeschäft auf dem nordamerikanischen Markt gut an. Der Umsatz ging allerdings wechselkursbedingt um 30 Prozent auf 404,5 Millionen Dollar zurück.
Stand: 15.02.2013, 20:10 Uhr