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Marktbericht 20:02 Uhr

Dax verliert über 150 Punkte

Bärenstimmung am Aktienmarkt

Ist die Rally der vergangenen Wochen schon zu Ende? Noch ist es zu früh, um diese Frage zu beantworten. Der ebenso überraschende wie heftige Kursrückgang am Mittwoch verheißt jedenfalls nichts Gutes.

Der Dax ging am Mittwoch in die Knie und verlor zeitweise 180 Punkte. Dabei sank er auf ein Tagestief von 9.186 Punkten. Nur mit Mühe schaffte er es am Ende wieder über die Schwelle von 9.200 Zählern, doch es blieb ein Kursverlust von 1,69 Prozent bei 9.210.

Es gebe schlichtweg keine Argumente für den Kauf deutscher Aktien, eher das Gegenteil sei der Fall, urteilt Marktexperte Jens Klatt. "Die Konjunktur in der Eurozone schmiert ab und die Prognosen für das zukünftige Wachstum werden von allen Institutionen reihenweise zurückgenommen".

Tatsächlich ist das Wachstum in Deutschland zum Erliegen gekommen. Die fünf Wirtschaftsweisen sagen für das laufende Halbjahr nur eine Stagnation der deutschen Wirtschaft voraus. Für das Gesamtjahr senkten sie ihre Prognose von 1,9 auf 1,2 Prozent und erwarten für 2015 ein Plus von nur noch einem Prozent. Zwar hatten zuvor schon die Bundesregierung, der IWF und andere ihre Wachstumsprognosen käftig nach unten korrigiert.

Weitere Kursverluste?

Händler fürchten deshalb weitere Kursverluste. Bis zum Wochenschluss sei ein Rückgang im Dax bis unter 9.000 Punkte möglich, wenn die Wall Street wie heute als Stütze wegfalle, glaubt Jens Klatt. Nach der Klettertour der vergangenen Tage haben auch an der Wall Street die Kräfte für einen weiteren Anstieg gefehlt. Zwar kann von einer Verkaufsstimmung wie in Frankfurt nicht die Rede sein, doch muss auch der Leitindex Dow Jones Industrial, der sich tags zuvor mühsam auf den fünften Höchststand in Folge geschleppt hatte, am Mittwoch etwas abgeben.

Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow bei 17.599 Punkten nahezu unverändert, nachdem er zu Handelsbeginn noch auf 17.536 Zähler gesunken war. Als Belastung erweisen sich die Verluste der beiden Banken JPMorgan und Goldman Sachs.

Höhere Aktienkurse seien von den derzeitigen Rekordständen aus schwierig, sagte ein Experte. Laut Marktanalyst Jasper Lawler vom Broker CMC Markets UK suchen die Anleger auf dem Rekordniveau nach Gründen, um erst einmal Kasse zu machen.

Euro etwas schwächer

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 6 Monate
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Der Euro hat sich zunächst kaum von der Stelle bewegt. Am Abend gerät er jedoch etwas unter Druck und fällt auf 1,2415 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2467 (Dienstag: 1,2424) Dollar fest.

RWE und Eon halten die rote Laterne

Angeführt wird die Liste der Verlierer im Dax von den beiden Versorgern Eon und RWE. Eon hatte am Morgen Quartalszahlen vorgelegt und heftigen Gewinneinbruch vermeldet. Die Aktie legte zunächst zu, drehte dann aber ins Minus. Weil auch RWE am morgigen Donnerstag eine enttäuschende Bilanz vorlegen dürfte, gerät die Aktie bereits heute unter Druck.

Post nicht so gut wie erhofft

Mehr als drei Prozent bergab geht es auch mit der Aktie der Deutschen Post. Das Unternehmen hat zwar im dritten Quartal Umsatz und Ergebnis weiter gesteigert, Analysten hatten aber noch etwas mehr erwartet.

Banken zahlen Milliardenstrafe

Zu den Verlierern im Dax gehören auch die Banken, allen voran die Aktien der Commerzbank. Sie reagieren auf die Strafen gegen fünf Banken in den USA, Großbritannien und der Schweiz im Zusammenhang mit Manipulationen im Devisenhandel. Die Institute, darunter die UBS, haben sich im Rahmen eines Vergleichs zur Zahlung einer Strafe von insgesamt knapp 3,4 Milliarden Dollar verpflichtet. Ob auch auf die Deutsche Bank Strafzahlungen zukommen werden, ist derzeit noch unklar. Darauf vorbereitet hat sie sich bereits: Im dritten Quartal hat die Bank weitere 900 Millionen Euro Rückstellungen gebildet.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Air Berlin will noch mehr sparen

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hat auch im dritten Quartal weniger verdient. Während der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp drei Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zurückging, sank das operative Ergebnis (Ebit) um mehr als ein Drittel auf 75 Millionen Euro. Die neue Führung will nun ein weiteres Sparprogramm auflegen. Dadurch soll sich das Ergebnis bis 2016 um weitere 400 Millionen Euro verbessern.

Bilfinger macht Hoffnung

Im MDax sorgt der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger für etwas Hoffnung. Der Konzern hat zwar im dritten Quartal - wie erwartet - sehr schlecht abgeschnitten, doch sei in diesem Jahr der Tiefpunkt erreicht. 2015 soll es operativ wieder besser gehen, erklärte Interimschef Herbert Bodner. Die Anleger begrüßen die Aussage mit einem Kursanstieg.

Deutsche Wohnen wächst

Relativ unbeeindruckt reagieren die Anleger auf die Zahlen des ebenfalls im MDax notierten Wohnungsbaukonzerns Deutsche Wohnen. Dabei hat die zweitgrößte private Wohnimmobiliengesellschaft des Landes in den ersten neun Monaten deutlich besser als im Vorjahr abgeschnitten.

Evotec immer tiefer in den Miesen

Abwärts geht es mit dem Papier von Evotec. Das Biotech-Unternehmen ist im dritten Quartal noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Das Minus stieg im Vergleich zum Vorjahr von 0,3 auf 3,6 Millionen Euro. Grund war eine Abschreibung wegen des Diabetes-Wirkstoffs DiaPep27, dessen Entwicklung eingestellt wurde.

Bechtles Prognose begeistert

Etwas besser hält sich die Bechtle-Aktie. Das IT-Unternehmen stellt für das Gesamtjahr eine "deutliche Umsatzsteigerung" und ein "sehr deutliches Ergebniswachstum" in Aussicht. "Wir werden 2014 neue Rekordzahlen schreiben", betonte Firmenchef Thomas Olemotz. Bislang hatte das Unternehmen lediglich eine Verbesserung von Umsatz und Gewinn prognostiziert. Die Quartalszahlen hatte das TecDax schon vor kurzem vorgelegt.

Jenoptik vermisst Russland

Enttäuscht reagieren die Anleger auf die Zahlen von Jenoptik. Der Technologiekonzern hatte im dritten Quartal an den verschärften Exportbeschränkungen nach Russland zu knabbern. Umsatz und Gewinn schrumpften. Dabei belasteten auch höhere Steuern das Ergebnis. Immerhin konnte beim Auftragseingang in etwa das Niveau des Vorjahres gehalten werden.

LPKF wird noch vorsichtiger

Auch die Aktie von LPKF fällt um mehr als zwei Prozent. Der Lasertechnikspezialist aus Garbsen bei Hannover warnt schon wieder. Für das kommende Jahr rechnet das TecDax-Mitglied mit einem Umsatz von 128 bis 136 Millionen Euro. Dabei dürfte die Ebit-Marge 2015 zwischen 12 und 15 Prozent liegen.

Heideldruck warnt

Im SDax ist die Aktie von HeidelDruck der mit Abstand schwächste Wert. Der Druckmaschinenhersteller hat seine Prognose für das Geschäftsjahr 2014/15 zurückgefahren. Der Umsatz soll nun um fünf Prozent schrumpfen. Bislang hatte man eine Stagnation in Aussicht gestellt. Auch in den ersten sechs Monaten lief das Geschäft nicht berauschend. Der Verlust lag bei 42 Millionen Euro. Der Umsatz ging um neun Prozent auf 996 Millionen Euro zurück.

Compugroup hat höhere Kosten

Kursverluste muss auch die Compugroup-Aktie verbuchen. Der Softwarehersteller hat im dritten Quartal ein Umsatzplus von 13 Prozent auf 125,8 Millionen Euro geschafft. Das TecDax-Unternehmen profitierte von positiven Währungseffekten. Das Ebitda sank allerdings wegen Restrukturierungsaufwendungen und Kosten von übernommenen Unternehmen um gut acht Prozent auf 23,2 Millionen Euro.

GfK verdient weniger

Etwas besser angekommen sind die Zahlen von GfK, obwohl das Marktforschungsunternehmen ein rückläufiges Geschäft verbucht hat. In den ersten neun Monaten ging der Umsatz um 3,2 Prozent auf 1,06 Milliarden Euro zurück. Das Konzernergebnis sank um 15,3 Prozent auf 48,2 Millionen Euro.

Ströer traut sich mehr zu

Der Außenwerbespezialist Ströer hat im dritten Quartal seinen Umsatz um 18 Prozent auf 175 Millionen Euro verbessert. Das operative Ergebnis konnte um 48 Prozent auf 30 Millionen Euro in die Höhe geschraubt werden. Außerdem hebt das SDax-Mitglied seine Prognose an. Die Anleger zeigen sich dennoch unbeeindruckt.

Grammer verdient weniger

Um 2,9 Prozent abwärts geht es mit der Grammer-Aktie. Der Autozulieferer hat im dritten Quartal seinen Umsatz zwar um vier Prozent auf 324 Millionen Euro verbessert, doch ging das Ebit von 13,2 auf 12,2 Millionen Euro zurück. Grund waren Umbaukosten für die Produktion.

Telefonica profitiert von Brasilien

Der spanische Telekommunikationskonzern Telefonica hat im dritten Quartal einen Rückgang beim Betriebsergebnis vor Abschreibungen (Oibda) von neun Prozent auf 4,27 Milliarden Euro verbucht. Der Umsatz sank um mehr als sieben Prozent auf 13, Milliarden Euro. Am besten lief es noch in Brasilien. Bereits am Dienstag hatte die Tochter Telefonica Deutschland ihre Zahlen vorgelegt.

lg

Stand: 12.11.2014, 20:02 Uhr

Tagestermine am Montag, 24. November

Unternehmen:
Borussia Dortmund: Hauptversammlung
Telekom Austria: Bezugsfrist für Kapitalerhöhung endet

Konjunktur:
Deutschland:
Ifo-Geschäfsklimaindex im November, 10:00 Uhr
USA:
CFNAI-Index, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Commerzbank:
Corporate Finance Outlook 2015, 09:30 Uhr
LBBW: Kapitalmarktausblick mit Chefvolkswirt Burkert, 10:00 Uhr
Japan:
Börse wegen Feiertags geschlossen

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