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Marktbericht 20:04 Uhr

Marktbericht positiv mit BREMAIN-Schriftzug

Dax weiter im Vorwärtsgang

Brexit-Ängste ebben ab

Stand: 01.07.2016, 20:04 Uhr

Das Thema Brexit hat heute weiter an Schrecken verloren. Die politische und ökonomische Unsicherheit bleibt zwar, die Investoren setzen aber zunehmend auf die Notenbanken als Feuerwehr die bereit steht - und werden wieder mutiger.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Dax beendete eine turbulente Woche versöhnlich. Er gewann knapp ein Prozent und schloss bei 9.776 Punkten. Nach den Schockwellen im Gefolge der Brexit-Abstimmung vom vergangenen Freitag und dem darauffolgenden Montag hat sich das Geschehen insgesamt beruhigt.

Denn der deutsche Leitindex hat nach dem Wochentief bei 9.230 Punkten über 500 Punkte zugelegt. Das heutige Tageshoch lag bei 9.806 Punkten, das Tief bei 9.657 Punkten. Der Eurostoxx50-Index stieg um 0,6 Prozent auf 2.883 Punkte. Der Dax hat seit dem "schwarzen Freitag" vor einer Woche rund die Hälfte seiner Verluste wieder aufgeholt und in der Woche selbst sogar 2,2 Prozent zugelegt. Nachbörslich tat sich nicht mehr viel. Der L/E-Dax beendete den Späthandel bei 9.767 Punkten kaum verändert.

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Börse 19.00 Uhr

Auslöser der Erholungsrally waren und sind neue Hoffnungen der Anleger, dass die Notenbanken die Märkte nach der Brexit-Unsicherheit Gewehr bei Fuß stehen, neue Mittel in die Märkte zu pumpen. Mark Carney, Gouverneur der Bank of England, hatte am Vortag genau dies in Aussicht gestellt.

Von der EZB erhoffen sich die Investoren ebenfalls neue Impulse. Die Notenbank kauft bislang Staatsanleihen im Volumen von 80 Milliarden Euro monatlich. Die Agentur "Bloomberg" hatte berichtet, die Euro-Wächter könnten wegen Engpässen bei deutschen Bundesanleihen den Kapitalschlüssel für den Anleihe-Aufkauf aufweichen. Dies kam besonders südeuropäischen Staatsanleihen zugute, deren Renditen heute fielen. Insider bestätigten die Pläne aber nicht.

Brexit ist nicht vom Tisch

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ARD-Börse: Turbulente Zeiten - Halbjahresbilanz am Aktienmarkt

Das derzeit alles überragende Thema könnte die Anleger allerdings noch länger beschäftigen, denn angesichts des gegenwärtigen politischen Chaos in London droht eine Hängepartie um den Ausstieg des Landes aus der EU. Der Brexit verliert aber dabei von seinem Schrecken. "Die Börsen haben sich nach dem Brexitschock zuletzt ein Stück weit stabilisiert", schrieben die Analysten der LBBW in einem Kommentar. Spannend sei nun, ob die Unternehmen ihre Gewinnprognosen senken würden.

Wall Street tendiert gut behauptet

Vor dem langen Wochenende (am Montag ist der Nationalfeiertag, die Börse ist dann geschlossen), konsolidiert der US-Aktienmarkt bei ruhigem Geschäft auf hohem Niveau. Der Leitindex Dow Jones liegt aktuell 0,1 Prozent im Plus und bleibt knapp unter der Marke von 18.000 Punkten.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Auch wenn der Kursanstieg heute nicht so stark ist wie bisher, bleibt der Dow in Reichweite seiner Rekordstände. Vom Brexit sei das Land insgesamt weniger betroffen, gleichwohl beobachte man die Lage im Ausland. Die Notenbank müsse dies gegen die Bewertung zuletzt überwiegend positiver Konjunkturdaten abwägen, erklärte heute Fed-Vizechef Stanley Fisher.

Zu diesen guten Daten kam heute ein besser als erwartet ausgefallener ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe von 53,2 Punkten hinzu. Experten hatten nur mit einem Wert von 51,3 Punkten gerechnet. "Die Stimmungsverbesserung ist erfreulich, denn sie lässt auf einen leichten Anstieg der Wachstumsdynamik im Industriesektor hoffen. Mit erhöhten Zinsfantasien ist aber nicht zu rechnen, denn die US-Notenbanker haben aufgrund der Brexit-Verunsicherung Argumente, an ihrer Wait-and-see-Strategie festzuhalten", kommentierte Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Euro steigt wieder über 1,11 Dollar

Gestern runter, heute rauf. Am Devisenmarkt herrscht weiter viel Bewegung. Der Euro legt heute gegen den Dollar zu und steigt in der Spitze bis auf 1,1167 Dollar. Aktuell sthet der Kurs bei 1,1142 Euro. In der Eurozone hat sich die Stimmung in der Industrie aufgehellt, was die Gemeinschaftswährung stützt. Auch die Arbeitslosigkeit ist mit 10,1 Prozent im Mai auf den niedrigsten Stand seit Juli 2011 gefallen.

