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Marktbericht 20:05

Am Ende noch ein Miniplus

Dax rettet sich über die Ziellinie

Der Aktienmarkt hat nach der Rally der Vortage heute eine Pause eingelegt. Nachdem der Dax lange im Minus war, blieb dann doch noch ein ganz kleines bisschen Plus übrig. Aus der zweiten und dritten Reihe gab es aber viel Neues.

Am Ende eines durchwachsenen Handelstages rettete sich der Dax noch ganz knapp in den grünen Bereich. Der deutsche Leitindex stieg ganze 2,63 Punkte oder 0,03 Prozent auf 9,451 Punkte. Danach hatte es lange Zeit nicht ausgesehen. Zwischenzeitlich war auch die Marke von 9.400 Punkten im Visier, die der Index im Tagestief bei 9.397 Zählern sogar leicht verletzte. Das Tageshoch lag am Morgen bei 9.469 Punkten. Im Späthandel tat sich nicht mehr viel, der L/E-Dax beendete den Handel bei 9.447 Punkten.

Russlandkrise weiter im Blick

Das Thema Sanktionen gegen Russland bleibt weiter in den Köpfen der Börsianer. "Schärfere Sanktionen würden Russland Schaden zufügen", sagte Mark Luschini, Chef-Stratege des Anlageberaters Janney Montgomery Scott. "Das könnte auf die europäische Wirtschaft überschwappen." Allerdings wird keine unmittelbare Eskalation erwartet, kommentierte Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank.

US-Märkte ebenfalls ohne klaren Trend

Ein ähnliches Bild bietet sich an der Wall Street, der Dow liegt aktuell leicht im Minus. Auch ein ganzer Schwung an besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten hilft der New Yorker börse nicht. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken um 10.000 auf 311.000 und lagen damit besser als die prognostizierten 323.000 Anträge. Das BIP für das vierte Quartal wurde in einer dritten Schätzung auf plus 2,6 Prozent nach bisher plus 2,4 Prozent nach oben revidiert. Die Hausverkäufe waren im Kältemonat Februar allerdings rückläufig gewesen.

Unter den Einzelwerten stehen die Banken im Blick, nachdem die Notenbank Fed im Zuge ihres jährlichen Stresstests die Pläne für die Kapitalausgaben von 30 US-Banken und US-Töchtern ausländischer Finanzfirmen untersucht. Damit soll die Solidität der Kapitalbasis sichergestellt werden. Die Großbank Citigroup bekam dies zu spüren, denn ihr Plan wurde von der Fed abgelehnt. Die Aktie rauscht aktuell an der New Yorker Börse über fünf Prozent ins Minus.

Wackelkandidat Euro, Anleihen legen zu

Die Gemeinschaftswährung ist heute Achterbahn gefahren und ist dabei im Tagestief unter die Marke von 1,3730 Dollar gefallen. Damit bleibt der Euro von Spekulationen über weitere Schritte der EZB belastet. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte wegen der geringen Preissteigerungsraten massive Wertpapierkäufe durch die Zentralbank nicht mehr kategorisch ausgeschlossen.

Wie die EZB heute berichtet, war die Kreditvergabe in der Euro-Zone im Februar zudem weiter rückläufig. Allerdings ergaben sich in einzelnen Euro-Ländern unterschiedliche Szenarien. Damit dürfte das von Weidmann in die Diskussion gebrachte Thema weiter auf der Tagesordnung bleiben.

Der Rentenmarkt reagierte mit Gewinnen, der Bund-Future gewann 38 Ticks oder 0,26 Prozent hinzu. Gefragt waren aber auch höher verzinste Anleihen aus Italien und Spanien, deren Renditen deutlich in den Keller rauschten und so niedrig sind wie seit acht Jahren nicht mehr.

Tagessieger Fresenius, Banken verlieren

Die Aktie des Gesundheitskonzerns schob sich im späten Geschäft an die Dax-Spitze und legte knapp zwei Prozent zu. Kali und Salz setzten ihre Mini-Erholung der letzten Handelstage fort und schlossen 1,65 Prozent besser bei 23,71 Euro. Auch die Papiere von SAP waren gesucht. Die Schweizer Großbank UBS empfiehlt sie nach der angekündigten Übernahme von Fieldglass weiter zum Kauf mit einem Kursziel von 67 Euro. Der im Bereich Mietsoftware aus dem Internet (Cloud) aktive US-Anbieter sei seit acht Jahren ununterbrochen profitabel und habe zwei Millionen Kunden, schrieb Analyst Michael Briest in einer Studie.

Größter Verlierer waren Lufthansa, die Airline litt unter dem Streik im Öffentlichen Dienst. Auch die Banken gehörten nach dem Stresstest der Fed in Amerika zu den Verlierern. Belastend für die Geldhäuser war auch, dass die Ratingagentur Fitch den Ausblick für 18 Finanzinstitute aus EU-Ländern von "Stabil" auf "Negativ" gesenkt hat. Sie erwartet eine schlechtere Kreditwürdigkeit der meisten Banken in den kommenden ein bis zwei Jahren. Zu den betroffenen Instituten zählen unter anderem die Deutsche Bank, Commerzbank und die Aareal Bank.

Merck mit neuer Phase-III-Studie

Der Pharma- und Spezialchemiekonzern aus dem Dax startet einen neuen Test mit einem Medikament gegen Unfruchtbarkeit. Dabei soll das Mittel Pergoveris an insgesamt 946 Frauen in 17 Ländern getestet werden. Es handelt sich um einen Phase-III-Test, dem letzten vor der Zulassung.

Für Merck ist ein Erfolg wichtig, denn zuletzt gab es Rückschläge bei neuen Produkten und ab Mitte des Jahrzehnts stehen Patentabläufe für wichtige Medikamente an. Unfruchtbakeit gehört zu den Kerngebieten von Merck, das auf dem Markt befindliche Mittel Gonal-f setzte im vergangenen Jahr 586 Millionen Euro um.

United Internet auf Wachstumskurs

Der Internetdienstleister rechnet auch im laufenden Jahr mit einem deutlichen Umsatz- und Gewinnanstieg. Die Erlöse sollen 2014 um zehn Prozent auf über 2,9 Milliarden Euro zulegen und beim Betriebsergebnis (Ebitda) peilen die Westerwälder ein Plus von 28 Prozent auf 520 Millionen Euro an. Das kam bei den Anlegern gut an. United Internet gehörten zu den größten Gewinnern im TecDax.

BayWa will 2014 Ernte einfahren

Der Agrarhändler will im laufenden Jahr von seiner internationalen Expansion profitieren. Bei moderat steigendem Umsatz werde sich das Ergebnis im laufenden Jahr spürbar verbessern, heißt es im Jahresbericht. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen seinen Überschuss leicht auf 121,2 Millionen Euro von 118 Millionen Euro im Vorjahr gesteigert. Der Umsatz hatte wegen mehrerer Übernahmen um mehr als die Hälfte auf knapp 16 Milliarden Euro zugelegt.

Norma-Titel unter Druck

Der Industrie- und Autozulieferer will nach dem Rekordjahr 2013 weiter Gas geben. Weil die Weltwirtschaft auf Erholungskurs sei, erwarte der Konzern im laufenden Jahr ein Umsatzwachstum zwischen vier und sieben Prozent, teilte das auf Befestigungsschellen und Verbindungen für Rohre und Schläuche spezialisierte Unternehmen mit. Den Aktionären will Norma für das Rekordjahr 2013 eine Dividende von 0,70 Euro je Aktie zahlen, das sind 0,05 Cent mehr. 2015 soll sich das Wachstum nochmals beschleunigen. Die MDax-Papiere gaben dennoch nach.

Vossloh besorgt sich frisches Geld

Der Bahntechnikkonzern hat gut 1,3 Millionen eigene Aktien zu einem Preis von 69 Euro bei Anlegern platziert. Dadurch kommen rund 91 Millionen Euro in die Kasse. Mit dem Geld will der Düsseldorfer Konzern unter anderem die Schulden von zuletzt rund 200 Millionen Euro senken. Die Anleger verkauften daraufhin die Titel.

Air Berlin verschiebt erneut

Die angeschlagene Fluggesellschaft, die heute ebenfalls unter dem Tarifkonflikt im Öffentlichen Dienst zu leiden hat, verschiebt erneut die Bilanzvorlage. Das Unternehmen spreche weiterhin mit Gesellschaftern und Finanzierungspartnern über eine Finanzspritze, um Eigenkapital und Liquidität zu stärken, teilte Deutschlands zweitgrößte Fluglinie mit. Die Bilanz-Pressekonferenz für das Jahr 2013 werde daher auf spätestens Ende April verschoben. Air Berlin ist seit Jahren schwer angeschlagen, steckt bereits im zweiten Sparprogramm und hofft auf den Großaktionär Etihad.

Weitere Zukäufe geplant

LEG Immobilien hat 2013 dank steigender Mieten, sinkendem Leerstand und Übernahmen deutlich zugelegt. LEG rechnet im laufenden Jahr mit weiterem Wachstum und kündigte zudem Zukäufe an. Die Aktionäre sollen eine Dividende von 1,73 Euro bekommen.

Stada: Nur geringe Zuwächse erwartet

Der Arzneimittelhersteller Stada rechnet dieses Jahr mit keinen größeren Sprüngen im Geschäft mit Nachahmerarzneien. Für 2014 würden nur leichte Zuwächse bei Umsatz und Gewinn erwartet, teilte das Bad Vilbeler Unternehmen mit. Im vergangenen Jahr hat Stada 1,23 Milliarden Euro mit Nachahmerarzneien umgesetzt. Besser soll es dagegen dieses Jahr im Geschäft mit Markenprodukten laufen. Die Aktie fiel zurück.

SMA Solar mit Umsatz- und Ergebnisrückgang

Der Solartechnikhersteller ist wegen des Markteinbruchs in Europa und des harten Preiswettbewerbs im abgelaufenen Geschäftsjahr in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich steht ein Verlust von rund 67 Millionen Euro nach einem Gewinn von 75,1 Millionen Euro im Vorjahr. Damit lag der Konzern am unteren Ende der eigenen Prognose. Die Titel waren größter TecDax-Verlierer.

Schwarzer Tag für HHLA

Die Anleger verkauften scharenweise HHLA-Aktien. Sie fielen zeitweise mehr als zehn Prozent und zierten am Ende mit einem Abschlag von sieben Prozent das SDax-Ende. Der Hamburger Hafen- und Logistikkonzern zahlt seinen Anteilseignern wegen des Gewinnrückgangs eine geringere Dividende. Die Aktionäre sollen für das abgelaufene Jahr 45 Cent je Anteilschein erhalten, 20 Cent weniger als im Vorjahr. Die Prognose für das laufende Jahr hielt der Vorstand wegen des weiter schwelenden Ukraine-Konflikts mit Russland vage.

Patrizia: Statt Dividende gibt es "Gratisaktie"

Das Immobilienunternehmen Patrizia hat im vergangenen Jahr den Wert seiner verwalteten Immobilien um mehr als 70 Prozent auf rund 11,8 Milliarden Euro gesteigert. Auch in den kommenden Jahren soll das von den Augsburgern betreute Immobilienvermögen wachsen. Der Konzernüberschuss stieg 2013 um die Hälfte auf 37,2 Millionen Euro. Wie in der Vergangenheit will Patrizia den Eignern statt einer Dividende pro zehn Papiere eine "Gratisaktie" geben.

Solarworld: Hurra, wir leben noch

Mit diesen optimistischen Worten meldete sich Konzernchef Frank Asbeck auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens zurück. Nach Angaben des Managements hat der Solarkonzern nach seiner Restrukturierung wieder Boden unter den Füßen, vor allem die ersten beiden Monate des laufenden Jahres seien gut gelaufen. Solarworld bestätigte die Prognose, nach der man im Jahr 2015 operativ wieder schwarze Zahlen schreiben will. Die Aktie fiel trotzdem.

Deutsche Entertainment erhöht die Dividende

Das Unternehmen aus dem Prime Standard, das unter anderem Konzertveranstaltungen ausrichtet, hat sowohl Umsatz als auch Ergebnis im Jahr 2013 gesteigert. Die konsolidierten Erlöse zogen um 6,3 auf 165,5 und das operative Ergebnis (Ebitda) um 18,6 auf 10,2 Millionen Euro an. Netto blieben 3,6 Millionen Euro, ein Plus von einem Drittel. Die Dividende soll um 50 Prozent auf zwölf Cent je Aktie steigen. Für das laufenden Jahr ist das Management angesichts der bereits zahlreich verkauften Tickets zuversichtlich.

Bijou Brigitte verdient weniger

Der Spezialist für modische Accessoires hat im Geschäftsjahr 2013 nach vorläufigen Zahlen unter dem Strich mit 28,1 Millionen Euro deutlich weniger verdient als im Vorjahr, als 39,2 Millionen Euro in den Büchern standen. Die Dividende soll von zuletzt 5,50 auf 3,50 Euro je Aktie gekürzt werden, das ergäbe eine Dividendenrendite von 4,7 Prozent.

Im abgelaufenen Jahr hat das Hamburger Unternehmen seine Filialstruktur weiter gestrafft. 41 Neueröffnungen standen 70 Schließungen gegenüber. Mehr als 140 Standorte wurden renoviert. Insgesamt wurden Ende des Jahres 1.137 Standorte betrieben. Den vollständigen Jahresabschluss gibt es am 25. April.

H&M trozt Zuwachs nicht gefragt

Die Aktie des schwedischen Modehändlers fiel nach den Zahlen zum ersten Quartal zurück. Den Anlegern war der ausgewiesene Umsatzzuwachs von 13 Prozent im Jahresvergleich auf 32,14 Milliarden Kronen (rund 3,6 Milliarden Euro) offensichtlich zu wenig. Das Ergebnis lag mit 2,65 Milliarden Kronen etwa auf Vorjahreshöhe. H&M wächst vor allem in China stark, wo dutzende neuer Geschäfte eröffnet wurden.

rm

Stand: 27.03.2014, 20:05 Uhr

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Tagestermine am Dienstag, 22. April

Unternehmen:
Villeroy & Boch: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q1-Zahlen, 7 Uhr
McDonald's: Q1-Zahlen, 14:00 Uhr
Amgen: Q1-Zahlen
Comcast: Q1-Zahlen
Harley-Davidson: Q1-Zahlen
Lockheed Martin: Q1-Zahlen
United Technologies: Q1-Zahlen
AK Steel Holding: Q1-Zahlen
Juniper Networks: Q1-Zahlen
AT&T: Q1-Zahlen, 22 Uhr

Konjunkturdaten:
USA: Verkauf bestehender Häuser im März, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen April, 16:00 Uhr

Sonstiges:
New York: International Auto-Show, bis 27.4.2014

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