Seitenueberschrift

Marktbericht 11:40

Deutscher Leitindex kann Kursverluste reduzieren

Dax: (Heiliger) Schreck, lass nach!

von Angela Göpfert

Die Anleger können die zunehmenden Risiken nicht länger ignorieren. Der Dax fällt bis zum Mittag zeitweise um mehr als 100 Punkte. Ein Abschlag von weiteren 200 Punkten liegt nun absolut im Bereich des Möglichen!

Anleger müssen sich auf ein Wiedersehen mit der 200-Tage-Linie in den kommenden Handelstagen einstellen. Diese verläuft aktuell bei 9.439 Zählern. Spätestens auf Höhe dieser Glättungslinie dürften aber die Bullen einen ernsthaften Stabilisierungsversuch einleiten.

Wehe, wenn die 200-Tage-Linie fällt

Schließlich wissen auch sie um die Bedeutung dieser Marke: Ein Rutsch darunter würde nämlich den Weg frei machen in Richtung des bisherigen Jahrestiefs vom März bei 8.913 Punkten.

Wirklich aufhellen würde sich das charttechnische Bild dagegen erst mit einer Rückeroberung der Widerstandszone bei 9.794/9.810 Punkten. Doch davon ist der deutsche Leitindex am Montag meilenweit entfernt, auch wenn er sein Minus bis zum Mittag deutlich reduzieren kann.

Angstbarometer auf Zwei-Monats-Hoch

In der Spitze beliefen sich die Kursverluste auf 1,1 Prozent, das vorläufige Tagestief wurde bei 9.611 Punkten markiert. Damit hat der Dax die kurzfristig bedeutsame Unterstützung bei 9.617 Punkten gerissen – das Tagestief vom 10. Juli.

Wie nervös die Anleger agieren, zeigt übrigens auch ein Blick auf das Angstbarometer VDax. Dieses markiert mit 17,44 Stellen ein frisches Zwei-Monats-Hoch.

Dax im Sog der Ukraine-Krise

Aus fundamentaler Sicht drücken vor allem die wachsenden geopolitischen Risiken auf die Stimmung der Anleger. Der Vormarsch ukrainischer Regierungstruppen auf die Separatisten-Hochburg Donezk macht dem Dax ebenso zu schaffen wie der Ruf nach einem härteren Kurs gegen Russland.

Zu allem Überdruss hat am Wochenende auch noch die portugiesische Unternehmensgruppe Espírito Santo International (ESI), die indirekt an der kriselnden Großbank BES beteiligt ist, die Einleitung eines Insolvenzverfahrens beantragt.

Defensiv ist Trumpf!

Im Dax können sich vor allem defensive Werte gegen den Strom stemmen. Papiere von Eon und RWE gehören zu den wenigen Kursgewinnern im deutschen Leitindex. Auch auf Drei-Monats-Sicht haben die Versorger die Nase vorn. Die RWE-Aktie war in diesem Zeitraum sogar mit einem Plus von 12,2 Prozent der größte Dax-Gewinner.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.32
Differenz absolut
0.16
Differenz relativ
+1.43%

Banken so gar nicht gefragt

Dagegen zählen Aktien von Deutsche Bank und Commerzbank zu den größten Dax-Verlierern. Europaweit reagieren Bankenwerte besonders sensibel auf die jüngsten Entwicklungen in Portugal.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.04
Differenz absolut
0.22
Differenz relativ
+0.89%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.05
Differenz absolut
0.16
Differenz relativ
+1.52%

Deutsche Post mit Analysten-Ballast

Auch die Aktie der Deutschen Post präsentiert sich ausgesprochen schwach. Die Investmentbank Equinet hat die Einstufung für den Titel vor Zahlen auf "Reduce" mit einem Kursziel von 24 Euro belassen. Der Logistikkonzern dürfte für das zweite Quartal eher verhaltene Ergebnisse vorlegen, hieß es zur Begründung.

Gewinnmitnahmen bei SAP

Dagegen kann die SAP-Aktie ihre frühen Kursverluste bis zum Mittag reduzieren. Zu Handelsauftakt war sie noch der größte Dax-Verlierer gewesen. Marktbeobachter sprechen von Gewinnmitnahmen, nachdem der Titel in der vergangenen Woche mit einem Plus von 5,5 Prozent der beste Dax-Wert gewesen war.

Software AG: Die Luft ist raus!

Am Wochenende hatte zudem der neue SAP-Finanzvorstand gegenüber "Euro am Sonntag" ein Interesse an einer Übernahme des Konkurrenten Software AG ausdrücklich dementiert. Jegliche Übernahmefantasie entweicht damit schlagartig aus der Aktie der Software AG. Sie ist einer der schlechtesten Werte im TecDax.

Osram im Philips-Sog

Die Siemens-Aktie reagiert auf die Quartalszahlen des Konkurrenten Philips nicht großartig, sie verliert mit dem Markt. Eine Flaute im Geschäft mit Medizintechnik hatte Philips die Bilanz zum zweiten Quartal ordentlich verhagelt.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
94.88
Differenz absolut
1.90
Differenz relativ
+2.04%

Analysten machten zudem erneut das Beleuchtungsgeschäft als Schwachpunkt in der Philips-Bilanz aus, was die Stimmung für Osram-Titel belastet. Die Osram-Aktie ist zum Mittag der schwächste MDax-Wert.

Sky Deutschland bald britisch?

Im MDax ist die Sky-Aktie auch zum Mittag der mit Abstand größte Gewinner. Laut "Sunday Times" könnte der britische Bezahlsender BSkyB in den nächsten zwei Wochen eine Vereinbarung über eine Übernahme der Bezahlsender Sky Deutschland und Sky Italia von Rupert Murdoch treffen. Der Coup stehe offenbar kurz bevor, berichtete auch die "FAZ".

Wacker Chemie: Kurzfristiges Aufwärtspotenzial?

Zweitbester MDax-Wert ist die Aktie von Wacker Chemie, die von einer kurzfristigen Handelsempfehlung der Deutschen Bank profitieren kann. Analyst Alexander Karnick glaubt, dass das Polysilizium-Geschäft dank einer anhaltend hohen Auslastung gut laufen sollte. Chemieanbietern sollte ohnehin eine saisonale Erholung im zweiten Quartal helfen. Fundamental stuft er das Papier allerdings weiterhin nur mit der neutralen Empfehlung "Hold" ein.

Aurelius übernimmt Schuhsparte von Scholl

Jenseits der großen Indizes sticht die Aurelius-Aktie mit einem Kursplus ins Auge. Die Beteiligungsgesellschaft übernimmt die Schuhsparte von Scholl von der britischen Reckitt Benckiser Group plc. Scholl Footwear ist bereits die vierte Akquisition von Aurelius im laufenden Geschäftsjahr. Über den Kaufpreis schwiegen sich die beteiligten Unternehmen aus.

Tesco: Hoffen auf den Neuanfang

Unter den ausländischen Werten auf dem Frankfurter Parkett ragt die Tesco-Aktie positiv heraus. Aktien des weltweit drittgrößten Einzelhändlers reagieren mit Kursgewinnen auf den geplanten Rücktritt des Tesco-Chefs Philip Clarke. Tesco hatte am Morgen zudem mitgeteilt, dass Umsatz und Gewinn des ersten Halbjahres hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien.

Julius Bär besser als gedacht

Auch Julius Bär kann auftrumpfen. Die Schweizer Privatbank ist im ersten Halbjahr kräftig gewachsen. Die verwalteten Vermögen kletterten seit Ende 2013 um acht Prozent auf 274 Milliarden Franken. Der Gewinn stieg um zehn Prozent auf 288 Millionen Franken. Analysten hatten dem einzigen reinen Schweizer Vermögensverwalter klar weniger zugetraut. Die Julius-Bär-Aktie steigt zu Börsenbeginn in der Schweiz um 6,7 Prozent.

Roche mag's nicht so groß

Derweil mag Roche im großen Übernahmekarussell der Pharmabranche nicht so recht mitfahren. Die Schweizer schließen große Zukäufe aus. "Wir halten an unserer bisherigen Strategie fest", sagte Roche-Chef Severin Schwan der Zeitung "Finanz und Wirtschaft". Dazu gehörten gezielte kleinere Übernahmen und Partnerschaften.

Camel-Hersteller soll blechen

Gelassen fällt die Reaktion der Reynolds-Aktie auf diese Hiobsbotschaft aus: Ein Gericht in Florida hat den Tabakkonzern zur Zahlung von mehr als 23 Milliarden Dollar an die Witwe eines Kettenrauchers verurteilt. Die Strafe ist eine der höchsten, die jemals in einem Prozess mit einem einzelnen Kläger gegen ein Tabakunternehmen verhängt worden ist. Der Camel-Hersteller kündigte an, das Urteil anzufechten.

Stand: 21.07.2014, 11:39 Uhr

Aktuelle Audios

Aktuelle Börsen-Audios

Börse 20.15 Uhr

Aktuelle Börsen-Audios

Börse 19.00 Uhr

Aktuelle Börsen-Audios

Börse 18.00 Uhr

Aktuelle Börsen-Audios

Börse 17.00 Uhr

Aktuelle Börsen-Audios

Börse 16.00 Uhr

Tagestermine am Freitag, 22. August

Unternehmen:
Keine Termine absehbar Konjunktur:
Keine Termine absehbar Sonstiges:
Fed: Jährliches Wirtschaftssymposium in Jackson Hole mit Fed-Präsidentin Yellen und EZB-Chef Draghi, bis 23. August

Darstellung: