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Marktbericht 20:15 Uhr

Marktbericht negativ

Brutale China-Keule

Dax: Größter Wochenverlust seit 2011

Stand: 21.08.2015, 20:15 Uhr

China und kein Ende - die Konjunktursorgen um das Riesenreich senden weiter Schockwellen durch die internationalen Börsen. Auch die Dax-Anleger haben sich heute in großem Stil verabschiedet und dem deutschen Aktienmarkt eine desaströse Woche beschert.

Dabei fehlt fehlt beim deutschen Leitindex Dax nicht mehr viel bis zur psychologisch wichtigen Unterstützungsmarke von 10.000 Dax-Punkten. Am Freitag verstärkte sich gegen Handelsschluss der Abwärtstrend und bescherte dem Index einen weiteren schweren Verlusttag. Auch andere europäische Märkte und der Auswahlindex EuroStoxx 50 verloren deutlich.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Dax gab wie schon am Vortag erneut kräftig nach und schloss bei 10.124 Punkten am Tagestief. Das war ein Abschlag von 2,95 Prozent oder 307 Punkten. Insgesamt hat der Index im Wochenverlauf damit 7,8 Prozent eingebüßt und den größten Wochenverlust seit vier Jahren eingefahren. Auch im Späthandel ging es weiter abwärts, der L/E-Dax folgte der schwachen Wall Street und schloss bei 10.090 Punkten.

Die Tatsache, dass keine Schnäppchenjäger am Markt sind zeigt zudem die tiefe Verunsicherung der Anleger. Einige seien in den letzten Tagen mit Blick auf die Intensität der Abwärtsbewegung im Dax auf dem falschen Fuß erwischt worden, sagte Analyst Markus Huber vom Handelshaus Peregrine & Black. Folglich hätten viele gezögert, auf Schnäppchenjagd zu gehen.

China-Ängste werden immer stärker

"Die Aktienmärkte verfallen in einen Panik-Modus, da das volle Ausmaß des Konjunkturabschwungs in China deutlicher wird", sagte Angus Nicholson, Analyst beim Online-Broker IG. In die gleiche Kerbe schlägt auch die DZ-Bank. Die aufgestaute Angst "vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft" scheine sich entladen zu haben, schrieb Analystin Dorothea Huttanus in einer aktuellen Studie. Diese hätte "fraglos ganz erhebliche Konsequenzen für den Rest der Welt".

Aktuelle Daten aus China gaben keine Entwarnung. Die Stimmung chinesischer Unternehmer ist auf den tiefsten Stand seit März 2009 gefallen. Das geht aus einem wichtigen Konjunktur-Frühindikator, den das chinesische Wirtschaftsmagazin "Caixin" vorlegte.

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Börse 20.15 Uhr

Auch an der Wall Street sorgen sich die Anleger um die Lage im Reich der Mitte. Der Leitindex Dow-Jones, der gestern unter die Marke von 17.000 Punkten gefallen war, gibt weiter nach und steht derzeit mit rund 1,6 Prozent ebenfalls deutlich im Minus.

Auch gute Konjunkturdaten aus Euroland helfen nicht

Aber es gab auch gute Nachrichten, wenngleich sie am Markt kaum Beachtung fanden. Denn in Europa, lange Zeit das größte Sorgenkind der Weltwirtschaft, hellt sich die Lage langsam auf. Die Unternehmensstimmung im Euroraum hat sich im August dank eines starken Dienstleistungssektors überraschend verbessert. Ausnahme war allerdings Frankreich, wo immer noch keine Besserung zu erkennen ist. In der Industrie verharrte der Wert auf seinem Vormonatsniveau, erwartet wurde ein leichtes Absinken.

Ölpreis schwach, Euro immer stärker

Getrieben durch die Sorgen um China sind auch die Ölpreise am Freitag erneut gesunken. China gilt als größter Ölverbraucher, eine konjunkturbedingt schwächere Nachfrage drückt entsprechend stark den Preis. Derzeit steht dieser so tief wie seit über sechs Jahren nicht mehr, was vor allem den ölexportierenden Schwellenländern schwer zu schaffen macht.

Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 46,23 US-Dollar. Das waren 39 Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 25 Cent auf 41,07 Dollar. Die Ölpreise befinden sich bereits seit Anfang Juli auf Talfahrt. Ursache ist Fachleuten zufolge ein zu hohes Angebot auf dem Weltmarkt.

Der Euro hat erstmals seit Mitte Juni die Marke von 1,13 Dollar übersprungen. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,1348 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,1281 nach 1,1183 Dollar am Vortag festgesetzt. Besser als erwartet ausgefallene Daten aus der Eurozone gaben dem Euro laut Händlern Auftrieb. Hinweise der US-Währungshüter auf die ungewöhnlich schwache Inflation in den USA deutet der Markt zudem als Signal für den späteren Dezember-Termin für eine erste Zinserhöhung. Dies bringt den Dollar unter Druck.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz BNP Paribas für den Zeitraum 1 Monat
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz New York Mercantile Exchange für den Zeitraum 1 Monat
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Daimler geht auf Google & Co. zu

Firmenchef Dieter Zetsche hat eine Zusammenarbeit des Autobauers mit Digitalkonzernen wie Google oder Apple ins Gespräch gebracht. "Eine Option könnte sein, dass die Autos in einem Joint Venture entstehen und wir diese dann bauen. Aber ich spreche hier rein fiktiv", sagte Zetsche dem Wirtschaftsportal "dub.de" mit Blick auf mögliche Ambitionen der beiden US-Tech-Konzerne in der Autobranche.

Beide großen US-Konzerne arbeiten an selbstfahrenden Autos, noch ist aber nicht klar, wie tief sie in den Wertschöpfungsprozess der Autobauer eindringen können. Daimler hat derweil eine behördliche Genehmigung für einen Test selbst fahrender LKW auf deutschen Straßen erhalten. Allerdings muss ein Fahrer noch eingreifen können.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat höhere Investitionen in die IT-Ausstattung des Konzerns gefordert. "Wir müssen die Kräfte im Konzern bündeln, wenn wir nicht wollen, dass Google oder der chinesische Alibaba-Konzern irgendwann bei uns Autos bestellen, um sie mit ihren digitalen Systemen auszustatten", erklärte der oberste Arbeitnehmervertreter in einem Interview mit der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung".

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Google C: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Goldmänner stufen Lufthansa ab

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa-Aktien waren schwächster Dax-Wert mit einem deutlichen Abschlag von 5,7 Prozent. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat das Papier von "Neutral" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel von 12,90 auf 10,50 Euro gesenkt. Wegen des Wettbewerbsdrucks habe sie ihre Prognose für die Durchschnittserlöse (Yield) und das operative Ergebnis (Ebit) der Jahre 2015 bis 2017 um bis zu 21 Prozent gekürzt, schrieb Analystin Monique Pollard.

Eon treibt Aufspaltung voran

Eon
Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Eon-Chef Johannes Teyssen hält trotz drohendem politischen Störfeuer an der Aufspaltung des Konzerns fest. Die Kohle-, Atom- und Gaskraftwerke sollen in eine Gesellschaft mit dem Namen Uniper ausgegliedert werden. Gefährdet ist der Plan aber durch ein in Arbeit befindliches Gesetz der Bundesregierung, nach der der Konzern noch viele Jahre für den gesetzlich erzwungenen Rückbau und die Müllentsorgung der Atomkraftwerke bezahlen soll. Dagegen behält sich Teyssen eine Verfassungsklage vor. Er mahnte ein faire Lösung an.

SAP-Rivale hebt Ausblick an

Der SAP-Konkurrent Salesforce hat den Geschäftsausblick angehoben. Von Mai bis Juli stiegen die Erlöse um 24 Prozent auf 1,63 Milliarden Dollar. Unter dem Strich machte das Unternehmen allerdings einen Verlust von 852.000 Dollar. Dennoch wurden die Markterwartungen übertroffen. Salesforce schraubte die Ziele für das gesamte Geschäftsjahr hoch und peilt nun einen Umsatz von gut 6,6 Milliarden Dollar an. Während das Salesforce-Papier in New York zulegt, konnte SAP nicht profitieren.

Sorgen bei Gerry Weber

Gerry Weber: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Modekette Gerry Weber plant den Abbau von Arbeitsplätzen und schließt dabei auch Kündigungen nicht aus. Wie Vorstandschef Ralf Weber im Gespräch mit dem "Manager Magazin" sagte, solle die Zahl von aktuell 7.000 Beschäftigten sinken. Der Preiskampf auf dem Bekleidungsmarkt und fehlende Kunden hatten der Modekette zuletzt zugesetzt. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2014/15 war das operative Ergebnis um 26,8 Prozent auf 36,2 Millionen Euro eingebrochen.

Gewinnmitnahmen bei Sartorius

Die Vorzüge des Laborausrüsters waren schwächster Wert im TecDax, ohne das es neue Nachrichten gab. Einige Anleger scheinen aber Gewinne zu realisieren, nach einer zuvor traumhaften Kursentwicklung. Die im TecDax enthaltenen Vorzugsaktie hatte erst Mitte August bei 209 Euro ein neues Rekordhoch markiert und sich in diesem Jahr damit verdoppelt. Die Stammaktie, bei der nur drei Prozent im Streubesitz sind, verlor zwar ebenfalls, aber nicht so stark.

BVB nur knapp im Gewinn

Borussia Dortmund: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund hat in der vergangenen Saison weniger Gewinn gemacht, aber eine Umkehr in der Investitionsstrategie in Aussicht gestellt. In der durchwachsenen Saison 2014/15 sank der Gewinn von 12,0 auf 5,5 Millionen Euro. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kündigte am Freitag in Dortmund an, mehr Geld in die Wettbewerbsfähigkeit investieren zu wollen. "Das absolute Primat der Zukunft ist die Wettbewerbsfähigkeit", erklärte er. Die Aktie verlor 2,77 Prozent, war aber seit dem Jahrestief im Juni gut gelaufen.

Swatch gar nicht so schlecht unterwegs

Der weltgrößte Uhrenhersteller aus der Schweiz hat im ersten Halbjahr unter dem starken Franken gelitten und weniger verdient. Der Nettogewinn sank in Heimatwährung um 19 Prozent auf 548 Millionen Franken, der Umsatz stieg jedoch um 3,6 Prozent auf 4,25 Milliarden Franken. Firmenchef Hayek zeigt sich trotzdem zuversichtlich und betonte die gute Entwicklung trotz des Gegenwindes durch die Währung. Er rechnet im Gesamtjahr mit einem prozentual einstelligen Wachstum.

Hewlett-Packard schwach vor Aufspaltung

Beim Computerkonzern Hewlett-Packard Mai bis Juli fiel der Überschuss um 13 Prozent auf 0,9 Milliarden Dollar. Die Erlöse schrumpften um acht Prozent auf 25,3 Milliarden Dollar. HP spaltet sich zum 1. November auf. Das Geschäft mit PCs und Druckern wird von den Dienstleistungen für Unternehmen abgetrennt, um den einzelnen Sparten zu mehr Wachstum zu verhelfen. Die Aussicht kommt bei den Anlegern gut an, die HP-Aktie steigt aktuell gegen den Markt.

rm

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Tagestermine am Donnerstag, 3. September

Konjunktur:
EZB: Zinsentscheid nach Ratssitzung, 13:45 Uhr, und PK von Präsident Draghi, 14:30 Uhr
EU: Markit Service Index und Markit Composite Einkaufsmanagerindex Euro-Zone für August, 10:00 Uhr
EU: Einzelhandelsumsatz Euro-Zone im Juli, 11:00 Uhr
USA: Handelsbilanz im Juli, 14:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: ISM Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen für August, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Deutsche Börse: Neuzusammensetzung der Aktienindizes
Ifa: 2. Pressetag (mit PKs von Samsung, Philips und Electrolux) und Eröffnung der Messe (4. bis 9. September)
China/ Hongkong: Börsen wegen Feiertags geschlossen

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