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Marktbericht 20:02 Uhr

Dax fällt unter 9.600 Punkte

Größter Wochenverlust seit drei Jahren!

Ökonomen betrachten den fallenden Ölpreis als ein riesiges Konjunkturprogramm. Ein Grund zur Freude also. Ganz anders an den Börsen. Dort weckt das billige Öl die Sorge vor einer Abschwächung der Weltwirtschaft - mit entsprechenden Folgen für die Kurse.

An der Frankfurter Börse nehmen die Anleger den rasant gefallenen Ölpreis zum Anlass, aus dem Markt auszusteigen. Der Dax weitet im Tagesverlauf seine Verluste immer weiter aus und geht schließlich bei 9.594 Zählern aus dem Handel, 2,72 Prozent oder 267 Punkte weniger als am Vortag. Damit hat der Leitindex innerhalb einer Woche 4,88 Prozent eingebüßt - der größte Wochenverlust seit mehr als drei Jahren.

Dabei hatte das Börsenbarometer Ende der Vorwoche noch eine neue Bestmarke bei 10.093 Punkten erklommen. Stattdessen ist der Jahresgewinn nun fast dahin - der Leitindex hatte Ende 2013 bei 9.552 Punkten gestanden.

Belastende Faktoren

Neben dem Ölpreis wurden die Kurse auch von anderen Faktoren belastet, darunter die politische Krise in Griechenland sowie schwache Konjunkturdaten aus China und der Eurozone. Außerdem setzt die zuletzt schwächelnde Wall Street den überwiegend in ausländischem Besitz befindlichen Dax-Werten mächtig zu.

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Börse 20.15 Uhr

Neben den Fundamentalfaktoren spielen kurzfristig auch charttechnische Aspekte eine Rolle. So ist der Leitindex am Freitag unter die wichtige Unterstützungslinie bei 9.800 Punkten gerutscht. Damit droht im schlimmsten Fall ein Absturz in Richtung der 200-Tage-Durchschnittslinie bei momentan 9.530 Zählern.

Tatsächlich ist auch in New York die Zeit der Rekorde erst einmal vorbei. Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt am Freitagabend 0,9 Prozent im Minus bei 17.420 Punkten. Der Rutsch der US-Sorte WTI unter die psychologisch wichtige Marke von 60 Dollar bringt aus Sicht von Marktanalyst Craig Erlam vom Broker Alpari UK nochmal neue Unsicherheit in die weltweiten Kapitalmärkte. Die Anleger seien einfach vom Ausmaß des Ölpreisverfalls überrascht und fragten sich, ob dies nicht auf eine Abkühlung der Weltwirtschaft hindeute.

Ist die Hoffnung auf eine Jahresendrally damit also dahin? In der kommenden Woche könnten neue Konjunkturmeldungen, wie der Ifo-Bericht, für neue Impulse sorgen. Zudem weisen Marktexperten darauf hin, dass der Dax in den vergangenen dreißig Jahren zwischen Mitte Dezember und Anfang Januar des Folgejahres mitunter deutlich zugelegt hat.

Euro leicht erholt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.2237
Differenz absolut
-0.01
Differenz relativ
-0.41%

Der Euro hat sich am Freitag von seinen Verlusten am Vortag erholt. Bei Börsenschluss kostete die Gemeinschaftswährung 1,2450 Dollar und damit über einen halben Cent mehr als am Morgen. Am Markt wurden die Euro-Gewinne auf Dollarverkäufe zurückgeführt. Im Handel wurde spekuliert, die Notenbank Russlands könnte wegen des immer schwächeren Rubel wieder interveniert haben.

RWE: Dividende wird wohl weiter sinken

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.25
Differenz absolut
-0.71
Differenz relativ
-2.63%

Bei den Einzelwerten ist die RWE-Aktie einer der schwächsten Werte im Dax. Zeitweise rutschte sie sogar bis ans Index-Ende. Grund ist ein Vorstandsbeschluss über die Neuberechnung der Dividende. Damit bereitet der hoch verschuldete Energiekonzern seine Anleger auf niedrigere Gewinnbeteiligungen vor. Konzernchef Peter Terium betonte am Freitag, dass die Dividende nachhaltig erwirtschaftet werden müsse. Die Berechnung werde ab dem Geschäftsjahr 2015 auf eine breitere Basis gestellt.

BASF spürt Herabstufung

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
69.52
Differenz absolut
-1.11
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-1.57%

Schwächster Wert im Dax ist dagegen die BASF-Aktie. Sie leidet unter einer Herabstufung durch Morgan Stanley. Die US-Investmentbank senkte ihr Anlageurteil von "Overweight" auf "Equal-weight" und das Kursziel von 92 auf 82 Euro. Als Belastung betrachtet der Bankanalyst die BASF-Tochter Wintershall. Sie ist der größte Ölproduzent Deutschlands. Der fallende Ölpreis werde den Gewinn des Gesamtkonzerns schmälern, so die Befürchtung.

Commerzbank: Neue Strafe in Amerika?

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.90
Differenz absolut
-0.08
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-0.73%

Zu den verlierern im Dax gehören auch die Commerzbank-Aktien. Einem Bericht der "Financial Times" zufolge droht dem Institut in den USA wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Geldwäsche- und Sanktionsgesetze eine Strafe von einer Milliarde Dollar. Angesichts des Ausmaßes der angeblichen Strafe hält sich die Aufregung aber in Grenzen - so als hätten viele Anleger doch ein wenig Mühe, die Meldung zu glauben. Oder aber sie hoffen auf eine Hilfe durch den Bund, der ja immer noch ein Viertel der Cobank-Aktien besitzt.

US-Kartellwächter stellen Conti Bedingungen

Um fast 3,5 Prozent abwärts geht es mit der Conti-Aktie. Dass der Autozulieferer den amerikanischen Kautschuk- und Kunststoffspezialisten Veyance übernehmen darf, spielt dabei keine Rolle. Vielmehr leide die Aktie unter Gewinnmitnahmen, nachdem sie sich zuletzt prächtig erholt hatte.

Hugo Boss - ein Dax-Kandidat?

Im MDax sind die Aktien von Hugo Boss die mit Abstand größten Verlierer. Dessen Großaktionär, der Finanzinvestor Permira, platziert ein größeres Aktienpaket von rund 4,9 Millionen Papieren. Glaubt man dem Analysehaus Kepler Cheuvreux hat der Modekonzern bei einem Streubesitz von nun 66 Prozent und einer Marktkapitalisierung von rund 4,9 Milliarden Euro Chancen auf einen Aufstieg in den Dax.

Aurubis kappt trotz Endspurt Dividende

Positive Aufmerksamkeit erregt Aurubis-Aktie, die zu den wenigen MDax-Gewinnern gehört. Europas größter Kupferhersteller legte am Morgen exzellente Zahlen vor und blickt nach einem von Produktionsproblemen in Hamburg geprägten schwierigen Geschäftsjahr optimistischer in die Zukunft. Erwartet wird im laufenden Jahr ein deutlicher Ergebnisanstieg. Allerdings soll die Dividende um 10 Cent auf 1,00 Euro je Aktie sinken.

Mifa wird gerettet – die Aktie nicht

Klarheit gibt es bei Mifa: Die Unternehmer-Familie von Nathusius wird zwar als Retter gefeiert, sie rettet auch die Arbeitsplätze. Nicht aber die Aktie. Die Familie kauft nämlich nicht etwa das Unternehmen komplett, sondern wie vermutet nur die Vermögenswerte. Die Aktie ist damit praktisch wertlos. Das Unternehmen in seiner alten Form geht pleite. Fraglich ist, ob und wie viel die Gläubiger der Mifa-Anleihe nach Abschluss des Konkursverfahrens bekommen.

Wolford zieht es Richtung Turnaround

Der österreichische Wäscheanbieter Wolford schrieb im Halbjahr erstmals seit dem Geschäftsjahr 2011/12 wieder ein deutlich positives Ergebnis. Doch blieb der Vorarlberger Strumpfkonzern mit dem Überschuss von 1,4 Millionen Euro hinter den Erwartungen von 1,8 Millionen zurück. Gleichzeitig schrumpfte der Umsatz um 2,9 Prozent auf 72,63 Millionen Euro.

Adobe kauft Fotolia

Der US-Softwarekonzern Adobe Systems baut sein Internet-Angebot aus und kauft für 800 Millionen Dollar die Bildagentur Fotolia. Zudem gab Adobe bekannt, den Gewinn im vierten Quartal um gut zwölf Prozent auf 73,3 Millionen Dollar gesteigert zu haben. Die Anleger reagieren begeistert.

Jack Ma reichster Mann Asiens

Alibaba-Gründer Jack Ma ist zur reichsten Person Asiens aufgestiegen. Nach dem neuen Milliardärsindex der Nachrichtenagentur Bloomberg überholte der 50-Jährige knapp den Hongkonger Tycoon Li Ka-shing, der den Spitzenplatz viele Jahre gehalten hatte. Der Chef der chinesischen Internet-Handelsplattform soll 28,6 Milliarden Dollar schwer sein.

lg

Stand: 12.12.2014, 20:02 Uhr

Tagestermine am Montag, 22. Dezember

Unternehmen:
Hornbach: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Brüssel: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, Dezember, 16 Uhr

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