Seitenueberschrift

Marktbericht 20:02 Uhr

Marktbericht neutral

Flaute am Aktienmarkt

Dax: Still ruht der See

Stand: 17.02.2017, 20:02 Uhr

Trotz einer schwächelnden Wall Street hat es der Dax am Freitag geschafft, seine Tagesverluste bis zum Handelsende, vollständig wieder wett zu machen. Was ist da los?

Tatsächlich geht der Dax am Freitag unverändert aus dem Handel, bei 11.757 Punkten, dem Schlusskurs vom Vortag. Damit hat sich der Leitindex nicht weiter von seinem Ende Januar erreichten Jahreshoch bei 11.893 Zählern entfernt. Nach bescheidenem Auftaktgewinn und langem Verbleib in der Verlustzone holte er erst in der Schlussauktion sein Vortagsniveau wieder ein. Auf Wochensicht schaffte er damit ein Plus von 0,77 Prozent.

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt

Börse 20.15 Uhr: Allianz Volkswagen Dax

Weiterhin bremsten politische Risiken die Risikobereitschaft der Anleger. "Die Aktienmärkte sind zwischen der Hoffnung auf Trumps angeblich spektakuläre Steuerpläne und seiner Unberechenbarkeit - bis hin zur Angst vor Protektionismus - hin- und hergerissen", sagte etwa der Chefstratege der Privatbank Merck Finck, Robert Greil. Laut der Landesbank Baden-Württemberg kommen kaum abschätzbare Auswirkungen der offenen Brexit-Fragen und der anstehenden Wahlen in Europa als Belastungen hinzu.

Um so erstaunlicher ist es, dass der Dax sein Niveau letztlicht halten konnte - und das ohne Schützenhilfe von der Wall Street. Im Gegenteil. Der Dow Jones-Index eröffnet am Freitag leicht im Minus und weitet seine Verluste etwas aus. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert er 0,33 Prozent niedriger bei 20.552 Punkten.

Verschnaufpause in New York

Die Wall Street hatte in den vergangenen sechs Handelstagen jeweils Rekordstände erzielt. Die Anleger hoffen auf großangelegte Steuersenkungs- und Ausgabenprogramme zur Ankurbelung der Wirtschaft. Am Montag findet wegen des Presidents' Day kein Handel statt. Die Anleger hakten sich daher mit größeren Engagements zurück.

Klarer Verlierer im Dow sind die Anteilscheine von UnitedHealth mit einem Minus von fast vier Prozent. Das Justizministerium schloss sich einer laufenden Klage an, wonach der Krankenversicherer Patienten des staatlichen Versicherungssystems Medicare zu viel berechnet haben soll.

Erste Ermüdungserscheinungen?

Sind in New York also erste Anzeichen einer Ermüdung zu erkennen? Einige Händler sehen das so. Zudem verunsicherte der Auftritt von Donald Trump auf einer Pressekonferenz am Donnerstag. "Sein sprunghaftes Auftreten untergräbt das Vertrauen der Investoren“, erklärte Vermögensverwalter Angus Gluskie von White Funds Management.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.806,27
Differenz relativ
+0,02%

In den Tagen zuvor hatten vage Steuerversprechen von US-Präsident Donald Trump die Kurse kräftig angetrieben. Die Frage sei nun, ob die Wette auf eine starke wirtschaftliche Entwicklung unter Trump aufgehe. Sicher ist nur: Sollte bei den US-Aktien eine Korrektur einsetzen, wird dies auch den Dax belasten.

Euro hilft ein wenig

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,0584
Differenz relativ
+0,22%

Der Euro ist heute etwas gefallen und wird am Abend mit 1,0611 Dollar gehandelt. Im frühen Handel hatte er noch zeitweise bei 1,0677 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Donnerstagnachmittag auf 1,0652 Dollar festgesetzt. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen nach den deutlichen Kursaufschlägen an den Vortagen. Zuletzt waren Zweifel an der Politik von US-Präsident Trump gewachsen und hatten den Dollar belastet.

Kraft Heinz will Unilever

In der Lebensmittelindustrie bahnt sich ein weiterer Zusammenschluss an. Der US-Konzern Kraft Heinz hat Interesse an einer Übernahme des Konsumgüterkonzerns Unilever angemeldet. Der Konzern bestätigte am Freitag ein Angebot für den britisch-niederländischen Konzern. Unilever lehnt den Vorschlag eines Zusammengehens aber ab. Kraft will aber weiter an dem Vorhaben arbeiten. Unilever wird mit 143 Milliarden Dollar bewertet, was einem Aufschlag von 18 Prozent auf den Schlusskurs vom Donnerstag entspricht.

Allianz beglückt Anleger

Im Dax ist die Allianz-Aktie der größte Kursgewinner. Der Versicherer erzielte einen überraschend hohen Jahresgewinn und gibt eine Milliardensumme an ihre Aktionäre zurück, da die Hoffnung auf die Übernahme eines Konkurrenten geplatzt war. Dazu will sie bis zu drei Milliarden Euro eigene Aktien vom Markt zurückkaufen und die Dividende stärker anheben als erwartet. Konzernchef Oliver Bäte machte aber deutlich, dass er den Markt weiter intensiv nach Übernahmezielen durchleuchtet - vor allem in der Sachversicherung und der Vermögensverwaltung und in Ländern, in denen die Allianz bereits präsent ist: "Wir gucken uns an, was zu uns passt."

Deutsche Bank mit neuem Großaktionär

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,22
Differenz relativ
+0,41%

Schwächster Wert im Dax ist dagegen die Deutsche Bank. Dabei wurde bekannt, dass das Geldhaus einen neuen Großaktionär aus China hat. Das chinesische Unternehmens- und Finanz-Konglomerat HNA Group meldete am Freitag eine Beteiligung von 3,04 Prozent an dem größten deutschen Geldhaus. Das Aktienpaket hat einen Wert von rund 750 Millionen Euro. Die Chinesen erwägen, später noch mehr Geld in die Deutsche Bank zu stecken. HNA sieht sich als freundlicher Ankeraktionär.

VW: Ausgerechnet NordLB stuft ab

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
140,10
Differenz relativ
-0,81%

Zu den größten Verlierern im Dax gehören auch die Vorzüge von Volkswagen. Ausgerechnet die in Hannover ansässige, staatliche Bank NordLB hat das Kursziel für die Volkswagen-Vorzugsaktien nach Absatzzahlen für Januar von 135 auf 129 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Verkaufen" belassen. Die Auslieferungszahlen hätten ohne das schwache China-Geschäft zugelegt, schrieb Analyst Frank Schwope. Sollte die chinesische Regierung die heimische Autoindustrie künftig stärken, dürfte besonders der Wolfsburger Autokonzern darunter leiden.

Infineon bleibt erstmal alleine

Deutschlands größter Halbleiterhersteller Infineon ist mit der geplanten Übernahme des amerikanischen Chipkonzerns Wolfspeed endgültig gescheitert. Wegen Sicherheitsbedenken der US-Behörden habe sie die Transaktion abgeblasen, teilte die Wolfspeed-Mutter Cree am Donnerstag mit. "Auch im intensiven Dialog mit den Behörden konnten wir keine Maßnahmen identifizieren, die die Bedenken entkräftet hätten", räumte ein Infineon-Sprecher ein.

Stada: Und noch ein Bieter

Stada: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,48
Differenz relativ
+0,02%

Die Liste der Interessenten für den Arzneimittel-Hersteller Stada wird immer länger: Nach den Finanzinvestoren Cinven und Advent hat auch die Beteiligungsgesellschaft Bain Capital Finanzkreisen zufolge den Hut in den Ring geworfen. Bain stecke hinter dem 3,6 Milliarden Euro schweren unverbindlichen Übernahmeangebot für das hessische Unternehmen, hieß es am Freitag. Stada hatte über den Eingang einer dritten Offerte berichtet, ohne den Namen des potenziellen Bieters zu nennen. Bain sei bereit, 2 Euro mehr je Anteilsschein auf den Tisch zu legen als der Finanzinvestor Cinven, der 56 Euro je Stada-Aktie bietet. Das trieb die Stada-Aktie auf ein Rekordhoch von 57,70 Euro.

Rheinmetall und Raytheon machen gemeinsame Sache

Der im MDax notierte Rüstungskonzern Rheinmetall und der US-Waffenhersteller Raytheon wollen künftig stärker zusammenarbeiten. Die beiden Unternehmen unterzeichneten eine entsprechende Kooperationsvereinbarung. Mit der Zusammenarbeit will Rheinmetall-Chef Armin Papperger die Düsseldorfer sowohl technologisch als auch bei der Präsenz in wichtigen Märkten nach vorne bringen.

Samsung: De facto-Chef verhaftet

Samsung GDR: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
789,00
Differenz relativ
-0,26%

Der inoffizielle Chef des südkoreanischen Mischkonzerns Samsung ist wegen Präsidenten-Bestechung und anderer Vorwürfe verhaftet worden. Dies berichtete am Freitag die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Lee Jae Yong ist Vize-Vorsitzender des Smartphone-Marktführers Samsung Electronics und Sohn des schwer erkrankten früheren Konzernchefs Lee Kun Hee.

Merkel will Opel helfen

Für die Papiere von Peugeot geht es heute abwärts. Die Franzosen sorgen augenblicklich mit ihrem Interesse an den GM-Töchtern Opel und Vauxhall für viel Aufregung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte, es werde alles politisch Mögliche getan, "dass die Arbeitsplätze und Standorte in Deutschland gesichert sind". Die Gespräche seien in Gang gebracht worden und müssten nun abgewartet werden.

PSA Peugeot-Citroën: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra EU Stars für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,03
Differenz relativ
+0,78%
General Motors: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
34,82
Differenz relativ
-0,32%

Essilor hofft auf neue Wachstumsimpulse

Der vor der Fusion mit Luxottica stehende Brillenglashersteller Essilor will mit neuen Produkten im Kerngeschäft das vergleichsweise schwache Jahr 2016 vergessen machen. Neben neuen Angeboten der Marken Crizal, Transitions und Varilux solle das Geschäft mit Sonnenbrillen und im Internet ausgebaut werden, teilte das im EuroStoxx 50 notierte Unternehmen mit.

John Deere hebt Prognose an

Der US-Traktorhersteller Deere hofft auf steigende Preise für Feldfrüchte und zeigt sich für das laufende Jahr optimistisch. Das Unternehmen hob am Freitag seine Prognose für das laufende Jahr an und rechnet nun mit einem Absatzplus bei landwirtschaftlichen Geräten von vier Prozent. Bislang war der Konzern von einem Minus von einem Prozent ausgegangen. Auch der Gewinn soll höher ausfallen als bislang angenommen. An der Börse kamen diese Aussichten gut an: Die Aktien legten im vorbörslichen Handel 2,7 Prozent zu.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Rosenmontag, 27. Februar

Unternehmen:
Stada: Fristende zum Übernahmeangebot der Advent
Associated British Foods (Primark): Trading Update

Konjunktur:
EU: EZB Geldmenge M3, Januar, 10:00 Uhr
EU: Wirtschaftsvertrauen, Geschäftsklima und Verbrauchervertrauen Euro-Zone im Februar, 11:00 Uhr
USA: Auftragseingang langlebige Güter im Januar, 14:30 Uhr
USA: Schwebende Hausverkäufe im Januar, 16:00 Uhr

Konjunktur:
Barcelona/ Spanien: Mobile World Congress mit PKs von Netflix, Sony und Deutsche Telekom (bis 28.2.)

Darstellung: