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Marktbericht 20:05 Uhr

Dax macht Vorwochen-Verluste wett

Fusionsfieber treibt die Börsenkurse an

Stand: 30.03.2015, 20:05 Uhr

Wenige Tage vor Ostern steigt die Kauflaune an den Börsen wieder. Das neu erwachte Fusionsfieber und Hoffnungen auf eine weitere geldpolitische Lockerung in China hievten die Börsen weltweit nach oben. Der Dax knackte die 12.000 Punkte.

Je länger der Tag dauerte, desto größer wurden die Kursgewinne. Der Dax nahm kräftig Fahrt auf und kletterte bis zum Xetra-Schluss um 1,8 Prozent nach oben. Mit 12.086 Punkten fehlen ihm nun nur noch 130 Zähler zum knapp zwei Wochen alten Rekordhoch. Die Vorsicht der Anleger in der vergangenen Woche war am Montag wie weggeblasen. "Das Schuldendrama in Griechenland sowie die neue geopolitische Krise im Nahen Osten spielten heute keine wesentliche Rolle mehr", sagte Marktexperte Christian Henke von IG Markets.

"Window-Dressing" der Vermögensverwalter

Analyst Jens Klatt von DailyFX sah als zusätzlichen Kurstreiber die Vermögensverwalter, die die Party an den Märkten verpasst hätten und zum Quartalsende auf den bereits fahrenden Zug aufspringen. In der Fachsparte wird das Phänomen, ein Portfolio mit gut gelaufenen Aktien aufzuhübschen, "Window-Dressing" genannt.

Auch an den anderen europäischen Börsenplätzen standen die Börsenampeln auf grün. Der EuroStoxx50 kletterte um 1,3 Prozent nach oben auf 3.727 Punkte. Der französische Cac40 rückte um ein Prozent vor. Selbst die Börse in Athen wurde von der guten Stimmung erfasst und drehte noch ins Plus.

Dow nähert sich den 18.000 Punkten

Kräftiger Rückenwind kam von der Wall Street. Der Dow stand zwei Stunden vor Handelsschluss gut 1,6 Prozent höher bei knapp 18.000 Punkten. Im S&P 500 ging es um rund ein Prozent aufwärts.

Übernahmefantasie im Pharmabereich

Angekündigte Übernahmen im Chip-, Biotech- und Pharmasektor trieben die Kurse an. So plant der Krankenversicherer United Health Group den im Apothekenbereich tätigen Dienstleister Catamaran für stolze 12,8 Milliarden Dollar zu schlucken. Zudem will das irische Pharmaunternehmen Horizon den US-Rivalen Hyperion Therapeutics für 1,1 Milliarden Dollar übernehmen. Und auch der weltgrößte Generikakonzern Teva plant einen Milliarden-Deal. Die Israelis bieten 3,5 Milliarden Dollar für das Biopharma-Unternehmen Auspex.

Intel will Altera kaufen

Auch im Chipsektor bahnt sich ein Mega-Deal an. Intel plant angeblich den größten Firmenkauf seiner Geschichte. Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, der Chip-Konzern wolle das auf programmierbare Schaltungselektronik spezialisierte Altera übernehmen. Altera kommt auf einen Börsenwert von zuletzt 10,4 Milliarden Dollar.

Notenbank-Fantasie aus China

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Börse 20.15 Uhr

Beobachter verwiesen auf Hoffnungen auf eine weitere Lockerung der chinesischen Geldpolitik. Die chinesischen Währungshüter hatten am Sonntag gesagt, dass die Regierung in Peking mehr tun könnte, um das Wachstum im Reich der Mitte anzukurbeln.  Außerdem wirkten die Aussagen der Fed-Präsidentin Janet Yellen vom Freitagabend positiv nach. Yellen hatte erneut eine langsame Zinswende betont und unterstrichen, dass der geldpolitische Kurs entsprechend der konjunkturellen Entwicklung folge.

Amerikaner halten sich beim Konsum zurück

Diese bleibt zwiespältig. Die Konsumausgaben der Amerikaner stiegen im Februar um lediglich 0,1 Prozent. Volkswirte hatten mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet. Dagegen erhöhte sich die Zahl der noch nicht vollständig abgeschlossenen Hausverkäufe im Februar überraschend stark.

Euro knapp über 1,08 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Gute Konjunkturdaten gab's aus dem Euro-Raum: Die Wirtschaftsstimmung hat sich stärker als erwartet aufgehellt. Der Economic Sentiment Indicator zog um 1,6 Punkte auf 103,9 Zähler an. Volkswirte hatten nur mit einem kleinen Anstieg auf 103,0 Punkte gerechnet. Dennoch konnten die Konjunkturdaten dem Euro keinen Auftrieb geben. Die Gemeinschaftswährung fällt bis zum Abend auf 1,0815 Dollar. Händler erklärten die Kursverluste mit Aussagen der US-Investmentbank Goldman Sachs, die weiter eine Euro-Schwäche prophezeit.

Ach Hellas!

Zudem geht die Zitterpartie um Griechenland weiter. Athen hat mit seiner vorgelegten Reformliste die Geldgeber bislang nicht zufriedenstellen können. Das Griechenland-Drama könnte so bald wieder zum Belastungsfaktor für die Devisen- und vielleicht auch Aktienmärkte werden.

Öl wird wieder billiger

Auch die Ölpreise setzten ihre Talfahrt fort. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich um 65 Cent auf 55,76 Dollar. Die zwischenzeitlichen Gewinne nach dem Eintritt Saudi-Arabiens in den Krieg im Jemen Mitte vergangener Woche wurden inzwischen wieder größtenteils abgegeben. "Offensichtlich wird das militärische Eingreifen Saudi-Arabiens im Nachbarland Jemen von der Mehrheit der Marktteilnehmer als lokaler Konflikt ohne Auswirkungen auf das Ölangebot angesehen", schrieb die Commerzbank.

Bahn frei für die "Oster-Rally"?

An den Börsen sieht es ganz nach einer "Oster-Rally" aus. Denn häufig steigen in der Karwoche die Aktienkurse. Die positive Tendenz hält meist bis kurz nach Ostern an. Der "Feiertagseffekt", die entspannte Grundstimmung der Anleger rund um die Feiertage, fördert den Kursanstieg.

Guter Tag für Infineon

Im Dax gab es fast nur Gewinner. Spitzenreiter war Infineon mit einem Plus von über vier Prozent. Infineon profitierte von der Fusionsfantasie im Chipsektor. Die Société Générale hat das Kursziel für Infineon wegen gesenkter Annahmen für die Kapitalkosten von 10,00 auf 11,50 Euro angehoben und die Einstufung auf "Hold" belassen.

Bleibt die Oster-Post liegen?

Die Aktien der Deutschen Post gaben fast vollständig ihre Kursgewinne wieder ab. Die Streikankündigung der Gewerkschaft Verdi belastete den Kurs. Verdi will ihre Mitglieder im Tarifkonflikt ab dem 1. April zu bundesweiten Warnstreiks aufrufen.

Panasonic gibt Bayer Zucker

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Bayer-Aktie war nach einem Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung "Nikkei" gefragt. Demnach ist die japanische Panasonic Healthcare bereit, für das Geschäft mit Blutzuckermessgeräten von Bayer 100 Milliarden Yen (766 Millionen Euro) auf den Tisch zu legen. Die Sparte dürfte auch das Interesse anderer Bieter auf sich ziehen.

Eon einziger Verlierer

Einziger Dax-Verlierer war Eon mit einem Minus von 0,25 Prozent. Händler sprachen vom "Windows-Dressing"-Effekt. Zudem senkte die Ratingagentur Moody's Eon auf "BAA1".

Equinet sieht noch Potenzial bei Rhön

Im MDax führten die Papiere von Rhön-Klinikum die Liste der Gewinner an. Das Investmenthaus Equinet hat sein Kursziel von 25 auf 27 Euro angehoben und sieht damit ein Potenzial von knapp 15 Prozent. Equinet lobte besonders die nachhaltige Dividendenrendite von mehr als vier Prozent.

Stühlerücken im SDax

Im SDax gehörten Papiere von CTS Eventim zu den gefragtesten Werten. Am Freitagabend hatte die Deutsche Börse bekanntgegeben, dass die Anteilsscheine des Ticketvermarkters zum 1. April in den MDax aufgenommen werden. CTS ersetzt Tui, das künftig London als Hauptbörse haben wird. Den frei werdenden Platz im SDax übernimmt das Immobilienunternehmen Westgrund.

HHLA zeigt sich spendabel

Der Hamburger Hafenbetreiber HHLA erfreute die Anleger nur kurz. Die Aktie schloss nach deutlichen Kursgewinnen fast unverändert. Zwar fiel die Prognose für 2015 mit einem Ebit auf Vorjahresniveau eher verhalten aus. Doch den Aktionären der Hafenlogistik winkt für 2014 eine um 16 Prozent auf 52 Cent erhöhte Dividende. Während Analysten bei der Prognose etwas mehr Mut erwartet hatten, fällt die Ausschüttung höher aus als gedacht.

Keine Dividende für Gagfah-Aktionäre?

Eine kalte Dusche gab es für die Gagfah-Aktionäre: Die Deutsche Annington, die Gagfah übernimmt, will der vorgeschlagenen Ausschüttung einer Dividende von 35 Cent je Aktie auf der Hauptversammlung am 17. April nicht zustimmen. Die Deutsche Annington hält inzwischen 94 Prozent der Anteile an Gagfah.

Villeroy & Boch: Achtung, Dividendenabschlag!

Mit Abstand größter SDax-Verlierer war die Vorzugsaktie von Villeroy & Boch. Doch die Verluste sind überwiegend optischer Natur, werden die Papiere doch heute ex Dividende gehandelt. Der Hersteller von Keramikwaren schüttet 0,44 Euro je Aktie an seine Anteilseigner aus.

Grammer zu vorsichtig

Auch die Grammer-Aktie präsentierte sich schwach. Sie verlor gut ein Prozent. Zwar überraschten die endgültigen Geschäftszahlen für 2014 angesichts bereits bekannter Eckdaten nicht sonderlich. Laut einem Händler enttäusche jedoch der Ausblick für das laufende Jahr, dieser sei wie gewohnt vorsichtig.

Formycon AG schafft die Wende

Jenseits der großen Indizes hat die Formycon AG vorläufige Konzernzahlen für das Geschäftsjahr 2014 veröffentlicht. Der Biotech-Konzern hat seine Umsätze im Geschäftsjahr 2014 von 0,4 auf 12,7 Millionen Euro gesteigert und sich unterm Strich mit 0,9 Millionen Euro sogar in die Gewinnzone gerettet. Das Unternehmen stellt Folgeprodukte für Biopharmazeutika, so genannte Biosimilars, her.

Seven Principles vergrault die Anleger

Die Aktien von Seven Principles gaben um vier Prozent nach. Das Unternehmen hat 2014 wegen einer schwachen Projektauslastung einen Umsatzeinbruch auf 88,7 Millionen Euro bekannt gegeben. Der Verlust weitete sich um fast das Fünffache auf 11,7 Millionen Euro aus. Auch für 2015 rechnet Seven Principles mit roten Zahlen. Erst 2016 sei eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen zu erwarten.

Masterflex verdient mehr

Masterflex hat endgültige Jahreszahlen bekannt gegeben. Demnach stieg der Umsatz des Spezialanbieters von Hightech-Schläuchen und -Verbindungssystemen um knapp acht Prozent auf 62,5 Millionen Euro. Das operative Ergebnis erhöhte sich um 3,3 Prozent auf 6,3 Millionen Euro. Daraus ergibt sich eine Ebit-Marge von 10,1 Prozent. Unterm Strich verdiente Masterflex drei Millionen Euro - 0,4 Millionen mehr als im Vorjahr. Die Aktie schloss leicht im Plus.

Holcim-Großaktionär gegen Fusion mit Lafarge

Im europäischen Ausland stand erneut die Fusion von Holcim und Lafarge im Blickpunkt. Der zweitgrößte Aktionär von Holcim ist offenbar gegen die geplante Fusion. Die Eurocement Holding des russisch-griechischen Milliardärs Filaret Galchew, die gut zehn Prozent an den Schweizern besitzt, wird laut Medienberichten trotz des neuen Umtauschverhältnisses und den personellen Zugeständnissen von Lafarge gegen den Zusammenschluss der beiden Zementkonzerne stimmen.

Fusion im Duty Free-Geschäft

Der schweizerische Weltmarktführer im Duty-Free-Geschäft Dufry will den Konkurrenten World Duty Free übernehmen. Dufry hat mit der italienischen Holdinggesellschaf Edizione eine bindende Vereinbarung zur Übernahme der von ihr gehaltenen 50,1 Prozent an World Duty Free (WDF) unterzeichnet. Der Preis pro Aktie beträgt 10,25 Euro. Damit wird WDF mit insgesamt 3,6 Milliarden Euro bewertet.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. April

Unternehmen:
Sartorius: Q1-Zahlen
IBM: Q1-Zahlen, nach Börsenschluss
L'Oréal: Q1-Umsatz
Morgan Stanley: Q1-Zahlen, 13 Uhr
Konjunktur:
Wiesbaden: Erzeugerpreise 3/15, 8 Uhr
Sonstiges:
Shanghai: Pressetag anlässlich der Shanghai Motor-Show (22. bis 29. April)

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