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Marktbericht 20:02 Uhr

Marktbericht negativ

Verluste auf Wochensicht

Dax: Aufholjagd abgeblasen

Stand: 24.03.2016, 20:02 Uhr

Nach fünf Gewinnwochen in Folge ist dem Dax am letzten Handelstag vor Ostern die Puste ausgegangen. Rückt die Marke von 10.000 Punkten jetzt wieder in die Ferne?

Dass der Dax am letzten Handelstag vor dem Wochenende das erst am Vortag mühsam erklommene Niveau über 10.000 Punkten nicht halten konnte, betrachten Marktexperten als schlechtes Omen. "Die Unsicherheit über die künftige Geldpolitik der Fed lässt keine echte Feiertagslaune aufkommen", sagte ein Händler.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Tatsächlich scheuen viele Anleger das Risiko vor dem langen Osterwochenende und machen Kasse. Der Dax geht am Gründonnerstag auf Tauchstation. Nach einer kurzen Zwischenerholung auf 9.977 Punkte weitet der Leitindex am späten Nachmittag seine Verluste wieder aus und schließt unweit seines Tagestiefs bei 9.851 Zählern, 171 Punkte oder 1,71 Pozent tiefer als am Vortag. Auf Wochensicht gab der Dax damit rund ein Prozent nach, nachdem in den fünf Wochen zuvor gestiegen war und einen großteil seiner Verluste vom Jahresbeginn aufholen konnte.

Ölpreise und Geldpolitik

Belastet werden die Kurse am Gründonnerstag vor allem von zwei Faktoren. So sind die Ölpreise wieder rückläufig. Ein überraschend hoher Anstieg der Ölbestände in den USA drückte den Preis für Nordseeöl der Sorte Brent um drei Prozent bis auf 39,24 Dollar je Fass (159 Liter). Auch die US-Notenbank Fed sorgt für Unsicherheit.

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Börse 20.15 Uhr

Nachdem in der vorigen Woche die Währungshüter noch behutsame Zinserhöhungen angekündigt hatten, häufen sich nun die Stimmen der Notenbanker, die die Märkte auf eine Zinserhöhung schon im April vorbereiten. So sagte der Präsident der Fed von St. Louis, James Bullard, es könne sein, dass eine Zinsanhebung nicht weit entfernt sei.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Woche
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48,67
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Derweil hat IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld Abschied von der These genommen, dass ein sinkender Ölpreis gut für die Weltwirtschaft ist. "Die Ölpreise sind seit mehr als eineinhalb Jahren anhaltend niedrig, aber unser neuer weltwirtschaftlicher Ausblick im April wird zeigen, dass der weithin erwartete Impuls für die globale Wirtschaft immer noch aussteht", schrieb Obstfeld am Donnerstag.

In den USA hat sich die Konjunktur im Februar abgekühlt. Die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter sanken um 2,8 Prozent, nachdem sie noch im Januar um über vier Prozent gestiegen waren. Die Zahlen sollten aber relativiert werden, meint Ökonom Ulrich Wortberg von der Helaba: Einerseits habe es im Vormonat ein deutliches Plus gegeben, andererseits zeichne sich für März eine kräftige Erholung ab.

Auch in New York drücken die sinkenden Ölpreise und Sorgen vor baldigen Zinsanhebungen auf die Stimmung. Der Dow Jones-Index eröffnet gut ein halbes Prozent schwächer bei 17.402 Punkten. auch bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der amerikanische Leitindex nur noch 15 Punkte tiefer bei 17.487 Zählern.

Euro deutlich unter 1,12 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1117
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Der Euro ist am Donnerstag etwas gefallen und notiert bei Börsenschluss bei 1,1169 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1154 (Mittwoch: 1,1171) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8965 (0,8952) Euro.

Diebold glückt Wincor-Übernahme

Um knapp 20 Prozent steigen die Aktien des Geldautomatenherstellers Wincor Nixdorf. Grund ist eine Mitteilung des US-Konkurrenten Diebold, dass ihm 68,9 Prozent der Wincor-Aktien angedient worden seien und er damit Wincor übernahmen kann. Nötig waren mindestens 67,6 Prozent, zusammen mit den Aktien im Wincor-Bestand hätte Diebold-Chef Andy Mattes dann genau die Mindestquote von 75 Prozent erreicht.

