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Marktbericht 20:05 Uhr

Aktienmarkt ist hin und her gerissen

Dax zwischen Politik und Quartalszahlen

Gute Unternehmensdaten haben dafür gesorgt, dass der Aktienmarkt trotz der globalen geopolitischen Spannungen gestützt wurde. Die Anspannung bleibt aber hoch, die Investoren agieren vorsichtig.

Der deutsche Leitindex beendete den Handelstag bei 9.753 Punkten, ein Tagesgewinn von 0,2 Prozent. Im Tageshoch hatte der Index kurz die charttechnische Widerstandsmarke von 9.800 Punkten getestet, fiel danach aber wieder zurück. Nachbörslich bewegte sich nichts mehr, der L/E-Dax schloss bei 9.753 Punkten unverändert.

Zwischen Baum und Borke

Börse 19.00 Uhr

Der Leitindex quälte sich durch den Tag, getrieben anfangs von überwiegend guten Unternehmensdaten einerseits, gleichzeitig aber auch anhaltender Unsicherheit über die Lage in der Ukraine und im Nahen Osten. Mehr als das kleine Plus war heute trotz der vielen Bilanzzahlen nicht drin. "Die Unsicherheit ist einfach zu groß", sagte ein Händler. Der Abschuss zweier ukrainischer Kampfflugzeuge zeige, dass die Lage in der Ukraine ein Pulverfass bleibe.

Zudem wirkt bei den Anlegern immer noch die Katastrophe des Abschusses eines malayischen Passagierflugzeuges im Krisengebiet nach, für den russische Separatisten verantwortlich gemacht werden. Schärfere Sanktionen gegen Russland werden jetzt bei europäischen Politikern immer mehr diskutiert. Dies würde vor allem die deutsche Wirtschaft schwächen, die erhebliche Interessen in Russland hat. Kein Wunder also, dass die Anleger in Frankfurt nur mit angezogener Handbremse agieren.

New York tendiert uneinheitlich

S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum Intraday
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1989.74
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Selbst die Wall Street kann sich trotz einer ganzen Reihe positiver Quartalsergebnisse nicht wirklich befreien, auch wenn die Krise in der Ukraine nicht so zentral im Mittelpunkt steht wie bei uns. Laut Marktanalyst Jasper Lawler von CMC Markets zeige der Abschuss zweier ukrainischer Kampfjets durch prorussische Separatisten aber, dass die dortige Krise akut bleibt.

Der Dow liegt aktuell leicht im Minus um die Marke von 17.100 Punkten, allerdings war der Markt gestern gut gelaufen. Der S&P-500-Index hat im Handelsverlauf bei 1.989 Zählern ein neues Rekordhoch markiert und notiert aktuell leicht darunter gut 0,15 Prozent im Plus. Auch an der Nasdaq geht es aktuell bergauf.

Die Börsianer können bisher mit dem Verlauf der Berichtssaison zufrieden sein. Auch heute legten bisher eine ganze Reihe von Firmen ihre Zahlen vor, die überwiegend besser ausfielen als erwartet. Nach Börsenschluss werden noch Facebook und AT&T erwartet. Nennenswerte Konjunkturdaten stehen heute nicht auf der Agenda.

Euro schwächer

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Am Devisenmarkt neigt der Euro erneut zur Schwäche. Die europäische Währung fiel gegenüber dem US-Dollar bis auf 1,3453 Dollar - der tiefste Stand seit November vergangenen Jahres. Marktbeobachter verwiesen auf die Erwartung einer wachsenden Zinsdifferenz zwischen dem Euroraum und den USA. "Die USA werden die Leitzinsen im kommenden Jahr anheben", sagte Volkswirt Ayako Sera von der Sumitomo Mitsui Trust Bank. "In Europa könnten wir dagegen eine weitere Lockerung der Geldpolitik sehen."

Conti und Lanxess gefragt

Der Spezialchemiekonzern gehörte nach einem positiven Analystenkommentar der Bank of America/Merrill Lynch zu den größten Tagesgewinnern. Die Experten haben die Aktie auf ihre Empfehlungsliste "Europe 1" gesetzt. Außerdem wurden gute Ergebniszahlen des niederländischen Konkurrenten Akzo Nobel als Grund für den Anstieg genannt. Auch Continental schoben sich gegen Handelsende noch nach vorne, allerdings ohne neue Nachrichten. Gleiches galt für die Telekom, die als Schlusslicht 0,77 Prozent abgab.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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12.22
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Berg- und Talfahrt beim Daimler

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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66.30
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Auch in Deutschland kommt die Quartalsberichtssaison jetzt so langsam in Fahrt. Dem Autobauer Daimler haben im zweiten Quartal vor allem gute Geschäfte mit neuen Modellen wie der S- und der C-Klasse geholfen. Daimler-Aktien, die zunächst den ganzen Dax hochgezogen hatten, drehten am Nachmittag aber ins Minus und gehörten zu den schwächsten Dax-Werten.

Deutsche Bank vor Problemen in Amerika

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch Aktien der Deutschen Bank lagen am Dax-Ende. Wie das "Wall Street Journal" berichtete, habe die amerikanische Tochtergesellschaft "ernsthafte Probleme". Sie habe im Dezember einen Brandbrief der Federal Reserve Bank of New York erhalten. Die Notenbank als Aufsichtsbehörde habe darin unter anderem eine schlampige Buchführung, eine unzureichende Kontrolle und mangelhafte technische Systeme angemahnt.

Volkswagen will fünf Milliarden Euro sparen

Bei VW ist ebenfalls nicht mehr alles Sonnenschein. Firmenchef Martin Winterkorn hat in einer Rede vor rund 20.000 Beschäftigten des Stammwerkes in Wolfsburg angesichts der aktuellen Margenschwäche der Kernmarke VW mehr Sparerfolge angemahnt. Er kündigte Einsparungen von fünf Milliarden Euro im Jahr an. "Kurzfristig brauchen wir dringend mehr Effizienz und mehr Ergebnis", sagte der Konzernchef am Mittwoch. VW-Vorzüge legten 0,8 Prozent zu.

Stratec legt zu

Das Medizintechnikunternehmen Stratec Biomedical hat im ersten Halbjahr sein Konzernergebnis um 47 Prozent auf 9,6 Millionen Euro gesteigert. Allerdings war das Geschäft im ersten Halbjahr des Vorjahres wegen eines Wasserschadens relativ schwach gewesen. Stratec-Aktien gehören zu den größten Gewinnern im TecDax.

Mifa-Sanierung geht weiter

Kräftig nach oben ging es mit der Aktie des Fahrradherstellers, nachdem die Gläubiger am Mittwoch auf einer Versammlung des angeschlagenen Unternehmens grünes Licht für die Fortsetzung des Sanierungskurses gegeben haben. Einer der prominentesten Aktionäre ist AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, der 2011 eingestiegen war und mehr als 20 Prozent hält.

Syngenta wächst kaum

Der Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta ist im ersten Halbjahr wegen des harten Winters in Nordamerika gebremst worden. Der Umsatz wuchs nur ein Prozent auf 8,5 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis sank um drei Prozent auf 2,11 Milliarden Dollar. Die Aktie gab nach.

Banco Espirito Santo gerettet?

Die amerikanische Großbank Goldman Sachs ist bei der angeschlagenen portugiesische Banco Espirito Santo (BES) eingestiegen. Goldman habe 2,27 Prozent der Aktien gekauft, hieß es in einer Pflichtmitteilung. Auch der amerikanische Hedgefonds D.E. Shaw hat sich an der BES beteiligt und 2,7 Prozent erworben.

Gleichzeitig musste mit Rioforte eine weitere Holding der Banker-Dynastie Insolvenz anmelden. In Rioforte, das rund 10.000 Mitarbeiter beschäftigt, sind die Beteiligungen der Familie außerhalb der Finanzbranche gebündelt, unter anderem großer Landbesitz. Zudem ist Rioforte mit 49,3 Prozent an der Finanzholding ESFG beteiligt, der wiederum 20 Prozent an der Banco Espirito Santo (BES) gehören. Bankaktien in Portugal steigen aber heute dennoch, denn die zweitgrößte Bank des Landes, Millennium BCP, hat erfolgreich eine Kapitalerhöhung im Volumen von 2,25 Milliarden Euro platziert. Analysten werteten dies als großen Erfolg.

Boeing im Aufwind

Der amerikanische Flugzeugbauer hat mit seinen Zahlen für das zweite Quartal die Erwartungen übertroffen und gleichzeitig auch die Prognose für das Gesamtjahr erhöht. Für das laufende Jahr werden nun 0,75 Dollar mehr je Aktie prognostiziert in einer Bandbreite zwischen 7,90 bis 8,10 Dollar. Die Aktie, die bereits am Vortag gut gelaufen war, legt weiter zu.

Pepsico ist zuversichtlich

Gute Nachrichten kommen auch von Pepsico. Der Erzrivale von Coca-Cola hebt wegen eines florierenden Snackgeschäfts seine Gewinnprognose an. Das Management erwartet nunmehr ein Gewinnwachstum von acht statt bisher sieben Prozent. Im Quartal ging das Ergebnis aber um zwei Prozent auf 1,98 Milliarden Dollar zurück, denn die Kunden sind beim Konsum von Früchtsäften zurückhaltender geworden.

Auch EMC erhöht den Ausblick

Auch der weltgrößte Hersteller von IT-Speichersystemen hat seinen Jahresausblick nach den Quartalszahlen auf 1,91 Dollar je Aktie erhöht, das ist ein Cent mehr als bisher. Im Quartal stieg das bereinigte Ergebnis um 2,6 Prozent auf 0,43 Dollar je Aktie. Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 5,88 Milliarden Dollar, das war mehr als erwartet. Vor allem im Cloud-Computing, das von der Beteiligung VMware betrieben wird, wächst das Geschäft, während das angestammte Geschäft mit großen, fest installierten Speichergeräten zurückfällt.

Dow Chemical nur auf den ersten Blick schwächer

Der Quartalsgewinn des BASF-Konkurrenten Dow Chemical ist im zweiten Quartal um 62 Prozent auf 882 Millionen Dollar eingebrochen. Allerdings ist dieser Rückgang auf einen hohen negativen Basiseffekt zurückzuführen. Im Vorjahr profitierte das Chemieunternehmen nämlich noch von einer einmaligen Entschädigungszahlung aus Kuwait wegen eines geplatzten Joint Ventures. Der Umsatz stieg um zwei Prozent auf 14,92 Milliarden Dollar. Die Anleger sind zufrieden und greifen kräftig zu.

Delta Airlines

Mit Delta hat die erste der großen Fluggesellschaften des Landes berichtet und gute Zahlen vorgelegt. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um neun Prozent auf 10,6 Milliarden Dollar, netto blieben dabei mit 801 Millionen Dollar 17 Prozent mehr in den Büchern hängen. "Wir erwarten, dass unser September-Quartal noch stärker wird", erklärte Konzernchef Richard Anderson am Mittwoch am Sitz in Atlanta. Das hören die Investoren gerne, die Delta-Aktie steigt aktuell um über vier Prozent.

Apple profitiert vom iPhone

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
71.91
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-0.58
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-0.80%

Am Vorabend legte Apple nach dem Ende des regulären Börsenhandels in den USA seine Quartalszahlen vor. Die Prognose für das laufende Vierteljahr fiel allerdings etwas weniger optimistisch aus als von der Börse erhofft. Die Aktie hat sich nach zunächst zögerlichem Start mittlerweile aufgerappelt und liegt an der Nasdaq deutlich im Plus.

Zukauf belastet Microsoft

Auch Microsoft meldete sich zu Wort. Der Konzern verbuchte von April bis Juni einen Gewinnrückgang um sieben Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar. Negativ wirkten sich hohe Belastungen durch das von Nokia übernommene Handygeschäft aus. Der Konzernumsatz kletterte um 3,5 Milliarden Dollar auf 23,4 Milliarden Dollar. Die Microsoft-Aktie, die schon am Vorabend im nachbörslichen Handel angezogen hatte, liegt auch heute ein knappes Prozent im Plus.

rm

Stand: 23.07.2014, 20:05 Uhr

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