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Börsentrend 18:06 Uhr
Börsenboom-Jahr ohne Happy-End
Dax geht zum Jahresende die Kondition aus
Europäische Schuldenkrise, Griechenland-Drama, Konjunkturabkühlung - all das haben die Börsen 2012 problemlos weggesteckt. Der Dax legte rund 29 Prozent zu. Doch am letzten Handelstag musste er vor der drohenden Fiskalklippe in den USA kapitulieren. Auch die Wall Street gab nach.
Der seit Wochen andauernde US-Haushaltsstreit macht die Anleger zunehmend nervös. An der Wall Street ging es den fünften Tag hintereinander abwärts. Der Dow büßte bis zum Abend 0,5 Prozent ein, die Nasdaq verlor 0,3 Prozent. Auch an den europäischen Aktienmärkten griff die Angst vor einem Absturz der USA von der Fiskalklippe um sich. Der EuroStoxx50 gab 0,6 Prozent nach. Der Dax rutschte um ebenfalls 0,6 Prozent ab und beendete das Jahr bei 7.612 Punkten. Der Handel war bereits um 14 Uhr geschlossen worden.
Bestes Jahr für den Dax seit 2003
Der schwache letzte Handelstag konnte die starke Börsen-Bilanz des Jahres nicht mehr trüben. Mit einem Plus von rund 29 Prozent erlebte der Dax sein bestes Börsenjahr seit 2003. Mit knapp 7.683 Punkten erreichte der deutsche Leitindex seinen höchsten Stand seit fast fünf Jahren. Noch besser lief es in der zweiten deutschen Börsenliga. Der MDax kletterte um gut 34 Prozent nach oben und eilte von Rekordhoch zu Rekordhoch. Die eigentliche Kursrally fand erst in der zweiten Jahreshälfte statt, nachdem der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, die Märkte beruhigt hatte. Alleine in den letzten sechs Wochen hat der Dax fast zehn Prozent zugelegt.
US-Haushaltsstreit lähmt die Anleger
"Das große Thema ist und bleibt der Streit um den US-Haushalt", meinte Rainer Sartoris, Volkswirt bei HSBC Trinkaus. Sollten sich die Politiker nicht auf einen Kompromiss einigen können, treten automatisch Steuerhöhungen und Ausgabenkürzungen im Volumen von mehr als 600 Milliarden Dollar in Kraft. Das würde die US-Wirtschaft möglicherweise in die Rezession führen. "Dann erleben wir einen sehr holprigen Start ins neue Jahr", prophezeite Sartoris.
Noch aber haben Republikaner und Demokraten eine letzte Galgenfrist, um sich zu einigen. Am Sonntag kommen die Parlamentarier zu einer letzten Sitzung zusammen. Bis zum Silvesterabend haben sie dann noch Zeit, eine Kompromiss-Lösung zu finden.
Robuste Konjunkturdaten aus den USA
Der unendliche Haushaltskonflikt in den USA überschattete die neuesten Konjunkturdaten. Diese fielen eigentlich ganz ordentlich aus. Die Stimmung der Einkaufsmanager in der Region Chicago verbesserte sich stärker als erwartet – von 50,4 Punkten im November auf 51,6 Zähler im Dezember. Und auch die Zahl der noch nicht vollständig abgeschlossenen (schwebenden) Hausverkäufe stieg stärker als vorhergesagt um 1,7 Prozent.
Sollte es in den USA doch noch eine Einigung im Haushaltsstreit in letzter Minute geben, würden nur wenige Börsen darauf reagieren. An Silvester wird lediglich an der Wall Street und den Börsen in London und Paris gehandelt. In London und Paris findet allerdings nur ein verkürzter Handel statt. Die Börsen in Frankfurt, Madrid, Mailand, Prag, Rom, Tokio, Wien, Moskau und Zürich sind geschlossen.
Euro auf Berg- und Talfahrt
Die anhaltenden Sorgen um die Fiskalklippe belasteten den Euro. Er rutschte zeitweise auf unter 1,32 Dollar. Inzwischen notiert er wieder bei 1,3222 Dollar. 2012 hat der Euro, der schon von manchen Kassandra-Rufern voreilig tot gesagt wurde, leicht gegenüber dem Dollar zugelegt.
Henkel ganz oben
Im Dax waren vor allem defensive Werte am letzten Handelstag auf der Gewinner-Seite. Die Aktien von Henkel legten 1,25 Prozent zu, die Papiere von Beiersdorf knapp ein Prozent. Dagegen fielen Finanzaktien, die gestern noch ganz oben standen, in Ungnade. Die Commerzbank-Aktie war mit einem Minus von 1,5 Prozent Dax-Schlusslicht.
Gerichtsurteil gibt Porsche Auftrieb
Im Vergleich zu den anderen Autoaktien konnten sich die VW-Titel knapp behaupten, nachdem die Konzerntochter Porsche in New York vor Gericht einen Teilerfolg errungen hat. Porsche sieht sich in den USA Schadenersatzforderungen von 1,4 Milliarden Dollar gegenüber. Die Porsche-Aktie sauste um sechs Prozent nach oben.
LBBW verklagt Deutsche Bank
Weiter unter Druck steht die Deutsche Bank. Verdi-Chef Frank Bsirske mahnte von der Bank nach den jüngsten Negativschlagzeilen einen Kurswechsel an. Zwar seien die Probleme erkannt, es müssten nun aber Taten folgen, sagte der Chef der größten deutschen Einzelgewerkschaft. Vor allem im Risikomanagement der Bank habe es Probleme gegeben und es müsse gegengesteuert werden. Neuer Ärger droht der Bank aus New York, wo die LBBW vor Gericht gezogen ist. Dabei geht es um den Verkauf von mit Hypotheken besicherten Wertpapieren im Volumen von 173 Millionen Dollar. Die LBBW fühlt sich von der Deutschen Bank über die Risiken der Papiere falsch aufgeklärt und will zumindest einen Teil wieder zurück haben. Die Deutsche Bank wies die Vorwürfe zurück. Die Aktie büßte rund ein Prozent ein.
Deutsche Post erhöht Porto
Ab dem 1. Januar erhöht die Post das Porto für den Standardbrief bis 20 Gramm von 55 auf 58 Cents. Es ist die erste Erhöhung seit 15 Jahren, im Jahr 2003 war das Porto sogar um einen Cent gesenkt worden. Die Post begründete die Erhöhung mit gestiegenen Kosten bei gleichzeitig rückläufigem Volumen im klassischen Briefgeschäft. Die Entscheidung war bereits im Herbst angekündigt worden. Die Post-Aktie schloss nahezu unverändert, nachdem sie gestern durch Aussagen von Wirtschaftsminister Rösler unter Druck geraten war. Der FDP-Politiker hatte sich für den Verkauf von Staatsbeteiligungen ausgesprochen.
Anleger freuen sich über Fraport-Niederlage
Im MDax legten die Fraport-Aktie gegen den Trend 0,3 Prozent zu und zählten zu den wenigen Gewinnern. Die Börse reagierte positiv darauf, dass der Flughafenbetreiber nicht den Zuschlag für die wichtigsten Flughäfen in Portugal erhalten hat. Offenbar hatten Beobachter hohe Investitionskosten bei der Übernahme des Staatsbetriebs befürchtet. Den Zuschlag erhielt die französische Vinci-Gruppe.
Australien-Auftrag für Hochtief-Tochter
Hochtief-Aktien schlossen dagegen 0,7 Prozent im Minus. Der Baukonzern konnte nicht von Nachrichten profitieren, wonach die australische Tochter Leighton neue Aufträge im Volumen von einer Milliarde Euro erhalten habe. Dabei geht es um ein Erdgasprojekt in Nordaustralien. Die Leighton-Aktie legte an der Börse in Sydney knapp 0,3 Prozent zu.
Großaktionär steigt bei ProSiebenSat.1 aus
0,6 Prozent abwärts ging es im MDax auch mit der ProSiebenSat.1-Aktie. Grund: Die beiden Fernsehsender ProSiebenSat1 und RTL müssen eine Kartellstrafe von 55 Millionen Euro zahlen. Die Sender hatten sich in den Jahren 2005 und 2006 abgesprochen, ihr digitales, frei empfangbares Programm künftig nur noch verschlüsselt und gegen Gebühr zu senden. Indes gab der TV-Konzern den Ausstieg des Großaktionärs Telegraaf Media International bekannt.
Apple-Chef verdient weniger
Apple-Firmenchef Tim Cook hat im abgelaufenen Jahr "nur" 4,17 Millionen Dollar verdient, eine Gehaltseinbuße von immerhin 99 Prozent. Im Vorjahr hatte Cook noch 378 Millionen Dollar bekommen. Grund für die "Gehaltskürzung": Cook bekommt keine Aktienpakete wie im Vorjahr. Die Apple-Aktie stieg um 0,4 Prozent.
Stand: 28.12.2012, 18:06 Uhr