Marktbericht 15:07 Uhr

Marktbericht neutral

Dax weiter im Plus Draghi treibt den Euro an

Stand: 07.09.2017, 15:07 Uhr

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält vorerst an ihrem lockeren Kurs fest und will erst im Herbst über eine Reduzierung der Anleihenkäufe entscheiden. Dennoch zieht der Euro an. Der Dax gibt einen Teil seiner Gewinne ab.

"Super Mario" ist ein Meister der leeren Worte. Wieder einmal hat er sich um eine klare Entscheidung gedrückt und die Sparer und Anleger auf den Oktober vertröstet. Dann werde sich der EZB-Rat mit den Anleihenkäufen beschäftigen. Das QE-Programm werde weiter laufen bis zu einer substantiellen Inflationsbelebung. Die auf einem Rekordtief von 0,0 Prozent liegenden Leitzinsen tastete die EZB erwartungsgemäß nicht an.

Draghi: Euro-Schwankungen erzeugen Unsicherheit

Blick auf den Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt und den Main

Börse 15.00 Uhr EZB Chef Draghi Pressekonferenz

Gleichzeitig zeigte sich Draghi ungewohnt besorgt über den starke Euro. Die jüngsten Kursschwankungen erzeugten Unsicherheit, sagte der EZB-Chef nach der Zinssitzung der Notenbank in Frankfurt. Die EZB werde diese Volatilität beobachten. Die Währungshüter zeigen sich dennoch optimistischer für die Konjunktur im Euroraum als vor drei Monaten: Für das laufende Jahr erwartet die EZB nun einen Zuwachs von 2,2 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Euro über 1,20 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1986
Differenz relativ
+0,38%

Der Euro vollführte nach den Äußerungen Draghis eine wahre Achterbahnfahrt. Erst kletterte er über die Marke von 1,20 US-Dollar, dann fiel er auf 1,1940 Dollar zurück, bevor er erneut die Schwelle von 1,20 Dollar übersprang. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,2042 Dollar.

Schwieriger Balanceakt

Draghi stehe vor einem Balanceakt, da jedes ausgesprochene oder fehlende Wort auf die Goldwaage gelegt werde, sagten Analysten der Metzler Bank. "Denn es ist nicht zu verhehlen, dass sich der Markt ohnehin einen Spaß daraus macht, die Schmerzgrenze der EZB beziehungsweise ihres Chefs zu testen", konstatierten die Experten.

Dax behauptet sich im Plus

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.620,73
Differenz relativ
+0,16%

Der Dax büßte nach dem Zinsentscheid einen Teil seiner Gewinne ein, verharrte aber robust 0,7 Prozent im Plus bei knapp 12.300 Punkten. Der EuroStoxx50 legte 0,5 Prozent zu. Entspannungssignale in der Nordkorea-Krise hatten schon am Vormittag die Stimmung an den Aktienmärkten aufgehellt. Südkoreas Präsident Moon Jae In schloss einen Krieg auf der koreanischen Halbinsel aus. Sein russischer Kollege Wladimir Putin betonte, der Konflikt könne mit diplomatischen Mitteln gelöst werden.

Einigung im US-Haushaltsstreit

Zudem stützte die überraschende Einigung im US-Haushaltsstreit die Kurse. Dank einer Zwischenfinanzierung für die amerikanische Regierung bis zum 15. Dezember wird ein sogenannter "government shutdown" vermieden. Damit sei das Thema erst einmal vom Tisch, auch wenn es in einigen Monaten wieder hochkochen dürfte, sagten Börsianer.

Dow startet wohl unverändert

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
22.359,23
Differenz relativ
-0,24%

Die Wall Street dürfte am Donnerstag nahezu unverändert in den Tag starten. Die Futures signalisieren stagnierende Kurse im Dow zu Handelsbeginn. Die Produktivität der amerikanischen Wirtschaft ist im zweiten Quartal stärker gestiegen als erwartet. Der Zuwachs betrug einer zweiten Schätzung zufolge 1,5 Prozent. Das ist deutlich mehr als in der ersten Schätzung, bei der nur ein Anstieg von 0,9 Prozent ermittelt worden war.

Versorger unter Strom

ARD-Börsenstudio: Mischa Ehrhardt

Börse 10.00 Uhr: Übernahmespekulationen um Innogy

Die im Dax notierten RWE-Stammaktien und die der Tochter Innogy legen kräftig zu. Wie die Zeitung "Expansion" unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, könnte der spanische Versorger Iberdrola ein Auge auf Innogy geworfen haben. Nachdem Iberdrola mögliche Zukäufe in den USA und Australien geprüft habe, wende sich der Konzern nun wieder verstärkt Europa zu, hieß es. Eines der möglichen Ziele sei hier Innogy.

Innogy-RWE-Zentrale in Essen

Börse 11.00 Uhr: Energiewerte gefragt

Zudem hat die Deutsche Bank das Kursziel für RWE von 22 auf 25 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Die Kurschancen der deutschen Versorgerwerte seien trotz ihres jüngsten Höhenflugs weiterhin gut, hieß es in einer Branchenstudie. Denn Eon, RWE und Innogy sollten von steigenden Strompreisen, nachhaltigen Cashflows, Refinanzierungen und einer Umstrukturierung des Sektors profitieren, so die Experten. Laut Deutscher Bank sind Eon-Aktien nun 10,50 Euro nach bisher 10,00 Euro wert.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,34
Differenz relativ
+0,44%
Innogy: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
36,81
Differenz relativ
+0,26%
Eon
Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,25
Differenz relativ
+0,60%

VW Ducati und Audi im Blick

Laut einem Bericht der indischen Finanzzeitung "Economic Times" ist die indische Eicher Motors an dem zu VW gehörenden Motorradhersteller Ducati interessiert. Eicher arbeite an einem Angebot über 1,8 bis zwei Milliarden Dollar, schrieb die Zeitung unter Berufung auf nicht näher genannte Insider.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
138,15
Differenz relativ
+0,18%

Die Tochter Audi wiederum hat im August rund 138.900 Autos ausgeliefert. Das sind fünf Prozent mehr als vor einem Jahr. Besonders das wichtige China-Geschäft entwickelte sich mit einem Zuwachs von 10,3 Prozent sehr positiv. Von Januar bis August liegt bei den Verkaufszahlen aber immer noch mit 2,6 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Bayer kommt voran

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat für seinen neuen Bluter-Wirkstoff BAY94-9027 nun auch die Zulassung bei der Europäischen Arzneimittelbehörde zur Behandlung von Hämophilie A beantragt. Das Mittel habe auch bei größeren Dosierungsintervallen einen guten Schutz vor Blutungen gezeigt, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Zudem sei das Mittel auch wirksam bei der Behandlung von Blutungen und Kontrolle von Blutungen bei Operationen.

Analysten-Lob treibt Aixtron

Aixtron: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11,19
Differenz relativ
-0,80%

Aixtron-Aktien liegen im weitem Abstand im TecDax vorne. Die Deutsche Bank hat das Kursziel für den Wert von 8 auf 12 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Die Geschäftsaussichten des auf die Halbleiterindustrie spezialisierten Anlagenbauers seien weitaus besser als der Markt erwarte, hieß es. Aixtron dürfte besonders stark von den Wachstumsmärkten Smartphones und Elektrofahrzeuge profitieren.

Flaute bei Nordex

Nordex-Aktien gehören im TecDax zu den schwächsten Werten. Alphavalue hat den Wert von "Buy" auf "Reduce" abgestuft und das Kursziel auf 10,40 Euro belassen. Er habe für den Windkraftanlagenhersteller wegen der eingeleiteten umfangreichen Restrukturierung seine Gewinnschätzungen je Aktie reduziert, schrieb Analyst Heinz Steffen in einer Studie vom Donnerstag. Zudem nehme der Preisdruck zu. Die Nordex fällt zeitweise auf den tiefsten Stand seit dem Frühjahr 2014.

Evotec kooperiert

Die zuletzt sehr stark gestiegene Evotec-Aktie zieht auch heute wieder Aufmerksamkeit auf sich. Das TecDax-Mitglied arbeitet mit der französischen Abivax zusammen. Gemeinsam will man antivirale Wirkstoffe entwickeln. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

Ölpreise erholt

Die Ölpreise legen mittlerweise wieder zu. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November kostet 54,56 US-Dollar. Das sind 36 Cent mehr als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Oktober-Lieferung steigt um 8 Cent auf 49,24 Dollar. Marktbeobachter verweisen auf den schweren Wirbelsturms Harvey. Weil die Raffinerien im Golf von Mexiko ihren Betrieb wieder aufnehmen, steigt deren Ölnachfrage. Das hebt die Rohölpreise.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,47
Differenz relativ
+0,15%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,54
Differenz relativ
-0,06%

nb

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Unternehmen:
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Konjunktur:
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