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Marktbericht 20:00 Uhr

Marktbericht negativ

Der Tag nach dem Referendum

Der Dax sinkt, aber er stürzt nicht

Stand: 06.07.2015, 20:00 Uhr

Den ganz großen Knall am Aktienmarkt gab es nach dem "Nein" im griechischen Referendum am Montag nicht. Aber die Nervosität und die Unsicherheit der Anleger war durchaus spürbar. Und die Lage bleibt schließlich so unklar wie vorher.

Der Dax schloss mit einem Abschlag von 1,5 Prozent auf 10.890,63 Punkten. Den tiefsten Stand markierte der deutsche Leitindex am Vormittag bei minus 2,1 Prozent auf 10.823 Punkten. Der L-Dax gab um 2 Prozent auf 10.871,21 Zähler nach. In Paris ging für den CAC-40-Index um 2 Prozent auf 4.711,54 Punkte abwärts. Der Londoner Leitindex FTSE 100 gab um 0,8 Prozent auf 6.535,68 Punkte nach. Der Dow Jones lag am Abend rund 0,5 Prozent im Minus. Als Fazit des Tages kann man wohl sagen, dass es nicht so schlimm gekommen ist, wie so mancher befürchtet hatte.

"EZB kann stabilisierend eingreifen"

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"Die Kapitalmärkte reagieren gelassen auf die griechische Volksabstimmung: Richtig so!", urteilte Analyst Markus Glockenmeier von der Essener National-Bank. Eine griechische Staatspleite bedeute zwar zusätzliche finanzielle Belastungen für alle Euro-Länder. Diese seien aber über lange Zeiträume gestreckt. Außerdem blicken die Marktteilnehmer schon wieder auf die EZB: "Zudem kann die EZB immer noch stabilisierend eingreifen und den besonders betroffenen Ländern damit Luft verschaffen", so der Fachmann.

Auch Jens Klatt, Marktbeobachter bei DailyFX bleibt entspannt: "Erst mit einem Schlusskurs unter 10.700 Punkten würde sich das Bild im Dax für die kommenden Tage eintrüben, dann den Weg in Richtung 10.100 Punkten frei machen. Kommt es nicht zu solch einem Schlusskurs, sollte er recht zügig die 11.000 Punkte Marke zurückerobern und sich dann wieder in Richtung 12.000 Punkte aufmachen."

Griechenland finanziell am Abgrund

"Insgesamt verliert der Grexit an der Börse mehr und mehr seinen Schrecken. Allerdings dürfte es volatil bleiben, sollte sich dieser dann doch tatsächlich abzeichnen", meint Andreas Paciorek von CMC Markets. Man sollte nicht vergessen, dass die Lage ebenso unsicher ist wie zuvor. Und "der Markt" hasst Unsicherheit. Klar ist nur, dass erneut verhandelt werden wird. Viele Fachleute sehen die Wahrscheinlichkeit eines Euro-Austritts Griechenlands jetzt höher an als einen Verbleib des Landes in der Zone. Lesen Sie hier, wie Ökonomen die Lage bewerten.

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Börse 20.15 Uhr

Auch die Pleite-Chance erhöht sich. Anbieter von Credit Default Swaps (CDS) verlangten für die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets griechischer Staatsanleihen gegen Zahlungsausfall eine Anzahlung von 6,075 Millionen Euro, teilte der Datenanbieter Markit mit. Am Freitag hatten sie 5,344 Millionen Euro gefordert. Derartige Vorschüsse sind am CDS-Markt üblich, wenn ein Staat oder Unternehmen finanziell am Abgrund steht.

Bundesanleihen als sicherer Hafen

Die Ungewissheit wirkte sich auf den Bondmarkt aus. Anleger mieden Papiere der südlichen Länder der Eurozone. In Italien, Spanien und Portugal stiegen die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen an. Die Kurse deutscher Staatsanleihen legten dagegen zu. Die Fachleute von Feingold Research rechnen damit, dass eine "Flucht in die Qualität" wie etwa Bundesanleihen oder US-Staatsanleihen anhalten dürfte, denn die Ungewissheit sei groß.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro zeigte sich ziemlich unbeeindruckt. Zwar büßte er im Vergleich zum Kurs am Freitagabend leicht ein, heftig war die Reaktion nicht. Ein "Grexit" würde laut Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann zwar nicht ohne politische Verwerfungen geschehen und zu erhöhten Schwankungen beim Euro führen. "Langfristig dürfte der Euro von einer konsequenten Haltung der Institutionen eher profitieren", erwartet Leuchtmann. Viele Fachleute gehen ohnehin davon aus, dass der Euro ohne Griechenland stärker wäre.

