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Marktbericht 20 Uhr

Marktbericht negativ, weißer Plüschbär hält sich die Augen zu

Die Angst vor dem großen Öl-Desaster geht um

Der Salami-Crash geht weiter

Stand: 15.01.2016, 20:00 Uhr

Der Ölpreis-Rutsch mag Autofahrer freuen. Doch er bringt auch vielerlei Probleme mit sich. Für viele Länder, die Ölkonzerne - und jetzt auch die Banken. Für den Dax sind das zu viel der Sorgen, er macht weiter beim Salami-Crash.

Mehr als elf Prozent Minus hat der Dax schon jetzt in den ersten Januartagen auf dem Buckel. Damit hat sich der Jahresgewinn 2015 komplett pulverisiert. Öl und China - das sind die beiden Themen, die Anlegern in diesen Tagen die Sorgenfalten in die Stirn treiben. Heute war wieder Untergangsstimmung. Der Dax verabschiedete sich am Freitag mit einem Tagesminus von 2,5 Prozent bei 9.546 Punkten. Zeitweise war der Deutsche Aktienindex bis auf 9.475 abgerutscht.

An den US-Börsen sieht es heute ebenso schlimm aus wie in Frankfurt. Der Dow Jones notiert zur Stunde rund drei Prozent im Minus.

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Börse 20.15 Uhr

Zu China und Öl gab es noch Unruhe on top durch den kleinen Verfallstag an den Börsen. Dazu kamen am Nachmittag enttäuschende US-Konjunkturdaten: Die Stimmung in der Industrie des US-Bundesstaats New York hat sich im Januar überraschend und stark eingetrübt, wie der Empire-State-Index zeigte. Zudem schrumpfte der Einzelhnadelsumsatz im Dezember um 0,1 Prozent - und das in einer Volkswirtschaft, die wie keine andere von der Konsumfreudigkeit ihrer Bürger abhängt.

Dax
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Das belastete den Dollar, der Euro sprang auf ein Tageshoch von 1,0984 Dollar. Neben dem Empire-State-Index wurden gleichzeitig auch Daten zum Einzelhandel und zu den Erzeugerpreisen veröffentlicht.

Ölpreis schmiert ab

Der Ölpreis-Verfall nahm heute bedenkliche Ausmaße an. Die Preise für das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI sanken zeitweise um sechs Prozent, fielen zurück bis auf 29,40 Dollar je Fass und damit auf den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren. Die Ölpreise sind allein seit Jahresbeginn um über 20 Prozent gefallen. Anleger fürchteten, dass sich die Ölschwemme noch verstärken wird, wenn das Förderland Iran an den Weltmarkt zurückkehrt. Das könnte am Montag anstehen, wird an der Börse spekuliert.

Angst vor Pleitewelle im Energiesektor

Der Ölpreisverfall hinterlässt immer tiefere Spuren an den Aktienmärkten. Vor allem bei den Aktien der Energiekonzerne. Die Anteilsscheine von Exxon und Chevron schmierten weiter ab. "Während sich Autofahrer über günstige Benzinpreise freuen, sorgen sich die Börsen über eine Pleitewelle im Energiesektor", erklärte Jochen Stanzl, Analyst beim Online-Broker CMC Markets.

Der Ölpreisrutsch treibt aber auch amerikanischen Bankmanagern Sorgenfalten auf die Stirn. Citigroup und Wells Fargo mussten Ende 2015 mehr Geld für ausfallgefährdete Kredite zurücklegen, weil immer mehr Firmen aus dem Energiesektor wegen des Ölpreisverfalls in die Bredouille geraten.

Rohstoffländer unter Druck

Und auch viele Währungen von Rohstofflieferländern leiden. Der Australische Dollar verlor heute in der Spitze zwei Prozent auf 0,6865 US-Dollar, den tiefsten Stand seit knapp sieben Jahren. Die Währung Kanadas notierte zum Greenback mit 1,4545 kanadischen Dollar auf einem 13-Jahres-Tief.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Intel taucht ab

Herbe Verluste stecken Intel-Aktien ein, sie verlieren 9 Prozent. Der weltgrößte Chiphersteller enttäuschte mit seiner Umsatzprognose für das laufende Quartal. Ausgerechnet beim Geschäft mit Rechenzentren, das als Hoffnungsträger gilt, verlangsamte sich das Wachstum.

