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Marktbericht 11:35 Uhr
Dax fällt zeitweise unter 8.000
Anleger machen Kasse
Wann tritt die US-Notenbank auf die Bremse? Die Angst vor einem Ende der lockeren Geldpolitik treibt die Investoren aus den Aktienmärkten. Die Weltbank hat ihnen zusätzlich die Kauflaune verdorben.
Der Dax ist zeitweise mehr als 2 Prozent abgerutscht. Mit 7.968 Punkte erreichte er den tiefsten Stand seit Anfang Mai. Am Mittag notiert er 1,6 Prozent tiefer bei 8.008 Punkten. Der Euro, der zunächst stark in den Tag gestartet war, gab ebenfalls nach und notiert nur noch etwas höher bei 1,3326 US-Dollar. Weltweit geht bei den Anlegern die Sorge um, die US-Notenbank könne mit ihrer Politik der niedrigen Zinsen und der milliardenschweren Konjunkturprogramme schneller als erwartet Schluß machen.
Der Nikkei-Index in Tokio war am Morgen 6,3 Prozent eingebrochen auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Monaten. Ishaq Siddiqi, Marktanalyst bei ETX Capital in London: "Der langerwartete Ausverkauf an den Finanzmärkten ist endlich da, nach der glänzenden Entwicklung der Aktien in den ersten drei Monaten des Jahres". Aktienexperte Christoph Geyer von der Commerzbank sieht beim Dax jetzt ein "kurzfristiges Abwärtsrisiko bis 7.850 Punkte".
Weltbank senkt Prognose für globales Wachstum
Börse 11.00 Uhr (korrigierter Schnittfehler, bitte diese Version benutzen)
Wegen der Rezession in Europa und der konjunkturellen Abkühlung in den großen Schwellenländern geht die Weltbank nun davon aus, dass die Weltwirtschaft nur noch um 2,2 Prozent wächst und damit hinter dem Plus des vergangenen Jahres zurückbleibt. Im Januar hatte sie noch einen Zuwachs von 2,4 Prozent vorausgesagt. Mehr Wachstum erwartet sie wieder für 2014.
Analystenlob für Adidas
Die US-Bank JP Morgan hat die Aktie des Sportartikelherstellers hochgestuft und zum Kauf empfohlen. Zuvor hatte die Commerzbank den Dax-Titel gelobt und dabei auf den US-Konkurrenten VF verwiesen, der unter anderem die Marken Eastpack, Timberland und The North Face vertreibt. Für die Amerikaner sei der Ausbau des Einzelhandels wichtigster Wachstumstreiber und biete auch in reifen Märkten zweistellige Zuwachsraten, schrieb Analyst Andreas Riemann. Dies sei auch ein gutes Zeichen für Adidas. Denn die Franken erzielten ein Viertel ihres Umsatzes im Einzelhandel. Die Aktie gibt dennoch knapp ein Prozent nach.
ThyssenKrupp größter Dax-Verlierer
Der Grund sind neue Probleme in Brasilien. Wegen "Prozessinstabilität" sei einer von zwei Hochöfen in Brasilien vor rund einem Monat außer Betrieb genommen worden, teilte die Werksleitung in Rio de Janeiro mit. Dadurch sei die Produktion auf weniger als die Hälfte der normalen Kapazität gesunken. Das defizitäre Stahlwerk bereitet ThyssenKrupp immer wieder Probleme. Die Kosten, um die verschiedenen Mängel zu beheben, beliefen sich inzwischen auf mindestens 500 Millionen Dollar, hiess es. Jetzt scheint fraglich, ob der brasilianische Stahlkonzern CSN an seinem Angebot festhält. ThyssenKrupp will seine Standorte in Brasilien und im US-Bundesstaat Alabama nach Milliardenverlusten verkaufen.
