Seitenueberschrift

Marktbericht 20.09 Uhr

Hoffnung auf spätere Zinswende in den USA

Dax springt vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran

Geradeaus ist zwar langweilig, aber ein so radikaler Kurswechsel wie in Griechenland verunsichert Anleger doch zu sehr. Warum es der Dax am Ende doch ins Plus schaffte? Weil man auf die Fed setzte.

Am Ende des Tages standen 10.711 Punkte an der Dax-Kurstafel und 0,8 Prozent Tagesgewinn. Der L-Dax verlor ein paar Pünktchen auf 10.705. Bis zum Handelsschluss in Deutschland stand die Frage im Raum, ob die amerikanische Notenbank Fed heute Abend zurückrudert auf ihrem geldpolitischen Kurs. Die breite Masse erwartete das bisher nicht. Sie ging davon aus, dass die Fed im Sommer die Zinswende in den USA einleitet. Doch vielleicht verschiebt die Fed den Termin auch nach hinten? Eindeutige Klarheit gibt es nicht: Die Fed wies zwar auf die niedrige Inflation hin. Aber sie sagte auch: Die Inflation werde mittelfristig steigen. Es bleibt wohl bei dem Sommer-Termin.

Schockwellen aus Griechenland

Doch Anleger hatten heute auch heftigste Sorgen. Der radikale politische Kurswechsel in Griechenland verschreckte sie. Die neue Links-Rechts-Regierung will Privatisierungen stoppen und tausende Staatsbedienstete wieder einstellen. Das schickte regelrechte Panikwellen über die griechischen Finanzmärkte. Aktien brachen ein, vor allem die von Banktiteln. Die Renditen griechischer Staatsanleihen stiegen in besorgniserregende Höhen. Die Sorgen belasteten auch hierzulande Bankaktien, Commerzbank und Deutsche Bank verloren drei und ein Prozent.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
29.38
Differenz absolut
0.20
Differenz relativ
+0.69%
Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
115.80
Differenz absolut
-0.85
Differenz relativ
-0.73%

Freudenwellen von Apple

Elektrisieren ließen sich Anleger aber von der neuen Quartalsbilanz von Apple: Das iPhone 6 verkauft sich so gut, dass der Konzern einen Weltrekord-Gewinn von 18 Milliarden Dollar einstrich, und das in nur drei Monaten. Die Apple-Bilanz schob die Aktie kräftig an, der Kurs stieg in den USA um acht Prozent auf 118,12 US-Dollar. Damit fehlten weniger als 2 Dollar bis zum letzten Rekordhoch Ende November.

Apple hatte solche Breitenwirkung, dass die ganze Börse davon profitierte, besonders aber Technologiebrance, und ganz besonders Aktien der Apple-Zulieferer. So gewannen etwa Chip-Designer Dialog Semiconductor sowie ARM und der Grafikchip-Spezialist Imagination.

Auch Aktien des Chipkonzerns Infineon profitierten von der Apple-Bilanz. Es gab aber noch einen zweiten Plusfaktor: die Bilanz von STMicro: Europas größter Halbleiter-Hersteller schaffte es 2014 trotz anhaltender Nachfrageschwäche wieder in die Gewinnzone.

Lanxess wird euphorisch gefeiert

Im Dax schoss am Nachmittag die Lanxess-Aktie steil nach oben, sie gewann mehr als sieben Prozent. Der Spezialchemiekonzern gab einen unerwarteten Ergebnisschub für 2014 bekannt. Zum Jahresende hatte sich die Nachfrage in der Kautschuksparte so überraschend wieder belebt, dass Lanxess selbst überrascht war und das eigene Ergebnisziel übertraf.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
24.98
Differenz absolut
0.28
Differenz relativ
+1.15%
Eon
Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
14.44
Differenz absolut
0.30
Differenz relativ
+2.12%

Winken RWE und Eon Milliarden

Spekulationen auf milliardenschwere Schadenersatzzahlungen des Bundes gaben den Aktien von RWE Auftrieb. Auch die Eon-Aktie legte zu. Die Versorger wollen nicht auf den Kosten für den Atomausstieg stizenbleiben. Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) will bis Ende des Jahres über die Klagen der AKW-Betreiber entscheiden. Eine Urteilsverkündung 2015 käme früher als gedacht, schrieb Analyst Alexander Karnick von der Deutschen Bank in einem Kommentar.

Siemens am Dax-Ende

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
99.82
Differenz absolut
0.89
Differenz relativ
+0.90%

Das Schlusslicht am Dax-Ende übernahm die Siemens-Aktie mit einem Minus von fast fünf Prozent. Doch gehen die Verluste teils auf den Dividendenabschlag in Höhe von 3,30 Euro je Aktie zurück. Zudem gab es einen negativen Analystenkommentar in Reaktion auf die schwache Zahlen gestern.

US Steel lässt auf Thyssen und Salzgitter hoffen

Die Aktien der deutschen Stahlkocher ThyssenKrupp und Salzgitter profitieren von den guten Zahlen der Branchengröße US-Steel. Der amerikanische Konzern hat einen höher als erwarteten Gewinn verbucht. Das trieb die Aktie von US Steel zehn Prozent in die Höhe. Ein bissche Glanz fiel auch für Kupferproduzent Aurubis ab, dessen Aktie aber auch positive Trends im Rohstoffsektor aufnahm.

SGL sieht rot

Nach Schluss des Xetra-Handels gestand SDax-Firma SGL ein: Die Bilanz 2014 wird rot. Zwar schaffte der Kohlenstoffspezialist operativ ein kleines Plus, doch unterm Strich wird laut vorläufiger Berechnungen ein Jahresfehlbetrag von etwa 250 Millionen Euro stehen.

MLP verpasst Gewinnziel

Schlechte Nachrichten hatte auch MLP. Der Finanz- und Versicherungsvertrieb verdiente weniger als erwartet, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 39,0 Millionen Euro, doch MLP hatte sich mindestens 50 Millionen Euro vorgenommen. Immerhin setzte das Unternehmen schon im November ein dickes Fragezeichen dahinter.

Medienaktien unter Beobachtung

Schwächster MDax-Wert war die Aktie von ProSiebenSat.1, die unter einem Analystenkommentar litt. Experten der Citigroup stuften den Titel von "neutral" auf "sell" herab. Dagegen hoben die Analysten das Kursziel für die Aktie des Konkurrenten RTL von 77 auf 80 Euro an.

ProSiebenSat.1 Media: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
43.90
Differenz absolut
0.20
Differenz relativ
+0.45%
RTL Group: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
88.50
Differenz absolut
-0.93
Differenz relativ
-1.04%

Gagfah und Annington

Grünes Licht vom Kartellamt bekamen Annington und Gagfah für ihren Zusammenschluss. Deutsche Annigton darf wie geplant den Konkurrenten übernehmen. Dadurch entsteht ein Immobilienriese, der 350 000 Wohnungen auf dem deutschen Markt in seinem Portfolio hat.

Deutsche Annington: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
34.48
Differenz absolut
0.19
Differenz relativ
+0.55%
Software AG: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
24.80
Differenz absolut
0.20
Differenz relativ
+0.83%

Software AG macht Hoffnung, Vossloh enttäuscht

Die Börse honorierte die Neuigkeiten der Software AG. Der Konzern will nach einem schwierigen Jahr nun die Gewinnmargen verbessern. Dagegen war Vossloh heute auf dem absteigenden Ast. Die Übernahmeofferte des Großaktionärs Heinz Hermann Thiele für den Bahntechnik-Konzern wra schuld. 48,50 Euro bietet Thiele, das entspricht nur dem gesetzlichen Minumum. Die Vossloh-Aktie nähert sich dem Angebotspreis von oben an: Derzeit notiert der Titel noch bei rund 56 Euro.

Hydrotec besänftigt Anleger

Am Nachmittag kam noch etwas Bewegung in die Hydrotec-Aktie. Der Vorstand will die weitere Handelbarkeit der Aktie auch nach dem für den 6. März geplanten Delisting vom Frankfurter Entry Standard ermöglichen. Ob dies über den Freiverkehr einer anderen Börse oder eine außerbörsliche Handelsplattform geschehen soll, ließ das Unternehmen offen. Eigentlich bedeutet das Delisting in der Heimatbörse Frankfurt das automatische Delisting an allen anderen Börsen.

Neues von H&M, Roche und Fiat

Neben den erwähnten Bilanzen von Apple, StMicro und US Steel gab es noch reichlich Stoff aus dem Ausland. So überzeugte der schwedische Modekonzern H&M mit einem Gewinnplus von zwölf Prozent auf 667 Millionen Euro. Dagegen konnte Roche nicht punkten. Zwar bescherten steigende Umsätze mit Krebsmedikamenten dem Schweizer Pharmakonzern im vergangenen Jahr ein Umsatzplus, doch der Gewinn war eingebrochen und die nur wenig erhöhte Dividende war auch nicht nach dem Geschmack der Anleger. Bei Fiat Chrysler lief es doch nicht so schlecht wie befürchtet. Der Automarkt in Europa zog wieder an, richtig stark das Geschäft in Nordamerika. Operativ verdiente Fiat 3,65 Milliarden Euro. Das war noch in der vom Konzern prognostizierten Spanne von 3,6 bis vier Milliarden Euro, womit Analysten nicht mehr gerechnet hatten.

Nintendo traut sich wieder was

Etwas rosiger sieht die Zukunft für den japanischen Elektronik-Konzern aus. Der Hersteller der Spielekonsole Wii rechnet für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr mit einem Gewinn von umgerechnet 224 Millionen Euro. Dank des guten Verkaufs der "Wii U" im Weihnachtsgeschäft konnte im Vorquartal der Gewinn auf umgerechnet 338 Millionen Euro gesteigert werden.

US-Berichtssaison unter Dampf

Dazu kamen noch weitere positive Nachrichten von der Wall Street vom Vortag: Die Bilanz von AT&T zeigte, dass sich der Telekomriese im Kampf um Mobilfunkkunden gut schlägt. Yahoo machte seinen Aktionären ein Milliardengeschenk. Das Internet-Urgestein wird seinen 40 Milliarden Dollar schweren Anteil am chinesischen Online-Händler Alibaba an die eigenen Aktionäre abgeben, und zwar steuerfrei.

Am Vorabend legte auch der Biotech-Konzern Amgen seine Bilanzen vor. Amgen steigerte den Gewinn im vierten Quartal um 19 Prozent auf 2,16 Dollar je Aktie. Der Umsatz gewann sechs Prozent auf 5,3 Milliarden Dollar. Am heutigen Abend nach Börsenschluss wird Internet-Konzern Facebook seine Bilanz veröffentlichen.

bs

Stand: 28.01.2015, 20:09 Uhr

Tagestermine am Montag, 2. März

Unternehmen:
Airbus: Quartalszahlen Q4, 7 Uhr
Sartorius: Q4-Zahlen, endgültig
Peugeot: Absatzzahlen Februar Uhr
Renault: Absatzzahlen Februar
Wiener Flughafen: Q4-Zahlen

Konjunktur:
EU: Arbeitsmarktdaten Januar,11Uhr
EU: Verbraucherpreise Februar, 1. Schätzung, 11 Uhr

Darstellung: