Seitenueberschrift

Marktbericht 20:05 Uhr

Nach gemischten US-Daten

Dax taucht ab

Viel Widerstand haben die Bullen nicht mehr geleistet, nachdem die amerikanischen Arbeitsmarktdaten kein klares Bild geboten haben. Der Dax beendete die Woche mit Verlusten.

Dabei war für eine große Börsenparty eigentlich alles vorbereitet gewesen. Die US-Börsen auf Rekordniveaus und dann auch noch die guten Quartalszahlen von Dax-Schwergewicht Allianz am Morgen. Aber wieder einmal kam es anders als gedacht.

Am Ende verlor der deutsche Leitindex nach volatilem Handel 0,91 Prozent und schloss bei 9.291 Punkten. Er pendelte dabei zwischen 9.239 und 9.414 Punkten. Neue Nachrichten über russische Truppenbewegungen an der ukrainischen Grenze förderten die Verunsicherung am Nachmittag. In der abgelaufenen Woche hat der Dax 0,4 Prozent verloren. Im Späthandel ging es mit dem L/E-Dax leicht bergauf auf 9.302 Punkte.

US-Daten sorgen eher für Verwirrung

Schuld für den nachmittäglichen Abschwung waren die mit Spannung erwarteten Daten vom US-Arbeitsmarkt, traditionell einer der Höhepunkte für die Börsianer. Galt es doch, Tendenzen abzuleiten, wann die Federal Reserve mit ihrer Zinswende beginnen würde. Aber die Daten trugen eher zur Verwirrung bei, es dauerte eine Weile, bis die Märkte sie verdaut hatten.

Insgesamt präsentiert sich der Arbeitsmarkt weiter in robuster Verfassung, auch wenn die größten Optimisten nicht auf ihre Kosten gekommen sind. Volkswirt Paul Ashworth von Capital Economics erwartet nun, dass die Fed früher als erwartet ihre Zinsen anheben wird.

Konkret wurden im Oktober in Amerika 214.000 neue Stellen geschaffen, das war weniger als im Vorfeld erwartet. Experten hatten 235.000 neue Jobs prognostiziert. Die Arbeitslosenquote fiel hingegen von 5,9 auf 5,8 Prozent und damit den tiefsten Stand seit Juli 2008. "Der Markt ist nach den Zahlen hin- und hergerissen", sagte Jasper Lawler, Marktanalyst bei CMC Markets. In jedem Fall reichte es nicht, um die Märkte weiter nach oben zu bringen.

Wall Street legt eine Pause ein

In New York pendeln die Kurse derzeit um ihre gestrigen Schlussstände, ohne das eine klare Richtung zu erkennen wäre. Immerhin haben sowohl der Dow-Jones-Index als auch der S&P 500 im Handelsverlauf ihre gestrigen Rekordniveaus leicht überschritten. Beim Dow waren es bisher 17.575 und beim S&P 500 2.034 Zähler.

Euro wieder über 1,24 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
1.2391
Differenz absolut
0.00
Differenz relativ
0.00%

Der Euro hat am Freitag trotz robuster Arbeitsmarktdaten aus den USA zugelegt. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,2430 US-Dollar, nachdem sie am Morgen noch unter der Marke von 1,24 Dollar gelegen hatte.

Gestützt wurde die Gemeinschaftswährung von soliden deutschen Wirtschaftsdaten. Bei der Industrieproduktion im September hatte sich der schwache Trend vom Vormonat nicht fortgesetzt und die deutsche Exportwirtschaft legte gute Zahlen vor. Dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal erneut schrumpft und in eine Rezession fällt, hält Experte Andreas Rees von der Bank Unicredit angesichts der Zahlen für unwahrscheinlich.

Allianz der überlegene Tagessieger

An der Dax-Spitze stand die Allianz-Aktie, die unter Tageshoch 3,6 Prozent zulegte. Deutschlands führender Versicherungskonzern will in Zukunft die Hälfte seines Gewinns an die Aktionäre ausschütten - nach bisher 40 Prozent. Das kam gut an. Einer der Gründe: Der Allianz sind Zukäufe zu teuer geworden. Verkäufer könnten derzeit exorbitante Preise erzielen, "für die Käufer sind diese Preise uninteressant", sagte Finanzvorstand Dieter Wemmer am Freitag in einer Telefonkonferenz.

Daimler steht unter Volldampf

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
64.56
Differenz absolut
1.65
Differenz relativ
+2.62%

Der Daimler-Konzern hat im Oktober gut 146.000 Einheiten der Marke Mercedes-Benz und Smart verkauft. Das waren 8,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Am stärksten entwickelte sich Daimler in China mit einem Plus von 33 Prozent. Von Januar bis Oktober sind die Verkäufe weltweit um 10,7 Prozent auf rund 1,4 Millionen Stück gestiegen. Die Daimler-Aktie fiel trotzdem mit dem Markt zurück.

Lanxess rutschen weiter ab

Lanxess-Aktien setzten ihre Kursverluste auch am Freitag fort und zierten das Dax-Ende. Die Ankündigung vom Vortag, nach der das das Untertnehmen rote Zahlen erwartet, wirkte weiter negativ nach. Auch der ehemalige Mutterkonzern Bayer, die Fresenius-Dialysetochter FMC und Chiphersteller Infineon fielen stärker zurück.

Lanxess: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
39.27
Differenz absolut
1.01
Differenz relativ
+2.64%
Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
118.00
Differenz absolut
3.90
Differenz relativ
+3.42%

Gewinneinbruch bei Puma

Der Sportartikelhersteller Puma erlitt im dritten Quartal einen heftigen Gewinneinbruch wegen hoher Werbeausgaben. Der Gewinn sackte in sich zusammen, schrumpfte um 45 Prozent auf 29 Millionen Euro. Wie bereits vom französischen Mutterkonzern Kering berichtet, legten die Umsätze hingegen zu.

Morphosys kann zufrieden sein

Aktien des Biotechunternehmens waren im TecDax nicht nur wegen der Zahlen zum dritten Quartal gefragt. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA stellte im Rahmen eines Fast-Track-Verfahrens eine beschleunigte Prüfung des Wirkstoffkandidaten MOR208 zur Behandlung von Lymphdrüsenkrebs in Aussicht. Der Pharmamarkt in Amerika gilt als der wichtigste der Welt.

Freenet besser als befürchtet

Der Mobilfunkanbieter Freenet büßte im dritten Quartal weniger Umsatz ein, als Experten befürchtet hatten. Die Erlöse kletterten um 3,5 Prozent auf 762,1 Millionen Euro. Analysten hatten im Vorfeld mit gut 30 Millionen Euro weniger gerechnet. Das Ebitda stieg hingegen um vier Prozent auf 96,3 Millionen Euro.

Übernahmeangebot für Hawesko

Hawesko: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
40.62
Differenz absolut
-0.04
Differenz relativ
-0.10%

Die Aktie des Wein- und Champagnerhändlers (bekannt unter anderem durch die Marke Jacque`s Wein-Depot) legte kräftig zu. Grund ist ein Übernahmeangebot des Großaktionärs Tocos Beteiligung GmbH, der 40 Euro je Anteilsschein bietet. Tocos hält 29,5 Prozent der Aktien, ebenso wie Firmenchef Alexander Margaritoff. Der Streubesitz liegt bei 29,4 Prozent. Hinter Toco steht der Hamburger Textilunternehmer Detlev Meyer.

Hella hat es schon geschafft

Der Autozulieferer Hella hat bereits im Vorfeld seines Börsendebuts am kommenden Dienstag (11. November) die zur Platzierung anstehenden Aktien bei Investoren untergebracht. Der Großteil wurde zu 25 Euro abgegeben, erklärte das Unternehmen am Freitag. Die letzten 5,75 Millionen Stücke wurden in der vergangenen Nacht zu 26,50 Euro platziert, genau die Mitte der Zeichnungsbandbreite. Eine ähnliche Vorgehensweise hatte auch der Spezialchemiekonzern Evonik gewählt, um den Börsengang nicht zu gefährden.

Damit haben insgesamt 15 Prozent des Kapitals neue Besitzer gefunden. Dem Unternehmen sind 278 Millionen Euro zugeflossen, mehr als 152 Millionen davon gehen an die bis zu 60 Familiengesellschafter, die ihre Aktien verkauft haben. Ab Mai 2015 können sie weitere 25 Prozent an den Markt bringen. Um wie gewünscht in den MDax aufzusteigen, müsste Hella den Streubesitz auf 30 Prozent erhöhen. 60 Prozent der Anteile sollen bis zum Jahr 2024 in Familienbesitz bleiben. Das Unternehmen wird unter der Bezeichnung Hella KGaA Hueck & co. an die Börse gehen.

Joma legt Pflichtangebot vor

Catoil: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
14.30
Differenz absolut
0.24
Differenz relativ
+1.71%

Joma Industrial Source, hinter der der französische Ölmanager Maurice Dijols steckt, hat am Abend nach Börsenschluss das angekündigte Pflichtangebot an die freien Catoil-Aktionäre in Höhe von 15,23 Euro je Aktie vorgelegt. Joma bekräftigte, es sehe sich als strategischer Investor und habe "die besten Absichten für die künftige Entwicklung und Expansion von Catoil." Joma hatte vom Hamburger Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Walter Höft die Mehrheit am Catoil-Großaktionär CAT Holding erworben.

Vestas haussieren

Die Aktie des dänischen Herstellers von Windkraftanlagen legten nach den Zahlen zum dritten Quartal deutlich um über 16 Prozent zu. Netto wurden 102 Millionen Euro verdient nach einem Verlust von 87 Millionen Euro im Vorjahr. Das war mehr als erwartet und bereits der vierte Quartalsgewinn in Folge.

Vor allem kräftige Kostensenkungen machten sich positiv bemerkbar. Vestas hatte wegen des harten Preiskampfes in der Branche stark auf die Kostenbremse gedrückt und Produktionsstandorte geschlossen sowie die Belegschaft verkleinert. Auch die Nordex-Aktie legte im Sog der Zahlen des Konkurrenten im TecDax zu und gehörte zu den größten Gewinnern.

IAG verspricht mehr Gewinn

Die Holding der Fluggesellschaften British Airways, Iberia und der Billigfluglinie Vueling erwartet wieder deutlich bessere Zeiten. Wie das Unternehmen auf einer Veranstaltung mitteilte, soll der Gewinn nach der Sanierung der spanischen Iberia je Aktie zwischen 2016 und 2020 um durchschnittlich zehn Prozent steigen. Schon ab dem kommenden Jahr können dann die Aktionäre auf eine Dividende hoffen.

Operativ will Firmenchef Willie Walsh im laufenden Jahr zwischen 1,32 und 1,37 Milliarden verdienen, gut 550 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Im Oktober stiegen vor allem beim Billigflieger Vueling die Passagierzahlen deutlich an.

Weitere Berichte aus dem Ausland

Der weltgrößte Stahlhersteller ArcelorMittal schnitt im dritten Quartal besser als im Vorjahr ab. Der Umsatz stieg um zwei Prozent auf 20,1 Milliarden Dollar. Das Ebitda wuchs um elf Prozent auf 1,91 Milliarden Dollar. Gute Geschäfte in Amerika halfen dem Konzern. Der Schweizer Rückversicherer Swiss Re schraubte im dritten Quartal seine Prämieneinnahmen um elf Prozent auf 8,31 Milliarden Dollar in die Höhe. Der Reingewinn stieg um 14 Prozent auf 1,23 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 891 Millionen Dollar gerechnet. Schlechter lief es beim Schweizer Luxusgüterhersteller Richemont, der im ersten Geschäftsjahreshalbjahr 2014/15 mit 907 Millionen Franken ein viertel weniger verdiente. Grund waren hauptsächlich Verluste bei Währungsabsicherungsgeschäften.

Lenovo nicht gut genug

Der chinesische Computerriese weist für sein zweites Geschäftsquartal per Ende September ein Ergebnis vor Steuern von 329 Millionen Dollar aus, das ist ein deutlicher Zuwachs von 24 Prozent. Netto blieben 262 Millionen Dollar, ein Plus von 19 Prozent. Der Umsatz legte im Quartal um sieben Prozent auf 10,5 Milliarden Dollar zu. Insgesamt wurden 35,6 Millionen Smartphones, PCs und Tablets verkauft, das ist neuer Rekord. Bei den PCs beträgt der Weltmarktanteil nach eigenen Angaben fast 20 Prozent. Die Nettobarreserven beziffert das Unternehmen auf 3,2 Milliarden Dollar.

Konzernchef Yang Yuanqing warnte, die Zeiten, in denen China viel schneller als der Rest der Welt wuchs, seien vorbei. "China wird kein weiteres Hyperwachstum erleben", sagte er dem Finanzdienst Bloomberg. Die Börse hatte mehr erwartet erwartet, die Lenovo-ADRs fallen in New York über vier Prozent.

Disney-Aktie nicht gefragt

Mit Verlusten von rund drei Prozent setzen sich die nachbörslichen Abgaben der Disney-Aktie vom Vorabend fort. Die Anleger nehmen trotz guter Zahlen Gewinne mit, nachdem das Papier zuvor auf Rekordhoch geklettert war.

Gut verdient hat der Konzern in seinem vierten Geschäfstquartal vor allem mit seinen Kino-Erfolgen wie "Eiskönigin" oder "Captain America". Die Zahlen waren in etwa erwartet worden. Probleme gab es jedoch bei der Kabelfernsehsparte.

rm

Stand: 07.11.2014, 20:05 Uhr

Tagestermine am Montag, 24. November

Unternehmen:
Borussia Dortmund: Hauptversammlung
Telekom Austria: Bezugsfrist für Kapitalerhöhung endet

Konjunktur:
Deutschland:
Ifo-Geschäfsklimaindex im November, 10:00 Uhr
USA:
CFNAI-Index, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Commerzbank:
Corporate Finance Outlook 2015, 09:30 Uhr
LBBW: Kapitalmarktausblick mit Chefvolkswirt Burkert, 10:00 Uhr
Japan:
Börse wegen Feiertags geschlossen

Darstellung: