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Marktbericht 11:55

Hoffen auf die Wall Street

Dax: Tick, tack – die Zeit läuft…

von Angela Göpfert

… und zwar gegen die Bullen. Die grundsätzliche Chance, dass der Dax doch noch im allerletzten Moment die Kurve nach oben bekommt, ist zwar vorhanden. Doch seien wir ehrlich: Allzu groß ist sie nicht.

Dazu reicht ein Blick auf den Dax-Chart. Der deutsche Leitindex steigt am Dienstagvormittag zwar bis auf 9.632 Punkte, fällt dann aber unter die jüngsten Verlaufstiefs (9.618/9.598) zurück bis auf 9.573 Zähler.

Auf dem Weg Richtung 200-Tage-Linie (aktuell bei 9.472 Punkten) dient nun nur noch die kurzfristige Unterstützung bei 9.527 Zählern (Korrekturtief vom Montag) als Auffangzone.

Geopolitische Risiken en masse

Börse 11.00 Uhr

Um den größten Druck vom Dax zu nehmen, müsste er die 9.618 Punkte auf Tagesschlusskursbasis zurückerobern. Wirklich aus dem Schneider wären die Bullen aber erst mit einer Rückeroberung des Widerstands bei 9.810 Punkten.

Aus fundamentaler Sicht sorgen aber weiterhin die Krisen in der Ukraine und im Gaza-Streifen für anhaltende Verunsicherung. Eine ernstzunehmende Wende nach oben, ein echter Turnaround, wäre vor diesem Hintergrund eine Riesenüberraschung.

Zehnjahresrendite auf Rekordtief

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
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Wie es um die Anlegerstimmung bestellt ist, zeigt auch ein Blick auf die Anleihen- und Rohstoffmärkte. Die "Krisenwährung" Gold verbucht Kursgewinne, der Bund-Future klettert auf ein Rekordhoch von 148,56 Punkten.

Im Gegenzug fällt die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen bis auf 1,119 Prozent und unterschreitet damit noch das alte Rekordtief vom Sommer 2012 (1,127 Prozent), als Draghi seine "Euro-Garantie" ausgesprochen hatte.

Heiliger Schreck, lass nach!

Für Unruhe an Portugals Börse sorgen Spekulationen um eine weitere Kapitalerhöhung der Banco Espirito Santo. Die Aktien der größten börsennotierten Bank Portugals brechen um bis zu 9,4 Prozent auf 0,39 Euro ein. Laut einem Medienbericht wird BES morgen einen Verlust von drei Milliarden Euro ausweisen. Daraufhin betonte die portugiesische Notenbank, dass die Finanzpolster der Bank in diesem Fall durch eine Kapitalerhöhung wieder aufgefüllt werden sollten.

Deutsche Bank auf Berg- und Talfahrt

Unter den Dax-Einzelwerten tut sich am Morgen einmal mehr die Deutsche Bank hervor. Der deutsche Branchenprimus hat im zweiten Quartal seinen Vorsteuergewinn überraschend deutlich um 16 Prozent auf 917 Millionen Euro gesteigert. Dazu trugen vor allem Kosteneinsparungen, aber auch ein unerwartet starkes Investmentbanking bei. Der stark gesunkene Nettogewinn sorgte jedoch für Enttäuschung unter den Anlegern. Die Aktie wechselt bis zum Mittag häufiger das Vorzeichen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
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Dabei sorgt das Institut nicht nur mit seiner Bilanz, sondern auch mit juristischen Neuigkeiten für Aufregung. So hat die Deutsche Bank Kleinaktionären bei der Übernahme der Postbank möglicherweise zu wenig für ihre Aktien bezahlt. Das ergibt sich aus einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) vom Dienstag. Der Fall muss nun vor dem OLG Köln neu verhandelt werden.

UBS zahlt Rekordbuße

Die Schweizer Konkurrenz schnitt besser ab als gedacht. Dank des radikalen Konzernumbaus, eines rigiden Sparkurses und geringer Kosten für Rechtsstreitigkeiten steigerte die UBS ihren Gewinn um 15 Prozent auf 792 Millionen Franken. Das Ergebnis wurde durch einen 300 Millionen Euro teuren Vergleich mit den deutschen Steuerbehörden belastet.

Adidas vor Zahlen gefragt

Gegen den Markttrend stemmt sich die Adidas-Aktie. Die Commerzbank hat die Einstufung für Adidas vor Zahlen für das zweite Quartal auf "Buy" mit einem Kursziel von 90 Euro belassen. Der Umsatz des Sportartikelherstellers sollte sich erholt haben.

