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Marktbericht 20:07 Uhr

Eskalation der Griechenland-Krise

Europas Börsen geraten ins Rutschen

Stand: 29.06.2015, 20:07 Uhr

Die kritische Lage im Schuldenstreit mit Griechenland bescherte den Finanzmärkten einen ziemlich turbulenten Wochenstart.

Der Dax schloss mit einem Abschlag von 3,6 Prozent auf 11083,20 Punkten. Den tiefsten Stand des Tages erreichte er bei 10.964,24 Punkten. Der Late Dax gab um 3,7 Prozent auf 11.063,73 Punkte nach. Der EuroStoxx 50 schloss 4,2 Prozent tiefer bei 3468,90 Punkten.

Der Dow Jones lag am Abend rund 1,4 Prozent im Minus. "Durch die vergleichsweise gefasste Reaktion der Finanzmärkte auf die neue politische Ausgangslage und die hiermit deutlich gestiegene 'Grexit'-Gefahr sehen wir uns in unserer Auffassung bestätigt, dass ein Euro-Ausscheiden Griechenlands zwar ein herber Einschnitt für Europa wäre, aber außerhalb Griechenlands kein Katastrophenszenario darstellt", erklärte LBBW-Experte Markus Herrmann.

"Keine Anzeichen von Panik"

Viele Marktteilnehmer verbreiteten demonstrativ Gelassenheit: "Wir sehen Marktturbulenzen als Einstiegschancen", sagte Asoka Wöhrmann, Chef-Anleger der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank. Tendenziell zählen wir nach der heutigen Markteröffnung zu den Käufern", sagte Wöhrmann der Nachrichtenagentur Reuters.

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Börse 17.00 Uhr

"Investoren mit starken Nerven haben den Rücksetzer bereits genutzt, um zu vermeintlich attraktiveren Preisniveaus den Einstieg zu wagen respektive nachzulegen. Ob sich dieser Mut auszahlt, wird der weitere Wochenverlauf zeigen", meint Gregor Kuhn von IG Markets.

"Es gibt keine Anzeichen von Panik", sagte der Rentenfondsmanager von Union Investment, Frank Engels. "Wir selbst begleiten das mit der Politik der ruhigen Hand." Hier finden sie weitere Stimmen zur Lage am Anleihe- und Aktienmarkt. Wie Ökonomen die Situation einschätzen, lesen Sie hier.

Steht die EZB bereit?

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Experten sind durchaus der Meinung, dass die Folgen eines griechischen Abschieds aus der Eurozone begrenzt wären: Den Dax würde das nur kurzfristig belasten, meint beispielsweise Jens Klatt von DailyFX: "Zu erwarten wäre, dass die EZB ihr Anleiheaufkaufprogramm ausdehnen würde und Liquidität zur Verfügung stellt." Diese Liquidität würde laut Klatt die Aktienmärkte wieder nach oben katapultieren. Wie sich die einzelnen Branchen aus der Affäre ziehen könnten, haben wir für Sie hier aufbereitet.

Aber soweit sind wir ohnehin noch nicht. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) teilte mit, für weitere Verhandlungen mit der Regierung in Athen zur Abwendung einer Staatspleite offen zu sein - allerdings erst nach dem für Sonntag angesetzten Referendum in Griechenland. Das aktuelle Hilfsprogramm läuft allerdings am Dienstag um Mitternacht aus. Auch Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem wiederholte, dass die Tür offen bleibe, auch wenn die Möglichkeiten und die Zeit sehr begrenzt seien.

Euro legt deutlich zu

Der Euro stieg nach frühen Einbußen wieder an und liegt derzeit über der Marke von 1,12 Dollar. "An den Devisenmärkten wird das harte Vorgehen der EU-Kommission positiv bewertet. Ein 'fauler Kompromiss' mit Griechenland wäre wohl im Umkehrschluss negativ für den Euro", kommentieren die Fachleute der VP Bank.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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"Möglicherweise wird ein Ausscheiden aus der Gemeinschaftswährung von vielen Marktteilnehmer als stärkender Faktor für den Euro gewertet", schreibt Andreas Paciorek von CMC Markets in seinem Marktkommentar. Weitere Aspekte zur Lage des Euro lesen Sie hier.

Kapitalverkehrskontrollen stehen bevor

Unter den Einzeltiteln am Aktienmarkt standen unter anderem die griechischen Banken-Titel im Fokus der Anleger. Im US-Handel brachen sie dramatisch ein. Die Börse in Athen blieb ja geschlossen. Regierungschef Alexis Tsipras hat die Schließung der Banken bis zum 6. Juli sowie Beschränkungen bei Geldabhebungen angeordnet. Zuvor hatte die EZB nach dem Scheitern der Verhandlungen im Schuldenstreit angekündigt, Nothilfen für die griechischen Geldhäuser zwar beizubehalten, aber nicht auszuweiten.

Bank-Aktien im Fokus

Am deutschen Aktienmarkt standen Bank-Titel ebenfalls unter besonderem Druck. Größter Dax-Verlierer war die Aktie der Deutschen Bank, dicht gefolgt von der Commerzbank. Die direkten Gefahren sollen für deutsche Banken aber vergleichsweise gering sein. Ende 2014 hatten die Institute nach Berechnungen der Bundesbank in dem Euroland noch 2,4 Milliarden Euro verliehen. Staatsanleihen halten sie seit dem Schuldenschnitt vom Frühjahr 2012 kaum noch.

Papiere der Deutschen Bank leiden dabei zusätzlich unter einem Pressebericht. Die "Financial Times" berichtete, dass die BaFin dem Co-Chef Anshu Jain im Zusammenhang mit den Untersuchungen des Libor-Skandals Irreführung vorwerfe.

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Lufthansa besser als der Schnitt

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Alle Dax-Werte gaben nach. Die Lufthansa-Aktie hielt sich aber vergleichsweise gut. Der Titel profitierte von einer Kaufempfehlung von Metzler. Die Lufthansa und die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo haben sich nach Ufo-Angaben bisher aber nicht auf neue Tarifverhandlungen einigen können. "Der Gesprächsfaden ist abgerissen", sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies.

Daumen hoch für ThyssenKrupp

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Auch ThyssenKrupp gehörte zu den festeren Titeln. Die britische Investmentbank HSBC hat den Stahltitel vor Zahlen von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 27,40 auf 28,90 Euro angehoben. Das dritte Geschäftsquartal dürfte für die Essener gut gelaufen sein, hieß es zur Begründung.

Deutsche Börse expandiert in die Schweiz

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Die Deutsche Börse will zwei zusammen mit der Schweizer Börse SIX betriebene Indexanbieter komplett übernehmen. Die Frankfurter verhandeln mit SIX über einen vollständigen Erwerb der Stoxx AG und der Indexium AG zu einem Kaufpreis von 650 Millionen Schweizer Franken (623 Millionen Euro). Derzeit hält die Deutsche Börse 50,1 Prozent an Stoxx und 49,9 Prozent an der Indexium AG.

Siemens darf Dresser Rand kaufen

Siemens steht vor dem Abschluss seiner umstrittenen Milliarden-Übernahme in den USA. Von der EU-Kommission gab es grünes Licht für den Kauf des US-Kompressorenherstellers Dresser-Rand. Man sei überzeugt, "dass der Zusammenschluss nicht zulasten der europäischen Verbraucher geht", sagte EU-Kommissarin Margrethe Vestager. Siemens muss daher keine Auflagen erfüllen. Bereits bis diesen Dienstag will der Konzern das Geschäft abschließen.

RIB: Anleger mögen neue Ziele

Im TecDax schlugen sich RIB recht wacker. In der "Welt am Sonntag" hatte sich Vorstandschef Thomas Wolf zu den Wachstumsplänen des Anbieters von Bau-Software geäußert. Beim Umsatz will der Manager 2016/17 die 100-Millionen-Euro-Grenze überspringen im Vergleich zu 70 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Dabei werde mittelfristig weiter eine Umsatzrendite von 30 Prozent angestrebt.

Novartis kauft in Australien zu

Novartis stärkt seine Pipeline mit dem Zukauf der australischen Spinifex Pharmaceuticals. Damit baue der Pharmakonzern seine führende Position im Bereich Nervenschmerzen aus, heißt es in einer Mitteilung vom Montag. Über finanzielle Einzelheiten gibt es keine Angaben.

Roche: Bessere Chancen für Herzinfarktpatienten

Roche bringt einen neuen Test für eine genauere Diagnose von Hochrisiko-Herzinfarktpatienten heraus. Der Test ermöglicht es medizinischem Fachpersonal, Patienten mit Verdacht auf einen Herzinfarkt schon vor der Aufnahme ins Krankenhaus zu identifizieren.

Twitter kämpft um mehr Beachtung

Der Kurznachrichtendienst Twitter will in Deutschland mehr prominente Unternehmer und Politiker als Nutzer gewinnen. "Auf dem Markt in Deutschland bietet sich uns die Gelegenheit, den Leuten klarzumachen, wie groß unser Publikum ist", sagte der scheidende Twitter-Chef Dick Costolo. "Uns ist dabei wichtig, Managern zu erläutern, wie wichtig es ist, auf Twitter zu sein." In den vergangenen drei Monaten hat Twitter fast ein Drittel des Börsenwerts verloren.

Milliarden-Börsengang in USA?

Samsung GDR: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Das Pharma-Unternehmen Samsung Bioepis, an dem der sükoreanische Elektronik-Riese Samsung maßgeblich beteiligt ist, erwägt einen Börsengang in den USA und könnte dabei umgerechnet 1,22 Milliarden Euro für die Entwicklung neuer Produkte einnehmen.

ts

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Tagestermine am Mittwoch, 1. Juli

Unternehmen:
Bastei Lübbe: BIlanz-PK, 10 Uhr
Funkwerk: HV

Konjunktur:
China: HSBC PMI Verarbeitendes Gewerbe 6/15, 3:45 Uhr
Japan: Tankan-Bericht Q2/15, 01:15 Uhr
USA: ADP-Arbeitsmarktbericht 06/15, 14:15 Uhr
USA: ISM Verarbeitendes Gewerbe 06/15, 15:45 Uhr
USA: Bausausgaben 05/15
USA: Pkw-Absatz im Juni

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