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Börsentrend 20:05 Uhr

Beschleunigte Talfahrt an den Börsen

Anleger auf dem Rückzug

Mit deutlichen Kursverlusten ist die Börsenwoche zu Ende gegangen. Die enttäuschenden Arbeitsmarktdaten aus den USA verdarben den Anlegern gründlich die Laune. Hinzu kam die Angst vor einer Zuspitzung der Korea-Krise und einer neuen Vogelgrippe-Welle in China.

Neues Quartal, neues Glück? Von wegen. Der Start ins zweite Quartal ist misslungen. In den ersten vier Handelstagen hat der Dax gut 1,8 Prozent eingebüßt. Vor allem der Freitag verhagelte die Wochenbilanz. Der deutsche Leitindex sackte um über 150 Punkte auf knapp 7.658 Zähler ab. Das ist der tiefste Stand seit Ende Februar. Auch an anderen Börsen ging es abwärts. Der EuroStoxx50 verlor 1,4 Prozent, der Dow gab bis zwei Stunden vor Handelsschluss 0,5 Prozent nach.

US-Arbeitsmarktdaten enttäuschen

Zunächst verunsicherten die zunehmenden Spannungen auf der koreanischen Halbinsel die Anleger. Händler verwiesen zudem auf charttechnische Faktoren, die am Mittag automatische Verkäufe auslösten. Am Nachmittag kam dann der nächste Schock: unerwartet schlechte Arbeitsmarktdaten aus Amerika. Statt den von Experten erwarteten 200.000 Stellen wurden im März in den USA nur 88.000 neue Jobs geschaffen außerhalb der Landwirtschaft - so wenig wie seit neun Monaten nicht mehr. Im Februar waren noch 268.000 neue Stellen entstanden. Ökonomen und Analysten sahen in den schwachen Job-Daten die Quittung für die jüngsten staatlichen Ausgabenkürzungen und Steuerhöhungen. 

Dass die Arbeitslosenquote von 7,7 auf 7,6 Prozent sank, lag nur daran, dass viele Amerikaner die Jobsuche aufgegeben haben. Dennoch konnten die Experten der Postbank den Daten noch etwas Positives abgewinnen: Eine Abkehr von der lockeren Geldpolitik sei nicht näher gerückt, meinten sie.

Korea-Krise erreicht die Börsen

Neben den USA belastete die Entwicklung in Korea die Stimmung. Medienberichten zufolge hat der kommunistische Norden zwei Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von bis 4.000 Kilometern auf mobile Abschussrampen montiert und an geheimen Orten stationiert. Zudem forderte die Führung in Pjöngjang mehrere Länder auf, über einen Abzug ihrer Diplomaten nachzudenken.

Euro und Gold steigen

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Einzige Nutznießer waren der Euro und der Goldpreis. Der Euro überschritt die Marke von 1,30 Dollar. Der Goldpreis verteuerte sich um fast ein Prozent auf 1.567 Dollar je Feinunze. Die Ölpreise fielen dagegen weiter. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent rutschte auf 104,20 Dollar. So günstig war Nordseeöl zuletzt Mitte Dezember 2012.

Eon trotzt dem Trend

Im Dax gab es nur einen Gewinner: Eon. Die Aktie profitierte vom positiven Umfeld des Versorgersektors. In einer Studie empfahl Merrill Lynch die Aktien von Iberdrola zum Kauf und beflügelte europaweit die meisten Versorger-Aktien.

HSBC stuft Münchener Rück hoch

Besser als der Gesamtmarkt schlugen sich auch die Aktien der Münchener Rück, die nur 0,2 Prozent verloren. Die Titel wurden von einem positiven Analystenkommentar angetrieben. HSBC hob die Aktien um zwei Stufen auf "Overweight". Die Investmentbank geht davon aus, dass der Rückversicherer in den kommenden drei Jahren zehn Milliarden Euro an die Aktionäre ausschütten wird.

Harte Landung für die Lufthansa

Tui
Tui: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dagegen litten Flug- und Reiseaktien unter dem Ausbruch einer neuen Form der Vogelgrippe in China. Anleger befürchten Einschränkungen im Flugverkehr und eine nachlassende Reiselust. Die Lufthansa-Aktie verlor gut fünf Prozent und war Schlusslicht im Dax. Die Kranich-Airline macht mindestens 15 Prozent seiner Erlöse in China. Zudem drohen der Lufthansa neue Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi. Auch die Titel des Reiseveranstalters Tui rutschten um knapp fünf Prozent ab - wegen der Furcht vor weniger Fernreisen.

Air Berlin: Weniger Gäste, bessere Auslastung

Im Sog der schwachen Flugwerte brach die Aktie von Air Berlin um fast acht Prozent ein und zierte das SDax-Ende. Am Morgen präsentierte die Fluggesellschaft Verkehrszahlen. Die Auslastung der Flugzeuge verbesserte sich zwar leicht auf 87,7 Prozent, die Zahl der Fluggäste sank allerdings um acht Prozent auf knapp 2,4 Millionen.

Easyjet reduziert Verlust

Besser lief es für Easyjet. Das schlechte Wetter zahlte sich für die britische Billig-Fluglinie aus: Weil mehr Menschen in den Süden flogen, konnte das Unternehmen seinen Verlust in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2012/13 nahezu halbieren. Easyjet rechnet im Halbjahr bis Ende März 2013 mit einem Fehlbetrag von 60 bis 65 Millionen Pfund vor Steuern, nachdem es im Vorjahreszeitraum noch 112 Millionen waren. Die Aktie befand sich trotzdem auf Sinkflug.

Rekord-Monat für Mercedes

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Starke Absatzzahlen konnten der Daimler-Aktie nicht helfen. Sie büßte über zwei Prozent ein. Die Schwaben verkauften im März so viele Autos wie noch nie, nämlich knapp 140.000 Pkw. Das ist ein Plus von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im ersten Quartal stieg der Absatz um 3,5 Prozent - trotz der Flaute in Europa.

Legt die Telekom doch eine Schippe drauf?

Eine Woche vor der mit Spannung erwarteten Abstimmung der MetroPCS-Aktionäre über die Fusion mit T-Mobile USA ist die Nervosität in der Zentrale der Deutschen Telekom groß. Die Bonner können sich keinen zweiten Reinfall nach dem geplatzten Verkauf ihrer US-Tochter an AT&T erlauben. Deshalb erwägt der Telekom-Konzern, notfalls sein Angebot in letzter Minute aufzubessern, damit die Eigner dem Deal zustimmen, erfuhr Reuters aus Insiderkreisen. Einige Großinvestoren und die einflussreichen Aktionärsberater ISS halten die Metro-Eigner für benachteiligt.

Gerresheimer abgestuft

Im MDax gab es nur Verlierer. Ein negativer Kommentar von Equinet belastete die Aktien von Gerresheimer. Sie büßten fast fünf Prozent ein. Equinet geht davon aus, dass das erste Quartal eher schleppend verlaufen ist. Nach dem zuletzt starken Lauf der Aktie stufte der zuständige Analyst die Titel von "Accumulate" auf "Hold" ab. Gerresheimer haben seit Anfang Februar fast 20 Prozent an Wert zugelegt.

Frankreich kämpft um Euronext

Die französische Regierung hat sich in den Poker um die europäische Mehrländer-Börse Euronext eingeschaltet. Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Insiderquellen erfuhr, drängt Paris französische Banken und Versicherungen dazu, 34 Prozent des Börsenbetreibers zu übernehmen. Damit wolle Präsident Francois Hollande verhindern, dass die Kontrolle des Konzerns ins Ausland verlagert werde. Die Nyse-Tochter Euronext soll nach dem geplanten Kauf der New Yorker Börse durch den Konkurrenten ICE abgespalten und an die Börse gebracht werden. Die Nasdaq und die Schweizer Börse Six haben Interesse an der Euronext bekundet.

Milliarden-Gewinne von Samsung

Derweil laufen die Geschäfte bei Samsung auf Hochtouren. Dank starker Smartphone-Verkäufe hat der Apple-Konkurrent im ersten Quartal sein operatives Ergebnis um rund 53 Prozent auf sechs Milliarden Euro (8,7 Billionen Won) gesteigert. Das ist nur geringfügig weniger als im vierten Quartal, dem traditionell stärksten Quartal des Konzerns. Zudem wollen die Südkoreaner nun auch mit dem größten US-Elektronikhändler Best Buy zusammenarbeiten und eigene Verkaufsflächen einrichten.

Facebook erobert die Smartphones

Nach den gestrigen Kursgewinnen gab die Facebook-Aktie am Freitag um ein Prozent nach. Das soziale Netzwerk drängt im Rennen um Werbeeinnahmen mit einer neuen Software auf die Startseite von Smartphones. Ohne ein eigenes Handy anbieten zu müssen, über das in Medien spekuliert worden war, macht das US-Unternehmen mit der am Donnerstagabend vorgestellten neuen App "Home" das Mobiltelefon quasi zum Facebook-Handy.

HP-Verwaltungsratschef tritt zurück

Nach dem überraschenden Rücktritt von Verwaltungsrat-Chef Ray Lane gaben die Aktien von HP (Hewlett-Packard) rund 1,5 Prozent nach. Der Bilanzskandal bei der Software-Schmiede Autonomy kostete Lane den Job. Investoren werfen HP vor, beim elf Milliarden Dollar schweren Kauf von Autonomy keine ordentliche Buchprüfung vorgenommen zu haben. Mutmaßliche Mauscheleien führten Ende 2012 zu einer Abschreibung von 8,8 Milliarden Dollar.

Stand: 05.04.2013, 20:05 Uhr

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Tagestermine am Donnerstag, 18. Dezember

Unternehmen:
Nike: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
Uralkali: Q3-Zahlen
KWS Saat: Hauptversammlung

Konjunktur:
D: Ifo-Geschäftsklimaindex, 12/14, 10 Uhr;
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Philly Fed, 12/14, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, 11/14, 16 Uhr;

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