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Marktbericht 20:05 Uhr

Marktbericht negativ

Berg- und Talfahrt am Aktienmarkt.

Euro rauf, Dax runter

Stand: 15.05.2015, 20:05 Uhr

Ernüchterung nach der Vortagesrally. Schwächere US-Konjunkturdaten haben den Anlegern zum Wochenschluss die Party verdorben. Damit steigen die Zweifel am US-Wirtschaftsaufschwung. Das half dem Euro und drückte die Aktienkurse.

Es ist fast schon ein Jo-Jo-Spiel, das der deutsche Leitindex Dax derzeit vollführt. Der Markt steht und fällt nämlich schon seit geraumer Zeit mit neuen Konjunkturdaten aus Amerika. Diese wirken sich wiederum direkt auf den Dollarkurs aus. Fällt der Dollar, wie heute geschehen, steigt im Gegenzug der Euro - und das kommt an unserer heimischen Börse nicht gut an. Denn durch einen starken Euro sinken die Gewinne der Exporteure in den Dollar-Raum - und davon gibt es mehr als genug auf dem deutschen Kurszettel.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Dax musste daher Federn lassen und gab einen Teil der Gewinne vom Vortag wieder ab. Am Ende stand der Index bei 11.440 Punkten, ein Tagesverlust von 0,98 Prozent. Die Schwankungsbreite weitete sich am Nachmittag entsprechend deutlicher aus. Das Tageshoch lag bei 11.632 Punkten, das Tief bei 11.383 Zählern. Im Wochenverlauf büßte der Dax 2,2 Prozent ein.

Enttäuschende US-Konjunkturdaten

Die Wende kam am Nachmittag. Zunächst hatten die Anleger noch gelassen auf den etwas schwächer als erwartet ausgefallenen Empire-State-Konjunkturindex für den Großraum New York reagiert. Dieser weist für Mai einen Anstieg von 3,09 Punkten aus, erwartet waren 5,0 Punkte.

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Börse 19.00 Uhr

Aber auch die weiteren Daten enttäuschten und bestätigten das Bild einer unstetigen Wirtschaftsentwicklung in Amerika. Industrieproduktion, Kapazitätsauslastung und am Ende auch noch das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan lagen allesamt unter den Erwartungen. Letzteres fiel mit 88,6 anstatt 96,0 Punkten besonders schwach aus. Dies ist das niedrigste Niveau seit Oktober.

Auch zuvor waren die Wirtschaftsdaten mäßig gewesen. So legte die US-Wirtschaft wegen des schweren Winters und des starken Dollars im ersten Quartal nur 0,2 Prozent zu. "Das ist nicht gerade das Umfeld, in dem die Fed die Zinsen erhöhen würde", meint Ökonom James Knightley von der ING Bank.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Die Anleger an der Wall Street sind zwar enttäuscht, von Ausverkauf jedoch keine Spur. Der Leitindex Dow Jones, der zuvor mit Gewinnen eröffnet hatte, kämpft mit seinem Schlusskurs. Damit bleibt der Dow in Schlagweite seines Jahres- und Allzeithochs von Anfang März bei 18.288 Punkten. Auch die anderen Indizes halten sich gut und reagieren wesentlich moderater als der Dax. S&P-500- und Nasdaq Composite-Index tendieren aktuell ebenfalls nur leicht im Minus.

Euro legt kräftig zu

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Mit den schwachen Daten schwindet die Aussicht auf eine baldige erste Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank. Eine Aussicht, die bisher den Dollar kräftig angetrieben hat. Am Nachmittag dreht die Gemeinschaftswährung nach zuvor nachgebender Tendenz kräftig und springt wieder deutlich über die Marke von 1,14 Dollar und steht aktuell bei 1,1444 Dollar auf dem höchsten Stand seit drei Monaten. Damit geht der Aufschwung der europäischen Gemeinschaftswährung seit Mitte April weiter - sehr zum Leidwesen der deutschen Exporteure hat der Euro damit im Tagesverlauf über einen Cent zugelegt.

Anleihen auf Erholungskurs

Am Markt für Staatsanleihen normalisiert sich die Lage nach den jüngsten Verkäufen wieder. Der Bund-Future weitete nach den Konjunkturdaten seine Gewinne aus und legte 0,6 Prozent zu. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel im Gegenzug auf 0,62 Prozent. Sie liegt damit merklich unter dem Hoch vom vergangenen Donnerstag, als die Rendite zeitweise bis auf 0,77 Prozent gestiegen war.

Die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere fiel von 0,60 Prozent am Vortag auf 0,53 Prozent, wie die Bundesbank mitteilte. Der Ausverkauf bei den Staatsanleihen scheine sich einem Ende anzunähern, schreibt BNP Paribas. Die Anfälligkeit für Kursschwankungen dürfte jedoch anhalten.

Kaum Gewinner im Dax

Fast alle Einzelwerte schlossen im Minus. Vor allem Autokatien, die Telekom sowie die Zykliker ThyssenKrupp und K+S gehörten zu den größten Verlieren mit Verlusten von rund zwei Prozent.

Etwas besser schlugen sich Fresenius (wie fast immer an schwachen Tagen besser als der Markt), die Post-Aktie und Infineon als Tagessieger. Die Münchener profitierten von der Nachricht des Chipausrüsters Applied Materials, der am Morgen einen heftigen Gewinnanstieg von 39 Prozent auf 364 Millionen Dollar im ersten Quartal gemeldet hatte. Vor allem die deutlich gestiegene Nachfrage nach Speicherchips lässt die gesamte Branche am Freitag aufhorchen.

Bayer-Aktien konnten ihre Gewinne nicht halten. Zuvor war die Aktie gesucht gewesen nachdem die Leverkusener erklärt hatten, dass man durch die Fusion der Branchengiganten Monsanto und Syngenta eine Marktkonsolidierung im Pflanzenschutz und Saatgutbereich sehe.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Angeblich erster Postbank-Interessent

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gleich mehrere Medien berichten, dass die österreichische Bank Bawag Interesse an der zur Deutschen Bank gehörenden Postbank hat. Bawag gehört mehrheitlich dem Finanzinvestor Cerberus, der für die nötige Finanzkraft sorgen könnte, berichtet die "Welt" am Freitag. Angeblich will die Wiener Großbank bis zu 4,5 Milliarden Euro bezahlen. Ein Bawag-Sprecher lehnte einen Kommentar ab, betonte aber, dass die Eigner strategische Möglichkeiten prüfen.

RWE muss kräftig Steuern zahlen

Die Sorgen des Energieversorgers reißen nicht ab. Dieses Mal muss ist es der Fiskus, der für Aufregung sorgt, denn RWE muss nach einer Steuerprüfung einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag an Gewerbesteuer nachzahlen. Es geht um die Zeiträume zwischen 2004 und 2008.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Das Unternehmen bestätigte am Freitag einen entsprechenden Pressebericht der "Rheinischen Post", machte aber keine Angaben zur genauen Höhe der Nachzahlung. RWE hat gezahlt, gleichzeitig aber Einspruch eingelegt und erwägt, vor das Finanzgericht zu ziehen. Empfänger des Geldes sind hauptsächlich Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Die Aktie fiel in einem nachgebenden Gesamtmarkt 1,39 Prozent.

Allianz-Tochter mit neuen Pimco-Sorgen

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der zur Allianz gehörende Vermögensverwalter Pimco verliert weiteres Spitzenpersonal. Die globale Chefin des Aktiengeschäfts, Virginie Maisonneuve, verlässt das Unternehmen. Pimco hatte in den vergangenen Monaten nach dem Weggang von Firmengründer Bill Gross Abflüsse in Milliardenhöhe zu verschmerzen. Laut Agenturmeldungen zieht sich der Konzern damit komplett aus dem aktiven Aktienfonds-Geschäft zurück und bietet zukünftig nur noch passive Produkte an. Allianz verloren mit dem Markt.

SMA Solar überstrahlt alle

Aktien des Solarwechselrichter-Herstellers SMA legten hingen deutlich 9,12 Prozent zu und waren damit mit großem Abstand Tagessieger im TecDax. Laut Händlern setzt die Aktie ihre Erholungsbewegung der vergangenen Tage fort, ist aber auch charttechnisch offenbar für einige Marktteilnehmer interessant.

Stützend erweist sich auch eine mögliche Unterstützung seitens der Kartellbehörden. Behörden in Deutschland und Europa so heißt es in einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung", hätten mit Blick auf China Ermittlungen aufgrund von Verstößen gegen Anti-Dumping-Regeln aufgenommen.

Wacker Chemie macht IPO von Siltronic Beine

Der Hersteller von Wafern für die Chip-Industrie ist noch eine Sparte des MDax-Unternehmens Wacker Chemie: Siltronic soll allerdings vielleicht schon vor der Sommerpause an die Börse gebracht werden. Die Mitteilung von Wacker ließ die Aktie um 1,73 Prozent ansteigen. Siltronic ist die weltweite Nummer drei in der Wafer-Technologie.

Zalando vor Index-Aufstieg?

Zalando: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Internet-Versandhändler Zalando könnte bereits im Juni in den Index aufsteigen, das meinen zumindest die Index-Experten von LBBW und der Commerzbank. Dafür müsste womöglich der Ingenieurdienstleister Bertrandt in den SDax weichen. Auch dort könnten eine Reihe von Änderungen anstehen, die am 22. Juni wirksam werden.

Stabilus legt kräftig zu

Der Autozulieferer Stabilus aus dem SDax hat am Morgen gute Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal 2015 vorgelegt. Das Unternehmen, das auf Gasdruckfedern spezialisiert ist, steigerte im Quartal seinen Umsatz um 21 Prozent auf 157,5 Millionen Euro. Das Nettoergebnis wurde mehr als vervierfacht und betrug in den vergangenen drei Monaten 19,8 Millionen Euro. Die Stabilus-Aktie war stärkster SDax-Titel und legte 7,22 Prozent zu.

Roche-Aktie nach Studienergebnis gesucht

An der Schweizer Börse waren Roche-Aktien gesucht. Grund ist ein vielversprechendes Studienergebnis eines Krebswirkstoffes, mit dem die Schweizer in der Forschung zu den US-Konkurrenten Bristol-Myers Squibb und Merck & Co. aufholen. Dabei geht es um immuntherapeutische Medikamente. Diese zielen in den Onkologie darauf ab, körpereigene Abwehrkräfte gegen die Krebszellen zu aktivieren. Der Ansatz gilt als wegweisend bei der Krebs-Bekämpfung.

Google will Selbstfahrauto im Verkehr testen

Es scheint ernst zu werden, mit Googles selbstfahrendem Auto. Projektleiter Chris Urmson berichtete, dass Ingenieure ab dem Sommer 25 Prototypen auf öffentlichen Straßen testen würden. Bei den Tests werde die Geschwindigkeit auf 25 Meilen (rund 40 Kilometer pro Stunde) begrenzt. Zudem haben die Autos noch Lenkräder, Brems- und Gaspedale, so dass die Ingenieur im Notfall reagieren können. Google hatte zuletzt eingeräumt, dass vom Unternehmen umgebaute Lexus-Modelle in insgesamt elf Unfälle verwickelt waren.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 26. Mai

Unternehmen:
Ryanair: Jahreszahlen, 07:00 Uhr
Alcatel Lucent: Hauptversammlung

Konjunktur:
USA: Auftragseingang Langlebige Güter im April, 14:30 Uhr
USA: Eigenheimabsatz im April, 16:00 Uhr
USA: Case-Shiller-Index, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen im Mai, 16:00 Uhr

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