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Börsentrend 20:10 Uhr
Anleger werden zunehmend nervös
Dax auf Jahrestief
Kurz vor Beginn der närrischen Tage ist an Europas Börsen der Teufel los. Aus Angst vor einem Abflauen der Reformpolitik in Südeuropa stießen Anleger Aktien ab. Charttechnische Faktoren brachten den Dax unter Druck. Erst die Wall Street stoppte den Kursrutsch.
Börsianer brauchten am Mittwoch wieder mal starke Nerven. Sah es am Vormittag noch nach einem ruhigen Börsentag aus, brach plötzlich am Mittag ein heftiges Kursgewitter aus. Der Dax rauschte zeitweise um 1,5 Prozent nach unten. Auslöser waren charttechnische Verkaufssignale. Das Durchbrechen der Unterstützungszone von 7.634 Zählern beschleunigte die Kurstalfahrt. Den Verkaufsdruck dürfte möglicherweise der Hochfrequenzhandel - Computerprogramme, die automatisch handeln - noch verstärkt haben.
Erst im Laufe des Nachmittags beruhigten sich die Anleger etwas – dank der Wall Street. Weil die US-Börsen ihre anfänglichen Verluste nahezu wieder wettmachten, hielt sich das Minus an den europäischen Aktienmärkten in Grenzen. Der Dax schloss über ein Prozent tiefer bei 7.581 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit acht Wochen. Im späten Parketthandel ging es noch weiter nach unten. Der L-Dax beendete den Tag bei knapp 7.569 Zählern. Damit sind die Kursgewinne dieses Jahres wieder komplett aufgebraucht.
Volatilität deutlich gestiegen
Der plötzliche Kursrutsch zeigt, wie groß die Nervosität der Börsianer derzeit ist. Der VDax und der VStoxx, die die Volatilität messen, stiegen am Mittwoch auf ein Zweieinhalb-Monats-Hoch.
"Eine absolut politische Börse"
Zwar gab es keine echten fundamentalen Gründe für die hohen Kursverluste. Händlern zufolge machten aber weiter die Sorgen um Südeuropa den Marktteilnehmern zu schaffen. In Spanien steht die Regierung wegen Korruptionsvorwürfen unter Druck, und in Italien deuten Umfrage-Ergebnisse auf einen Triumph der Partei von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi Ende Februar hin. Dies könnte die Reformpolitik in den Ländern bremsen. "Wir haben derzeit eine absolut politische Börse", meinte Fidel Helmer, Kapitalmarktexperte bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser.
Streit um den Euro-Wechselkurs
Zudem trübte der Euro-Wechselkursstreit zwischen Deutschland und Frankreich die Stimmung. Die deutsche Bundesregierung sprach sich gegen die französischen Forderungen nach einer aktiven Wechselkurspolitik aus. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, dass der Euro im historischen Vergleich nicht überbewertet sei. Frankreichs Präsident Francois Hollande hatte am Dienstag eine aktive Wechselkurspolitik gefordert, um den Euro und die europäischen Unternehmen gegen Abwertungen anderer Währungen zu schützen.
Der Euro geriet unter Druck. Die Gemeinschaftswährung fiel zeitweise unter 1,35 Dollar, rappelte sich aber im Laufe des Nachmittags wieder auf. "Der Eurokurs befindet sich derzeit in einer Konsolidierungsphase", meinte Devisenexperte Stephan Rieke von der BHF-Bank.
Lufthansa-Aktie nimmt Fahrt auf
Im Dax gab es nur vier Gewinner. Spitzenreiter war die Lufthansa-Aktie mit einem Plus von fast drei Prozent - trotz der gestrichenen Flüge in Deutschland wegen des Wintereinbruchs. Händler verwiesen auf charttechnische Gründe. Nachdem am Dienstag der Titel an der 50-Tage-Linie gestoppt worden sei, gehe es nun wieder voran. Zudem gaben Verkehrszahlen anderer Fluggesellschaften wie Easyjet Auftrieb.
Versorger unter Druck
Auf der Verkaufsliste standen vor allem defensive Titel wie Bayer, Merck und Fresenius. Auch die beiden Versorger-Aktien RWE und Eon mussten deutliche Abschläcke einstecken. Nachdem sich beide Titel wegen der wieder schwindenden Streikgefahr gut erholt hatten, sorgte nun ein Kommentar der Berenberg Bank für Verdruss. Die Analysten haben Eon zum Verkauf empfohlen. Die Experten von Credit Suisse senkten das Kursziel von RWE.
Deutsche Bank feuert fünf Händler
Im Zusammenhang mit dem Manipulationsskandal um den Libor-Zins zog die Deutsche Bank am Mittwoch Konsequenzen. Das Geldinsututut beurlaubte fünf Händler. Indes einigte sich die verstaatlichte britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) mit den Behörden auf eine hohe Strafe von 612 Millionen US-Dollar an amerikanische und britische Behörden. Dies ist die bisher die zweithöchste Strafe im Zusammenhang mit den Libor-Ermittlungen.
ArcelorMittal gibt Stahlaktien Feuer
Stahlaktien in den Leitindizes präsentierten sich am Mittwoch in robuster Verfassung. Die ThyssenKrupp-Aktie schlug sich besser als der Gesamtmarkt, im MDax konnten Salzgitter und der Stahlhändler KlöCo gut ein Prozent zulegen. Die Jahresbilanz des weltgrößten Stahlkonzerns ArcelorMittal machte Hoffnung auf eine Besserung an der Stahlfront.
Kuka sammelt Millionen ein
Aus dem MDax ragte die Aktie von Kuka mit einem Plus von über fünf Prozent heraus. Der Anlagen- und Roboterbauer hat mit Hilfe einer Wandelanleihe fast 59 Millionen Euro am Kapitalmarkt besorgt. Kuka hat 2012 den Gewinn deutlich gesteigert und die Schulden verringert.
Bewegung bei Metro
Hoch in der Gunst der Anleger standen auch die Metro-Papiere mit einem Plus von über drei Prozent. Großaktionär Haniel hat seine Beteiligung an dem Einzelhandelskonzern Metro auf 30 Prozent reduziert und damit 300 Millionen Euro eingesammelt. "Endlich ist der Verkaufsdruck weg", meinte ein Händler erleichtert. Haniel werde aber auch in Zukunft ein "Ankerinvestor" bei dem ehemaligen Dax-Unternehmen bleiben, betonte Metro-Chef Stephan Gemkow.
Gea enttäuscht
Schlusslicht im MDax waren Aktien des Anlagenbauers Gea. Sie büßten rund fünf Prozent ein. Analysten sprachen von einem enttäuschenden Ausblick auf 2013 und einer zu niedrigen Dividende. Dabei lässt das Zahlenwerk von Gea eigentlich wenig zu wünschen übrig.
Grenkeleasing prüft Kapitalerhöhung
Im SDax hat Grenkeleasing Zahlen vorgelegt. Der IT-Vermieter verdiente im abgelaufenen Jahr 42,5 Millionen Euro und traf damit genau die eigene Prognose. Für 2013 prophezeit das Unternehmen eine leichte Steigerung des Gewinns auf 44 bis 48 Millionen Euro. Zur weiteren Expansion erwägt der IT-Vermieter eine Kapitalerhöhung. Das verunsichert die Anleger. Die Aktie verlor über ein Prozent.
Amadeus wächst mit Zeitarbeitskräften
Nach Xetra-Schluss legte auch Amadeus Fire vorläufige Quartalszahlen vor. Der Personaldienstleister steigerte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um über zwei Prozent auf 22,7 Millionen Euro und übertraf seine eigene Prognose. Das SDax-Unternehmen hatte 22,2 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Dank der hohen Nachfrage nach Zeitarbeitskräften erhöhte sich der Umsatz um fünf Prozent auf 137 Millionen Euro. Die Aktie von Amadeus stieg im spätbörslichen Handel um 2,5 Prozent.
Übernahmegerüchte beflügeln Morphosys
Im TecDax sprang die Aktie des Biotech-Unternehmens Morphosys an die Spitze. Sie legte über drei Prozent zu. Laut einer Studie der DZ Bank ist die Übernahme durch Novartis wahrscheinlicher geworden. Den "fairen" Wert hat der zuständige Analyst um zehn auf 40 Euro erhöht.
Vestas macht kräftig Wind
Papiere des Windkraft-Spezialisten Nordex konnten von Geschäftsergebnissen des Branchenvertreters Vestas nicht profitieren - und schlossen ein Prozent im Minus. Aktien der dänischen Vestas legten zeitweise zweistellig zu, nachdem das Unternehmen einen Umsatzanstieg von 2,26 auf 2,51 Milliarden Euro bekannt gegeben hatte.
Hamborner REIT gut im Geschäft
Im SDax war die Aktie der Hamborner REIT gefragt. Sie verteuerte sich um über zwei Prozent. Der Immobilien-Konzern hat seine Erlöse aus Vermietung und Verpachtung von 32,2 auf 37 Millionen Euro gesteigert. Die wichtige Ergebniskennziffer FFO (Funds from Operations) stieg um sieben Prozent auf 18,4 Millionen Euro. Mit dem Jahresüberschuss von 7,7 Millionen Euro liegt das Unternehmen leicht unter Vorjahr.
Syngenta im Agrar-Boom
Aus der Schweiz meldete der Agrarchemie-Konzern Syngenta Rekordergebnisse bei Umsatz und Gewinn. Dank der ungebrochenen Nachfrage nach Weizen, Mais und Soja verdienten die Schweizer 17 Prozent mehr im abgelaufenen Jahr, nämlich 1,87 Milliarden Dollar. Der Umsatz stieg um sieben Prozent auf 14,2 Milliarden Dollar. Konzernchef Micke Mack versprach ein "starkes Jahr 2013" und eine Dividenden-Anhebung um 19 Prozent auf 9,50 Franken je Aktie. Trotzdem gab die Syngenta-Aktie 1,5 Prozent nach. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen nach dem jüngst erreichten Rekordhoch.
Time Warner spart sich reich
Der US-Medienkonzern Time Warner hat dank Einsparungen und Restrukturierungen 50 Prozent mehr verdient im abgelaufenen Quartal. Der Umsatz stagnierte bei 8,16 Milliarden Dollar. Während die TV-Sparte mit den Sendern CNN, TNT und HBO und Erfolgsserien wie "Game of Thrones" und "Boardwalk Empire" den Umsatz beflügelten, gingen die Erlöse im Verlagsgeschäft und dem Kinofilmsegment Warner Bros zurück. Die Time-Warner-Aktie zog kräftig an.
Einer der größten Mediendeals der Geschichte
Die Aktien von Liberty Global standen dagegen stark unter Druck. Der Kabelkonzern plant einen der größten Medien-Deals der Geschichte. Für rund 16 Milliarden Dollar will Liberty den Konkurrenten Virgin Media schlucken. Liberty zahlt 47,02 Dollar je Virgin-Titel. Konzernchef John Malone, in der Branche wegen seiner rabiaten Geschäftstaktiken auch "Kabel-Cowboy" genannt, geht mit dem Deal auf direkten Konfrontationskurs zu Erzrivale Rupert Murdoch.
Stand: 06.02.2013, 20:10 Uhr