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Marktbericht 11:48

Marktbericht negativ Hexehsabbat

MH17-Drama lastet auf den Aktienmärkten

Dax: Verfallstermin verschärft Verkaufsdruck

von Angela Göpfert

Der Absturz der Malaysia-Maschine verunsichert die Anleger. Bekommt der Dax jetzt nicht endlich die Kurve, droht ein Rutsch in Richtung 9.400 Punkte. Zu allem Überfluss treiben auch noch die Hexen an der Terminbörse ihr Unwesen.

Der heute anstehende Abrechnungstermin für Optionen auf Indizes und Aktien an der Terminbörse (kleiner Verfallstag) dürfte den wegen der geopolitischen Risiken ohnehin vorhandenen Verkaufsdruck beim Dax ordentlich intensivieren. Schließlich sind nun viele große Akteure gezwungen, ihre komplexen Positionen blitzschnell an das auf einmal niedrigere Kursniveau anzupassen.

Hoffen auf den Montag?

Wie groß der Einfluss dieser kurzfristig operierenden Akteure auf das Marktgeschehen ist, wird sich erst ab Montag mit Sicherheit sagen lassen, wenn der Druck seitens der Terminbörse wegfällt.

Gut möglich allerdings, dass bis dahin die Bären durch den charttechnisch angerichteten Schaden im Dax schon Fakten geschaffen haben, die ihrerseits wiederum die Verkaufsdynamik verschärfen könnten.

Kurs Richtung 9.400?

So wurde der Dax am Vormittag just exakt auf Höhe des kleinen Widerstands bei 9.721 Punkten nach unten abgewiesen. Das vorläufige Tagestief wurde bei 9.655 Punkten markiert. Damit ist auch der Versuch der Rückeroberung des Korrekturtiefs vom 26. Juni bei 9.750 Zählern vorerst abgeblasen.

Sollte es dabei bleiben und der Dax per Wochenschlusskurs unter dem Juni-Tief und damit auch unterhalb seiner alten Ausbruchsmarken bei 9.794/9.810 Punkten verharren, droht im Ernstfall ein Wiedersehen mit der 200-Tage-Linie (aktuell bei 9.434 Punkten). Dieser Ernstfall dürfte eintreten, wenn das Doppeltief vom vergangenen Donnerstag/Freitag bei 9.617/9.623 Punkten unterschritten wird.

Die große Verunsicherung

Aus fundamentaler Perspektive sorgen der mutmaßliche Abschuss einer malaysischen Boeing über der Ostukraine sowie die begonnene Bodenoffensive Israels im Gazastreifen für Unsicherheit unter den Anlegern. Gerade mit Blick auf die Tragödie in der Ukraine sind viele Fragen offen – das verstärke die Risikoscheu der Anleger, meint Marktstratege Chris Weston vom Broker IG.

»Mit dem Abschuss einer Passagiermaschine, die das ukrainische Bürgerkriegsgebiet überflog, hat der Konflikt Westeuropa und den Rest der Welt erreicht. Es ist naheliegend zu vermuten, dass der Westen daraufhin geneigter ist, nennenswerte Sanktionen gegen Russland zu verhängen.«

Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann

Noch mehr Gewinnmitnahmen?

Im weiteren Tagesverlauf könnten nun noch die Quartalszahlen von General Electric (12:30) sowie die gegen 16:00 Uhr anstehenden US-Konjunkturdaten für Kursimpulse sorgen.

Allerdings stimmt die Tatsache, dass die Wall Street im späten Handel am Donnerstag ihre Kursverluste ausgebaut und die großen Indizes nahe ihrer Tagestiefs geschlossen hatten, wenig optimistisch für diesen letzten Handelstag der Woche. Der S&P 500 droht, aus seinem Aufwärtstrend herauszufallen.

SAP einsam gen Norden

SAP
SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
59.74
Differenz absolut
-0.27
Differenz relativ
-0.45%

Unter den Einzeltiteln im Dax kann sich nur eine Aktie gegen den negativen Markttrend stemmen: die SAP-Aktie. Papiere von Deutschlands größtem Softwarehersteller waren bereits am Vortag nach positiv aufgenommenen Quartalszahlen mit einem Plus von 2,4 Prozent der Spitzenreiter im Dax gewesen.

Deutsche Bank sucht Kompromiss

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.36
Differenz absolut
-0.36
Differenz relativ
-1.35%

Papiere der Deutschen Bank halten sich besser als der Markt. Das Geldhaus strebt im Streit um die Entlassung von vier Händlern im Zusammenhang mit dem Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze nun doch eine gütliche Einigung ein. Beide Parteien haben sich am Freitag beim Landesarbeitsgericht Hessen auf ein sogenanntes Güterichterverfahren geeignet.

Luftfahrt-Titel unter Druck

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
14.32
Differenz absolut
-0.06
Differenz relativ
-0.42%

Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse wundert es kaum, dass Luftfahrttitel weltweit unter Druck geraten. In Asien bricht die Aktie der betroffenen Malaysian Airlines um mehr als elf Prozent ein. Im Dax zählt die Lufthansa-Aktie zu den schwächeren Werten. Immerhin wird die Unterstützung bei 14,16 Euro (bisheriges Jahrestief) nicht gerissen.

HeidelCement mit roter Laterne

Schwächster Wert im Dax bleibt die Aktie von HeidelbergCement. Für schlechte Stimmung sorgt eine Abstufung von Morgan Stanley auf "Underweight" mit einem Ziel von 55 Euro. Aus technischer Sicht belastet überdies der Sturz unter die wichtige 200-Tage-Linie.

Analystenschelte für Daimler

Auch die Daimler-Aktie leidet unter einer Herabstufung. Die Credit Suisse hat den Titel von "Outperform" auf "Neutral" abgestuft und das Kursziel von 84 auf 70 Euro gesenkt. Inzwischen sei die modellzyklusbedingte Belebung allseits bekannt, und zugleich könnten die Margen bei Mercedes Benz 2014 weiter enttäuschen, hieß es zur Begründung. Daimler präsentiert kommende Woche seine Quartalszahlen.

Volvo verfehlt Markterwartungen

Zusätzliche Belastung für die Autowerte im Dax kommt aus Schweden. Der Lkw-Bauer Volvo hat sein operatives Ergebnis weit weniger stark gesteigert als von Analysten erwartet. Die späte Erholung auf dem europäischen Markt habe zu Überkapazitäten in der Produktion geführt. Keine guten Nachrichten für die deutschen Konkurrenten Daimler, VW und MAN.

MüRü unter (Preis-)Druck

Die Aktie der Münchener Rück wird von Aussagen ihres Chefs überproportional stark in die Tiefe gezogen. Der verstärkte Wettbewerb habe die Preise und Bedingungen im Rückversicherungsgeschäft so deutlich ins Rutschen gebracht wie seit zehn Jahren nicht mehr, sagte Nikolaus von Bomhard der "Welt". Dieser Trend sei nicht zuletzt durch große Pensionsfonds verstärkt worden.

LEG Immobilien mit Analystenlob

Im MDax ist die Aktie von LEG Immobilien einer der wenigen Ausreißer nach oben. Die französische Großbank Société Générale hat den Titel mit "Buy" und einem Kursziel von 60 Euro in die Bewertung aufgenommen. Das Immobilienunternehmen verfolge mit einem akquisitionsgetriebenen Wachstum, der Bereitstellung von Dienstleistungen und Effizienzgewinnen eine attraktive Strategie, hieß es zur Begründung.

Villeroy & Boch: Starkes Heimatgeschäft

Im SDax können Papiere von Villeroy & Boch ihre frühen Kursgewinne nicht halten und drehen ins Minus. Der Keramikhersteller hat vor allem dank eines starken Geschäfts in Deutschland seinen Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr gesteigert. Unter dem Strich legte das Konzernergebnis von 5,1 auf 7,3 Millionen Euro zu.

Google hat einen "tollen Lauf"

Die Zahlen, die über Nacht aus den USA eintrudelten, fielen gemischt aus. Für eine positive Überraschung sorgte Google. Der Umsatz kletterte dank eines verbesserten Werbegeschäfts um 22 Prozent auf 16,0 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg um sechs Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar. Finanzchef Patrick Pichette sprach von einem "großartigen Quartal" und einem "tollen Lauf bei den Produkten". Die Aktie kletterte im nachbörslichen Handel um 1,4 Prozent und konnte damit ihre zuvor im regulären Handel erlittenen Verluste nahezu egalisieren.

Google A: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
444.27
Differenz absolut
1.31
Differenz relativ
+0.30%

IBM hat weiter zu kämpfen

Ganz anders wurden die IBM-Zahlen am Markt aufgenommen. Die Aktie sank nachbörslich um 2,0 Prozent. Das Computerurgestein hat weiterhin mit den technologischen Umbrüchen zu kämpfen. Der Umsatz ging im zweiten Quartal um zwei Prozent auf 24,4 Milliarden Dollar zurück. Dank Einsparungen kletterte der Gewinn dennoch um 28 Prozent auf 4,1 Milliarden Dollar.

AMD kommt unter die Räder

Noch gnadenloser gingen Anleger mit der AMD-Aktie um. Der US-Chiptitel fiel nachbörslich um 19 Prozent. Für Enttäuschung sorgte vor allem der Verlust von 36 Millionen Dollar, den AMD im zweiten Quartal unterm Strich zu beklagen hatte. Auch mit seinem Umsatzausblick von 1,47 Milliarden Dollar für das dritte Quartal verfehlte AMD die Erwartungen der Analysten deutlich.

Accor nach Zahlen im Aufwind

Dagegen kann die Accor-Aktie Kursgewinne verbuchen. Nach einem gebremsten Jahresauftakt hat Europas größter Hotelbetreiber im zweiten Quartal ein Umsatzplus von 1,3 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro einfahren können. Konzernchef Sebastien Bazin sprach von einer guten Nachfrage nach Zimmern in allen wichtigen Märkten – mit Ausnahme Frankreichs.

Hermès: Dynamik lässt nach

Für weit weniger Begeisterung am französischen Aktienmarkt sorgen die Zahlen von Hermès. Ein nachlassendes Wachstum in den USA und Japan haben die Wachstumsdynamik des französischen Luxuskonzerns geschwächt. Der Umsatz des für seine Ledertaschen und bedruckten Seidenschals bekannten Unternehmens stieg im zweiten Quartal nur noch um 5,8 Prozent auf 963,4 Millionen Euro. Zu Jahresbeginn hatte das Plus noch 10,1 Prozent betragen.

Ericsson: Gutes Omen für Nokia?

Gegen den negativen Markttrend kann sich die Aktie von Ericsson stemmen. Zwischen April und Ende Juni konnten die Schweden den Umsatzrückgang aus dem ersten Quartal stoppen. Zudem zogen Marge und Gewinn deutlich an. Ericsson übertraf bei allen wichtigen Kennzahlen die Erwartung der Analysten. Das stimmt auch für die kommende Woche anstehenden Zahlen des Ericsson-Rivalen Nokia optimistisch.

HP stärkt Chefin

Die Chefin des krisengeschüttelten Computerbauers Hewlett-Packard baut ihre Macht aus. Meg Whitman wird zusätzlich Vorsitzende des obersten Firmengremiums, des Verwaltungsrats. "Meg hat sich bei HP als außergewöhnliche Führungsfigur bewiesen", sagte der Vorsitzende des Nominierungsausschusses, Gary Reiner. "Wir sind überzeugt, dass sie als Vorsitzende des Verwaltungsrats die Wende am effektivsten bewerkstelligen kann."

Alibaba: Geduld, Geduld

Internetverliebte Investoren dürfte auch diese Meldung interessieren. Falls sie bei einem der größten Börsengänge aller Zeiten mitmachen wollen, müssen sie sich noch ein wenig gedulden: Nach Informationen von "New York Times" und Bloomberg peilt der chinesische Online-Handelskoloss Alibaba einen Termin im September nach der Urlaubszeit an. Bislang war mit der ersten August-Woche gerechnet worden.

Stand: 18.07.2014, 11:48 Uhr

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Tagestermine am Donnerstag, 31. Juli

Unternehmen:
Siemens: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
FMC: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Fresenius: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
BNP Paribas: Q2-Zahlen 07:00 Uhr
Anheuser-Busch Inbev: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Hochtief: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Alcatel-Lucent: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Celesio: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Evonik: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Nemetschek: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Deutsche Annington: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Air Liquide: Halbjahreszahlen, 07:20 Uhr
Sanofi: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Erste Group: Halbjahreszahlen, 07:30 Uhr
Lufthansa: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Dürr: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Takkt: Q2-Zahlen Uhr, 07:30 Uhr
Hugo Boss: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Metro: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
DMG Mori Seiki: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Telefonica: Halbjahreszahlen, 07:30 Uhr
Generali: Halbjahreszahlen, 07:30 Uhr
Eni: halbjahreszahlen, 07:45 Uhr
Santander: Q2-Zahlen
Astra Zeneca: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
BAE Systems: Halbjahreszahlen, 08:00 Uhr
Diageo: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Lloyds Banking Group: Halbjahreszahlen, 08:00 Uhr
Shell: Q2-Zahlen
Thomas Cook: Q3-Interim-Statement, 08:00 Uhr
BT Group: Q1-Zahlen, 08:00 Uhr
Sony: Q1-Zahlen, 08:00 Uhr
Panasonic: Q1-Zahlen, 08:00 Uhr
Toshiba: Q1-Zahlen, 08:00 Uhr
Pro SiebenSat1: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Continental: Q2-Zahlen, 08:30 Uhr
t-Mobile US: Q2-Zahlen
Bombardier: Q2-Zahlen
Exxon: Q2-Zahlen
Lagardere: Halbjahreszahlen
L'Oreal: Halbjahreszahlen
Areva: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Enel: Halbjahreszahlen, 18:00 Uhr
Volkswagen: Q2-Zahlen
Banco Espirito Santo: außerordentliche Hauptversammlung
EdF: Halbjahreszahlen
GDF Suez: Halbjahreszahlen
Carrefour: Halbjahreszahlen
Samsung: Q2-Zahlen
Finmeccanica: Halbjahreszahlen
Mastercard: Q2-Zahlen
Kellog: Q2-Zahlen
Conoco Philips: Q2-Zahlen
Colgate-Palmolive: Q2-Zahlen
LinkedIn: Q2-Zahlen Tesla Motor: Q2-Zahlen
Time Warner Cable: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Arbeitslosenzahlen Juli, 09:55 Uhr
EU: Arbeitslosenzahlen und Verbraucherpreise Juli, 11:00 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (wöchentl.), 14:30 Uhr ;
Chicagoer Einkaufsmanagerindex Juli, 15:45 Uhr

Darstellung: