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Marktbericht 20:04 Uhr

Marktbericht negativ

Trotz steigender Ölpreise

Anleger auf dem falschen Fuß erwischt

Stand: 28.01.2016, 20:04 Uhr

Wohl die wenigsten Marktteilnehmer hätten noch am Vormittag darauf gewettet, dass der Dax so schwach tendiern würde. Warum das so war, ist nicht wirklich klar. Kurz, es war einfach ein gebrauchter Tag.

Selbst ein deutlich gestiegener Ölpreis, bislang die Haupteinflussgröße an der sich die Märkte seit Jahresanfang ausrichten, hat heute den Kursen am Aktienmarkt nicht geholfen. Der Dax rauschte kräftig in den Keller, am Ende summierten sich die Verluste auf ein Minus von 2,44 Prozent auf 9.639 Punkte.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Es war ein Wechselbad der Gefühle. Wie nervös die Anleger heute waren, dokumentiert auch die hohe Handelsspanne von über 300 Punkten. Am Morgen noch sah es nicht danach aus, dass der Index so leiden und im Tagestief bis auf 9.594 Zähler fallen würde. Ganz im Gegenteil, der Dax erreichte bei 9.905 Zählern sein Tageshoch und notierte damit sogar leicht im Plus. Im Späthandel rappelte sich der Markt dann etwas auf und folgte der Tendenz der Wall Street. Der L/E-Dax schloss bei 9.669 Punkten.

Diffuse Ängste aus Amerika

Marktteilnehmer zogen später immer wieder die Kommentare von Fed-Chefin Janet Yellen als Begründung für die schlechte Stimmung heran, die am Vorabend schon die Wall Street belastet hatten. Yellen hatte nach der Sitzung des Offenmarktausschusses am Abend auf die weltwirtschaftlichen Risiken verwiesen und damit die Befürchtung einer weiteren Leitzinsanhebung auf der kommenden Sitzung am 16. März gedämpft. Gleichzeitig behielt sich die Fed alle Optionen für eine restriktivere Geldpolitik offen.

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Börse 17.00 Uhr

Aber zumindest zur Eröffnung hatte dies wohl niemanden am Markt größer beunruhigt. Zur Erklärung für den Kurseinbruch gegen Mittag wurde an der Börse dann noch die Eintrübung des Geschäftsklimas in der Eurozone im Januar bemüht. Das Barometer fiel im Januar um 1,7 auf 105,0 Punkte, wie die EU-Kommission mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang auf 106,4 Zähler gerechnet. Die etwas gestiegenen deutschen Inflationsdaten lagen im Januar im Jahresvergleich mit 0,5 Prozent hingegen im Rahmen der Erwartungen. Insgesamt eine Mischung aus eher diffusen Ängsten, ohne ein singuläres Ereignis, das negativ herausgeragt hätte.

Selbst neue Ölphantasien helfen nicht

Am Nachmittag sorgte dann der Auftritt des russischen Energieministers Alexander Nowak noch für Aufregung und eine zumindest kurzfristige Entspannung. Saudi-Arabien habe nach seinen Worten angesichts des Preisverfalls eine Drosselung der Ölproduktion vorgeschlagen. Demnach sollen die Förderländer ihren Ausstoß um jeweils bis zu fünf Prozent drücken, sagte Nowak am Donnerstag.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
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Es gebe zudem den Vorschlag, ein Treffen der Mitglieder des Ölkartells Opec und der anderen Förderländer zu organisieren. Russland sei dazu bereit. Im Ergebnis zogen die Ölpreise deutlich an, ohne dass der Aktienmarkt aber nachhaltig profitierte. Im Gegenteil, besonders am Nachmittag verstärkten sich die Verluste. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg heute zeitweise deutlich über 35 Dollar je Fass.

Euro zieht an

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Nach schwachen Daten zu den Auftragseingängen langlebiger Güter in Amerika zog zudem auch noch der Euro an. Die Gemeinschaftswährung notiert aktuell am Tageshoch bei 1,0949 Dollar. Die Auftragseingänge waren im Januar überraschend stark um 5,1 Prozent gesunken, erwartet war nur ein Minus von 0,6 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Zinserhöhung schon im März ist damit zunächst gesunken, was den Dollar schwächte.

"Die Durable Goods Orders enttäuschen im Dezember auf ganzer Linie", kommentierte Viola Julien von der Helaba. Die Expertin erwartet nun auch ein niedrigeres BIP-Wachstum. Die Zahlen für das Schlussquartal werden morgen erwartet.

US-Börsen halten sich besser

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Die Anleger in New York haben wenig Zeit, das jüngste Statement der Fed zu verarbeiten. Denn sie blicken auf eine ganze Reihe von Quartalszahlen, die zum Teil gar nicht schlecht ausgefallen sind. Der amerikanische Markt steht darüber hinaus im Zeichen des anziehenden Ölpreises und legt aktuell wieder zu. Zuvor hat der Dow-Jones-Index in einer Berg- und Talfahrt auch den Minusbereich schon getestet. Aktuell tendiert der Leitindex knapp ein halbes Prozent besser. Noch etwas besser sieht es an der Technologiebörse Nasdaq aus, die derzeit 0,7 Prozent zulegt. "Öl hat den Markt im Griff", erläutert Analystin Kim Forrest von Fort Pitt Capital.

Deutsche Bank: Schwäche im Kerngeschäft

Schwächste Einzelaktie im Dax war die Deutsche Bank, die weitere 5,44 Prozent verlor und mittlerweile nur noch 16,17 Euro kostet. Damit hat der Kurs die Niveaus der Finanzkrise von 2009 erreicht. Die Bank droht, mit einer Marktkapitalisierung von nur noch rund 23 Milliarden Euro zu einem Übernahmekandidaten zu werden.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
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Allerdings müsste ein potenzieller Käufer hart im Nehmen sein (ähnlich wie übrigens auch bei der Commerzbank, die noch billiger zu haben wäre). Denn zurzeit läuft es so schlecht wie selten beim Frankfurter Geldhaus. Das vergangene Jahr endete nach vorläufigen Zahlen mit dem höchsten Verlust in der Unternehmensgeschichte: rund 6,8 Milliarden Euro. Besonders beunruhigend: In der einst größten Gewinnquelle, dem Investmentbanking, sind Vorsteuerverluste von mehr als 1,1 Milliarden Euro angefallen – nach 323 Millionen Gewinn vor Jahresfrist. Zudem ist ein endgültiges Ende der jahrelangen Rechtsstreitigkeiten nach den Worten von Bankchef John Cryan immer noch nicht in Sicht.

RWE-Deutschland-Chef geht

Bestätigt wurde am späten Nachmittag, dass der Deutschland-Chef des Konzerns, Arndt Neuhaus, RWE bereits zum Monatsende verlassen wird. Neuhaus galt als Vertrauter der Kommunen, die rund ein Viertel der Anteile halten. Es hieß, dass er das Unternehmen deshalb verlasse, weil es in der neuen Struktur des Konzerns keinen Platz mehr gebe. Die Aufgaben von Neuhaus übernimmt Bernd Böddeling, Finanzvorstand der RWE Deutschland AG.

Der Konzern soll wegen der Folgen der Energiewende aufgeteilt werden, dabei werden die Erneuerbaren Energien und das Netzgeschäft vom klassischen Geschäft mit Kohle, Gas und Atomkraft getrennt. Die RWE-Aktie war zusammen mit Adidas einziger Dax-Wert der zulegte und gleichzeitig Tagessieger.

Neuer Asien-Vorstand bei FMC

Und noch eine Personalie eines Dax-Unternehmens gab es am späten Nachmnittag. Der bei der Fresenius-Tochter FMC bisherige Vorstand für die Region Asien, der 64-jährige Roberto Fusté gibt sein Amt ab. Nachfolger wird ab dem 1.4. der 53-jährige Harry de Wit. Der Dienstsitz bleibt weiter in Hong Kong.

Facebook-Hausse

Facebook hat im vierten Quartal seine auch in der Finanzgemeinde zahlreicher werdenden Kritiker Lügen gestraft. Der Umsatz des Konzerns von Mark Zuckerberg schoss im vergangenen Quartal um mehr als die Hälfte in die Höhe auf 5,84 Milliarden Dollar. Im hart umkämpften Weihnachtsgeschäft rissen sich die Kunden um Anzeigen auf dem weltweit größten Online-Netzwerk, dessen Nutzerzahl weiter kräftig wächst. Der Gewinn stieg um 124 Prozent auf 1,56 Milliarden. Die Aktie haussiert derzeit an der Nasdaq mit einem Aufschlag von 13,4 Prozent.

Samsung mit weniger Gewinn

Die Papiere von Samsung sind hingegen unter Druck geraten. Der härtere Wettbewerb bei Smartphones und Preisstürze bei Speicherchips haben den Gewinn des Marktführers im vierten Quartal 2015 einbrechen lassen. Der Überschuss fiel im Jahresvergleich um 40 Prozent auf umgerechnet 2,44 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 1,1 Prozent und für das erste Quartal erwartet Samsung sogar rückläufige Verkäufe.

Potash enttäuscht

auch der kanadische Düngemittelhersteller und K+S-Rivale hat wegen niedriger Preise im vierten Quartal deutlich weniger verdient. Erreicht wurden 201 Millionen Dollar, das war nur halb so viel wie vor einem Jahr. Der Umsatz sank um 29 Prozent auf 1,35 Milliarden Dollar.

Salzgitter schreibt wieder schwarze Zahlen

Deutlich zulegen kann dagegen die Aktie von Deutschlands zweitgrößtem Stahlkonzern Salzgitter. Trotz der Bedrohungen aus China hat das im MDax notierte Unternehmen erstmals seit 2011 wieder ein positives Jahresergebnis erwirtschaftet. Damit traf der Konzern seine Mitte Januar gesenkte Prognose.

