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Marktbericht 20:15 Uhr

Marktbericht neutral

Wieder ein neues Rekordhoch

Der Dax steht so hoch wie noch nie

Das gibt es nicht alle Tage. Die New Yorker Börse fällt nach überraschend guten Konjunkturzahlen - und unser Dax steigt fröhlich weiter auf einen neuen Rekordstand. Großer Verlierer war hingegen der Euro, dessen Talfahrt nicht zu stoppen scheint.

Der deutsche Leitindex hat zum Wochenschluss erstmals in seiner Geschichte im Handelsverlauf die Marke von genau 11.600 Punkten erreicht und damit ein weiteres Rekordhoch aufgestellt. Halten konnte der Dax das Niveau aber nicht. Zum Handelsschluss setzten Gewinnmitnahmen ein, der Dax schloss bei 11.550 Punkten, ein Tagesgewinn von 0,41 Prozent. Im Späthandel setzten sich die Abgaben fort, der L/E-Dax schloss bei 11.516 Punkten.

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Börse 19.00 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt zeigt sich mittlerweile so robust, dass er sogar der schwachen Tendenz an der amerikanischen Weltleitbörse trotzt - üblicherweise ist es genau umgekehrt. Aber während in Amerika die Wahrscheinlichkeit einer schneller als erwartet kommenden Zinswende mit den heutigen robusten Arbeitsmarktdaten wieder gestiegen ist, blicken die Investoren hierzulande weiter mit freudiger Erwartung auf das am Montag beginnende QE-Programm der EZB - und damit auf die zu erwartende frische Geldschwemme für die Börse.

US-Zinswende rückt näher

Die mit Spannung erwarteten Arbeitsmarktdaten aus Amerika zeigen nämlich, dass die US-Wirtschaft weiter Boden gut macht. Die Statistik fiel für den Wintermonat Februar überraschend gut aus.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft lag bei 295.000 und damit über den Erwartungen von 240.000. Die Arbeitslosenquote sank auf 5,5 von zuvor 5,7 Prozent. Erwartet war nur ein Rückgang auf 5,6 Prozent.

"Die Federal Reserve wird die positiven Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt erfreut zur Kenntnis nehmen, den Passus 'geduldig abwarten' im Statement demnächst streichen und vermutlich im Juni 2015 eine erste Zinsanhebung vornehmen", sagte NordLB-Analyst Bernd Krampen.

Verluste an der Wall Street

Genau diese Perspektive bringt die Sache auf den Punkt und drückt auf die Stimmung. Die Aussicht auf steigende Zinsen, obwohl immer wieder von der Fed angekündigt, behagt den Anlegern nicht, denn die Zeiten des ultrabilligen Geldes könnten sich schneller dem Ende zuneigen als erwartet. Der Dow Jones-Index weitet derzeit seine Verluste aus und ist schon im frühen Geschäft unter die Marke von 18.000 Punkten gefallen. Aktuell verliert der Index deutlich 1,3 Prozent auf 17.913 Punkte

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Für Beachtung sorgt allerdings die Meldung, dass die Apple-Aktie ab dem 18. März in den Dow einzieht. "Als das größte Unternehmen der Welt und Technologie-Führer ist Apple eine eindeutige Wahl für [...] den meistbeachteten Aktienindex", sagte David M. Blitzer vom Index-Komitee. Apple hatte im Februar einen Rekord-Börsenwert von etwa 775 Milliarden Dollar erreicht. Weichen muss Telekombetreiber AT & T, dessen Aktie nachgibt. Es ist der erste Wechsel im Index seit 2013.

Banken-Stresstest im Blick

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Des Weiteren blicken die Investoren in New York auf Finanzaktien. Diese legen nach der Bekanntgabe der Ergebnisse des jüngsten Banken-Stresstests durch die Fed gegen den Markt zu. Alle 31 Banken haben die erste Runde des US-Stresstests bestanden. Die Geldhäuser hätten genügend Kapitalpuffer, um eine große Krise zu überstehen, teilte die Fed mit.

Auch die US-Tochter der Deutschen Bank bestand den Test. Doch bei der zweiten Stufe des Tests werde Deutschlands größte Bank wohl durchfallen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Finanzkreisen.

Devisenmarkt: Schwarzer Tag für den Euro

Die Gemeinschaftswährung bleibt nach den robusten Konjunkturzahlen aus Amerika weiter unter Druck und setzt ihren Abwärtstrend ungebremst fort. Der Euro stürzt regelrecht ab und notiert aktuell am Tagestief bei 1,0855 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit dem Jahr 2003. Die EZB hatte den Referenzkurs noch bei 1,0963 Dollar festgesetzt nach 1,1069 Dollar am Vortag. Damit hat der Euro in zwei Tagen über zwei Cent zum Greenback verloren.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Und ein Ende der Talfahrt zeichnet sich nicht ab. Ursache für das Erdbeben ist die diametral entgegengesetzte Notenbankpolitik in den beiden Wirtschaftsräumen, die auch schon für die unterschiedlichen Tendenzen an den Aktienmärkten sorgt. Während die EZB die Schleusen öffnet, stehen die Zeichen in Amerika auf ein Anziehen der Zügel, wenn auch eher moderat und bisher nur angekündigt. Die Reaktion der Devisenmärkte ist trotzdem eindeutig, was den Dollar stärkt und den Euro schwächt.

Die neuerliche Diskussion um Griechenlands Solvenz war heute kein Thema am Markt. Am Montag tagen die Euro-Finanzminister, um zu beraten.

Versorger nicht gefragt

Aktien von Eon und RWE fielen mit überdurchschnittlichen Verlusten auf. Die Grupo Santander hat Eon von "Hold" auf "Underweight" abgestuft und ihre Kaufempfehlung für RWE einkassiert. Die Bewertung ist nun nur noch "Hold".

Eon
Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank wird kräftig blechen

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Commerzbank steht im Streit um Verstöße gegen die US-Wirtschaftssanktionen gegen den Iran und den Sudan laut Reuters vor einer Einigung mit den zuständigen US-Behörden. Danach könnte das Geldhaus im Rahmen eines Vergleichs 1,45 Milliarden Dollar zahlen. Die Vereinbarung könnte bereits in der kommenden Woche bekanntgegeben werden. Die Aktie legte trotzdem zu.

Daimler verkauft sich gut und investiert in USA

Daimler hat im Februar ein Absatzwachstum von 14,5 Prozent verbucht. Das Stuttgarter Unternehmen setzte gut 128.000 Autos der Marken Mercedes-Benz und Smart ab. Besonders stark war das Wachstum in Europa mit 17 und in China mit knapp 14 Prozent. Die Börse war zufrieden, das Daimler-Papier stieg 0,86 Prozent. Zwischenzeitlich wurde sogar die Marke von 90 Euro übertroffen, der höchste Kurs seit 2007.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Autobauer gab ebenfalls bekannt, dass er 500 Millionen Dollar in eine neue Produktionsstätte in den USA investieren wird. In der neuen Fabrik in Charleston in South-Carolina soll zukünftig der Mercedes-Sprinter gebaut werden. Die USA sind der zweitgrößte Absatzmarkt für den Kleintransporter, 26.000 Fahrzeuge wurden 2014 dorthin verkauft. Unter anderem um Importzölle zu vermeiden, aber auch aus Kostengründen, wird künftig direkt in Amerika produziert. Mit dem Bau der Produktionsstätte soll 2016 begonnen werden, geplant sind 1.300 Arbeitsplätze.

Lufthansa hat China im Visier

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Lufthansa will ihre seit vergangenem Sommer geplante engere Zusammenarbeit mit dem Partner Air China bis spätestens Ende des Jahres umsetzen. Sobald die Kartellbehörden ihre Zustimmung geben, solle das Flugangebot wie geplant noch enger aufeinander abgestimmt werden, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr der "South China Morning Post".

SAP baut Stellen ab

SAP
SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Walldorfer Softwareriese SAP will über 2000 seiner weltweit rund 74.400 Stellen abbauen. Mittelfristig sollten drei Prozent der Arbeitsplätze wegfallen, sagte ein Konzern-Sprecher am Freitag. Die Stellenstreichungen erfolgen demnach nicht aus Kostengründen, sondern sind der neuen Ausrichtung des Konzerns geschuldet. SAP will in Zukunft sein Angebot weg von fest installierter Software hin auf Abo-Modelle, sogenanntes Cloud Computing, umstellen. Bestimmte Arbeistplätze werden daher nicht mehr gebraucht.

Jungheinrich muss nicht tiefstapeln

Jungheinrich: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Maschinenbauer Jungheinrich hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um neun Prozent auf 2,5 Milliarden Euro verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) konnte wegen eines positiven Sondereffekts um zwölf Prozent auf 193 Millionen Euro verbessert werden. Die Aktionäre dürften sich über eine kräftige Dividendenerhöhung freuen. Die Ausschüttung steigt um 21 Prozent auf 1,04 Euro je Vorzugsaktie. Die Aktie ist zu Handelsbeginn der größte Gewinner im MDax.

Symrise braucht neuen Finanzchef

Symrise: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Duft- und Aromenspezialist Symrise muss sich einen neuen Finanzvorstand suchen. Der bisherige Amtsinhaber Bernd Hirsch wird Ende 2015 "auf eigenen Wunsch" das Unternehmen verlassen, teilte das MDax-Mitglied mit. Als Grund nannte Hirsch persönliche Gründe. Schon bald soll ein Nachfolger präsentiert werden. Symrise präsentiert am kommenden Dienstag seine Jahreszahlen.

Asian Bamboo verringert Verlust

Das Bambus-Unternehmen aus dem Prime Standard berichtet in seinen vorläufigen Geschäftszahlen für 2014 von weiter schwierigen Marktbedingungen. So musssten Rechte für Plantageflächen abgegeben werden. Allerdings sanken dadurch auch die Pachtkosten.

Asian Bamboo: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
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Der Umsatz fiel um 22 Prozent auf 24,4 Millionen Euro, das operative Eregbnis lag bei minus 10,8 Millionen Euro, das waren 56 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Aktie, die im Herbst zum Penny-Stock wurde, hat sich zuletzt wieder etwas gefangen und legte auch heute zu. Das Papier ist bei deutschen Anlegern immer noch bekannt, 2010 kostete es noch über 42 Euro.

rm

Stand: 06.03.2015, 20:15 Uhr

Tagestermine am Montag, 9. März

Unternehmen:
Dürr: Jahreszahlen, 7:30 Uhr
Apple: Produktpräsentation, 19 Uhr
Air France-KLM: Verkehrszahlen Februar

Konjunktur:
Deutschland: Handels- und Leistungsbilanz Januar, 8 Uhr;
Sentix-Konjunkturindex März, 10:30 Uhr
EU: Treffen der EU-Finanzminister, Brüssel, 15:00 Uhr

Sonstiges:
Russland: Feiertag, Börse geschlossen

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