Marktbericht 20:08 Uhr

Marktbericht neutral

Dax stabilisiert sich nach Kursrutsch Diese Börsenwoche tat weh

Stand: 11.08.2017, 20:08 Uhr

Der Schlagabtausch zwischen USA und Nordkorea hat auch am Freitag die Anleger in Atem gehalten. An den meisten europäischen Börsenplätzen setzte sich die Talfahrt fort. Nur der Dax behauptete sich - dank der freundlichen Wall Street.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.174,30
Differenz relativ
-0,45%

Am Morgen noch hatte es ganz düster ausgesehen. Der deutsche Leitindex sackte erstmals seit vier Monaten wieder klar unter die Marke von 12.000 Punkten ab und fiel bis 11.934 Zähler - knapp über der 200-Tage-Linie. Doch im Laufe des Nachmittags erholte sich der Dax und machte fast komplett die Verluste wett.

Wall Street stoppt Talfahrt

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
21.812,09
Differenz relativ
-0,40%

Für Entlastung sorgte die Wall Street. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss 0,2 Prozent im Plus. Am Donnerstag war er noch um 0,9 Prozent abgetaucht. Der breiter gefasste S&P 500 stabilisierte sich ebenfalls bei um die 2.440 Punkten.

Doch keine Zinserhöhung mehr 2017?

ARD-Börsenstudio: Mischa Ehrhardt

Börse 19.00 Uhr: Verhaltene Inflation in Industrieländern

Auftrieb brachten die neuesten US-Teuerungsdaten. Zwar stieg die Inflation im Juli um 1,7 Prozent, Volkswirte hatten aber mit 1,8 Prozent gerechnet. Das schürte Spekulationen, dass die US-Notenbank keine weiteren Zinserhöhungen in diesem Jahr vornehmen wird. Die Fed will weitere Zinsanhebungen von der Teuerungsrate abhängig machen.

Katastrophale Wochenbilanz

ARD-Börsenstudio: Mischa Ehrhardt

Börse 18.00 Uhr: Deutlicher Wochenverlust im Dax

Die mickrige Kurserholung konnte die schwache Wochenbilanz nicht aufhellen. Der Dax rutschte in den letzten fünf Handelstagen um rund 2,3 Prozent ab. Noch schlimmer erging es dem EuroStoxx50. Der europäische Leitindex sackte um rund drei Prozent ab. Es war die schlechteste Woche seit dem Trump-Wahlsieg im November 2016 zu.

Nordkorea-Konflikt kostet Anleger eine Billion

Schuld daran war der verschärfte Streit zwischen USA und Nordkorea. Mitte der Woche hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, militärische Provokationen aus Pjöngjang mit "Feuer und Wut" beantworten zu wollen. Daraufhin drohte Nordkorea mit einem Angriff auf das US-Außengebiet Guam im Pazifik. Trump legte nach und erklärte am Freitag, dass die USA bereit für einen bewaffneten Konflikt seien. "Wir stehen Gewehr bei Fuß, sollte Nordkorea unklug handeln", schrieb der US-Präsident auf Twitter.

Droht nun die "Trump-Korrektur"?

Anja Kohl

Nordkorea-Krise versetzt Anleger in Unruhe

Durch den "Krieg der Worte" wurden an den Aktienmärkten weltweit innerhalb weniger Tage rund eine Billion Dollar an Börsenwert vernichtet. Der als "Angstbarometer" bekannte Volatilitätsindex VIX kletterte auf den höchsten Stand seit November 2016. Aus der einstigen "Trump-Rally" könnte nun die "Trump-Korrektur" werden, sagte Marktbeobachter Jochen Stanzl von CMC Markets. Experten sprechen von der gefährlichsten nuklearen Konfrontation seit der Kuba-Krise.

Gold nahe 1.300 Dollar

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.290,80
Differenz relativ
+0,01%

Der Goldpreis legte auf Wochensicht 30 Dollar zu und erreichte den höchsten Stand seit Anfang Juni. Doch von Panik zu reden wäre verfrüht. Da müsste Gold noch deutlich teurer werden als die heute erreichten 1.289 Dollar für die Feinunze.

Euro über 1,18 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1812
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+0,02%

Ein schwacher Trost war, dass der Dollar von den Spannungen zwischen Nordkorea und den USA profitierte. Am Freitag drückten die Inflationsdaten aber den Dollar wieder nach unten. Der Euro zog auf über 1,18 Dollar an. In Deutschland fiel der Inflationsanstieg mit 1,7 Prozent genau so hoch aus wie in den USA. Das war allerdings erwartet worden.

Defensiv ist Trumpf

Im Dax waren zum Wochenschluss vor allem defensive Titel gefragt. Die Aktien von Merck, Fresenius, Fresenius Medical Care und Bayer zählten zu den Top-Gewinnern. "Hier schwanken die Erträge deutlich weniger stark als in anderen Sektoren", sagte ein Händler.

Finanzwerte im Ausverkauf

ARD-Börsenstudio Radio Hörfunk Frankfurter Börse Dorothee Holz

Börse 10.00 Uhr: Deutsche Bank fällt unten durch

Dagegen blieben die Finanzwerte unter Druck. Die Titel der Commerzbank verloren 1,6 Prozent und waren Dax-Schlusslicht. Knapp dahinter lagen die Aktien der Deutschen Bank mit einem Minus von 1,4 Prozent. Die HSBC riet am Freitag, die Aktie der Deutschen Bank zu verkaufen.

Anleger ziehen Gelder aus Pimco ab

Allianz-Aktien gaben 0,6 Prozent nach. Der Versicherer litt unter dem anhaltenden Mittelabfluss beim einstiegen Vorzeigefonds Pimco Total Return. Dieser verwaltet dem Analysehaus Morningstar zufolge nur noch 73 Milliarden Dollar. In seinen besten Zeiten waren es rund vier Mal so viel.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,80
Differenz relativ
+0,44%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,69
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-0,51%
Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
181,60
Differenz relativ
-0,71%

Innogy braucht keinen Partner

Innogy: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
36,98
Differenz relativ
-0,99%

Aus der zweiten Reihe gab'Äs zum Wochenschluss nochmals eine Reihe von Quartalszahlen. So veröffentlichte der RWE-Ökostromtochter Innogy ihre Bilanz. Sie profitierte von einem guten Netzgeschäft und verdiente im ersten Halbjahr operativ etwas mehr. Die Übernahmefantasie bremste Innogy-Chef Peter Terium. Da sei viel heiße Luft. Innogy brauche keinen strategischen Partner. Die Innogy-Aktien verloren knapp zwei Prozent.

Deutsche Wohnen wächst zweistellig

Deutsche Wohnen: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
35,15
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+0,07%

Zahlen gab es aus der Immobilienbranche: Deutschlands zweitgrößter Wohnimmobilien-Konzern Deutsche Wohnen hat dank seiner Immobilienkäufe, steigender Mieten und niedrigerer Leerstände mehr verdient. Das operative Ergebnis aus der Vermietung (FFO I) legte im ersten Halbjahr um elf Prozent zu auf 220,8 Millionen Euro. Die Aktien gaben knapp zwei Prozent nach.

TLG Immobilien erhöht Ziele

Auch die kleinere TLG Immobilien profitiert vom Immobilienboom. Wegen des wachsenden Immobilienbestands kletterte das operative Ergebnis aus der Vermietung (FFO) im ersten Halbjahr sogar um 21 Prozent auf 46,5 Millionen Euro. Der Vorstand erhöhte die Prognose für das Gesamjahr auf 90 bis 92 Millionen Euro. Dennoch fielen die Aktien von TLG um über vier Prozent.

Stabilus gut abgefedert

Stabilus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
69,69
Differenz relativ
-0,19%

Überzeugen konnte indes der Auto- und Indusdtriezulieferer Stabilus mit seiner Bilanz. Die Aktien waren mit einem Plus von 1,1 Prozent zweitgrößter SDax-Gewinner. Stabilus erhöhte die Umsatzprognose auf rund 910 Millionen Euro, die bereinigte Ebit-Marge soll bei 15 Prozent liegen. Der Umsatz im dritten Quartal stieg um 28 Prozent auf 233,5 Millionen Euro.

Wüstenrot & Württembergische gut versichert

0,7 Prozent tiefer schlossen die Aktien der Wüstenrot & Württembergische. Der Versicherungs- und Finanzkonzern konnte den Überschuss um 28 Prozent auf auf 154,9 Millionen Euro steigern. W& W profitierte von einem guten Ergebnis in der Schaden- und Unfallversicherung. Das Bauspar-Geschäft und auch die Lebensversicherungen liefen dagegen etwas schlechter als im ersten Halbjahr des Vorjahres.

Wird Amazon zur Konkurrenz für CTS?

Zeitweise kräftig nach unten ging es mit den Aktien von CTS Eventim. Sie sackten um bis zehn Prozent ab. Zum Xetra-Schluss reduzierte sich das Minus auf 0,7 Prozent. Amazon plant angeblich einen Angriff auf den US-Ticketmarkt und ist in Verhandlungen mit Eigentümern großer Veranstaltungshäuser.

United Internet feilt an IPO

United Internet feilt an dem geplanten IPO für die Sparte Business Applications. Der Börsengang des Bereichs sei keineswegs auf die lange, sondern "auf die kurze Bank geschoben", sagte United-Internet-Chef Dommermuth der "Börsen-Zeitung". Zunächst sollten die Aktivitäten weiter ausgebaut werden, für Zukäufe ergäben sich immer mal wieder Möglichkeiten.

SLM Solutions fällt immer tiefer

Größter TecDax-Gewinner war GFT mit einem Plus von über zwei Prozent- dank einer Kaufempfehlung durch die Privatbank Hauck & Aufhäuser. Die rote Laterne ging dagegen an SLM Solutions, die erneut um über fünf Prozent nachgaben. Damit verloren die Papiere des Herstellers von 3D-Druckern in drei Handelstagen fast 23 Prozent an Wert. Am Donnerstag hatte der 3D-Drucker-Anbieter schlechte Zahlen vorgelegt.

Singulus zurück in der Gewinnzone

Nach drei verlustreichen Jahren ist Singulus dank des Solargeschäftes weiter auf Gewinnkurs. Unter dem Strich verdiente der Maschinenbauer 1,7 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es mit 29,2 Millionen Euro zwar noch deutlich mehr. Doch dieser Überschuss konnte nur wegen eines Sanierungsgewinnes in Form einer Anleihe-Auszahlung von gut 42,7 Millionen Euro verbucht werden. Die Singulus-Aktien schlossen etwas höher.

Teil-Rettung für Solarworld

Solarworld: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
0,54
Differenz relativ
+46,51%

Auch für Solarworld scheint wieder die Sonne - zumindest vorerst. Deutschlands letztes großes Solarunternehmen bekommt eine dritte Chance: Die deutschen Produktionswerke des seit drei Monaten insolventen Solarmodulherstellers dürfen mit neuem Eigentümer und einer auf 475 Beschäftigte heruntergefahrenen Belegschaft weiterarbeiten. Das billigte eine Gläubigerversammlung des Unternehmens am Freitag. An der Spitze steht der einstige Solarworld-Gründer Frank Asbeck. Das Geld für das Geschäft kommt aus Katar. Solarworld hatte Mitte Mai nach sechs Jahren mit roten Zahlen Insolvenz angemeldet.

Snap - der Zauber ist verflogen

ARD-Börsenstudio: Mischa Ehrhardt

Börse 17.00 Uhr: Snap stürzt ab

Schockiert reagierten Anleger auf die Snap-Bilanz und das verhaltene Wachstum der Foto-App Snapchat. Die Aktien des Messaging-Diensts brachen um bis zu 17 Prozent ein und fielen auf ein Rekordtief. Im vergangenen Quartal konnten nur rund sieben Millionen täglich aktive Nutzer gewonnen werden. Zudem schwoll der Verlust der Betreiberfirma Snap von 116 Millionen auf 443 Millionen Dollar an. Der Umsatz stieg zwar um über 150 Prozent, blieb damit aber unter den Prognosen der Analysten.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 24. August

Unternehmen:
Schoeller-Bleckmann: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Abercrombie & Fitch: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Tele Columbus: Q2-Zahlen
CTS Eventim: Q2-Zahlen
Broadcom: Q3-Zahlen
Schoeller-Bleckmann: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Japan; Nikkei PMI Verarbeitendes Gewerbe 08/17, 2:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Verkauf bestehender Häuser, 07/17, 16:00 Uhr

Sonstiges:
USA: Fed Economic Policy Symposium, Jackson Hole (bis 26.8.) Gamescom: Computer- und Videospiele-Messe, Kölm (bis 26. August)

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