Und was macht das leidgeplagte Pfund? Gegenüber dem Dollar legt es leicht auf 1,3306 Dollar zu, bleibt aber damit in der Nähe seiner Tiefststände von vor 30 Jahren. Der Euro legt hingegen leicht zu auf aktuell 0,8406 Pfund. Binnen einer Woche ist der Euro gegenüber der britischen Währung um über sieben Prozent gestiegen, was besonders der britischen Exportwirtschaft zugute kommt.

Tagessieger ThyssenKrupp

Die Wolfsburger sind zuversichtlich, einen weiteren Streit mit den US-Behörden beilegen zu können. So könnte eine teure Rückkaufaktion verhindert werden. Der Konzern kann nach eigenen Aussagen die 85.000 Dieselfahrzeuge mit 3,0 Liter-Motoren reparieren. Derweil gingen die Verkäufe der Marke VW in den USA weiter zurück. Im Juni wurden 23.809 Fahrzeuge verkauft, ein Rückgang von 21,8 Prozent. VW-Vorzüge waren heute trotzdem gefragt und legten über fünf Prozent zu. Ansonsten gehen die Gewinne quer durch alle Branchen. Neben ThyssenKrupp, dem heutigen Tagessieger, waren auch Deutsche-Bank-Papiere nach dem jüngsten Ausverkauf wieder unter den Gewinnern, nachdem sie kurzzeitig ins Minus gedreht hatten. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hatte die Einstufung für den deutschen Branchenprimus nach dem Banken-Stresstest der US-Notenbank Fed auf "Neutral" mit einem Kursziel von 14,90 Euro belassen.

ProSiebenSat.1 mit Dividendenabschlag, Allianz rutscht ab

Größter Dax-Verlierer blieb am Nachmittag die Aktie von ProSiebenSat.1. Aber nur optisch, denn die Dividende von 1,80 Euro wurde heute abgeschlagen. Ansonsten hätte das Papier mit dem Markt im Plus geschlossen. Allerdings hat die britische Großbank HSBC das Kursziel für den Medien-Titel und Dax-Frischling in einer aktuellen Analysten-Studie von 55 auf 47 Euro gesenkt. Zuvor hatte die ProSiebenSat.1-Aktie binnen drei Monaten 13 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

Allianz-Papiere tendierten gegen den Markt leichter und verloren 0,4 Prozent. Grund war eine Kurszielsenkung der Analysten von JPMorgan. Deren fairer Wert für die Aktie des Versicherers wurde von 175 auf 161 Euro gesenkt.

Etappenerfolg für Heidelbergcement

Der erste Schritt auf dem Weg zur Übernahme des italienischen Zementherstellers Italcementi ist abgeschlossen. Heidelbergcement hat für 1,67 Milliarden Euro den 45-prozentigen Anteil der Familie Pesenti übernommen. Knapp die Hälfte wurde in Aktien bezahlt, so dass die Familienholding Italmobiliarel mit 5,3 Prozent zu einem der größten Aktionäre des einzigen deutschen Bauwertes im Dax aufsteigt. Voraussichtlich Ende August soll den verbleibenden Aktionären ein Pflichtangebot unterbreitet werden. Insgesamt kostet die Übernahme des italienischen Marktführers 3,7 Milliarden Euro.

Neuer Finanzchef für die Lufthansa

Mit dem 55-jährigen Ulrik Svensson übernimmt ab dem 1. Januar 2017 ein alter Bekannter das Amt des Finanzchefs bei der Kranichairline. Svensson war von 2003 bis 2006 in gleicher Funktion bei der Schweizer Fluglinie Swiss und arbeitete seinerzeit an der Übernahme durch die Lufthansa mit. Aktuell sitzt er unter anderem im Aufsichtsrat des Flughafens Zürich und ist Chef der börsennotierten Investmentgesellschaft Melker Schörling. Svensson tritt die Nachfolge von Simone Menne an, die ab dem 1.9. zum Pharmakonzern Boehringer wechselt. Er erhält einen Vertrag bis Jahresende 2019. Lufthansa gab die Berufung nach Börsenschluss bekannt. Während des Xetra-Handels war die LH-Aktie 3,56 Prozent vorgerückt und gehörte damit zu den größten Tagesgewinnern im Dax.

Telekom startet Verkaufsprozess für Mobilfunkmasten

Nach Insiderinformationen hat die Telekom die beiden Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley damit beauftragt, ihre Mobilfunkmasten über eine Auktion zu verkaufen. Das Vorhaben könnte immerhin bis zu fünf Milliarden Euro in die Kasse der Bonner spülen.

Am Abend hatte die Telekom schon einen Umbau im Vorstand bekannt gegeben. Die Managerin Claudia Nemat soll im Gremium künftig für Technologie und Innovation zuständig sein. Damit werden übergreifende Netz-, Innovations- und IT-Aufgaben in einem eigenen Vorstandsressort zusammengezogen. Das Europaressort soll neu besetzt werden. Der Name des Verantwortlichen soll aber erst in der kommenden Woche bekannt gegeben werden.

Daimler übernimmt Autoleasing-Geschäft von Rabobank

Der Stuttgarter Autobauer Daimler übernimmt für 1,1 Milliarden Euro das Auto-Leasing-Geschäft der niederländischen Rabobank. Die Sparte mit dem Namen Athlon solle in die niederländische Mercedes-Benz Financial Services integriert werden, teilte die Rabobank am Freitag mit. Athlon hat rund 250.000 Fahrzeuge in elf europäischen Ländern im Bestand. Am Nachmittag wurde dann noch bekannt, dass Mercedes-Benz USA im Juni 1,5 Preozent mehr Fahrzeuge verkauft haben. 28.473 Einheiten wurden abgesetzt.

BMW will autonome Autos bis 2021

Die Münchener haben zur Erreichung dieses Ziels heute die Zusammenarbeit mit dem US-Chiphersteller Intel und der auf Kameras spezialisierten israelischen Softwarefirma Mobileye bekannt gegeben. Man wolle gemeinsam die Technik für das selbstfahrende Auto entwickeln und in fünf Jahren zur Serienreife bringen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Geschaffen werden soll dabei eine Industrieplattform, die Standards setzt und auch anderen Herstellern offen ist.

Aktionärsrevolte bei Stada

Aktivistische Aktionäre um den Investor Active Ownership (AOC), der fünf Prozent am Unternehmen hält, wollen die Auswahl neuer Mitglieder des Aufsichtsrates nicht dem Unternehmen überlassen. Sie haben andere institutionelle Investoren aufgefordert, Kandidaten der Kapitalseite für das Kontrollgremium zu benennen. Sowohl Stada als auch die einflussreichen Aktionäre haben externe Personalberater bestimmt, um bei der Kandidatensuche zu helfen.

Die Liste für die Kandidaten des Aufsichtsrates muss bis zum 15. Juli stehen. An diesem Tag wird die Einladung zur Hauptversammlung verschickt. Kritiker bemängeln die eingefahrenen Strukturen beim Generika-Hersteller sowie die mangelnde kritische Distanz des Aufsichtsrates zu Ex-Chef Hartmut Retzlaff.

Greiffenberger: Krasser Absturz

Jenseits der großen Indizes fällt die Greiffenberger-Aktie nach dem gestrigen Absturz von 33 Prozent heute erneut. Der Abschlussprüfer KPMG wird dem Konzern- und Jahresabschluss 2015 voraussichtlich kein Testat geben. Die Wirtschaftsprüfer sehen sich außer Stande zu beurteilen, ob die Annahme der Fortführung der Unternehmenstätigkeit gerechtfertigt ist.

EasyJet vor dem Absprung

Der britische Billigflieger EasyJet erwägt laut Medienberichten nach dem Brexit-Votum, den Firmensitz von Großbritannien in ein anderes EU-Land zu verlagern. Das Unternehmen habe mit Luftfahrtbehörden mehrerer Länder bereits Sondierungsgespräche aufgenommen, meldet der Sender Sky News unter Berufung auf firmennahe Quellen. Mittlerweile hat das Unternehmen aber die Meldung relativiert. Erst müsse klar sein, wie die Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien aussehen, hieß es. Zunächst werde man am standort Luton festhalten. Man wolle aber auf alles vorbereitet sein. Fluglinien gelten wegen der gestiegenen Rechtsunsicherheit bei einem Austritt Großbritanniens aus der EU als großer Verlierer. Zuvor hatte schon Ryaniar angekündigt, keine neuen Flugzeuge mehr in Großbritannien stationieren zu wollen.

Erster tödlicher Unfall mit Tesla-Autopilot

Die US-Verkehrsaufsicht NHTSA untersucht nach einem tödlichen Unfall automatisierte Fahrsysteme beim Elektroauto-Hersteller Tesla. Der sogenannte Autopilot war bei einem Crash der Tesla-Limousine "Model S" im Einsatz, bei dem der Fahrer ums Leben kam.

Hershey lehnt Übernahme durch Milka-Hersteller Mondelez ab

Der US-Schokoladenkonzern Hershey will eigenständig bleiben und hat das Übernahmeinteresse des Milka-Herstellers Mondelez mit klaren Worten zurückgewiesen. Der Verwaltungsrat habe eine Offerte über 107 Dollar je Aktie einstimmig abgelehnt, so Hershey.

rm

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