Bank-Aktien europaweit unter Druck

Größter Verlierer im Dax war die Commerzbank-Aktie vor den Papieren der Deutschen Bank. Auch Allianz leiden überdurchschnittlich. "Finanztitel sind an der Börse immer besonders betroffen von erhöhter Unsicherheit um Griechenland, auch wenn das Geschäft bereits stark reduziert wurde und nur noch geringe direkte Abhängigkeiten bestehen", sagte ein Händler. Zudem belaste die Sorge, dass es doch zu Ansteckungsgefahren und damit hohen Verlusten kommen könnte.

Der Branchenindex für Banken der Eurozone sackte um bis zu 3,8 Prozent ab. Vor allem Papiere südeuropäischer Institute wie der italienischen Banco Popolare, der spanischen Banco de Sabadell oder der portugiesischen BCP fielen bei den Anlegern in Ungnade.

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Telekom mit Griechenland-Malus

T-Aktien verlieren ebenfalls stärker als der Markt. Die 40-prozentige Beteiligung der Deutsche Telekom am griechischen Telekom-Konzern OTE erweist sich nun als Bumerang. Allerdings soll OTE laut früheren Angaben der Telekom in "hervorragender Verfassung" sein. Einem Händler zufolge ist von den Griechen in diesem Jahr ein Umsatzbeitrag im Telekom-Konzern von rund 5,7 Prozent zu erwarten, zum operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen könnte OTE aus seiner Sicht mehr als 7,3 Prozent beitragen.

Deutsche Post mit Abstand vorn

Die Deutsche Post und die Gewerkschaft Verdi haben am Sonntagabend nach einem vierwöchigen Streik auf einen Tarifabschluss geeinigt. Der Streik soll in der Nacht von Montag auf Dienstag um 24:00 Uhr enden, wie die Tarifparteien mitteilten. Die Post-Aktie schloss einem Aufschlag von 2,2 Prozent einsam an der Dax-Spitze.

Streiks bei der Lufthansa?

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Lufthansa-Passagiere müssen sich mitten in der reisestarken Sommerzeit auf neue Streiks einstellen. Die Vorgespräche über den Einstieg in eine Schlichtung zwischen Lufthansa und der Vereinigung Cockpit seien gescheitert, teilte die Gewerkschaft mit. Damit sei auch die Zusage der Piloten, bis Ende des Monats nicht mehr zu streiken, hinfällig geworden. Die Piloten legten die Lufthansa seit Frühjahr 2014 insgesamt zwölf Mal lahm.

Siemens: Einblick in die Lage

Siemens rechnet im Industriegeschäft im laufenden Geschäftsjahr einem hochrangigen Konzernmanager zufolge nach wie vor mit einer Marge am unteren Ende der angepeilten Gewinnspanne von zehn bis elf Prozent. Viel hänge vom vierten Quartal ab, sagte der Insider. Für das Geschäftsjahr 2015/16 wollte er keine Rendite-Prognose abgeben. Der Umsatz soll im nächsten Jahr zulegen. Für das laufende Geschäftsjahr geht der Konzern den Angaben zufolge weiter davon aus, dass der Umsatz sich nur wenig verändert: um ein bis zwei Prozent nach oben oder unten. Der Gewinn pro Aktie soll um mindestens 15 Prozent zulegen, sagte der Manager.

Keine 50 Euro für K+S?

Der kanadische Düngerhersteller Potash betrachtet laut einem Bloomberg-Bericht einen Preis von 50 Euro je K+S-Aktie als zu teuer. Die Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf Insider. Dies wäre fast das Doppelte des Durchschnittspreises der Papiere des deutschen Konkurrenten in den vergangenen zwölf Monaten vor Bekanntwerden des Übernahmeinteresses, hieß es weiter. Die K+S-Aktie blieb relativ stark und ging mit leichtemn Plus aus dem Handel.

Conti macht Schulden billiger

Der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental will eine eigene Unternehmensanleihe in Höhe von 950 Millionen US-Dollar Mitte September und damit vier Jahre früher als ursprünglich fällig zurückzahlen. Damit nutzt der Konzern das niedrige Zinsniveau.

RWE will sich radikal umbauen

Der Energiekonzern RWE will Tochtergesellschaften zusammenlegen oder mit dem Mutterkonzern verschmelzen, berichtete die "Rheinische Post". Dabei geht es unter anderem um die Töchter RWE Generation, RWE Innogy, RWE Technology und RWE Vertrieb. Durch eine Zusammenlegung sollten unter anderem Aufsichtsräte, Vorstände und deren Stäbe eingespart werden.

Airbus hängt Boeing ab

Der europäische Flugzeugbauer Airbus liegt in diesem Jahr bei den Orderzahlen vor seinem US-Erzrivalen Boeing. In den ersten sechs Monaten erhielten die Europäer nach eigenen Angaben vom Montag bis Ende Juni netto 348 Bestellungen. Die Amerikaner kamen dagegen lediglich auf 281 Aufträge nach Abzug von Stornierungen. Bei den Auslieferungen hat Boeing jedoch die Nase mit 381 vorn. Airbus brachte nur 304 Flugzeuge an die Kunden.

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HHLA bestätigt Prognose

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Der Hafenkonzern HHLA hält trotz eines schwachen Containergeschäfts an seiner Gewinnprognose für das Gesamtjahr fest. Der Vorstand erwartet weiterhin ein Konzernergebnis auf dem Niveau des Vorjahres. 2014 hatte der Konzern ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 169,3 Millionen Euro erzielt, wovon das Containergeschäft den Löwenanteil beisteuerte. Doch wegen der Sanktionen gegen Russland und der Abkühlung der chinesischen Konjunktur rechnet der Konzern nun mit einem moderaten Rückgang statt einer leichten Zunahme des Containerumschlags, das Ergebnis der Sparte dürfte stärker als erwartet auf 125 bis 135 (Vorjahr: 156,1) Millionen Euro sinken.

Metzler stützt Fielmann

Eine Hochstufung hat Fielmann-Aktien an die zweite Stelle im MDax geschoben. Analyst Stefan Wimmer vom Bankhaus Metzler strich seine Verkaufsempfehlung für die Anteile an der Optikerkette und zeigt sich mit "Hold" jetzt neutral gestimmt. Sein Kursziel erhöhte er von 57 auf 62 Euro. Er rechne mit einem starken zweiten Quartal, schrieb Wimmer zur Begründung seiner nun optimistischeren Sicht auf das Unternehmen.

Air Berlin verschärft Sparkurs

Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin verschärft bei ihrer Sanierung den Schrumpfkurs. Es gehe nicht um Größe, sondern um Gewinn, sagte Air-Berlin-Chef Stefan Pichler. Die rund 140 Maschinen starke Flotte werde nach dem Abgang von sieben Jets im vergangenen Jahr voraussichtlich auch 2015 weiter verkleinert. Auf der Kippe sieht Pichler zudem die eigene Flugzeugwartung und flugfremde Abteilungen wie die Personalverwaltung. Air Berlin fliegt im laufenden Geschäft seit Jahren Verluste ein. In den Jahren seit 2011 summierte sich das Minus auf mehr als eine Milliarde Euro.

Rolls-Royce-Aktie bricht ein

Zum dritten Mal in nur neun Monaten hat der britische Triebwerks-Hersteller Rolls-Royce seine Gewinnerwartungen zurückgeschraubt. Grund dafür seien die anhaltende Schwäche auf dem Öl- und Gasmarkt sowie eine geringere Nachfrage nach einigen Motorentypen. Die erneute Gewinnwarnung kommt nur vier Tage nach dem Wechsel an der Konzernspitze. Der neue Chef Warren East will den Umsatzschwund der weltweiten Nummer zwei der Branche stoppen. In diesem Jahr werde mit einem Gewinn von 1,32 bis 1,47 Milliarden Pfund (1,86 bis 2,07 Milliarden Euro) gerechnet, teilte der Konzern mit. Das sind fünf Prozent weniger als zuvor erwartet.

ts

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 3. August

Unternehmen:
Commerzbank: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr und Presse-Telefonkonferenz, 10:30 Uhr
Wacker Chemie: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Porsche Automobil Holding SE: Halbjahreszahlen
Alstria Office: Q2-Zahlen, 18:00 Uhr
HSBC: Q2-Zahlen, 06:00 Uhr
TNT Express: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Heineken: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Veolia Environnement: Q2-Zahlen
American International Group (AIG): Q2-Zahlen (nach Börsenschluss)

Konjunktur:
China: Caixin PMI Industrie im Juli, endgültig, 03:45 Uhr
EU: Markit Einkaufsmanagerindex Industrie für die Euro-Zone im Juli, 10:00 Uhr
USA: Persönliche Einkommen und Konsum im Juni, 14:30 Uhr
USA: Bauausgaben im Juni, 16:00 Uhr
USA: Einkaufsmanagerindex Industrie im Juli, 16:00 Uhr

Sonstiges:
USA: Zahlen zum Autoabsatz im Juli

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