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Marktbericht 20:10 Uhr

Marktbericht negativ

Dax stürzt erneut ab

Börsen versinken im Ölpreis-Strudel

Stand: 20.01.2016, 20:10 Uhr

Eisige Stimmung an den Aktienmärkten weltweit: Der erneute Ölpreis-Rutsch hat eine Verkaufswelle an der Wall Street und im Dax ausgelöst. Händler sprachen gar von Panik-Ausbrüchen. Anleger flüchteten in den sicheren Hafen Gold.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Alles muss raus! An den Börsen hat der Winterschlussverkauf längst begonnen. Seit Jahresbeginn ist der Dax um 13 Prozent abgesackt. Am Mittwoch ging es erneut steil abwärts. Der deutsche Leitindex krachte um 2,8 Prozent nach unten und schloss bei unter 9.400 Punkten - auf dem niedrigsten Stand seit Mitte Dezember 2014.

Auch an der Wall Street war das Kurstableau tiefrot. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss 2,5 Prozent im Minus. Der marktbreite S&P-500-Index fiel auf den tiefsten Stand seit Mitte Oktober 2014. Die Nasdaq 100 büßte mehr als drei Prozent ein.

Ölpreise fallen und fallen

Der erneute Ölpreis-Rückgang schlug auf das Gemüt der Anleger. Das US-Leichtöl der Sorte WTI rutschte erstmals seit September 2003 unter 27 Dollar je Fass (159 Liter). Das Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich um vier Prozent auf 27,54 Dollar und erreichte ein neues Zwölfjahres-Tief. Seit Jahresbeginn haben die Ölpreise mehr als 25 Prozent verloren. Die Internationalen Energie-Agentur (IEA) warnte, die Ölmärkte könnten in diesem Jahr "im Überangebot ertrinken". Damit habe sie im wahrsten Sinne Öl ins Feuer geschüttet, sagte Christian Henke, Analyst von IG Markets. Anleger fürchten nun, dass viele Rohstoff-Firmen den Preisverfall nicht mehr lange durchhalten und pleite gehen. Zudem wird der niedrige Ölpreis auch als Zeichen für eine Konjunkturabschwächung in den Schwellenländern gesehen.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Rubel auf Rekordtief

Im Sog des immer billigeren Öls standen am Mittwoch vor allem Rohstoff-Währungen unter Abwertungsdruck. Der russische Rubel fiel auf ein neues Rekordtief. Erstmals kostete ein Dollar mehr als 80 Rubel. Der Euro konnte sich dagegen bei knapp über 1,09 US-Dollar behaupten.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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US-Verbraucherpreise gesunken

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Börse 20.15 Uhr

Die neuesten US-Konjunkturdaten hatten wenig Einfluss. Im Dezember gingen die Verbraucherpreise um 0,1 Prozent zurück - nach einer Stagnation im November. Der Anstieg der Kerninflation auf 2,1 Prozent weise aber darauf hin, dass keine generelle Disinflation besteht", schreibt Experte Ralf Umlauf von der Helaba. "Insofern dürfte die Fed einen moderaten Zinsanstieg weiter für angemessen erachten." Unerwartet schlecht fielen die neuesten Immobiliendaten aus: Im Dezember sanken die Baubeginne überraschend um 2,5 Prozent auf annualisiert 1,149 Millionen Einheiten. Volkswirte hatten mit einem Plus von 2,3 Prozent gerechnet.

Sind wir jetzt im Bärenmarkt?

Andreas Paciorek von CMC Markets fragt sich, ob der neue Kursrutsch an den Börsen ein letztes Ausschütteln in einem überverkauften Markt darstellt oder einen Wechsel in den "Bärenmodus" bedeutet. Aktuell würden die letzten Bastionen getestet. Aus charttechnischer Sicht müsse der Dax nun die 9.300-Punkte-Marke verteidigen. Ansonsten droht ein weiterer Absturz in die Region unter 9.000 Zähler.

Statistik spricht für Kurserholung

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ARD-Börse: Dax fällt immer weiter - was ist los an der Börse?

Laut Tom Porcelli, Chefvolkswirt von RBC Capital Markets ist die derzeitige Stimmung der Anleger an den Börsen so schlecht wie zuletzt Mitte 1987. Das freilich habe auch etwas Positives. "Jedesmal wenn der Pessimismus außerhalb einer Rezession ein solches Niveau erreicht hat, stieg der Markt im folgenden Quartal um durchschnittlich 6,4 Prozent", meint er. Auch Uwe Streich, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), sieht keinen Grund zur Panik. "Die Jahre mit Horror-Start entwickelten sich in der Regel nicht besonders schlecht", hat er festgestellt. Im Gegenteil: "In ihrer Durchschnittsperformance kamen sie sogar fast an die Jahre mit positivem Beginn heran."

Gold auf über 1.100 US-Dollar

Größter Gewinner der Panik am Aktienmarkt ist der Goldpreis. Die Feinunze Gold kletterte am Mittwoch auf über 1.100 Dollar. Interessant ist, dass die Goldminen-Aktien vom wiedererstarkenden Goldpreis in den vergangenen Wochen nicht profitierten. Sie fielen - wie die meisten anderen Aktien auch.

Adidas einziger Gewinner

Im Dax gab es fast nur Verlierer - mit einer Ausnahme: Adidas. Die Privatbank Hauck & Aufhäuser hat die Aktie des Sportartikel-Ausrüsters von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 78 auf 105 Euro angehoben. Der künftige Vorstandschef Kasper Rorsted sei der richtige Mann, um das attraktive Potenzial von Adidas freizusetzen, schrieb der zuständige Analyst Christian Schwenkenbecher in einer Studie.

Infineon im ASML-Sog

Auch Infineon schlug sich mit einem Minus von 1,2 Prozent recht wacker. Der Halbleiter-Titel profitierte von guten Zahlen des niederländischen Chipzulieferers ASML. Die Niederländer gaben zudem ein neues Aktienrückkaufprogramm bekannt und wollen die Dividende steigern.

Bankaktien im Ausverkauf

Neben den Versorgern waren die Papiere der Deutschen Bank und Commerzbank die größten Dax-Verlierer. Europaweit standen die Finanzwerte unter Druck. Der EuroStoxx-Banken-Index rutschte um fast fünf Prozent ab. Ernüchternde Quartalszahlen von Goldman Sachs taten ihr übriges. Wegen eines teuren Vergleichs im US-Hypotheken-Rechtsstreit brach der Gewinn der "Goldmänner" auf 574 Millionen Dollar ein.

Neue Runde im Milliardenpoker um Heta-Anleihen

Im Streit um den Schuldenschnitt bei der österreichischen Krisenbank Heta ist keine Einigung in Sicht. Am Mittwoch bot das Bundesland Kärnten den Inhabern vorrangiger Heta-Anleihen einen Rückkauf der Papiere für 75 Prozent ihres Nennwerts an. Die Versicherer, darunter die Münchener Rück, lehnen die Offerte ab. Auch viele Banken sehen das Angebot skeptisch. Zur Gläubiger-Gruppe gehören mehrere Landesbanken und die Commerzbank.

Citigroup bevorzugt VW und Daimler

Die US-Investmentbank Citigroup sorgte mit einer frischen Analystenstudie zum Automobilsektor für Bewegung. Die BMW-Aktie wurde zum Verkauf empfohlen. Bei VW und Daimler riet die Citi hingegen zum Kauf. Dennoch geriet die VW-Aktie am Mittwoch am stärksten unter die Räder- mit einem Minus von fünf Prozent. BMW und Daimler fielen im Gleichklang mit dem Gesamtmarkt.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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HDI versichert keine Fluglinien mehr

Der Versicherungskonzern Talanx zieht sich wegen des grassierenden Preiskampfs teilweise aus der Luftfahrt-Versicherung zurück. "Wir haben beschlossen, keinen Versicherungsschutz für kommerzielle Airlines anzubieten", sagte der Chef der Talanx-Sparte HDI Global, Christian Hinsch, dem "Handelsblatt". Das half der Talanx-Aktie nicht.

Shell droht Gewinneinbruch

Der Ölpreisverfall setzt dem britisch-niederländischen Energieriesen Shell stark zu. Allein im Schlussquartal 2015 dürfte der bereinigte Gewinn - eine für Shell wichtige Kennziffer - auf 1,6 bis 1,9 Milliarden US-Dollar abgesackt sein, teilte der Konzern nach vorläufigen Berechnungen mit. Die Shell-Aktie sackte deutlich ab.

IBM enttäuscht

Beim weltweit größten IT-Dienstleister IBM sind die Umsätze im vierten Quartal um 8,5 Prozent gefallen. Das ist der 15. Umsatzrückgang in Folge. Der Nettogewinn brach um 19 Prozent ein. Zu schaffen machen dem Konzern der starke Dollar und die Sparsamkeit der Kunden bei IT-Ausgaben. Die IBM-Aktie büßt im frühen US-Handel knapp fünf Prozent ein.

Netflix gewinnt 5,6 Millionen neue Kunden

Die Aktie des Video-Dienstes Netflix rutscht gar um neun Prozent ab. Dabei hat das Unternehmen mit seinem Quartalszahlen die Erwartungen an der Wall Street übertroffen. Netflix gewann im vergangenen Quartal rund 5,6 Millionen Kunden hinzu - so viele wie noch nie in einem Vierteljahr.

Milliardenfusion in der US-Chipindustrie

Nach dem Ausstieg des Chipherstellers Dialog Semiconductor aus dem Bieterstreit um den US-Rivalen Atmel ist der Konkurrent Microchip Technology nun zum Zuge gekommen: Beide Unternehmen haben sich auf die Übernahme zum Preis von rund 3,56 Milliarden Dollar geeinigt.

nb

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Tagestermine am Mittwoch, 28. September

Unternehmen:
Hella: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Sainsbury: Q2-Trading update, 08:00 Uhr
Tui: Trading update, 08:00 Uhr
Blackberry: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Lufthansa: Sitzung des Aufsichtstrats
Konjunktur:
Deutschland: Schulden der öffentlichen Haushalte, 08:00 Uhr
USA: Auftragseingang langlebiger Güter 08/16, 14:30 Uhr
USA: Energieministerium Ölbericht (wöchentl.), 16 Uhr
Sonstiges: Deutschland: Rede von EZB-Präsident Mario Draghi vor dem Europaausschuss des Bundestages, Berlin, 17:00 Uhr

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