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Marktbericht 20:03 Uhr

Marktbericht positiv

Mario Draghi schiebt die Börse an

Balsam für die geschundenen Seelen

Stand: 21.01.2016, 20:05 Uhr

Die Aussicht auf weitere Geldspritzen der EZB ab März und eine Erholung der Ölpreise hat den Dax heute kräftig angetrieben. Er legte trotz schwacher Zahlen der Deutschen Bank kräftig zu. Das gab es lange nicht mehr.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zwischenzeitlich mussten die Anleger am Nachmittag jedoch wieder die Luft anhalten. Denn nachdem der Dax während der Pressekonferenz des EZB-Präsidenten in der Spitze kräftig aufdrehte und rund 2,8 Prozent auf 9.656 Punkte zulegte, ging es danach wieder bis fast an die Nulllinie bergab. Alles schon mal dagewesen zuletzt, aber diese Mal war es anders. Denn erstmals seit Jahresbeginn hielten die Bullen dagegen. Am Ende schloss der Leitindex mit einem dicken Plus von 1,94 Prozent bei 9.574 Punkten. Im Späthandel ging es noch weiter bergauf auf 9.603 Punkte.

EZB blickt auf den März

Erwartungsgemäß bestätigte Draghi, dass die EZB ihre Zinsen noch auf lange Zeit niedrig halten wird. Er kündigte zudem eine Überprüfung der Geldpolitik im März an. Der Leitzins blieb unverändert bei 0,05 und der Einlagenzins der Banken bei minus 0,3 Prozent.

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Börse 18.00 Uhr

"Die EZB wird im März sehr wahrscheinlich nachlegen. Meiner Ansicht nach wird sie den Einlagenzins senken und die Anleihekäufe ausweiten, nachdem das im Dezember nicht geschehen ist", erklärte Nordea-Volkswirt Holger Sandte. Ähnlich äußerten sich auch andere Experten. Das Szenario eines Bruchs der technischen Unterstützungsmarke im Dax bei 9.325 Punkten ist mit dem heutigen Tag erst einmal vom Tisch, Risiken bleiben aber. Denn die Erholung findet in einem übergeordneten Abwärtstrend statt.

Ölpreis fängt sich

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Börse 17.00 Uhr

Auch von der zuletzt größten fundamentalen Belastung, der Situation am Ölmarkt, kam heute Entlastung. Bis auf 27,29 Dollar je Fass ging es am Vormittag erst bergab mit dem Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent, ehe sich der Kurs stabilisierte und am Ende kräftig zulegte auf über 29 Dollar. Dies trotz gestiegener US-Vorratsdaten. Auch dies ist ungewöhnlich, denn zuletzt hatte der Preis mit immer weiteren Tiefständen auf eine Erhöhung der US-Lagerbestände reagiert.

Börsianer halten eine Wiederaufnahme der Talfahrt trotzdem für wahrscheinlich. Es gebe wenig, was einen Absturz der Preise bis auf 20 Dollar verhindern könnte, sagte Hans van Cleef, Analyst bei ABN Amro in Amsterdam. Denn mit dem Iran kommt nach dem Ende der Wirtschaftssanktionen schon bald ein neuer Anbieter an den Weltmarkt, wodurch sich das derzeitige Überangebot noch ausweiten dürfte.

Euro unter 1,09 Dollar, Rubel stürzt ab

Der Euro gab nach Draghis Äußerungen heute nach und fiel unter die Marke von 1,09 Dollar. Aktuell kostet die Gemeinschaftswährung 1,0840 Dollar. Neue Rekordtiefstände verzeichnete heute der russische Rubel. An der Moskauer Börse kostete ein US-Dollar am Donnerstag zeitweise mehr als 85 Rubel. Das war der tiefste Wert seit der Währungsumstellung 1998. Ursache für den schwachen Rubelkurs ist unter anderem der Preisverfall des Erdöls auf dem Weltmarkt. Russland ist in hohem Maße von Energieexporten abhängig.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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US-Märkte legen zu

Auch an der Wall Street hat sich der Leitindex Dow Jones nach durchwachsenem Start ins Plus hochgearbeitet und behauptet rund zwei Stunden vor Handelsschluss seine Gewinne. Der Blick auf die US-Konjunkturdaten zeigte, dass die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gestiegen sind, sich aber der Philly-Fed-Index, der das Geschäftsklima in der Region Philadelphia misst, im Januar überraschend aufhellen konnte. Er fiel mit minus 3,5 Punkten besser aus als erwartet. Prognostiziert war ein Minus von 5,9 Punkten.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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"Der Philly-Fed-Index kann sich zwar verbessern, liegt aber zum fünften Mal in Folge im Kontraktionsbereich. Da auch die vergleichbare Umfrage im Großraum New York (Empire State Index) im laufenden Monat unerwartet schwach ausfiel, gibt es keine Anzeichen dafür, dass die US-Industrie im ersten Quartal an Dynamik gewinnen wird", erklärte Viola Julien von der Helaba.

Verizon gesucht

Zu den größten Gewinnern im Dow gehört Telekomplatzhirsch Verizon, der seinen Umsatz im Weihnachtsgeschäft um 3,2 Prozent auf 34,3 Milliarden Dollar gesteigert hat. Der Gewinn lag bei 5,2 Milliarden Dollar. Verizon dominiert zusammen mit AT&T den Markt in Amerika. Der Markt ist allerdings extrem wettbewerbsintensiv. Zur Konkurrenz gehört auch die Telekom-Tochter T-Mobil US, die zuletzt Boden gut machen konnte.

Deutsche Bank schockiert die Börse

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Unter den Einzeltiteln waren die desaströsen Zahlen der Deutschen Bank das Thema des Tages. Das Deutsche-Bank-Papier fiel zeitweise um fast zehn Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit März 2009. Im weiteren Handelsverlauf erholte sich die Aktie, blieb aber mit 3,36 Prozent im Minus. Das Geldhaus hat im abgelaufenen Jahr den größten Verlust seiner Geschichte erlitten. Grund sind milliardenschwere Abschreibungen im Investmentbanking und im Privatkundengeschäft sowie hohe Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten und den Abbau von Arbeitsplätzen.

Tagessieger RWE

RWE setzten ihre jüngste Erholung fort und gingen als Tagessieger durchs Ziel. Auch eine Kurszielsenkung durch die Analysten der HSBC von 11,50 auf 10,50 änderte nichts an der derzeit guten Stimmung für die Aktie. Gesucht waren im Dax auch VW-Vorzüge. Verantwortlich war ein Manager-Magazin"-Bericht. Demnach verschärft der Konzern seinen Sparkurs. VW-Markenchef Herbert Diess wolle die Produktivität bereits im laufenden Jahr um zehn Prozent steigern. VW müsse deshalben tausende Arbeitsplätze abbauen. Der Konzern dementierte aber mittlerweile, dass bis zu 10.000 Stellen auf dem Spiel stehen würden. Auch Lufthansa erholten sich nach den Verlusten der vergangenen Tage.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Linde erhält Großauftrag aus Russland

Der Industriegasekonzern Linde hat vom russischen Energieriesen Gazprom einen Großauftrag erhalten. Der Konzern wird an der Errichtung einer Erdgasverarbeitungsanlage an der chinesichen Grenze beteiligt sein. Dies erlärte Linde am Donnerstag. Einer mit der Sache vertrauten Person zufolge liegt das Auftragsvolumen in der ersten Projektphase im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Die Anlage soll jährlich bis zu 49 Milliarden Kubikmeter Erdgas verarbeiten.

Linde-Aktien legten in einem freundlichen Gesamtmarkt im Dax drei Prozent zu. Ende November hatte der Konzern eine Gewinnwarnung ausgesprochen, die Aktie war daraufhin abgestürzt. Von diesem Rückschlag hat sich das Linde-Papier bis heute nicht erholt.

T-Aktie erneut empfohlen

Auch Telekom-Aktien legten mit 3,12 Prozent stärker zu als der Markt. Goldman Sachs hat das Papier auf der "Conviction Buy List" mit einem Kursziel von 20,80 Euro belassen. Der Wert sei ein so genannter "Top Pick". Die europäische Telekombranche dürfte in diesem Jahr wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren.

Neuer Auftrag für Airbus

Der deutsch-französische Flugzeugbauer hat einen Auftrag aus dem Golf-Königreich Bahrein erhalten. Die staatliche Fluglinie Gulf Air kauft 29 Mittelstreckenjets aus der Modellreihe Airbus A320neo. Der Listenpreis, auf den in der Regel aber hohe Rabatte üblich sind, liegt bei 3,4 Milliarden Dollar (3,1 Milliarden Euro). Die Airbus-Aktie legte 2,36 Prozent zu und stieg damit stärker als der MDax, der 1,58 Prozent zulegte.

Sino-Tochter tick-TS AG will an die Börse

Sämtliche 1,01 Millionen Aktien des 2002 gegründeten FinTec-Unternehmens sollen nach dem Willen der Hauptversammlung an die Börse gebracht werden. Geplant ist eine Notierung an der Düsseldorfer Börse. Per 30.9.2015 lag der Umsatz des Unternehmens bei 4,7 und der Gewinn nach Steuern bei 1,3 Millionen Euro. Größter Einzelaktionär ist der im Freiverkehr gehandelte Broker Sino AG mit 43 Prozent. Die Sino AG gehörte auch zu den Gründern der Gesellschaft, die sich zuletzt positiv entwickelt hat.

Sharp könnte gekauft werden

Der Apple-Zulieferer Foxconn will laut dem "Wall Street Journal" den angeschlagenen japanischen Elektronik-Konzern Sharp übernehmen. Das Unternehmen mit Sitz in Taiwan habe demnach 625 Milliarden Yen, umgerechnet, 5,3 Milliarden Dollar, geboten.

Kahlschlag bei Barclays

Die britische Großbank zieht nach Informationen von Insidern die Reißleine im Investmentbanking und streicht weitere 1.000 Stellen. Betroffen ist vor allem die Region Asien, wo zahlreiche Büros komplett geschlossen werden. Der neue Chef Jes Staley pflügt die Bilanz der altehrwürdigen Bank derzeit regelrecht um und will sich zukünftig auf das Kerngeschäft konzentrieren. Barclays wird immer wieder von den Geistern der Vergangenheit eingeholt und ist in zahlreiche Skandale verwickelt. Auch Staleys neue Kollegen bei der Deutschen Bank, Credit Suisse und Standard Chartered, fahren derzeit vergleichbare Strategien.

GM bleibt hinter VW

Der US-Autobauer hat 2015 insgesamt rund 9,8 Millionen Autos verkauft, ein Zuwachs von zwei Prozent. Die deutsche GM-Tochter Opel erzielte mit 1,1 Millionen ausgelieferten Autos das beste Verkaufsergebnis seit 2011. Trotz des Abgasskandals liegen die Amerikaner damit weiter hinter dem Volkswagen-Konzern. Der hatte zwar zwei Prozent weniger abgesetzt, insgesamt waren es aber 9,93 Millionen Einheiten. Platzhirsch bleibt Toyota. Die Japaner haben ihre Zahlen zwar noch nicht vorgelegt, Mitte Dezember aber waren sie zuversichtlich, die Marke von 10,1 Millionen Fahrzeugen zu erreichen.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 5. Dezember

Unternehmen:
Osram: Geschäftsbericht 2016
International Airlines Group (IAG): Verkehrszahlen 11/16
Legal & General: Capital Markets Day

Konjunktur:
Japan: Nikkei PMI Dienste, 01:30 Uhr
EU: PMI Dienste 11/16 (endgültig), 10:00 Uhr
EU: Einzelhandelsumsatz 10/16, 11:00 Uhr
USA: EPMI Dienste 11/16 (endgültig), 15:45 Uhr
USA: ISM Dienste 11/16, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Deutsche Börse: Überprüfung der Zusammensetzung der Aktienindizes, 20:00 Uhr

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