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Interview

Nordische Aktien im Gespräch

"Für Euro-Anleger interessant"

Alle nordischen Aktienmärkte weisen in diesem Jahr Zuwächse auf, gleichzeitig haben die Währungen zum Euro aufgewertet. Trotzdem ist die Entwicklung höchst unterschiedlich. boerse.ARD.de hat nachgehakt beim Aktienexperten Erik Friman von der schwedischen SEB Bank.

boerse.ARD.de: Herr Friman, die nordischen Aktienmärkte haben sich unterschiedlich entwickelt. Während Dänemark bisher über 27 Prozent zugelegt hat, liegt Finnland nur gut sieben Prozent im Plus. Was steckt dahinter?

Erik Friman:
Die außergewöhnlich gute Performance in Dänemark erklärt sich fast ausschließlich mit dem Ansturm auf die Novo-Nordisk-Aktie. Das Papier des auf Insulinprodukte spezialisierten Pharmaunternehmens ist zu über 40 Prozent im Index gewichtet und ist etwa in der gleichen Größenordnung gestiegen. Für uns übrigens ein absoluter Favorit. Hinzu kommt, dass einige defensive Werte im Index enthalten sind, die ebenfalls gesucht waren, beispielsweise aus dem Lebensmittelsektor.

Der finnische Index hat umgekehrt unter dem Abstieg der Nokia-Aktie gelitten. Zudem sind zyklische Aktien aus dem Maschinenbau und der Holz- und Papierverarbeitung enthalten.

boerse.ARD.de: In Schweden und Norwegen gibt es diese Sonderbewegungen nicht?

Friman:
Nein, der norwegische Markt profitiert einfach vom Ölboom, gerade vor kurzem hat Norwegen wieder neue große Vorkommen entdeckt. Der schwedische Markt, übrigens auch der finnische, ist von der Struktur her dem deutschen Markt ähnlich, es gibt also viele exportlastige Unternehmen, beispielsweise Maschinenbauer.

Für Euro-Anleger ist der schwedische Markt interessant, vor allem wenn sie auf der Suche nach dividendenstarken Titeln sind. Hier haben wir besonders aus Deutschland Interesse gesehen in diesem Jahr.

boerse.ARD.de: Für deutsche Anleger war das Umfeld also lohnenswert, trotzdem hat der Dax sich besser entwickelt. Warum also nicht gleich das Original kaufen?

Friman: Die nordischen Märkte  zeichnen sich einfach durch eine hohe politische Stabilität aus. Auch die Banken sind stabil, sie erfüllen die Basel-III-Anforderungen ohne Probleme. Insgesamt sind die Region und ihre Märkte nicht so stark in den Strudel der Eurokrise gerutscht. Das schätzen die Anleger, gerade aus Deutschland.

boerse.ARD.de: Wie ist Ihre Projektion für die Zukunft?

Friman: Unsere Modelle signalisieren zunächst eine Fortsetzung der positiven Tendenz. Bis zum Ende des ersten Quartals sehen wir ein Kurspotenzial von gut zehn Prozent.

Hinzu kommt, dass die Bewertungen immer noch nicht hoch sind. In Schweden liegt das Preis-Buch-Verhältnis im Schnitt bei 1,5, historisch ist eine Bandbreite zwischen 1,5 und 2,5 üblich. Auch die Dividendenrendite liegt mit durchschnittlich 4,2 Prozent auf hohem Niveau, der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre liegt bei 3,4 Prozent, der MSCI-World bietet 2,5 Prozent.

boerse.ARD.de: Wie sieht es steuerlich für den deutschen Anleger aus?

Friman: Es werden in der Regel 15 Prozent Quellensteuer abgezogen. Es gibt  für alle nordischen Länder Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland, so dass diese bei der Steuererklärung angerechnet werden können.

Das Gespräch führte Robert Minde.

Stand: 04.12.2012, 16:19 Uhr