Heidelberger Druck baut weiter ab
Nach fünf verlustreichen Geschäftsjahren in Folge verschärft Heidelberger Druck nochmals seinen Sparkurs. Statt 180 sollen jetzt mehr als 200 Millionen Euro weniger ausgegeben werden, kündigte der weltgrößte Druckmaschinenhersteller an. Vor allem durch einen weiteren Personalabbau. Die Druckmaschinenhersteller leiden unter der schwachen Auftragslage und dem Trend zum Digitaldruck. Im kommenden Jahr will Heidelberger Druck wieder dauerhaft schwarze Zahlen schreiben.
Positives Signal im US-Patentstreit für SAP
Das US-Patent- und Warenzeichenamt sieht laut einem Bloomberg-Bericht in den von Versata Software verfochtenen Rechten "keine wirkliche Erfindung". Dies könnte SAP helfen, eine hohe Strafzahlung zu vermeiden. Im Mai hatte SAP in dem bereits lange währenden Rechtsstreit mit dem US-Konkurrenten eine Schlappe hinnehmen müssen. Damals hatte ein Berufungsgericht die Deutschen zu einer Strafe von 345 Millionen US-Dollar wegen der Verletzung von Patentrechten verdonnert. Der Fall dreht sich um Software zur Preisermittlung, die SAP vertreibt.
Versorger an der Null-Linie
Entgegen des allgemeinen Trends halten sich die dividendenstarken Werte und Aktien relativ gut. Zu ihnen gehören insbesondere die Energieversorger EON und RWE, die als defensive Investments in Zeiten erhöhter Unsicherheit besonders gefragt sind.
Rhön-Klinikum führt Gewinner im MDax an
Die Aktionäre des fränkischen Klinikbetreibers haben mit einer Mehrheit für die von Großaktionär Eugen Münch befürwortete Satzungsänderung gestimmt. Künftig gilt für alle wichtigen Unternehmensentscheidungen nicht mehr eine 90-Prozent-Hürde, sondern nur noch die gesetzlich vorgeschriebene Grenze von 75 Prozent. An der Hürde war 2012 der geplante Kauf von Rhön durch den Gesundheitskonzern Fresenius gescheitert. "Jetzt sind Spekulationen auf die nächste große Übernahmeofferte Tür und Tor geöffnet", sagte ein Händler. Der MDax-Titel klettert zeitweise 10 Prozent in die Höhe. Fresenius notieren kaum verändert.
Französischer Großaktionär zieht die Zügel an
Der Chef des französischen Luxus- und Lifestyle-Konzerns Kering (früher PPR), François-Henri Pinault, will bei der Tochtergesellschaft Puma hart durchgreifen. "Wir haben interne Schwächen, die korrigiert werden müssen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Wildwuchs und die geographische Zersplitterung" sollen bekämpft werden. Der Sportartikelhersteller habe etwa viele seiner Lizenznehmer übernommen, sie aber nicht richtig integriert, erklärte er. Strukturen müssten jetzt "vereinfacht und vereinheitlicht" werden.
CTS Eventim unterliegt vor Schiedsgericht
Der Ticketvermarkter CTS Eventim hat nach einer Gerichtsentscheidung keinen Anspruch auf Schadenersatz vom weltgrößten Konzertveranstalter Live Nation. Der Internationalen Schiedsgerichtshof urteilte, dass der US-Konzern einen Kooperationsvertrag rechtmäßig gekündigt habe und wies die Schadenersatzforderungen von Eventim zurück. Die Aktien des SDax-Konzerns sind daraufhin um zeitweise 10 Prozent eingebrochen. DZ-Bank-Analyst Harald Heider bleibt bei seiner Kaufempfehlung und sieht Kursrückschläge als Einstiegsgelegenheit.
Konjunkturdaten im Blick
Die Eurozone steckt weiter in der Krise, die Wirtschaft verliert laut Weltbank in China, Brasilien, Indien und Russland an Schwung. Da hoffen viele Investoren auf die USA. Nach zuletzt hoffnungsvollen Signalen vom Arbeitsmarkt, stehen heute Daten vom Einzelhandel an. Volkswirte erwarten ein Plus von 0,4 Prozent. Außerdem kommt die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.
Stand: 13.06.2013, 11:35 Uhr