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Marktbericht 9:18 Uhr

Marktbericht neutral Gipfel

Leichte Gewinnmitnahmen

Dax: Achtung, Allzeithoch!?

von Angela Göpfert

Neue Verlaufsrekorde gelten an der Börse gemeinhin als Kaufsignale. Doch wie viel Luft hat der Dax nach dieser Wahnsinnsrally noch nach oben?

Seit seinem Tief bei 8.355 Punkten Mitte Oktober bis zum frischen Allzeithoch von 10.093 Punkten am vergangenen Freitag hat der Dax in der Spitze 21 Prozent zulegen können.

Die erste natürliche Folge dieser 700-Punkte-Rally: Die meisten technischen Indikatoren notieren im überkauften Bereich. Die zweite natürlich Folge: Der Dax korrigiert leicht, eröffnet am Montag 0,3 Prozent im Minus bei 10.060 Zählern.

Etwas Luft ist noch

In diesem Umfeld stellt sich zwingend die Frage: Wie sinnvoll sind jetzt noch Anschlusskäufe? Schließlich gilt die Markierung eines Allzeithochs in der technischen Analyse als eines der besten Kaufsignale überhaupt.

Ganz kurzfristig wird die Luft nach oben allmählich dünn: Die Rally hat ihr kurzfristiges Maximalziel nun nahezu erreicht. Bei rund 10.140 Punkten verläuft die obere Begrenzung des Aufwärtstrendkanals seit Mitte Oktober.

Allerdings steigt diese täglich an, sodass auch das kurzfristige charttechnische Potenzial sukzessive ausgeweitet wird.

Wichtige Marken im Blick

Jenseits dieser Marke stellt die 161,8-Prozent-Fibonacci-Projektion oder Korrektur von 10.051 auf 8.355 Punkte eine wichtige Zielmarke dar, unterstreicht Jörg Scherer, Leiter Technische Analyse bei HSBC Trinkaus in einer aktuellen Analyse.

Kurzfristig kritisch würde es für die Dax-Bullen hingegen, wenn der Dax unter die obere Begrenzung des Aufwärts-Gaps vom Freitag (9.932 Punkte) zurückfallen sollte.

Aus fundamentaler Perspektive sorgten am Morgen die Daten zur deutschen Industrieproduktion für etwas Ernüchterung. Industrie, Bau- und Energiewirtschaft stellten zusammen 0,2 Prozent mehr her als im Vormonat. Ökonomen hatten mit einem etwas stärkeren Zuwachs von 0,3 Prozent gerechnet.

Nikkei schließt auf Sieben-Jahres-Hoch

Nikkei 225: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum Intraday
Kurs
17621.40
Differenz absolut
411.35
Differenz relativ
+2.39%

Durchwachsene Neuigkeiten kommen auch aus Japan: Dort ist die Wirtschaft im dritten Quartal unerwartet tiefer in die Rezession gerutscht. Die Enttäuschung darüber hielt sich an der Börse in Tokio aber mehr als in Grenzen: Der Nikkei schloss 0,1 Prozent fester 17.935 Punkten – der höchste Stand seit Juli 2007.

Unerwartet gute US-Konjunkturdaten sorgten bei den Anlegern in Fernost für Zuversicht. In den USA hatten zum Wochenschluss starke Arbeitsmarktzahlen Dow Jones und S&P 500 auf neue Rekordhochs getrieben.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
17778.15
Differenz absolut
421.28
Differenz relativ
+2.43%
S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
2061.23
Differenz absolut
48.34
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+2.40%
Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
4267.77
Differenz absolut
102.68
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+2.47%

Merck einen Schritt weiter

Im Dax ist die Aktie von Merck KGaA zunächst größter Kursgewinner. Die Darmstädter haben einen wichtigen Etappensieg bei der geplanten Milliarden-Fusion mit Sigma Aldrich verbucht. Die Aktionäre des US-Konzerns haben dem geplanten Zusammenschluss auf einer außerordentlichen Aktionärsversammlung zu rund 78 Prozent zugestimmt. Mit dem größten Zukauf in der Firmengeschichte der Darmstädter (rund 17 Milliarden US-Dollar) würde einer der führenden Anbieter in der weltweit 130 Milliarden Dollar schweren sogenannten Life-Science-Industrie entstehen.

US-Merck plant Milliarden-Übernahme

Der US-Namensvetter der Darmstädter scheint übrigens ebenfalls einen milliardenschweren Zukauf zu planen. Laut Bloomberg laufen bereits die Übernahmegespräche zwischen Merck & Co. und dem kleinen Hersteller Cubist Pharmaceuticals, einem Spezialisten für bakterielle Infektionen. Merck werde für jede Cubist-Aktie voraussichtlich rund 100 US-Dollar bieten. Insgesamt würde das Unternehmen dadurch mit mehr als sieben Milliarden Dollar bewertet.

SAP: Hoher Aktienkurs als Abwehrmittel

SAP
SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
56.93
Differenz absolut
2.08
Differenz relativ
+3.79%

Derweil sieht sich der Dax-Softwarekonzern SAP auch langfristig nicht als Übernahmekandidat. "Der beste Weg, um als Firma unabhängig zu bleiben, ist zu wachsen und eine gute Marktkapitalisierung zu haben. Und wir haben eine sehr üppige Marktkapitalisierung", sagte Vorstandschef Bill McDermott der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag". Das Unternehmen ist an der Börse rund 70 Milliarden Euro wert.

Aufatmen für Jain

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.36
Differenz absolut
1.00
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+4.13%

Der Abschlussbericht der Finanzaufsicht BaFin wird den Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, in der Libor-Affäre entlasten, berichtet das "Handelsblatt". Die Behörde sei zum Ergebnis gekommen, dass es keine Belege dafür gebe, dass Vorstände an den Zinsmanipulationen beteiligt waren oder von ihnen wussten, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Finanzkreise. Die BaFin werde daher keine "schwerwiegenden Maßnahmen" ergreifen.

Berenberg: Kein Grund für Optimismus bei Eon

Eon
Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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14.42
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0.55
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+3.97%

Zu den größtern Verlierern im Dax gehört die Eon-Aktie. Die Privatbank Berenberg hat Eon nach der Ankündigung eines massiven Konzernumbaus von "Hold" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel von 14,50 auf 13,40 Euro gesenkt. Er sehe in den geplanten radikalen Veränderungen weniger Gründe für Optimismus als andere, die bei einer Aufspaltung den einzelnen Teilen des Energiekonzerns insgesamt mehr Wert zuschrieben als dem Unternehmen in der jetzigen Form, so Analyst Lawson Steele.

Deutsche Post: E-Post-Brief an Gewinnschwelle

Unterdessen hofft die Deutsche Post auf einen neuen Gewinnbringer: "Wir werden bis 2015 etwa 500 Millionen in den E-Postbrief investiert haben. Wir glauben, dass wir nächstes Jahr erstmals schwarze Zahlen damit schreiben", sagte Post-Chef Frank Appel dem Berliner "Tagesspiegel". "Da kenne ich nicht viele Start-ups, die das in dieser Zeitspanne schaffen", fügte er hinzu.

K+S: Goldman senkt den Daumen

K+S
K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23.19
Differenz absolut
0.42
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+1.82%

Das Wort von Goldman Sachs hat an der Börse Gewicht. Das bekommt heute auch die K+S-Aktie schmerzlich zu spüren. Goldman Sachs hat den Titel von "Neutral" auf "Sell" herabgestuft und das Kursziel leicht von 24 auf 23 Euro nach unten korrigiert. Die Aktie des Salz- und Düngemittelherstellers preise die soliden Resultate zum dritten Quartal, den angehobenen Ausblick und die höheren Salzpreise in Nordamerika nun vollständig ein und werde mit einem Aufschlag zum Sektor gehandelt. Die K+S-Aktie ist mit Abstand größter Dax-Verlierer.

Carl Zeiss Meditec verfehlt Erwartungen

Im TecDax steht Carl Zeiss Meditec nach Zahlen unter Druck. Der Medizintechnik-Hersteller hat seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014 von 906 auf 909 Millionen Euro leicht gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern betrug 120,7 Millionen Euro. Analysten hatten mit einem Umsatz von 914 Millionen Euro und einem Ebit von 126 Millionen Euro gerechnet.

Morphosys: Ermutigende Testergebnisse

Dagegen kann Morphosys bei den Anlegern punkten. Das Biotech-Unternehmen meldet Fortschritte bei einem Wirkstoff gegen Blutkrebs. Die Ergebnisse einer Phase-1/2a-Studie zeigen laut Morphosys, dass die beteiligten Hochrisiko-Patienten mit lymphatischer Leukämie zum größten Teil auf den Antikörper MOR208 angesprochen haben. Die Versuchsteilnehmer - allesamt Patienten mit schlechten Heilungschancen - hätten den Wirkstoff zudem gut vertragen.

Novartis: Große Fortschritte

Auch der Schweizer Pharmariese Novartis sieht sich durch neue Studienergebnisse zu seiner Leukämie-Arznei bestärkt. "Wir sehen junge Patienten, die auf keine andere Therapie angesprochen haben, bei denen die Behandlung mit CTL019 zu einem kompletten Rückgang der Krankheit führt", so Studienleiter Stephan Grupp von der Universität von Pennsylvania. Bei 36 der 39 Kinder mit lymphatischer Leukämie, die an der Studie teilgenommen hatten, sei die Krankheit vollständig verschwunden.

Epigenomics: Big in China

Jenseits der großen Indizes sorgt Epigenomics für Furore. Die Aktie schnellt um 21 Prozent empor, nachdem die Biotechfirma gemeinsam mit BioChain, ein in China und den USA führendes Unternehmen der klinischen Diagnostik für onkologische und genetische Tests, bekannt gegeben hat, dass die chinesische Zulassungsbehörde CFDA EpiproColon(R) zur Vermarktung in China zugelassen hat. Dabei handelt es sich um einen diagnostischen Test zur Früherkennung von Darmkrebs.

Überraschungscoup von Saint Gobain

Der französische Baustoffkonzern Saint Gobain greift nach dem Schweizer Bau-Chemiekonzern Sika. Saint Gobain will der Familie Burkard für 2,75 Milliarden Franken deren Sika-Paket von 16,1 Prozent abkaufen. Saint Gobain würde angesichts der Kapitalstruktur von Sika damit gleichzeitig die Stimmrechtsmehrheit von 52,4 Prozent erwerben. Bei den Sika-Aktionären sorgt der Überraschungscoup für Entsetzen, die Aktie bricht ein.

Stand: 08.12.2014, 09:18 Uhr

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Tagestermine am Freitag, 19. Dezember

Unternehmen:
Zalando: Aufnahme in den SDax
Analytik Jena: Jahreszahlen
Blackberry: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr

Konjunktur:
Japan: Zinsentscheid der Bank von Japan
Japan: Frühindikatoren für Oktober, 06:00 Uhr
Deutschland: Gfk-Konsumklimaindex für Januar, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im November, 08:00 Uhr
Deutschland: Leistungsbilanz Euro-Zone im Oktober, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Deutsche Börse: Großer Verfallstag an der Börse (Hexensabbat)
EU: Abschluss des EU-Gipfels in Brüssel

Darstellung: