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Marktbericht 20:02 Uhr

Marktbericht neutral

Dax nur mit leichten Verlusten

Grexit schreckt die Anleger kaum noch

Ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone bereitet den Anlegern keine ernsthaften Sorgen mehr. Kein Wunder, scheinen die Ansteckungsgefahren doch geringer zu sein als noch 2011. Dass der Dax seine anfänglichen Verluste größtenteils wieder wettmachen kann, liegt vor allem an der verbesserten Stimmung in der deutschen Wirtschaft.

Wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mitteilte, stiegen die von ihm erhobenen Konjunkturerwartungen im Februar um 4,6 Punkte auf 53,0 Zähler. Das ist der höchste Stand seit einem Jahr. Bankvolkswirte hatten zwar mit einem etwas stärkeren Anstieg auf 55,0 Punkte gerechnet. Die aktuelle Lage wurde von den Befragten allerdings viel besser bewertet als erwartet.

Am Frankfurter Aktienmarkt sorgen die Daten für eine spektakuläre Kehrtwende. Nachdem der Dax am Morgen wegen des Streits mit Griechenland fast 150 Punkte auf 10.765 Punkte abgerutscht war, kann der Leitindex nach Veröffentlichung des neuesten ZEW-Barometers seine Verluste fast komplett wettmachen: der Dax steigt bis auf 10.921 Punkte, sein Tageshoch.

Im Lauf des Nachmittags sorgt dann eine schwächelnde Wall Street erneut für größere Kursverluste. Doch auch von diesem Tief kann sich der Dax wieder erholen. Am Ende geht der Dax bei 10.895 Punkten aus dem Handel, 0,25 Prozent weniger als gestern.

Positive Signale aus Athen

In New York dreht der Dow am Abend sogar ins Plus. Grund sind offenbar positive Signale aus Athen zur Lösung der Schuldenfrage. Die griechische Regierung will offenbar am Mittwoch eine Verlängerung der bisherigen "Kreditvereinbarung" beantragen. Angestrebt werde ein zusätzlicher Zeitraum von sechs Monaten, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf eine Person, die mit dem Thema vertraut sei. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index bei 18.039 Punkten, ein Plus von 0,1 Prozent. Zu Handelsbeginn war der Dow noch bis auf 17.951 Zähler abgerutscht.

Damit wird klar, dass die Perspektive eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone die Anleger nicht mehr wirklich zu schrecken vermag. Es sei zwar schwer einzuschätzen, wie der Markt reagiere, falls Griechenland wirklich die Eurozone verlassen müsse. "Allerdings wäre den Börsen wohl auch in diesem Fall ein Ende mit Schrecken lieber als ein Schrecken ohne Ende", glauben die Experten.

Allerdings haben viele Anleger auch die Hoffnung, dass im Schuldenstreit zwischen Athen und den Euro-Partnern bis zum Ende der Woche doch noch ein Kompromiss gefunden werden kann.

Am Nachmittag wurde bekannt, dass die Europäische Zentralbank trotz der derzeitigen Auseinandersetzung den Banken des Landes nicht den Zugang zu frischem Geld nicht verwehren werde. Es sei nicht damit zu rechnen, dass der EZB-Rat Notfallhilfen der Athener Notenbank in dieser Woche stoppen werde, sagte eine mit der Situation vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Seit die EZB die Finanzierung griechischer Geldhäuser de facto eingestellt hat, hängen diese am Tropf der Notenbank in Athen.

Euro pendelt um 1,14 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro hat auf die drohende Staatspleite in Griechenland zunächst mit einem kräftigen Anstieg reagiert. Am frühen Nachmittag notierte die Gemeinschaftswährung zeitweise bei 1,1442 Dollar und damit einen Cent höher als am Morgen. Ein eindeutiger Beweis dafür, dass der Markt Griechenland derzeit als Belastung für den Euro ansieht, auf einen Austritt des Landes deshalb mit einem Kurssprung reagieren würde. Im weiteren Verlauf gibt der Euro seine Gewinne aber wieder ab. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert er bei 1,1395 Dollar.

Auch Ölpreise klettern weiter

Händler erklären die Kauflaune am Ölmarkt unter anderem mit Aussagen von Vertretern der Organisation erdölexportierender Länder (Opec). Das Ölkartell rechnet mit einer weiteren Erholung der Ölpreise. Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April 61,92 US-Dollar. Das waren 52 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im März stieg um 37 Cent auf 53,15 Dollar.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz BNP Paribas für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz New York Mercantile Exchange für den Zeitraum 1 Woche
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Adidas abgestuft

Bei den Einzelwerten ist Adidas heute der größte Verlierer im Dax. Die Schweizer Großbank UBS hat das Kursziel für Adidas von 64 auf 63 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Neutral" belassen. Die Belastung aus dem massiven Verfall des Rubel werde der Sportartikelkonzern im laufenden Jahr nicht ganz kompensieren können, schrieb Analyst Fred Speirs. Der Experte reduzierte deshalb seine Ergebnisprognosen für die Jahre 2015 und 2016.

Lanxess zahlt konstante Dividende

Auch die Lanxess-Aktie gehört zu den schwächsten Werten im Dax. Dabei will der Spezialchemie-Konzern seine Dividende trotz hoher Belastungen durch den Umbau konstant halten. Der Vorstand schlage für 2014 eine Dividende von 0,50 Euro je Aktie vor, teilte der Dax-Konzern mit. Der Aufsichtsrat müsse dem Vorschlag noch zustimmen. Analysten hatten im Schnitt mit einer leichten Dividendenkürzung gerechnet.

Deutsche Post leidet unter TNT

Die Post-Aktie verliert im Schlepptau der schlechten Zahlen des holländischen Konkurrenten TNT. Dabei seien die Probleme von TNT ganz anders gelagert und eigentlich nicht auf die Deutsche Post übertragbar, sagte ein Händler. Wegen hoher Kosten für den Konzernumbau hat TNT im vergangenen Jahr einen Verlust von 195 Millionen Euro angehäuft. Der Umsatz ging um drei Prozent auf 6,7 Milliarden Euro zurück. Sonderbelastungen herausgerechnet, wuchs das operative Ergebnis jedoch um ein Fünftel auf 209 Millionen Euro.

Eon ist nicht geschlagen

Dagegen gehört die Eon-Aktie zu den wenigen Gewinnern im Dax. Die australische Investmentbank Macquarie hält die enttäuschende Kursentwicklung des Dax-Titels für ungerechtfertigt. Analyst Peter Crampton stufte das Papier deshalb von "Neutral" auf "Outperform" hoch. Das Kursziel beließ er auf 16 (Kurs: 13,53) Euro. Der Versorger ist aus seiner Sicht angeschlagen, aber nicht geschlagen.

SHW enttäuscht trotzdem

Der im SDax notierte Autozulieferer steigerte den Konzernumsatz 2014 um 17,6 Prozent auf 430,0 Millionen Euro. Das Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte (Ebitda bereinigt) erhöhte sich um 13,8 Prozent auf 40,6 Millionen Euro. Außerdem konnte SHW einen Großauftrag an Land ziehen.

Kering könnte unter Währungseffekten leiden

Bergab geht es auch mit der Aktie des französischen Luxusgüterkonzerns Kering. Dabei ist der Konzernumsatz der Puma-Mutter im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent auf rund zehn Milliarden Euro gestiegen. Das operative Ergebnis kletterte um drei Prozent auf 1,66 Milliarden Euro, lag damit aber leicht unter den Erwartungen von Analysten. Der schwache Euro und der starke Dollar würden in diesem Jahr den Umsatz voraussichtlich antreiben. Allerdings könnten sich die Wechselkurse im ersten Halbjahr negativ auf den Gewinn auswirken. Am Tag zuvor hatte bereits Puma mitgeteilt, dass dem Sportausrüster auf seinem Erholungskurs zusätzlicher Wind durch Währungseffekte entgegenbläst. Im SDax gerät auch die Puma-Aktie unter Druck.

Air Liquide macht Gewinn

Abwärts geht es auch mit der Aktie von Air Liquide. Der weltweit zweitgrößte Gase-Hersteller und Linde-Konkurrent hat das Gesamtjahr 2014 nur mit einem leichten Gewinnplus abgeschlossen. Allerdings bekamen die Franzosen vor allem in den ersten drei Quartalen den kräftigen Gegenwind des starken Euro zu spüren. Nach Steuern stieg der Gewinn um 1,5 Prozent auf 1,665 Milliarden Euro. Damit übertraf der Linde-Konkurrent die Erwartungen des Marktes.

Gewinneinbruch bei Orange

Der französische Telefonkonzern Orange hat 2014 wegen Sondereffekten einen Gewinneinbruch erlitten. Ausgaben für ein Altersteilzeitprogramm, den Umbau des Immobilienbesitzes und Rechtsstreitigkeiten sorgten dafür, dass der Konzerngewinn im Jahresvergleich um gut die Hälfte auf 925 Millionen Euro absackte. Im eigentlichen Geschäft hatte das Unternehmen weiter mit Rückgängen zu kämpfen, der Umsatz gab um 3,7 Prozent auf 39,45 Milliarden Euro nach.

Wienerberger schreibt rote Zahlen

Der österreichische Ziegelhersteller Wienerberger hat im vergangenen Jahr nicht wie geplant die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Aufgrund hoher Abschreibungen auf Firmenwerte und Sachanlagen fiel nach vorläufigen Zahlen ein Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 107 (Vorjahr: plus 64,7) Millionen Euro an. Der Verlust nach Steuern dürfte über dem des Vorjahres von 7,8 Millionen Euro liegen.

Pro DV deutlich besser

Der Softwarespezialist Pro DV hat 2014 ein gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessertes Betriebsergebnis erzielt. Die vorläufigen Berechnungen ergeben Umsatzerlöse von 3,02 Milionen Euro( plus 24 Prozent). Das Ebit konnte auf 113.000 Euro gesteigert werden.

lg

Stand: 17.02.2015, 20:02 Uhr

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Nordex: Q4-Zahlen 7:30 Uhr
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Borussia Dortmund: H1-Zahlen, 10 Uhr
Wienerberger: Q4-Zahlen
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Konjunktur:
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Deutschland: Verbraucherpreise 2/15, 1. Schätzung, 14 Uhr
USA: BIP Q4, 2. Schätzung, 14:30 Uhr
USA: Einkaufsmanagerindex Chicago, 2/15, 15:45 Uhr
USA: Uni Michigan Verbraucherstimmung 2/15, 16 Uhr

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