Zooplus futtert sich nach vorn

Ins Minus gedreht ist dagegen die Aktie von Zooplus. Dabei hat der Internet-Tierbedarfshändler seine Ziele 2015 bei Umsatz und Gewinn übertroffen. Die Gesamtleistung, die sich aus dem Umsatz und sonstigen Erlösen zusammensetzt, legte um 30 Prozent auf 742 Millionen Euro zu und damit stärker als erwartet. Für das Jahr 2016 prognostiziert Zooplus Erlöse in Höhe von mindestens 875 Millionen Euro und eine Gesamtleistung von mindestens 900 Millionen Euro. Händler sagten, die Zahlen seien keine wirkliche Überraschung.

Wirecard kann nicht begeistern

Abgeben muss auch die die im TecDax notierte Aktie des Zahlungsabwicklers Wirecard. Das Unternehmen hat wie erwartet das operative Ergebnis um 31,4 Prozent auf 227,2 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz stieg um 28,4 Prozent auf 771,6 Millionen Euro. Weil die Zahlen in etwa den Erwartungen entsprechen, kommt es am Aktienmarkt zu Gewinnmitnahmen.

Roche: Wenn nur der starke Franken nicht wär

Der Schweizer Pharmakonzern Roche blickt dank neuer Medikamente vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Bereits im letzten Jahr hat die steigende Nachfrage nach modernen Krebstherapien dem Basler Konzern im vergangenen Jahr operativ zu einem Umsatz- und Gewinnzuwachs verholfen. Die Stärke des Franken vermieste dem Arzneimittelhersteller allerdings das Nettoergebnis. Unter dem Strich stand daher mit 9,06 Milliarden Franken (8,2 Milliarden Euro) um fünf Prozent weniger Gewinn. Die Aktie gibt ab.

Ebay kann nicht überzeugen

Das Online-Auktionshaus Ebay bekommt die scharfe Konkurrenz und die Auswirkungen des starken Dollars immer stärker zu spüren. Ohne den langjährigen Wachstumstreiber PayPal stagnierte der Umsatz im Weihnachtsgeschäft bei 2,32 Milliarden Dollar. Der Gewinn im vierten Quartal brach auf 477 Millionen Dollar ein, nach 1,02 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum.

H&M leidet unter Wetterkapriolen

Der schwedische Modekonzern Hennes & Mauritz sieht wegen des warmen Winters und des starken Dollars seine Geschäfte unter Druck. Das dürfte auf den Gewinn im laufenden ersten Quartal drücken, teilte die weltweite Nummer zwei nach der Zara-Mutter Inditex am Donnerstag mit. Schon im vierten Quartal von September bis November ging der Vorsteuergewinn um neun Prozent auf umgerechnet 772 Millionen Euro zurück.

Ford auf Gewinnkurs

Der US-Autobauer hat 2015 einen Vorsteuergewinn von 10,8 Milliarden Dollar eingefahren, so viel wie noch nie. Wegen der niedrigen Benzinpreise waren vor allem die in Amerika sehr beliebten Pick-Ups gefragt gewesen. Aber auch in Europa geht es besser, dort ist der Konzern in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Im Gesamtjahr 2015 fiel auf dem alten Kontinent ein Vorsteuergewinn von 259 Millionen Dollar an, wie der US-Autobauer am Donnerstag mitteilte.

Caterpillar nicht so schlecht wie erwartet

Die Aktie des US-Baumaschinenherstellers legt zu, obwohl das Unternehmen im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient hat. Aber die heutigen Q4-Zahlen lagen über den Erwartungen der Analysten. Ohne Sondereffekte verdiente der Konzern 0,74 Dollar je Aktie, prognsotiziert waren 0,69 Dollar.

Catertpillar ist 2015 wegen der Krisen in der Energie- und Rohstoffindustrie kräftig unter Druck geraten. Auch für 2016 wird mit rückläufigen Erlösen und Gewinne gerechnet. 2015 sackte der Umsatz auf 47 Milliarden US-Dollar ab. Dies waren 15 Prozent weniger als im Vorjahr und beinahe ein Drittel weniger als im Boomjahr 2012. Der Gewinn rutschte im Jahresvergleich um 43 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar ab. Caterpillar ist an der Wall Street eine vielbeachtete Aktie, sie gilt wegen ihrer hohen Zyklizität fast schon als globaler Konjunkturindikator.

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Tagestermine am Mittwoch, 1. Juni

Unternehmen:
Ahold: Q1-Zahlen, 6:45 Uhr
Salzgitter: Hauptversammlung, 11:00 Uhr
Audi: Q1-Zahlen
Deutsche Börse: Kapitalmarkttag und Handelsstatistik Mai

Konjunktur:
China: PMI Dienstleistungen 05/16, 03:00 Uhr China: Caixin PMI Verabeitendes Gewerbe 05/16, 03:00 Uhr EU: PMI Verarbeitendes Gewerbe (endgültig), 10:00 Uhr
USA: Markit PMI Verarbeitendes Gewerbe 05/16 (endgültig), 16:00 Uhr
USA: ISM PMI Verarbeitendes Gewerbe 05/16, 16:00 Uhr
USA: Bauinvestitionen 04/16, 16:00 Uhr
USA: Fed Beige Book, 20:00 Uhr
USA: PKW-Absatz 05/16

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