Citigroup und Wells Fargo überzeugt

Weiter geht's im Bilanzreigen der großen Wall Street-Banken: Die Citigroup präsentiert 17 Milliarden Dollar Jahresgewinn, Wells Fargo 23 Milliarden. An der Börse fielen die beiden Bankhäuser aber dennoch durch. Bei Citigroup fielen die Erträge zu gering aus. Bei Wells Fargo stieß negativ auf, dass die Bank mehr Geld für ausfallgefährdete Kredite zurücklegte - unter anderem in der Öl- und Gasbranche. Gestern hatte bereits das größte amerikanische Geldhaus, JPMorgan, einen Milliardengewinn präsentiert.

Goldman Sachs muss erneut blechen

Die Konkurrenten Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley wollen ihre Finanzberichte in der kommenden Woche vorlegen. Goldman machte heute schon Schlagzeilen: Die Bank muss rund fünf Milliarden Dollar zur Beilegung von Zivil-Klagen im Streit um den Verkauf hypothekenbesicherter Wertpapiere (RMBS) zahlen. Das wird den Gewinn um etwa 1,5 Milliarden Dollar schmälern.

Setzt die Deutsche Bank auf Schummel-Software?

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die deutschen Institute lassen mit ihren Zahlen noch etwas auf sich warten. Nicht aber mit Negativ-Schlagzeilgen: Die Deutsche Bank soll mit einer speziellen Software Kundenaufträge für Devisengeschäfte verzögert haben. Die Bank weist das zurück.

Commerzbank: Geht auch Aufsichtsratschef Müller?

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Commerzbank steht nach Informationen aus Kreisen vor einem weiteren personellen Umbruch. Das Institut sucht nun neben einem neuen Vorstandschef auch einen Nachfolger für Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller. Dies verlautete am Freitag aus Aufsichtsratskreisen, die damit entsprechende Informationen des "Spiegel" bestätigten.

Wal-Mart schließt Filialen

Der größte US-Einzelhändler Wal-Mart hat massive Sparmaßnahmen angekündigt. Weltweit sollen 269 Filialen geschlossen werden, 16 000 Mitarbeiter sind betroffen. In den USA sollen 154 Läden dichtmachen, davon 102 kleinere Geschäfte, die seit 2011 unter der Marke Wal-Mart Express betrieben werden.

VW: Neue Hiobsbotschaften

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Im Dax gab es heute am Ende des Tages nur noch Verlierer, allen voran Infineon und RWE. Auf Europas größten Autobauer prasselten die nächsten schlechten Nachrichten herein: Als Konsequenz aus dem Abgasskandal kann VW vorerst nicht mehr auf frische Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) hoffen. Auf dem europäischen Automarkt büßte VW im Dezember zudem weiter Marktanteile ein.

Salzgitter bekräftigt Prognose

Im MDax gehörte die Salzgitter-Aktie zu den größten Verlierern. Der Stahlkonzern hält trotz eines wegen eines BFH-Urteils zu erwartenden Steuermehraufwandes von rund 25 Millionen Euro an seiner Prognose für 2015 fest. Der Konzern hat aus Vorsicht für etwaige nachträgliche Steuerzahlungen Rückstellungen gebildet.

Hugo Boss schaut nach vorn

Einer der wenigen Gewinner im MDax war die Aktie von Hugo Boss. Dabei schaffte der Modekonzern sein erst im Oktober reduziertes Ergebnisziel 2015 nicht. Doch darauf waren Investoren gefasst. Die Modebranche kränkelt schon länger. Konkurrenten wie Gerry Weber, Ahlers und Tom Tailer hatten auch schon ihre Jahresprognosen gesenkt. Die Boss-Aktie war 2015 der zweitschlechteste Wert im MDax. Nun geht der Blick nach vorn. Firmenchef Claus-Dietrich Lahrs kündigte "entschiedene Maßnahmen" an, um die Geschäfte in den USA und China auf Vordermann zu bringen.