Deutsche Bank-Aktie fällt weiter

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,36
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-2,20
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-14,13%

Schwächster Wert im Dax ist erneut die Deutsche Bank. "Anleger haben das Investmentbanking als Problemfeld ausgemacht und hier die Deutsche Bank als Schwächste der Schwachen identifiziert", sagte ein Händler mit Blick auf den wieder schwachen Kursverlauf. Mitte März hatte das Papier seinen Erholungsversuch abgebrochen. Der Druck hat sich wieder aufgebaut, nachdem Finanzvorstand Marcus Schenck Anfang der Woche vor einem schwachen ersten Quartal gewarnt hatte.

VW erhält Aufschub

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
114,25
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-12,70
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-10,00%

Auch die VW-Vorzüge stehen bis zum Schluss unter Druck. Dabei erhält Volkswagen Aufschub im Mammut-Rechtsstreit um manipulierte Abgaswerte. "In Anbetracht der Fortschritte werde ich den Streitparteien Zeit bis zum nächsten Treffen geben", erklärte der für Hunderte Zivilklagen in den USA zuständige Richter Charles Breyer. Nun soll VW bis zum 21. April "spezifische und detaillierte" Pläne vorlegen.

Deutsche Börse kann punkten

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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74,09
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-7,56
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-9,26%

Zu den ganz wenigen Gewinnern im Dax gehören die Aktien der Deutschen Börse. Angesichts der schwachen Perspektiven bei Bankaktien und Versicherern blieben die Papiere der Börse die beste Option für Anleger, im Finanzbereich investiert zu bleiben, sagte ein Händler. Im Hintergrund wirke zudem weiterhin die Fusionsfantasie mit der Londoner LSE positiv.

Steilmann ist pleite

Für Aufmerksamkeit sorgt die Insolvenzmeldung des Modeherstellers Steilmann. Das Unternehmen war erst im Herbst an die Börse gebracht worden. Die Aktie bricht zusammen, die ausstehenden drei Anleihen sind bis auf Weiteres vom Handel ausgesetzt. In Mitleidenschaft gerät auch die Aktie der Adler Modemärkte, die zum Steilmann-Imperium gehören. Adler hat aber bereits erklärt, dass man operativ von der Insolvenz nicht betroffen sei.

Koenig & Bauer überzeugt

Im SDax kann der Druckmaschinenhersteller König & Bauer punkten. Der Umsatz lag im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015 bei 1,025 Milliarden Euro und damit über dem angepeilten Ziel von einer Milliarde Euro. Das Ebit lag bei 35,9 Millionen Euro, nach Steuern blieben 26,9 Millionen Euro. Auch der Auftragseingang legte um über 23 Prozent zu. Eine Dividende soll aber trotzdem nicht gezahlt werden.

Stratec kauft zu

Aufwärts geht es auch mit den Aktien des Labor- und Biotechzulieferers Stratec aus dem TecDax. Das Unternehmen expandiert mit einem Zukauf in Ungarn. Stratec erwerbe den in Budapest ansässigen Hämatologie-Systemspezialisten Diatron MI und die US-Schwestergesellschaft vollständig, teilte das TecDax-Unternehmen am Mittwochabend mit. Diatron ist im Bereich Hämatologie tätig. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Adler Real Estate legt zu

Adler Real Estate, ein Immobilienunternehmen aus dem SDax, verbesserte 2015 seine maßgebliche Erfolgsgröße aus der Immobilienbewirtschaftung FFO I ("funds from operations") deutlich von minus 1,1 Millionen Euro im Vorjahr auf nunmehr 16,1 Millionen Euro.

Unter Berücksichtigung von Immobilienverkäufen lag der FFO II sogar bei 44,3 Millionen Euro nach nur 1,4 Millionen Euro im Vorjahr. Die Erträge aus der Immobilienbewirtschaftung zogen deutlich von 83,9 auf 216,6 Millionen Euro an. Insgesamt wurden für 23,5 Millionen Euro Immobilien veräußert nach 2,4 Millionen vor Jahresfrist.

Drillisch: Chef-Abgang enttäuscht

Enttäuscht reagieren die Anleger des Mobilfunkanbieters Drillisch auf den Abschied von Chef Paschalis Choulidis. Die Aktien des Mobilfunkanbieters brachen zweitweise um bis zu 8,8 Prozent ein und gehören mit einem Minus von 2,4 Prozent auch am Nachmittag zu den schwächsten Werten im TecDax. "Die Personalie kommt aus unserer Sicht als große Überraschung." Schließlich sei Paschalis Choulidis für lange Zeit ein wesentlicher Teil der "Drillisch-Story" gewesen. Drillisch hatte dank eines Kundenzuwachses 2015 mehr verdient und eine höhere Dividende angekündigt.

Cancom knausert

Unter Druck steht auch die ebenfalls im TecDax gehandelte Cancom-Aktie. Der IT-Dienstleister knausert nach einem Gewinnsprung bei der Dividende. Trotz eines kräftigen Gewinnzuwachses im Jahr 2015 sollen die Anteilseigner mit 50 Cent je Aktie nur eine Ausschüttung auf Vorjahreshöhe erhalten. Um die Chancen etwa im Cloud Computing besser zu nutzen, will die Gesellschaft den Gewinn künftig vorrangig zur Finanzierung des Wachstums und zur Weiterentwicklung des Geschäfts einsetzen.

Berentzen steigert Gewinn und Umsatz

Aufwärts geht es mit der Berentzen-Aktie. Der Spirituosenhersteller hat 2015 den Konzernumsatz von 153,4 auf 158,5 Millionen Euro gesteigert und das bereinigte Ebit von 5,1 auf 7,6 Millionen Euro. Insbesondere die Geschäfte mit Alkoholika der Kernmarken "Berentzen" und "Puschkin" sowie mit Frischsaftsystemen der Marke "Citrocasa" haben zum Unternehmenserfolg beigetragen. Firmenchef Frank Schübel zeigt sich äußerst zufrieden.

Bankenfusion in Italien

In Italien entsteht die drittgrößte Bank des Landes durch die Fusion der beiden Volksbanken Banco Popolare und der Banco Popolare di Milano. Im Rahmen der Fusion erhöht Banca Popolare, deren Anteil am gemeinsamen Unternehmen bei 46 Prozent liegen wird, das Kapital um eine Milliarde Euro.

Die neue Bank mit den Hauptsitzen in Mailand und Verona hat eine Bilanzsumme von 171 Milliarden Euro und 25.000 Beschäftigte. Die Transaktion soll bis Dezember unter Dach und Fach sein. Beide Banken verhandeln schon länger über die Fusion. Der italienische Bankensektor ist extrem zersplittert und leidet immer noch unter faulen Krediten. Experten erwarten daher weitere Fusionen.

Credit-Suisse-Chef verdient prächtig

Wenigstens für Bankchef Tidjane Thiam hat sich 2015 gelohnt. Der Ivorer verdiente im abgelaufenen Jahr insgesamt 18,9 Millionen Franken, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht. Davon entfallen 14,3 Millionen Franken auf Ersatzzahlungen für verfallene Vergütungen seines früheren Arbeitgebers Prudential.

Brady Dougan, der Mitte 2015 durch Thiam abgelöst wurde, erhielt für 2014 insgesamt 9,7 Millionen Franken. Die Credit Suisse wies für 2015 einen Verlust von 2,94 Milliarden Franken aus. Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten in der Konzernbilanz stiegen auf 1,61 Milliarden Franken von 1,02 Milliarden Ende 2014.

lg

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Tagestermine am Montag, 27. Juni

Unternehmen:
Telekom Austria: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Geldmenge M3 für die Euro-Zone für Mai, 10:00 Uhr
USA: Markit PMI Dienste für Juni, 15:45 Uhr

Sonstiges:
EZB: Forum zu Zentralbanken (bis 29. Juni) in Sintra, mit EZB-Präsident Draghi

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