K+S: Uralkali gibt den Takt vor

K+S kann von positiven Branchennachrichten profitieren. Der weltgrößte Kaliproduzent Uralkali geht davon aus, in den neuen Lieferverträgen mit dem wichtigsten Abnehmerland China Preisanhebungen von zehn Prozent durchsetzen zu können.

Linde rettet sich in die Pluszone

Auch die Linde-Aktie dreht nach anfänglichen Verlusten ins Plus. Dabei hat der starke Euro erneut auf der Bilanz gelastet, das operative Ergebnis (Ebitda) ging um 3,6 Prozent auf 1,896 Milliarden Euro zurück. Unter dem Strich blieb ein für die Aktionäre anrechenbarer Gewinn von 624 Millionen Euro nach 660 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Auto-Titel weiter im Rückwärtsgang

Aktien von Daimler, BMW und VW finden sich dagegen erneut auf der Verliererseite wieder. Bei VW lastet eine negative Analystenstimme zusätzlich auf dem Kurs. JPMorgan hat das Kursziel für die Vorzüge von 222 auf 205 Euro gesenkt, man rechne mit einem schwierigen zweiten Quartal, hieß es.

Luftholen bei Merck

Nach dem rasanten Kursplus gestern atmen Anleger bei der Merck-Aktie heute durch. Die Aktie verbucht leichte Kursverluste, nachdem sie am Vortag noch durch das Schließen des Ende Januar nach dem Wechsel des Finanzchefs Matthias Zachert an die Lanxess-Spitze gerissenen Abwärts-Gaps ein positives technisches Signal gesandt hatte.

Conti im Michelin-Sog

Größter Dax-Verlierer ist aber die Continental-Aktie. Schuld sind negative Nachrichten von der Konkurrenz. Der französische Reifenhersteller Michelin konnte zwar seinen Überschuss im ersten Halbjahr um 23 Prozent auf 624 Millionen Euro steigern, bekam aber den gestiegenen Preisdruck in der Branche sowie negative Währungseffekte zu spüren.

(K)eine Kaufgelegenheit bei Wincor

Im MDax findet sich die Wincor-Aktie zur Abwechslung mal an der Index-Spitze wieder, gestern war sie noch nach einer Prognosesenkung der größte Verlierer gewesen. Marktbeobachter sprechen von einer technischen Gegenbewegung. Auch die Commerzbank sieht hier noch keine Gelegenheit zum Wiedereinstieg, sie belässt die Einstufung auf "Hold" mit einem Kursziel von 44 Euro. Dagegen spricht Kepler Cheuvreux eine Kaufempfehlung aus.

Nackenschlag für Airbus

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
43.69
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Dem Flugzeugbauer droht bei seinem Prestige- und Problemflieger A380 ein neuer Rückschlag. Die japanische Billigfluglinie Skymark Airlines könne sich die insgesamt sechs bestellten Flieger nicht leisten und verhandle derzeit über die Stornierung des Auftrags, berichtet Bloomberg unter Berufung auf Insider.

Symrise bald die Nummer Eins

Unterdessen legt Symrise den letzten Baustein für die Übernahme der Diana-Gruppe und zahlt über den Weg einer Kapitalerhöhung die Altaktionäre des französischen Produzenten von Lebensmittel-Zusatzstoffen aus. Das MDax-Unternehmen will so zur weltweiten Nummer Eins bei Aromen für die Tierernährung und bei Geschmacksstoffen für Zahnpasta und andere Mundpflegeprodukte aufsteigen.

Aixtron und die Hoffnung auf den Turnaround

Im TecDax haussieren Aixtron-Aktien. Der Nettoverlust verharrte im zweiten Quartal bei 11,6 Millionen Euro. Trotzdem glaubt DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer: "Der Turnaround rückt allmählich näher." Die verbesserte Stimmung der LED-Kunden sollte sich demnächst in steigenden Aufträgen widerspiegeln.

Wirecard-Vorstand "sehr optimistisch"

Auch die Wirecard-Aktie ist nach Zahlen gefragt: Der Online-Zahlungsdienstleister hat seinen Umsatz im zweiten Quartal um 24 Prozent auf 142,5 Millionen Euro gesteigert, das operative Ergebnis (Ebitda) legte um 34 Prozent auf 40 Millionen Euro zu. Der Vorstand "blickt sehr optimistisch in das zweite Halbjahr" und bekräftigte seine Jahresprognose.

Dialog doppelt gut

Auch die Dialog-Semiconductor-Aktie kann Kursgewinne verbuchen. Das hat gleich zwei Gründe: Erstens konnte Wettbewerber Austria Microsystems mit seinen Quartalszahlen den Marktkonsens übertreffen. Zweitens hat Barclays den TecDaxTitel mit "Overweight" und einem Kursziel von 27 Euro wieder in die Bewertung aufgenommen.

Jenoptik mit neuem Schwung

Eine Hochstufung der DZ Bank von "halten" auf "kaufen" im Vorfeld der Zahlenvorlage am 12. August gibt der Jenoptik-Aktie neuen Schwung. Die Titel hätten schon viel Negatives vorweggenommen, hieß es zur Begründung. Die Jenoptik-Aktie gehört mit einem Minus von nahezu 20 Prozent seit Jahresbeginn zu den Schlusslichtern im TecDax.

Nordex nach Auftrag aus Uruguay fest

Nordex-Aktien profitieren von einem Auftrag aus Uruguay. Nordex soll dort einen 50-Megawatt-Windpark für eine Tochter des italienischen Energieversorgers Enel bauen. Gemäß einer Faustformel dürfte der Auftragswert der Anlagen bei rund 50 Millionen Euro liegen.

Puma besser als gedacht

Im SDax kann der angeschlagene Sportausrüster Puma mit seiner Bilanz bei den Anlegern punkten. Zwar brach der Gewinn im zweiten Quartal um 76 Prozent ein auf 4,2 Millionen Euro. Der Marktkonsens hatte sich jedoch auf nur 3,6 Millionen Euro belaufen.

Dacia treibt Renault-Gewinn

Für eine handfeste Überraschung sorgt Renault. Vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten verdiente der französische Autobauer 729 Millionen Euro – weit mehr, als Analysten auf ihren Zetteln hatten. Renault profitierte von einem harten Sparkurs und guten Verkaufszahlen der Billigtochter Dacia. Unterm Strich kletterte der Überschuss dank der erfolgreichen Nissan-Beteiligung auf 749 Millionen Euro. Trotzdem fällt die Aktie zu Handelsauftakt.

Smith & Wesson legt Korruptionsfall mit Millionenzahlung bei

Auch die Aktie von Smith & Wesson verbucht auf dem Frankfurter Parkett Kursverluste. Die Börsenaufsicht SEC wirft der Waffenschmiede vor, Mitarbeiter und Repräsentanten in Pakistan, Indonesien und anderen Ländern hätten Geld an Regierungsvertreter gezahlt, um Aufträge von Militär und Polizei zu gewinnen. Smith & Wesson zahlt im Rahmen eines Vergleichs nun 2,0 Millionen Dollar, um den Fall abzuschließen.

BP auf der Erfolgsspur

Dagegen kann die BP-Aktie Kursgewinne verbuchen. Der britische Ölkonzern hat im zweiten Quartal mehr verdient als ein Jahr zuvor. Der bereinigte Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten erhöhte sich von 2,7 Milliarden auf 3,6 Milliarden US-Dollar. Die Umbauarbeiten nach der Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" im Jahr 2010 scheinen sich auszuzahlen.

Herber Gewinneinbruch bei Nomura

Weit schlechter als Deutsche Bank oder UBS hat Nomura abgeschnitten. Japans größte Investmentbank hat im abgelaufenen Quartal einen Gewinneinbruch von 70 Prozent auf umgerechnet 145 Millionen Euro hinnehmen müssen. Allein im Investmentbanking gingen die Gebühreneinnahmen um mehr als ein Fünftel zurück. Außerdem lasteten Kursverluste am Tokioter Aktienmarkt auf dem Ergebnis.

Stand: 29.07.2014, 11:55 Uhr

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ARD-Börse: Deutsche Bank zum zweiten Quartal - Skandale noch nicht ausgestanden

Tagestermine am Mittwoch, 30. Juli

Unternehmen:
HeidelbergCement: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Bayer: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Dialog Semiconductor: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Rational: Q2-Zahlen 7 Uhr
Telefonica Deutschland: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Osram: vorläufige Q3-Zahlen, 7 Uhr
Kontron: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Baader Bank: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Infineon: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
MAN: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Barclays: Q2-Interim Statement, 8 Uhr
Airbus: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Kraft Foods: Q2-Zahlen, 22:00 Uhr
Clariant: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Holcim: Q2-Zahlen, 7 Uhr
PSA Peugeot: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Total: Q2-Zahlen Uhr, 8 Uhr
St. Gobain: Q2-Zahlen, nach Börsenschluss
Kering: Q2-Zahlen, nach Börsenschluss
British American Tobacco: Zahlen erstes Halbjahr, 8 Uhr
Goodyear: Q2-Zahlen
KPN: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Fiat: Q2-Zahlen

Konjunktur:
USA: ADP-Arbeitsmarktbericht, Juli, 14:15 Uhr
USA: BIP zweites Quartal, erste Schätzung, 14:30 Uhr
USA: Fed-Abschlusssitzung des Offenmarktausschusses, 20 Uhr

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