H&M überraschend stark

In Schweden gewannen die Aktien von Hennes & Mauritz nach überraschend starken Umsatzzahlen für Dezember dagegen. Trotz der ungewöhnlich milden Temperaturen in Europa und Nordamerika hatte H&M im Dezember seinen Umsatz um zehn Prozent steigern können. In dem schwierigen Monat kann sich der Modehändler damit absolut sehen lassen.

Dialog gibt sich geschlagen

Das freut die Dialog-Aktionäre: Im Ringen um die Übernahme der US-Chipfirma Atmel will Dialog nicht nachlegen. Man habe "im besten Interesse der Aktionäre" entschieden, die milliardenschwere Offerte für Atmel nicht aufzustocken. Mit einem Mini-Minus von 0,2 kann sich die Dialog-Aktie heute vergleichsweise gut schlagen.

Air Berlin und Etihad können aufatmen

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin kann ihre umstrittenen Gemeinschaftsflüge mit dem arabischen Partner Etihad bis Ende März weitgehend fortsetzen. Das entschied am Donnerstag das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg.

Ford plant neues Werk in Mexiko

Etliche Neuigkeiten gab es aus der Auto-Industrie. So plant Ford Insidern zufolge den Bau eines neuen Werks in Mexiko. Dort sollten pro Jahr 350.000 Fahrzeuge gebaut werden können, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Ford rechne mit Investitionen im Volumen von 1,5 Milliarden Dollar.

Fiat: Vorwürfe ohne Grundlage

Der italienisch-amerikanische Autokonzern Fiat Chrysler hat den Vorwurf zurückgewiesen, er manipuliere die Verkaufszahlen seiner US-Händler. Der Autobauer erklärte am Donnerstag, die Klage zweier Händler sei unbegründet, die Behauptungen hätten keine Grundlage.

Renault: Kein Abgas-Schummel

Bei Renault gibt es nach Angaben von Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal keinen Abgas-Schummel: "Es gibt keinen Betrug bei Renault. Das sollten Aktionäre und Mitarbeiter wissen", so Royal. Bei Emissionsprüfungen sei keine manipulierte Software gefunden worden. Die Renault-Aktie war am Donnerstag um rund zehn Prozent eingebrochen.

GE wird Haushaltsgerätesparte los

Der US-Mischkonzern General Electric (GE) hat einen Käufer für sein Geschäft mit Haushaltsgeräten gefunden. Die Sparte geht für 5,4 Milliarden US-Dollar an den chinesischen Konzern Haier. Das Geschäft soll bis Mitte des Jahres abgewickelt sein.

BHP Billiton rechnet mit Milliardenbelastung

Den britisch-australischen Rohstoffriesen BHP Billiton kommt der Ölpreisverfall teuer zu stehen. Der Konzern rechnet bei seinen Schiefergas- und Ölgeschäften in den USA mit einer Abschreibung von 4,9 Milliarden US-Dollar, wie das Unternehmen in der Nacht zum Freitag in Melbourne mitteilte.

bs

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 31. August

Unternehmen:
Steinhoff International: Trading Update
Halloren Schokoladenfabrik: Halbjahreszahlen
Buwog: Zahlen zum Geschäftsjahr 2015/16
Strabag: Halbjahreszahlen, 07:30 Uhr
Salesforce.com: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Japan: Industrieproduktion im Juli, 01:50 Uhr
Deutschland: Arbeitsmarktdaten für August, 09:55 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise der Euro-Zone im August, 11:00 Uhr
USA: ADP-Arbeitsmarktbericht für August, 14:15 Uhr
USA: Einkaufsmanagerindex Chicago für August, 15:45 Uhr
USA: Schwebende Hausverkäufe im Juli, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht, 16:30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt: Handelsblatt-Jahrestagung "Banken im Umbruch" mit Deutsche-Bank-Chef Cryan und Commerzbank-Chef Zielke
Berlin: Erster Medientag der Ifa

Darstellung: