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Marktbericht 18:00 Uhr

Marktbericht positiv

Party-Macher EZB

Dax feiert, als gäbe es kein Morgen

Das Börsenparkett mutiert zur Party-Kulisse, und der Party-Macher heißt EZB. Getreu dem Motto 'Das Geld muss fließen' bastelt die Europäische Zentralbank daran, ihre lockere Geldpolitik noch lockerer zu machen. Dabei hat sie offenbar unorthodoxe Mittel in Sinn: den Kauf von Firmenanleihen.

EZB-Logo spiegelt sich im Wasser

Warum will die EZB Unternehmensanleihen kaufen?

Gerade erst hat die EZB damit begonnen, Pfandbriefe aufzukaufen. In Bälde sollen schon so genannte Kreditverbiefungen hinzukommen, im Fachjargon auch Asset-Backed-Securities (ABS) gennant. Und seit heute kursieren Gerüchte, dass die Notenbanker um EZB-Präsident Mario Draghi hinter den Kulissen den Aufkauf von Unternehmensanleihen vorbereiten. Das hat die Nachrichtenagentur Reuters von mehreren mit den Plänen vertrauten Personen erfahren.

Auch wenn die europäische Notenbank das Gerücht nicht bestätigen wollte, Experten können sich durchaus vorstellen, dass es stimmt: "Entsprechende Spekulationen sind durchaus glaubwürdig, da die zuletzt beschlossenen Maßnahmen der Notenbank keine ausreichende Wirkung entfalten dürften", sagte Esther Reichelt, Devisenexpertin von der Commerzbank.

Auch Anleger setzen ganz offensichtlich darauf, dass in jedem Gerücht ein Fünkchen Wahrheit steckt. Der Euro reagierte heftig, verlor rund ein Cent an Wert. Er fiel deutlich unter die Marke von 1,28 Dollar - bis auf 1,2717 Dollar - nachdem er noch am Vormittag bis auf 1,2840 Dollar gestiegen war. Am Aktienmarkt löste das Gerücht Jubel aus, würde doch die EZB mit diesem Schritt mehr Geld in die Wirtschaft pumpen, sie also ankurbeln. Der Deutsche Aktienindex kletterte heute bis auf 8.887 Punkte, was einem Plus von fast zwei Prozent entspricht und die Verluste der vorigen Börsenwoche restlos ausgleicht.

China schwächelt weniger als gedacht

Für die positive Grundstimmung an den europäischen Börsen hatte am Morgen eine neue Statistik aus China gesorgt. Die zeigte: Die Wirtschaft in der Volkswirtschaft wuchs im dritten Quartal um 7,3 Prozent. Das ist zwar alarmierend, weil das Wachstum schwächer wird und China doch der neue Motor der Weltkonjunktur ist. Doch man hatte Schlimmeres befürchtet, eine 'Abkühlung' auf 7,2 Prozent Wachstum. Manchmal ist eben auch eine Nachkommastelle an der Börse bewegend.

Apple scheffelt Gewinne

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Aus der anderen Richtung, aus den USA, gab es ebenfalls positive Impulse - zumindest für einzelne Aktien. Infineon profitierten von guten Quartalszahlen des US-Chipherstellers Texas Instruments. Die Titel von Dialog Semiconductor haben ihren Kurssprung von mehr als fünf Prozent den starken Zahlen von Apple zu verdanken. Die neuen iPhone-Modelle ließen bei dem US-Konzern die Kasse klingeln und den Gewinn um 13 Prozent hochschnellen. Da der deutsche Halbleiterspezialist als Zulieferer von Apple gilt, dürften auch da die Geschäfte entsprechend laufen.

Coca-Cola wenig berauschend

Coca-Cola hatte dagegen wenig berauschende Quartalszahlen. Im Heimatmarkt Nordamerika, aber auch in Europa kommt die Brause immer schlechter an. Dadurch schrumpfen die Gewinne. Coca-Cola kann seine langfristigen Umsatzziele nicht mehr aufrecht erhalten. Nun will der US-Konzern mit einem milliardenschweren Sparprogramm gegensteuern. Anleger sind aber skeptisch, ob es wirkt und was Coca-Cola fürs Marketing verschleudert.

Coba mit neuer Fantasie

Größter Dax-Gewinner ist die Aktie der Commerzbank. Einen kleinen Anteil daran hat die US-Bank JPMorgan, die das Kursziel leicht von 12,00 auf 12,25 Euro angehoben hat. Stärkeres Gewicht dürften die Gerüchte haben, dass die Bank den Gesundheitscheck der EZB wohl bestanden hat. Offizielle Ergebnisse werden erst am Sonntag vorgestellt, bis dahin dürften Bankaktien noch stark schwanken.

UBS platziert BMW-Aktien

Bis zum Handelsende haben sich alle Dax-Aktien aus der Minuszone herausmanövriert. Selbst die Titel von BMW, die zuvor unter einer größeren Platzierung von 3,33 Millionen Aktien litten und mit Kursverlusten zu kämpfen hatten.

Lufthansa-Aktie erstaunlich fit

Selbst die Lufthansa-Aktie kann sich trotz Pilotenstreik weit im Plus behaupten. Dabei droht noch in dieser Woche ein neuer Streik. Luftfahrt-Experten beziffern den direkten Schaden für die Lufthansa aus dem siebenmonatigen Arbeitskampf bislang auf 100 Millionen Euro. Ein Rückgang der Flugbuchungen in Folge der Ausstände ist da noch nicht drin. Aber ganz offensichtlich hat sich die Lufthansa ausgerechnet, dass es noch teurer würde, wenn sie auf die Forderung der Streikenden einginge.

Sartorius und Villeroy auf Spitzenplätzen

Im TecDax hängen Evotec und SMA Solar die Sartorius-Aktie ab, die aber mit fast sieben Prozent Kursplus ebenfalls spitze ist. Die guten Zahlen für das abgelaufene Quartal verleihen an der Börse Flügel. Die Holding, die im Biopharmazie-Geschäft tätig ist, hat ihr operatives Ergebnis um zehn Prozent auf 94,4 Millionen Euro gesteigert, den Umsatz ebenso stark.

Im SDax glänzte das Papier des Keramik-Herstellers Villeroy & Boch an der Indexspitze mit 12 Prozent Kursplus. Das Unternehmen ist auf Wachstumskurs, in neun Monaten stiegen die Erlöse um drei und das operative Ergebnis um fast elf Prozent. Noch dazu spricht Firmenchef Frank Göring von einer weiterhin positiven wirtschaftlichen Lage.

Tom Tailor mit Gewinnsprung

Die Aktie von Tom Tailor legt vergleichsweise bescheidene anderthalb Prozent zu. Die Bilanz überzeugt aber. Der Modekonzern kann in dem schwächen Branchenumfeld seine Profitabilität steigern. Die Umsätze legten 3,5 Prozent zu. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) gab es dafür einen Riesensprung 21 Prozent.

Deutz-Aktie mit Kolbenfresser

Deutz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Motorenbauer Deutz schockte heute bereits vor Börseneröffnung mit einer Gewinnwarnung. Wegen einer außerplanmäßigen Ergebnisbelastung werde man das Jahresergebnisziel nicht mehr erreichen. Deutz muss Millionen wegen defekter Motoren zur Seite legen, allein rund 20 Millionen im dritten Quartal. Den Börsentag schloss die SDax-Aktie daher heute mit einem dicken Minus von fast zehn Prozent.

Zooplus im Umsatzhoch

Gute Umsätze meldete der Internet-Versender von Tierbedarfs-Artikeln. Zooplus steigerte seine Erlöse im dritten Quartal um 36 Prozent auf 146,2 Millione Euro. Die Prognose für das laufende Gesamtjahr bleibt bei 530 Millionen Euro bestehen.

Total-Chef in Moskau ums Leben gekommen

Total: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra EU Stars für den Zeitraum Intraday
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Der Chef des französischen Ölkonzerns Total, Christophe de Margerie, ist bei einem Flugzeugunfall ums Leben gekommen. Seine Maschine rammte in Moskau einen Schneepflug. De Margerie hatte Total zuletzt stärker ins Geschäft mit Russland bringen wollen, etwa durch eine Kooperation mit Lukoil. Die Total-Aktie war zunächst deutlich tiefer gestartet, hat sich inzwischen aber erholt.

bs

Stand: 21.10.2014, 18:00 Uhr

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Konjunktur:
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Berlin: Markit-Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie im Oktober, 09:55 Uhr
USA: Bausausgaben September, 16:00 Uhr
USA: Einkaufsmanagerindex Industrie, Oktober, 16:00 Uhr

Sonstiges:
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