Seitenueberschrift

Marktbericht 20:02 Uhr

Marktbericht negativ

Märkte weltweit unter Druck

Dax: Schon wieder China

Stand: 07.01.2016, 20:02 Uhr

Der Absturz der chinesischen Aktienbörsen und die Abwertung des Yuan haben die Finanzmärkte am Donnerstag erneut geschockt. Erstmal seit Oktober fällt der Dax wieder unter die psychologische wichtige Marke von 10.000 Punkten.

In Frankfurt brach der deutsche Leitindex zeitweise um vier Prozent ein auf 9.810 Zähler. Die Entscheidung der chinesischen Behörden, ab Freitag auf die automatische Notbremse zu verzichten, hat die Verluste an den Börsen zwar etwas eingedämmt. Anleger hatten kritisiert, dass die automatische Handelsaussetzung ab einem Kursminus von sieben Prozent die jüngste Panik an den Märkten eher verstärkt habe.

Audio allgemein - Startbild

Börse 19.00 Uhr

"Die Erfahrung lehrt, dass sehr drastische Markteinschränkungen in der Regel nicht zu einer Beruhigung des Marktes führen." Für manche Anleger sei die Sieben-Prozent-Schwelle, die zuletzt zu einem Abbruch des Handels in China führte, ein zusätzlicher Anreiz gewesen, ihre Positionen aufzulösen.

Verluste auch an der Wall Street

Dennoch bleibt der Dax unter der Marke von 10.000 Punkten und schließt mit 9.979,85 Punkten 2,3 Prozent schwächer. Damit bleibt aus charttechnischer Sicht die um 9.700 Punkte verlaufende Aufwärtstrendlinie von 2011 ein verlockendes Ziel für die Bären. Auch in der zweiten und dritten Reihe der Dax-Familie büßen nahezu alle Papiere an Wert ein. Es gibt insgesamt nur vier Gewinner. Der EuroStoxx50 verlor 1,7 Prozent auf 3084,68 Punkte.

An der Wall Street hat die Aufhebung der automatischen Handelsaussetzung in China ebenfalls für leichte Entspanung gesorgt. Doch am Abend weitet der Dow seine Verluste wieder aus. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Leitindex rund zwei Prozent tiefer bei 16.570 Punkten. An der Nasdaq sind die Verluste mit 2,7 Prozent noch höher. Abermals auf dem Verkaufszettel stand die Apple -Aktie angesichts anhaltender Spekulationen über eine geringere iPhone-Nachfrage. Im Dow standen auch die Energiewerte wie Chevron unter Druck.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
83,83
Differenz absolut
0,51
Differenz relativ
+0,61%

Übertriebene Panik?

Ist die Panik der Anleger übertrieben? Ja, meinen die Analysten der DZ Bank. Sie halten den wiederholten Dax-Einbruch nicht für gerechtfertigt, empfehlen sogar den Einstieg. Tatsächlich ist der Dax am Vormittag bis auf 9.810 Punkte eingebrochen, ein Abschlag von 7,7 Prozent oder 930 Punkte in nur vier Handelstagen. Dagegen ist der chinesische Aktienmarkt laut DZ Bank immer noch zu teuer. Zudem tauge die chinesische Börse nicht als Frühindikator für das Wirtschaftswachstum.

Auch Mathias Bock, Experte für Corporate/M&A bei Linklaters in Hongkong, mahnte, sich vor Augen zu führen, dass der chinesische Aktienmarkt nicht notwendigerweise den Zustand der gesamten Wirtschaft widerspiegele. Schließlich befänden sich viele der größten chinesischen Unternehmen weiterhin in staatlicher Hand. Am Aktienmarkt seien die Privatanleger in der Mehrheit, die ihre Anlagen oft als Möglichkeit für schnelle Gewinne zur Konsumbefriedigung sähen.

Aktienmarkt in China ist speziell

Somit sind die Aktienmärkte Chinas mit denen in Europa oder den USA nicht zu vergleichen. "Mit Blick auf China ist an dieser Stelle große Vorsicht geboten", sagt NordLB-Experte Tobias Basse. "Der Aktienmarkt des Landes ist speziell." Viele Investoren würden in der Börse einen Ersatz zum Glücksspiel sehen. "Anders ausgedrückt könnte also eine gewisse Entkoppelung des Aktienmarktes von der Realwirtschaft attestiert werden", sagt Basse. "Wir gehen noch immer nicht von einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft aus."

Unklar bleibt aber, wie stark die People's Bank of China (PBoC) die eigene Währung abwerten lassen wolle, erklärten die Experten der Oversea-Chinese Banking Corporation. Die Analysten der ANZ Bank warnten, mit der Erwartung eines weiter fallenden Yuan werde die Kapitalflucht aus China noch verstärkt.

Öl stürzt ab, Gold gefragt

Der weitere Preisverfall beim Rohöl signalisiert aus Sicht von Investoren ebenfalls eine wackelige Konjunktur. Der Preis für Brent rutschte um bis zu sechs Prozent ab. Mit 32,16 Dollar kostete ein Fass (159 Liter) der richtungweisenden Rohöl-Sorte aus der Nordsee zeitweise so wenig wie zuletzt im April 2004. Gold erfüllt zumindest dieser Tage für einige Investoren die Funktion als Zuflucht. Eine Feinunze kostet 1.105 Dollar und damit rund ein Prozent mehr als am Vortag.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
47,15
Differenz absolut
1,18
Differenz relativ
+2,57%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.312,94
Differenz absolut
-11,15
Differenz relativ
-0,84%

Euro wieder Richtung 1,09 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1057
Differenz absolut
0,00
Differenz relativ
+0,32%

Zu allem Unglück hat sich der Euro von seinen Tiefständen der vergangenen Tage erholt und ist am Abend auf 1,0895 Dollar gestiegen, mehr als einen Cent über dem gestrigen Stand. Der US-Dollar verliert auch gegenüber dem japanischen Yen deutlich und kostet nur noch 117 Yen.

Autos im China-Sog

Die Aktionäre deutscher Autobauer drücken angesichts der Sorgen über eine Wirtschaftsschwäche in China erneut auf den Verkaufsknopf. Die Papiere von BMW, Daimler und Volkswagen sind ans Dax-Ende gerutscht und verlieren teils mehr als als fünf Prozent. Eine weitere Belastung betrifft in erster Linie die VW-Vorzugsaktie. VW geht Medienberichten zufolge davon aus, in den USA wegen der Manipulationen rund 115.000 Fahrzeuge zurückkaufen zu müssen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
109,15
Differenz absolut
3,05
Differenz relativ
+2,87%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
54,17
Differenz absolut
0,80
Differenz relativ
+1,50%

Bankaktien im Ausverkauf

Auch die beiden im Dax notierten Banken Commerzbank und Deutsche Bank verbuchen Verluste von mehr als vier Prozent. Defensive Aktien wie Henkel oder Beiersdorf verlieren dagegen unterdurchschnittlich, können sich aber dem allgemeinen Abwärtssog nicht entziehen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12,96
Differenz absolut
0,42
Differenz relativ
+3,31%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,01
Differenz absolut
0,13
Differenz relativ
+2,28%

Wer hat Angst vor Amazon?

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
24,20
Differenz absolut
0,53
Differenz relativ
+2,24%

Von ihrem anfänglichen Schock etwas erholen kann sich die Post-Aktie. Der Titel waren am Morgen nach Meldungen, wonach der Internet-Versandhändler Amazon einen eigenen Zustelldienst in Deutschland aufbauen will, ans Dax-Ende gerutscht. Zunächst soll dieser in mehreren Metropolen verfügbar sein, sagte Amazon-Manager Bernd Schwenger. Derzeit gibt es bereits ein Modellprojekt in Olching bei München.

Rheinmetall und Dialog deutlich unter Druck

Auch in der "zweiten Reihe", dem MDax, gitb es heute keine Gewinner, sondern nur Verlierer. Angeführt wird die Liste vom Rüstungshersteller Rheinmetall. Im TecDax sihet es mit einem Minus von fast vier Prozent noch düsterer aus. Größter Verlierer ist hier die Aktie des Chip-Spezialisten Dialog. Medienberichten zufolge steigen die Chancen wieder, dass Dialog den US-Konzern Atmel übernimmt. Der Kaufpreis erscheint vielen Investoren aber als zu hoch.

Metro: Rückzug aus Vietnam

Metro ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
26,70
Differenz absolut
0,42
Differenz relativ
+1,60%

Auch die Metro-Aktie muss bluten. Dabei hat der Handelskonzern den Verkauf seines Geschäfts in Vietnam an die thailändische TCC-Gruppe abgeschlossen. Der Kaufpreis sei inzwischen überwiesen worden, teilte die Metro am Donnerstag mit. Die 19 Großmärkte seien bei dem Verkauf mit insgesamt 655 Millionen Euro bewertet worden. Den Effekt auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) bezifferte der Konzern auf "gut 400 Millionen Euro".

Comdirect winkt Geldregen

Comdirect: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,18
Differenz absolut
0,18
Differenz relativ
+1,97%

Positive Nachrichten kommen von der Comdirect Bank. Durch die Übernahme Visa Europe durch die Visa Inc. erwartet die Direktbank einen Einmalbetrag von rund 37 Millionen Euro. Drei Viertel davon fließen in bar, der Rest in Aktien der in den USA börsennotierten Visa Inc. Das Europageschäft war vor dem Börsengang des US-Konzerns 2008 abgespalten worden und gehörte seither den europäischen Banken.

Nordex: Finanzvorstand geht

Beim Windkraftanlagenbauer Nordex steht Ende des Jahres ein Wechsel im Finanzressort bevor. Finanzvorstand Bernard Schäferbarthold werde seinen Vertrag aus familiären Gründen nicht über den 31. Dezember 2016 hinaus verlängern, teilte das TecDax-Unternehmen am Donnerstagabend in Hamburg mit. Der 45-jährige Manager hat den Job seit 2007 inne und wird ihn bis Jahresende weiter ausüben.

Air Berlin mit schwachen Passagierzahlen

Die zweitgrößte deutsche Airline, die derzeit um ihre Kooperation mit der arabischen Etihad bangt, hat am Morgen neue Daten zur Passagierentwicklung bekannt gegeben. Im Dezember beförderte das Unternehmen 1,67 Millionen Gäste, 7,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Auslastung stieg aber um 0,9 Prozentpunkte auf 79,9 Prozent.

E-Autos und VR-Brillen

Eine Reihe von Produktneuerungen kommen weiterhin von der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas. So hat General Motors die neue Version des Elektroautos Chevrolet Bolt vorgestellt. Das Fahrzeug soll nach Abzug staatlicher Vergünstigungen bei einem Preis von 30.000 Dollar liegen. Die Facebook-Tochter Oculus hat einen Preis für ihre "Virtual Reality"-Brille genannt: 599 Dollar soll das Gerät zum Start kosten - in Europa werden sogar 699 Euro verlangt. Lieferbar soll die Brille ab März sein.

Netflix geht global auf Sendung

Gegen den abwärtstrend stemmen sich - auch im Frankfurter Handel - Aktien der Internet-Videothek Netflix. Das Unternehmen hatte gestern überraschend mitgeteilt, sein Geschäft auf 130 Länder weltweit ausdehnen zu wollen. Bislang waren nur 60 Länder mit dem Angebot erreicht worden. Der Marktstart in China lässt allerdings noch auf sich warten.

lg

Dax-Chart realtime

Aktuelle Audios

Aktuelle Börsen-Audios

Aktuelle Börsen-Audios

Aktuelle Börsen-Audios

Aktuelle Börsen-Audios

Aktuelle Börsen-Audios

Tagestermine am Dienstag, 28. Juni

Unternehmen:
TAG Immobilien: Investorentag
Nike: Q4-Zahlen
VW: Ende der Vergleichsfrist zur Einigung zwischen VW und US-Klägern im Diesel-Skandal läuft ab. Vorschlag muss bei Richter Charles Breyer eingereicht sein, 21:00 Uhr MEZ

Konjunktur:
Deutschland: Außenhandelspreise 05/16, 08:00 Uhr
USA: BIP Q1 (endgültig), 14:30 Uhr
USA: Privater Konsum Q1 (endgültig), 14:30 Uhr
USA: Case-Shiller-Index 04/16, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 06/16, 16:00 Uhr
Sonstiges:
EZB: Ansprache von EZB-Präsident Dragi auf dem Zentralbtreffen in Sintra, 09:30 Uhr

Darstellung: