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Marktbericht 20:02 Uhr

Marktbericht neutral

Leichte Gewinne am Aktienmarkt

Dax im Bann neuer Daten aus Amerika

Fast hätten die Bullen heute einen wichtigen Etappensieg errungen. Aber vor der Veröffentlichung der wichtigen Oktober-Sitzungsprotokolle der amerikanischen Notenbank haben die Mutigen dann doch noch kalte Füße bekommen.

Dabei hatte es am Nachmittag kurzzeitig so ausgesehen, als könnte der deutsche Leitindex sich befreien und mit der Marke von 9.500 Punkten zudem eine wichtige charttechnische Marke knacken. Denn auf diesem Niveau verläuft die 200-Tage-Durchschnittslinie. Aber der Aufschwung entpuppte sich letztlich als Strohfeuer. Am Ende schloss der Index bei 9.472 Zählern nur um 0,2 Prozent höher.

Warten auf die Fed-Protokolle

Im Tageshoch war der Dax schon bis auf 9.521 Punkte gestiegen, ehe sich die Anleger im Gefolge einer leicht schwächer tendierenden Wall Street wieder zurückzogen. "Vor der Veröffentlichung der Fed-Protokolle am Abend ist Zurückhaltung angesagt", sagte ein Händler. Das Tagestief lag heute bei 9.439 Punkten. Nachbörslich hielten die Anleger ihr Pulver trocken.

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Börse 18.00 Uhr

Der im bis 20.00 Uhr dauernden Späthandel ermittele L/E-Dax schloss bei 9.477 Punkten. Die Anleger konnten damit nicht mehr auf die für den gleichen Zeitpunkt erwartete Veröffentlichung der Protokolle der Fed-Sitzung von Ende Oktober reagieren. Im Gegensatz zur Wall-Street, die dann für die asiatischen und europäischen Märkte morgen früh den Ton vorgeben dürfte.

Wall Street wartet ab

Marktteilnehmer erwarten von den Sitzungsprotokollen, im Fachjargon "Minutes" genannt, insbesondere Aufschluss darüber, ob eine Zinswende in Amerika eventuell früher als erwartet auf der Agenda der Notenbanker stehen könnte.

Bisher rechnet der Markt Mitte des kommenden Jahres mit einer ersten Anhebung der Zinsen. Aktuell steht der Dow-Jones-Index, ebenso wie die anderen großen Aktienindizes der New Yorker Börse leicht im Minus.

"Tendenziell verlagerte sich die Markterwartung an eine Zinswende in den USA mit jeder guten Wirtschaftszahl nach vorne. Da aber auch die amerikanische Notenbank Fed die Inflationsrate genau beobachtet, die auch in den USA wenig Aufwärtsdruck zeigt, könnten die Komitee-Mitglieder vor einer allzu frühen Zinsanhebung zurückschrecken", so Marktanalyst Andreas Paciorek von CMC Markets. Die Aussicht auf anhaltend billiges Notenbankgeld, dem Haupttreiber der Aktienrally, könnte also für weitere Kurssteigerungen sorgen.

Euro macht Boden gut

Auch am Devisenmarkt warten die Marktteilnehmer natürlich gespannt auf neue Einblicke in das Innenleben der Fed. Denn der Fortgang der Zinswende in Amerika bleibt der alles überragenden Einflussfaktor auf den Greenback. Zuletzt hatten in Erwartung höherer Zinsen für die dominierende Weltleitwährung bereits der Euro, der Yen und auch das Gold zum Dollar deutlich nachgegeben. Dies wiederum hatte die Fed mit Besorgnis zur Kenntnis genommen.

Die guten fundamentalen deutschen Exportaussichten sowie der gestiegene ZEW-Index vom Vortag halfen heute jedoch erst einmal dem Euro und sorgten für eine Fortsetzung der jüngsten Zwischenerholung. Wie der Branchenverband der Exportindustrie BGA meldete, sollen 2015 die Ausfuhren um vier Prozent auf einen neuen Rekordwert von 1,17 Billionen Euro steigen. Die Gemeinschaftswährung hatte im Tageshoch schon Niveaus von über 1,2560 erreicht. Die EZB legte den Referenzkurs bei 1,2535 Dollar festgesetzt nach 1,2514 Dollar am Vortag.

Neue Fantasie bei K+S

Unter den Einzelwerten waren K+S-Aktien im Dax Tagessieger. Der Kasseler Düngemittel-Hersteller könnte von Produktionsproblemen seines russischen Rivalen Uralkali profitieren. Denn der Weltmarktführer muss vorübergehend eine wichtige Grube schließen, die voll Wasser gelaufen ist. Entscheidend wird nun sein, wie lange sie geschlossen bleibt. Zu den größten Gewinnern zählte auch die Infineon-Aktie. Sie profitierte von einer Kaufempfehlung durch die Credit Suisse. Die Schweizer Analysten haben den Titel mit "Outperform" und dem Kursziel 10,10 Euro eingestuft. Die Chip-Nachfrage habe sich besser entwickelt als zuletzt angenommen. Auch die Telekom-Aktie präsentierte sich weiter in guter Verfassung und setzte ihre momentan hohe relative Stärke der vergangenen Handelstage fort. Am Ende schloss sie wieder besser als der Dax bei 12,89 Euro.

Merck am Dax-Ende, Thyssen-Chef verlängert

Beim Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck haben die Anleger nach der Rally der vergangenen Tage hingegen Gewinne mitgenommen. Das Papier verlor rund ein Prozent. Die Aktie von ThyssenKrupp, die lange Zeit das Dax-Ende zierte, gab ebenfalls nach. Auch Salzgitter-Papiere gehörten im MDax zu den Verlierern. Experten verweisen darauf, dass am Terminmarkt die Preise für Eisenerz weiter auf ein Mehrjahrestief gefallen sind. Die Vermutung liegt nahe, dass dadurch auch die Margen der Hersteller bedroht sind.

Bei ThyssenKrupp wurde zudem erwartungsgemäß der Vertrag von Firmenchef Heinrich Hiesinger bis 2020 verlängert. Er soll den Industriekonzern nach dem Ende der jahrelangen Krise zu neuer Stärke führen. "Das Unternehmen ist auf dem richtigen Weg", sagte Aufsichtsratschef Ulrich Lehner. Morgen früh ab 07:00 Uhr veröffentlicht ThyssenKrupp sein Jahresergebnis für das Geschäftsjahr 2013/2014.

Deutsche Bank hat erstmal genug "CoCo"

Die Deutsche Bank hatte am Morgen gemeldet, dass die Emission einer Zwangswandelanleihe ("CoCo-Bond") zur Stärkung ihrer Kapitaldecke erfolgreich verlaufen ist. Die Anleihe hat ein Volumen von 1,5 Milliarden Dollar und eine Verzinsung von 7,5 Prozent. Laut Reuters, die sich auf "Insider" beruft, soll dies für eine längere Zeit die letzte Kapitalmaßnahme dieser Art gewesen sein. Die Dax-Aktie legte 0,4 Prozent zu.

Gagfah überzeugt

Im MDax legte die Aktie des Immobilienkonzerns Gagfah 1,16 Prozent zu. Analysten sprachen von "soliden Zahlen", die Gagfah am Morgen für die ersten drei Quartale des Jahres vorgelegt hat. Die wichtige Ertragskennziffer FFO (Funds from Operations) legte um 65 Prozent auf 141,3 Millionen Euro zu.

Hugo Boss nimmt sich was vor

Der Modekonzern will laut Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs bis zum Jahr 2020 im Durchschnitt mit einem hohen einstelligen Prozentsatz beim Umsatz wachsen. Die operative Umsatzrendite soll auf 25 Prozent gesteigert werden. Im vergangenen Jahr hatte diese Ergebnisgröße bei 23,2 Prozent gelegen. Boss hatte einen Umsatz von 2,43 Milliarden Euro erreicht. Die MDax-Aktie verlor dennoch 0,3 Prozent.

ProSiebenSat.1 in Verhandlungen über Maxdome

Der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 hält die Beteiligung eines Partners an seiner Online-Videoplattform Maxdome für möglich. Obwohl Maxdome Verluste schreibe, sei ProSiebenSat.1 sehr zufrieden mit seinem Videoanbieter, der die Teilhabe des Konzerns am wachsenden Markt sichere. Der US-Kabelriese Liberty Global hat dem "Handelsblatt" zufolge ein Auge auf Maxdome geworfen.

Gewinnmitnahmen bei Wirecard

Aktien des Internet-Zahlungsspezialisten litten nach dem gestrigen heftigen Kursanstieg unter Gewinnmitnahmen und verloren in volatilem Handel am Ende 0,89 Prozent.

Der Ausblick des Internet-Zahlungsdienstleisters aus dem TecDax kann sich aber sehen lassen. Wirecard will im Gesamtjahr 2014 ein Ebitda zwischen 170 und 177 und im kommenden Jahr zwischen 205 und 225 Millionen Euro erreichen.

Indus weiter auf Wachstumskurs

Wenig spektakuläre Zahlen für die ersten neun Monate des Jahres 2014 hat die Beteiligungs-Gesellschaft Indus Holding aus dem SDax vorgelegt. Die Unternehmen im Beteiligungs-Portfolio erreichten einen Umsatz von 927 Millionen Euro, gegenüber 881 Millionen im Vorjahr. Der Nettogewinn wurde von 44,1 auf 46,3 Millionen Euro gesteigert. Die Aktie gab knapp 0,4 Prozent nach.

Kapitalerhöhung bei United Labels

Das Unternehmen aus dem Prime Standard erhöht sein Kapital im Verhältnis 2:1. Der Bezugspreis liegt bei 1,55 Euro, die Bezugsfrist endet am 8. Dezember. Die Aktie, einstmals sogar im Neuen Markt mit Kursen um 80 Euro gehandelt, verliert kräftig auf etwas über zwei Euro. United Labels vermarktet in Lizenz Konsumgüter, auf denen bekannte Zeichentrick- und Comicfiguren abgebildet sind.

Schoeller-Bleckmann kann nicht klagen

Der Ölfeldausrüster aus Österreich hat trotz des sinkenden Ölpreises gute Geschäfts gemacht. Der Gewinn kletterte in den ersten drei Quartalen um 11,4 Prozent auf 46,8 Millionen Euro. Auch operativ verdiente das Unternehmen mit 356,6 Millionen Euro deutlich mehr als zum Vorjahreszeitpunkt.

Areva fehlt Energie

Aktien des französischen Energiekonzerns Areva rutschte am Mittwoch deutlich ab. Das Unternehmen muss nach Problemen in der Kraftwerkssparte gleich die Gewinnerwartungen für die beiden Jahre 2015 und 2016 nach unten schrauben.

rm

Stand: 19.11.2014, 20:02 Uhr

Tagestermine am Montag, 24. November

Unternehmen:
Borussia Dortmund: Hauptversammlung
Telekom Austria: Bezugsfrist für Kapitalerhöhung endet

Konjunktur:
Deutschland:
Ifo-Geschäfsklimaindex im November, 10:00 Uhr
USA:
CFNAI-Index, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Commerzbank:
Corporate Finance Outlook 2015, 09:30 Uhr
LBBW: Kapitalmarktausblick mit Chefvolkswirt Burkert, 10:00 Uhr
Japan:
Börse wegen Feiertags geschlossen

Darstellung: