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Marktbericht 20:00 Uhr

Konjunktursorgen wegen Ölpreis-Verfall

Dax auf Viermonats-Tief

Stand: 14.01.2016, 20:00 Uhr

Die Lage an den Aktienmärkten bleibt angespannt. Der Dax verlor am Donnerstag erneut an Boden und entfernte sich weiter von den 10.000 Punkten. Für etwas Entlastung sorgte die freundliche Wall Street und der schwächere Euro.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Von wegen "Januar-Effekt"! Der Dax hat seit Jahresbeginn fast neun Prozent eingebüßt. Nach der katastrophalen ersten Januar-Woche droht auch die zweite Woche des Monats negativ zu enden. Der deutsche Leitindex sackte am Donnerstag auf ein neues Jahrestief von 9.614 Punkten. Zwar konnte er sich am Nachmittag etwas berappeln, zum Xetra-Schluss blieb aber immer noch ein Minus von 1,7 Prozent. Mit 9.794 Zähler verabschiedete sich der Dax in den Feierabend.

Angst vor Abkühlung der Weltkonjunktur

"Die Gemengelage ist einfach nicht gut", meinte ein Händler. "Viele fürchten, dass die Abwärtsspirale kaum aufzuhalten ist- weder bei den Aktien noch beim Ölpreis." Der Verfall der Ölpreise schürt die Sorgen um die Weltkonjunktur. Nach Ansicht von Andrew Roberts, Chefvolkswirt der Royal of Bank of Scotland, droht ein Rückgang des weltweiten Handels. Dadurch würden die Erträge und Ergebnisse vieler großer Unternehmen unter Druck geraten. Manche Experten prophezeien einen weiteren Ölpreisrutsch auf bis unter 20 Dollar.

Ölpreise erholen sich vom 12-Jahres-Tief

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Woche
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Immerhin konnten sich am Donnerstag die Ölpreise etwas erholen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Rohölsorte Brent verteuerte sich bis zum Abend 30,92 Dollar. In der Nacht zum Donnerstag war Brent erstmals seit 2004 unter die Marke von 30 Dollar je Barrel gerutscht.

Sorgen um die Weltkonjunktur

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Börse 19.00 Uhr

Das beruhigte die Anleger an der Wall Street. Der Dow zog an und lag zwei Stunden vor Handelsschluss gut 1,7 Prozent im Plus. Unterstützung brachten auch neue Konjunkturdaten. Die Preise für eingeführte Güter sanken im Dezember etwas schwächer als erwartet. Die Importpreise gaben im Monatsvergleich um 1,2 Prozent nach. Analysten hatten mit einem Rückgang um 1,3 Prozent gerechnet. "Mit dem erneuten Rückgang der Energiepreise bleibt der Preisdruck auf der Importseite gering", erklärte Analyst Ulrich Wortberg. "Selbst ohne Öl- und Ölprodukte sind die Importpreise rückläufig." Entsprechend dürften sich aus diesem Daten keine Zinserwartungen aufbauen.

JP Morgan strotzt vor Kraft

Außerdem stimmte die überraschend starke Bilanz der Großbank JP Morgan die Wall-Street-Anleger zuversichtlich. Sie wird als positives Omen für die Berichtssaison der US-Banken gesehen. Branchenprimus JP Morgan verdiente im vierten Quartal fünf Milliarden Dollar – zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten mit weniger gerechnet. Im Gesamtjahr 2015 kletterte der Gewinn auf stolze 24,4 Milliarden Dollar.

Euro schwankt hin und her

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro ging auf Berg- und Talfahrt. Zunächst stieg er bis über 1,09 Dollar, am Nachmittag fiel er wieder auf bis 1,0835 Dollar. Laut dem Protokoll zur letzten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) hätten nicht alle Ratsmitglieder die vorgeschlagenen Schritte zur weiteren Lockerung der Geldpolitik unterstützt. Für einige Notenbanker seien die vorgestellten Maßnahmen nicht ausreichend gerechtfertigt gewesen oder sie hätten nur einige der Vorschläge unterstützt, hieß es im Protokoll. Hochrangige Vertreter der Europäischen Zentralbank sagten der Nachrichtenagentur Reuters, für neue Geldspritzen gebe es derzeit keine zwingenden Gründe. "Wir alle hoffen, dass das ausreicht, was wir gemacht haben," sagte ein anonymes EZB-Ratsmitglied.

K+S will Angreifern die Suppe versalzen

Zu den wenigen Dax-Gewinnern zählte K+S. Die Aktie legte drei Prozent zu. Der Salz- und Düngemittelhersteller bastelt einem Zeitungsbericht zufolge an einer neuen Abwehrstrategie für Übernahmeversuche. So soll die Tochter Morton Salt in den USA teilweise an die Börse gebracht werden.

Beiersdorf auf schönem Wachstumskurs

Beiersdorf: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Konsumgüterkonzern Beiersdorf hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um sechs Prozent auf 6,7 Milliarden Euro verbessert. Das organische Plus lag bei drei Prozent. Angaben zur Ergebnisentwicklung will Beiersdorf erst am 17. Februar machen. Die Beiersdorf-Aktie verlor über zwei Prozent.

Fehlstart für Lufthansa-Tochter Eurowings

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zu den schwächsten Dax-Aktien gehörten Lufthansa-Papiere. Marktbeobachter verwiesen auf einen Artikel im "Handelsblatt" zum unglücklichen Start der Billigflug-Tochter Eurowings. "Der Tenor ist schon sehr negativ", sagte ein Händler. Zum anderen kam es in der gesamten Tourismus- und Luftfahrtbranche nach den jüngsten Anschlägen zu massiven Verkäufen.

Deutsche Bank fällt immer tiefer

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Deutsche Bank konnte nicht von den guten Zahlen des US-Rivalen JP Morgan profitieren. Im Gegenteil: Mit einem Minus von fast vier Prozent waren die Aktien Dax-Schlusslicht. Zeitweise notierten die Titel unter 20 Euro. Rechtsstreitigkeiten stellten für den deutschen Branchenprimus weiterhin ein wesentliches Risiko dar, schrieb Analyst Andrew Lim von der französischen Société Générale.

Hat auch Renault Abgaswerte manipuliert?

Die Sorge um eine Ausweitung des VW-Abgasskandals zog die Autoaktien nach unten. "Jeder fragt sich, wer der nächste ist", sagte ein Händler. VW und Daimler verloren über 3,5 Prozent. Die Renault-Aktien stürzten zeitweise um 23 Prozent ab. Frankreich hat bei Renault und mehreren nicht-französischen Marken die Überschreitung von Abgas-Normen bei Dieselfahrzeugen festgestellt. Es sei aber bei Renault - anders als bei VW - keine Betrugssoftware gefunden worden, beruhigte am Abend Umweltministerin Ségolène Royal.

Die Aktien von Fiat brachen zeitweise um knapp zehn Prozent ein und wurden in Mailand vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Der italienische Autobauer litt zusätzlich unter dem Bericht über eine Klage in den USA wegen angeblich geschönter Absatzzahlen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Ströer überrascht positiv

Ströer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Aus dem MDax stach positiv Ströer heraus. Die Aktien kletterten um rund fünf Prozent nach oben. Der Werbevermarkter übertraf im abgelaufenen Geschäftsjahr seine eigenen Gewinnziele. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll laut Ströer bei etwas über 200 Millionen Euro liegen.

Wird Bilfinger aufgeteilt?

Um über drei Prozent stiegen die Aktien von Bilfinger. Der angeschlagene Bau- und Dienstleistungskonzern hat Angebote zum Erwerb von Teilen seiner Dienstleistungssparte erhalten. Diese beträfen die Geschäfte mit Immobilien und Gebäudemanagement, teilte Bilfinger mit. Die Angebote sollen nun näher geprüft werden.

Helma im Baufieber

Das Bauunternehmen Helma hat seinen Auftragseingang im vergangenen Jahr um 40 Prozent in die Höhe geschraubt. Genaue Angaben zum Ergebis soll es Anfang März geben. Die zuletzt rasant gestiegene Aktie setzte ihren Höhenflug fort.

Etihad darf Codeshare-Flüge mit Air Berlin fortsetzen

Am Abend konnte Air Berlin aufatmen. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg gab grünes Licht für die Fortsetzung der umstrittenen Codeshare-Flüge von Etihad Airways mit Air Berlin. Das Luftfahrt-Bundesamt müsse die Genehmigung für 26 Strecken mit Auslandzielen für die Dauer des Winterflugplans bis Ende März erteilen. Die Air-Berlin-Aktie zog im späten Handel um drei Prozent an.

Ceotronics auf Berg- und Talfahrt

Heftige Ausschläge gab es bei Ceotronics. Die Aktie schoss am Nachmittag um fast 40 Prozent auf bis 3,23 Euro. Danach stürzte der Entry-Standard-Titel wieder ab auf 2,20 - und somit vier Prozent unter dem Vortageskurs. Das hessische Unternehmen hat im ersten Halbjahr 2015/16 den Umsatz um ein Fünftel auf rund 8,49 Millionen Euro gesteigert. Der operative Verlust (Ebit) verringerte sich auf 92.000 Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte das Minus noch bei 603.000 Euro gelegen.

Süße Botschaft von Lindt & Sprüngli

Aus dem Ausland meldete Lindt & Sprüngli süße Zahlen. Der Umsatz erhöhte sich 2015 auf 3,65 Milliarden Franken. Das organische Wachstum betrug stolze 7,1 Prozent. In diesem Jahr will der Schweizer Edelschokolade-Hersteller um sechs bis acht Prozent organisch wachsen.

Richemont glänzt weniger

Der Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2015/16 einen währungsbereinigten Umsatzrückgang um vier Prozent auf 2,93 Milliarden Euro hinnehmen müssen. Damit lag das Unternehmen im Rahmen der Analystenerwartungen. Beim Unternehmen machte sich die Konjunkturschwäche in China bemerkbar.

nb

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Tagestermine am Dienstag, 31. Mai

Unternehmen:
Strabag: Q1-Zahlen, 7:30 Uhr
Volkswagen: Q1-Zahlen
Rocket Internet: Q1-Zahlen
Capital Stage: Q1-Zahlen
Steinhoff: Q1-Zahlen

Konjunktur:
EU: EZB Geldmenge M3 4/16, 10 Uhr
EU: Verbraucherpreise 5/16, 11 Uhr
USA: Private Einkommen und Ausgaben 4/16, 14:30 Uhr
USA: Case-Shiller-Index 3/16, 15 Uhr
USA: Chicago PMI 5/16, 15:45 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 5/16, 16 Uhr

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