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Marktbericht 20:00 Uhr

Marktbericht positiv

Von den Nöten eines Börsenbären

Heute ritten Teufel den Dax

Stand: 11.03.2015, 20:00 Uhr

Nein, die Börse ist kein Teufelswerk. Aber sie trägt bisweilen teuflische Züge. Zum Beispiel, wenn Zocker am Werk sind und sich verspekulieren. Heute war wohl so ein Teufelstag. Auch wenn nach außen alles Eitel Sonnenschein war und so mancher am Dax-Höhenflug verdiente.

EZB-Chef Mario Draghi spielt momentan den Stimmungsmacher der Märkte. Weil er mit seinen hemmungslosen Anleihekäufen deren Renditen drückt, treibt er immer mehr Anleger in Aktien. Das schiebt auch den Dax derzeit kräftig anund heute auf ein neues Hoch. Heute dürften nicht nur die "normalen" Käufer am Werk gewesen, sondern viele "Shorties" in Not. Shorties setzen mit ihren Börsenspekulationen auf fallende Kurse, und davon gab es nach dem gestrigen Dax-Minus wohl einige im Markt. Die sehr schwache Wall Street gestern gab auch berechtigten Anlass, so zu denken. Doch so kam es nicht.

Der Dax startete am Mittwochmorgen im Plus, und kletterte unaufhörlich weiter. Die ersten Shorties konnten oder wollten nicht mehr mitziehen, sie stiegen aus, stellten ihre Positionen glatt. Genau damit befeuerten sie den weiteren Dax-Anstieg - und squeezten noch mehr Shorties aus dem Markt. Eine Kettenreaktion. Im Börsenjargon "Short Squeeze" genannt, der den Dax im Tagesverlauf eien neue Bestmarke bei 11.822,53 Punkten setzen ließ. Am Ende schloss der Deutsche Aktienindex bei 11.805,99 - der L-Dax im späten Handel ziemlich genau auf der 11.800-Punkte-Marke.

Der Markt erklärt: von Draghi

Die "normalen" Käufer am Markt ließen sich heute von Mario Draghi locken. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) verteidigte die über den massenhaften Kauf von Staatsanleihen ausgelöste immense Geldflut der EZB und sprach von Hinweisen für eine breite konjunkturelle Erholung. Draghi sagte zudem, die Geldflut könne andere Euro-Länder vor einer Ansteckung mit Problemen wie in Griechenland schützen. "Wir haben einen weiteren Rückgang der Renditen der Anleihen von Portugal und anderen Ländern gesehen, die in Schwierigkeiten waren, trotz der wiederaufgeflammten Krise in Griechenland."

Italiens Freude, Sparers Not: Rekordniedrige Zinsen

Italien hat diese Vorteile heute zu spüren bekommen. Die drittgrößte Euro-Volkswirtschaft konnte sich heute für ein Jahr faktisch zum Nulltarif refinanzieren. Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von zwölf Monaten zu einer Rendite von 0,079 Prozent versteigert. Der italienische Staat muss also so gut wie keine Zinsen an die Käufer der Papiere zahlen. Die Kehrseite der Medaille: Sparer bekommen kaum noch was. In Deutschland fielen die Renditen für zehnjährige Anleihen heute auf ein neues Rekordtief von 0,198 Prozent. Selbst Infineon begibt Anleihen zum Niedrigstzins.

Euro auf 12-Jahrestief

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Geldflut der EZB schwächt den Euro weiter. Er sackte unter 1,06 Dollar und markierte bei 1,0559 Dollar den tiefsten Stand seit Januar 2003. Je tiefer der Euro, desto mehr können europäische Exportunternehmen im Ausland verdienen - gut also für die Gewinnaussichten und ein Kaufargument für Aktien.

BWM und VW auf Allzeithoch

Europaweit war der Autosektor heute der Liebling der Anleger. Das war auch im Dax so. An der Dax-Spitze tummelten sich die Papiere von BMW, VW und Daimler, die allesamt neue Allzeithochs erreichten. In der Zwölf-Monats-Perspektive konnten Anleger mit den Titeln zwischen 30 und 40 Prozent Gewinn einfahren.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bayer nimmt sich viel vor

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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In Rekordlaune war auch die Bayer-Aktie nach der Veröffentlichung der Bilanz. Sie kletterte bis auf 141,40 Euro. Der Chemie -und Pharmakonzern erwartet dank neuer Medikamente in den nächsten Jahren ein kräftiges Wachstum seiner Gesundheitssparte. Bayer will das Healthcare-Geschäft in den kommenden Jahren deutlich ausbauen. Der Umsatz der Sparte solle bis 2017 pro Jahr durchschnittlich um sechs Prozent steigen.

Eon: Radikalumbau führt zu Rekordverlust

Bei Eon haben die gefallenen Strom-Großhandelspreise tiefe Spuren in der Bilanz hinterlassen. Der größte deutsche Energiekonzern verbuchte im vergangenen Jahr unter dem Strich einen Rekordverlust von 3,2 Milliarden Euro. Doch für Anleger war weder das noch der vorsichtige Ausblick eine Überraschung. Zudem hält Eon an der Dividende von 50 Cent je Aktie fest.

Munich Re tröstet mit Aktienrückkäufen

Der weltgrößte Rückversicherer versucht, seine Aktionäre mit Geschenken über die mauen Geschäftsaussichten hinwegzutrösten. Nach einer Rekordividende kündigt die Münchener Rück nun das dritte Aktienrückkaufprogramm in anderthalb Jahren an. Bis zur übernächsten Hauptversammlung 2016 will sie Aktien im Wert von bis zu einer Milliarde Euro erwerben.

Deutsche Post übernimmt rote Laterne

Als einziger Dax-Kandidat fand sich die "Aktie Gelb" heute auf der Verliererseite. Die Deutsche Post ist zwar wieder auf Kurs. Das starke Paketgeschäft zu Weihnachten hat sie beflügelt. Doch den Anlegern vermieste der "signifikante Ergebnisrückgang" im Frachtgeschäft die Laune.

China-Skandale reißen nicht ab

Die Deutsche Börse ist um einen China-Skandal reicher: Der chinesische Schuhhersteller Ultrasonic steht vor der Pleite. Mitte September waren der Vorstandschef und sein für das operative Geschäft zuständiger Sohn sowie große Teile des Firmenvermögens verschwunden. Kurze Zeit später legte der Finanzchef sein Amt nieder. Es ist bereits der dritte Skandal bei chinesischen Firmen mit Frankfurter Börsennotiz innerhalb weniger Monate.

Drägerwerk drehen ins Plus

Im TecDax haben die Aktien von Drägerwerk mit acht Prozent Kursplus, an der Indexspitze thronend, den Handel beendet. Die Geschäftszahlen zeigen einen vielversprechenden Schlusssprint der 2014er Geschäfte und einen ebenso vielversprechenden Ausblick. Anleger waren zufrieden, zumal die Divdende erhöht wird und Dräger von Aktienrückkäufen spricht.

Axel Springer: Berenberg senkt Daumen

Im MDax geriet die Axel-Springer-Aktie unter Druck. Die Privatbank Berenberg hat den Titel aus Bewertungsgründen von "Hold" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel auf 45 Euro belassen. Die Papiere des Medienkonzerns hätten sich zu stark verteuert, so Analystin Sarah Simon. Die Geschäftsentwicklung stehe im Widerspruch zur Kursentwicklung.

MAN: Schwarzmalerei in München

Vergleichsweise schwach präsentierte sich die MAN-Aktie. Der Lastwagen- und Maschinenbauer blickt wegen der Dauerkrise in seinen beiden wichtigsten Märkten Europa und Brasilien pessimistisch ins Jahr 2015. Umsatz, operatives Ergebnis und Rendite dürften stagnieren, so die VW-Tochter.

Airbus: Neues Rekordhoch, dem Euro sei Dank!

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Airbus-Aktien haben am Mittwoch nach einem Pressebericht erneut ein Rekordhoch erreicht. Sie sind unangefochtener MDax-Favorit des Jahres. Diese Wahnsinnsrally fußt auf den jüngsten Verwerfungen auf dem Devisenmarkt: Airbus verkauft mehr als 90 Prozent seiner Produkte in Dollar, 90 Prozent der Kosten fallen in Euro an.

Osram: Interview kommt am Markt gut an

Osram: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
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Heutiger MDax-Star ist jedoch die Osram-Aktie. Sie schnellt rund sieben Prozent empor. Osram will sich laut Finanzvorstand Klaus Patzak stärker auf das Dienstleistungs- und Wartungsgeschäft konzentrieren, um sein Wachstum zu sichern. Daneben setze der Konzern auch auf die Autobranche, erklärte er gegenüber der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg.

Fraport: Freude über mehr Reisende

Die Passagierzahlen an Deutschlands größtem Flughafen Frankfurt sind im Februar gestiegen, um 4,6 Prozent auf rund 3,8 Millionen Reisende. Der Inlandsverkehr belebte sich, aber auch die Nachfrage von Touristen nach Flügen innerhalb Europas und nach Nordafrika.

Zalando: Großaktionäre machen Kasse

Zalando: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Sechs Monate nach dem Zalando-Börsengang haben einige Großaktionäre das Ende der Lock-up-Frist genutzt und Teile ihrer Aktien verkauft. Insgesamt wurden gut sieben Prozent des Grundkapitals bei institutionellen Investoren platziert. Unter anderem haben die Samwer-Brüdern verkauft sowie die Startup-Schmiede Rocket Internet und eine Beteiligungsgesellschaft.

Brain Drain bei Google

Google verliert mit dem Abgang seines Finanzvorstands erneut einen Top-Manager. CFO Patrick Pichette hat seinen Rückzug angekündigt. Der genaue Zeitpunkt stehe noch nicht fest. Pichette hat seine Hilfe bei der Rekrutierung eines Nachfolgers angeboten, der binnen sechs Monaten bestimmt werden soll. In jüngerer Vergangenheit hatten mehrere Spitzenmanager dem Internet-Giganten den Rücken gekehrt.

Hyundai: Zweites Werk in USA?

Hyundai will einem Medienbericht zufolge ein zweites Werk in den USA bauen. Der südkoreanische Autohersteller stellt sich auf die wachsende Nachfrage nach Geländewagen (SUV) in den Vereinigten Staaten ein. Der erste Spatenstich in Alabama ist dieses Jahr, die SUV-Produktion beginnt 2017.

Konjunkturerholung gibt Adecco Rückenwind

Die Konjunkturerholung in Teilen Europas und den USA hat den weltgrößten Personalvermittler Adecco 2014 angeschoben. Der Gewinn stieg um 14 Prozent auf 638 Millionen Euro. Sorgenkind bleibt der größte Einzelmarkt Frankreich, wo Adecco fast ein Viertel seiner Erträge erzielt. Die Dividende steigt von 2,00 auf 2,10 Franken je Aktie.

Jeff Immelt lässt Joe Kaeser arm aussehen

GE-Chef Jeff Immelt hat im vergangenen Jahr deutlich mehr verdient als sein Siemens-Kollege Joe Kaeser. Der US-Mischkonzern gab das Grundgehalt mit 3,75 Millionen Dollar und den Barmittel-Bonus mit 5,4 Millionen Dollar an. Dies entspricht einem Einkommen von umgerechnet 8,5 Millionen Euro. Kaesers Gesamtvergütung betrug nach Siemens-Angaben im Geschäftsjahr 2013/14 6,2 Millionen Euro.

General Electric: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Univision plant Milliarden-Börsengang

In der Medienindustrie bahnt sich einer der größten Börsengänge seit Jahren an. Die auf spanischsprachige Programme spezialisierte US-Sendergruppe Univision Communications könnte im zweiten Halbjahr am Aktienmarkt gelistet werden, erfuhr Reuters von mehreren Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Der Börsengang könne mehr als eine Milliarde Dollar einspielen.

bs

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. April

Unternehmen:
Sartorius: Q1-Zahlen
IBM: Q1-Zahlen, nach Börsenschluss
L'Oréal: Q1-Umsatz
Morgan Stanley: Q1-Zahlen, 13 Uhr
Konjunktur:
Wiesbaden: Erzeugerpreise 3/15, 8 Uhr
Sonstiges:
Shanghai: Pressetag anlässlich der Shanghai Motor-Show (22. bis 29. April)

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