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Marktbericht 20:02 Uhr

Marktbericht positiv

Dax legt 1,8 Prozent zu

Auf einmal ist die Welt wieder in Ordnung

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft werden immer schlechter und die geopolitischen Krisen dauern unvermindert an. Und was macht der Dax? Legt um mehr als 170 Punkte zu - den Notenbanken sei dank.

Bis auf 9.510 Punkte ist der Dax am Montag geklettert, 1,83 Prozent mehr als noch am Freitag. Damit reagieren die Anleger auf Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi, notfalls mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln eine Deflation im Euroraum zu bekämpfen. Dies wird an den Märkten so gedeutet, dass die EZB breitangelegte Anleihekäufe (QE) beschließen könnte.

Das ist zwar nicht neu und eine konkrete Umsetzung gibt es auch nicht. Doch allein die Aussicht auf neue Geldspritzen der Notenbank, um die darbende Wirtschaft des Euroraums vor einem neuen Absturz in die Rezession zu retten, sorgte an den Börsen für einen Kaufrausch. Einige Experten halten es sogar für möglich, dass die bereits auf der nächsten Ratssitzung Anfang September Anleihekäufe verkünden wird.

Rendite für Anleihen sinkt

Angesichts solh hoch gesteckter Erwartungen kann es nicht überraschen, dass der Dax bereits am Morgen mit Gewinnen von mehr als 100 Punkten in die Woche startet. Gewinne, die er am späten Nachmittag sogar noch kräftig ausbauen kann, so dass der Leitindex schließlich bei seinem Tageshöchststand aus dem Handel geht.

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Börse 19.00 Uhr

Gleichzeitig ist die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen auf ein neues Allzeittief von 0,932 Prozent gesunken. Auch die Renditen von Papieren Spaniens, Italiens und Portugals kamen ins Rutschen und lagen mit 2,247 Prozent, 2,467 Prozent beziehungsweise 3,013 Prozent so niedrig wie noch nie zuvor.

Kursgewinne gibt es auch an der Wall Street. Dort klettert der Dow-Jones-Index gleich zu Handelsbeginn um gut ein halbes Prozent. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow bei 17.091 Punkten, 0,53 Prozent höher als am Freitag. Der S&P-500-Index ist zum ersten Mal in seiner Geschichte über die Marke von 2.000 Punkten gestiegen. Grund für die Hausse sind auch hier die Aussichten auf anhaltend billiges Notenbankgeld. So sieht Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank, in puncto Zinswende derzeit noch keinen zeitnahen Handelsbedarf.

Marktstratege Jens Klatt mahnt allerdings zur Vorsicht. Die Aussagen Draghis seien "keine Garantie" auf tatsächliches Handeln. Und zweitens wäre ein erneutes Eingreifen der EZB auch das Eingeständnis, dass die Eurozone noch lange nicht über den Berg ist. Dazu passten auch die am Vormittag veröffentlichten Zahlen zum ifo-Geschäftsklimaindex.

Euro weiter auf Talfahrt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Kurs des Euro hat dagegen unter den Aussagen der Notenbanker gelitten und ist am Montag erstmals seit September 2013 unter die Marke von 1,32 Dollar gefallen. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Euro bei 1,3203 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3200 (Freitag: 1,3267) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7576 (0,7538) Euro.

Lufthansa wegen Streik unter Druck

Bei den Einzelwerten im Dax notiert die Lufthansa-Aktie die meiste Zeit des Tages im Minus, dreht jedoch in der Schlussauktion leicht ins Plus. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte einen Ausstand angekündigt, mit dessen Beginn "ab sofort" gerechnet werden müsse. Hintergrund der Streiks ist ein Streit über die Übergangsrente für die Piloten. Deshalb hatte es bereits im April massive Flugausfälle gegeben. "Eine unendliche Geschichte", kommentierte ein Börsianer.

BASF und Siemens vorn

Angeführt wird der Dax dagegen von BASF und Siemens. Der weltgrößte Chemiekonzern BASF will nach Informationen der "Wirtschaftswoche" bis 2020 zehn Milliarden Euro in Asien investieren. Dabei sollen vor allem Forschung und Produktionskapazitäten ausgebaut werden, wie der Asien-Vorstand des Konzerns, Martin Brudermüller, dem Blatt sagte. Von Siemens gab es keine kursrelevanten Nachrichten.

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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ThyssenKrupp will noch mehr sparen

Auch ThyssenKrupp-Titel ziehen an: Der Industriekonzern will im Einkauf 500 Millionen Euro sparen und zudem seine Konzerndienstleistungen umbauen. Das bekräftigte ThyssenKrupp-Personaldirektor Oliver Burkhard in einem Interview mit der "Rheinischen Post" an. "Wir wollen über die Bündelung des Einkaufs eine halbe Milliarde Euro herausholen", sagte der Konzernvorstand.

Airbus gut nachgefragt

Im MDax zählen die Airbus-Aktien zu den Favoriten. Händler verwiesen auf einen Bericht der "Welt", wonach der Luftfahrt - und Rüstungskonzern erwägt, sich von seinem Anteil an dem U-Boot-Ausrüster Atlas Elektronik zu trennen. Airbus hält 49 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen mit ThyssenKrupp. Laut einem Börsianer machen diese Pläne Sinn. Immerhin überprüfe Airbus seine künftige Aufstellung im Rüstungsgeschäft.

Rheinmetall: Panzer für Algerien und Ägypten?

Auch der Rüstungskonzern Rheinmetall kann überdurchschnittlich zulegen. Auslöser sind offenbar verschiedene Presseberichte über Panzer-Lieferungen nach Algerien und Ägypten. "Der Spiegel" hatte berichtet, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel habe die Ausfuhr einer Panzerfabrik nach Algerien genehmigt. Laut DZ-Bank-Analyst Markus Turnwald könnte hierdurch das Verhältnis von Auftragseinang zum Umsatz in der Rüstungssparte des Konzerns in diesem Jahr auf über eins steigen.

Fielmann gefragt

Stärkster Wert im MDax ist aber die Fielmann-Aktie. Die Optikerkette legt am Donnerstag ihre endgültigen Quartalszahlen vor. Offenbar erhoffen sich einige Anleger auch eine positive Aussage auf die Geschäftsentwicklung in der zweiten Jahreshälfte. Vergangene Woche hatte Fielmann die Aktie gesplittet.

Favoriten LPKF und Bechtle

Im TecDax gehören die Aktien von LPKF und Bechtle zu den stärksten Werten. Während LPKF nach den jüngsten Einbußen noch einiges aufzuholen hat, gehört die Aktie des IT-Unternehmens Bechtle schon seit langem zu den Lieblingen der Anleger.

Vorfreude auf Catoil

Im SDax kann Catoil kärftig punkten. Die Aktie des österreichischen Ölfeldausrüsters hat in den vergangenen Wochen eine Achterbahnfahrt hingelegt, hauptsächlich wegen der Nähe des Unternehmens zu Russland und den früheren GUS-Staaten. Catoil wird am Donnerstag dieser Woche seine Quartalszahlen vorlegen, hat aber seine Prognosen bereits bestätigt.

Süss Microtec ohne alten Boss

Außerhalb der Indizes macht der Anlagenbauer Süss Microtec von sich reden. Die Firma hat sich mit sofortiger Wirkung von seinem Chef getrennt. Frank Averdung war seit Februar 2009 Chef bei Süss, sein Vertrag wäre eigentlich noch bis Ende Januar 2017 gelaufen. Süss kämpft mit roten Zahlen und versucht mit einem Sparkurs gegenzusteuern.

Goldman wird bestraft

Goldman Sachs wird mit einer Milliardenstrafe von US-Aufsehern zur Rechenschaft gezogen. Anlass sind umstrittene Hypothekengeschäfte aus der Zeit vor der Finanzkrise. Die Investmentbank muss faule Wertpapiere für 3,15 Milliarden Dollar (2,37 Milliarden Euro) zurückkaufen, die sie den staatlichen Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac von 2005 bis 2007 angedreht hatte.

Burger King nach Kanada?

Burger King und das kanadische Kaffee- und Donut-Anbieter Tim Hortons wollen sich zur weltweit drittgrößten Schnellrestaurantkette zusammenschließen. Beide gemeinsam kämen auf mehr als 17.000 Filialen und einen Marktwert von rund 18 Milliarden Dollar. Im Zuge der Fusion soll die Konzernzentrale des McDonald's -Rivalen in das Nachbarland verlegt werden, wo Unternehmen weniger Steuern zahlen müssen als in den USA.

Milliardenzukauf bei Roche

Der Pharmakonzern Roche lässt sich eine kleine amerikanische Biotechfirma viel Geld kosten. Für 8,3 Milliarden Dollar in bar übernehmen die Schweizer die kalifornische Intermune, die das Lungenmedikament Pirfenidone entwickelt hat. Roche hofft, sich auf diesem Weg ein weiteres Standbein außerhalb seines Hauptgeschäfts mit Krebsmedikamenten wie Avastin aufbauen zu können. analysten sprechen von einem geschickten Schachzug.

Amazon greift Google an

Der Internet-Händler Amazon will laut einem Zeitungsbericht eine eigene Plattform für Online-Werbung aufbauen und damit Google Konkurrenz machen. In einem ersten Schritt sei geplant, bisher über Google vermarktete Anzeigenplätze auf den Amazon-Seiten mit Hilfe eines hauseigenen Systems zu bestücken, berichtete das "Wall Street Journal". Tests für den Dienst sollten später in diesem Jahr starten, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Greiffenberger enttäuscht

Die Greiffenberger-Gruppe erzielte im ersten Halbjahr 2014 einen Umsatzrückgang von 1,6 Prozent auf 75,7 Millionen Euro. Grund war das abgeschwächte Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal 2014 mit einer geringeren Nachfrage in Deutschland. Das Ebitda sank von 6,8 Mio. Euro auf 4,0 Millionen Euro und das Ebit von 3,5 Millionen Euro auf 0,7 Millionen Euro.

lg

Stand: 25.08.2014, 20:02 Uhr

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