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25.03.2010 11:47
Die Zinsfalle schnappt zu
Es klingt, als würden schlimmste Science-Fiction-Szenarien Realität. Nicht nur in Griechenland droht der Staatsbankrott. Auch die USA dürften in 30 Jahren quasi pleite sein. Großbritannien ist noch viel schlimmer dran. In Deutschland sieht es auch böse aus. Wer solche Geschichten erzählt? Die Statistik.
Bild zum Artikel vergrößernObamas neuer Zehnjahresplan: Das Defizit wird größer als gedacht. 

Um der Finanzkrise und Wirtschaftsflaute Herr zu werden, haben Notenbanken und Regierungen massig Geld in die Hand genommen. Dafür mussten sie sich enorm verschulden. Die Schuldenlast ist jetzt schon so groß, dass es kein Zurück mehr gibt: Die Staaten werden daran zerbrechen. Eberhardt Unger vom Analysehaus Fairesearch sieht schwarz, wenn er die neuen Prognosen für das amerikanische Budgetdefizit verfolgt.

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Wie die unabhängige Haushaltsbehörde Congressional Budget Office (CBO) errechnete, werden die neuen jetzt von Präsident Barack Obama vorgelegten Ausgabenprogramme und Steuererleichterungen das Defizit massiv ausweiten. Demnach dürften die auflaufenden Staatsschulden während der nächsten zehn Jahre noch einmal 9,8 Billionen Dollar über dem bisher geschätzten Defizit liegen.

Dr. Eberhardt Unger, Fairesearch-Analyst (Quelle: Unternehmen) Eberhardt Unger, Analysehaus Fairesearch 

Warum schaut alle Welt nur nach Griechenland?
Derzeit richten sich die Augen der Weltöffentlichkeit lieber nach Griechenland. Unter großem Bohei werden die Griechen aufgefordert, ihren Staatshaushalt in Ordnung zu bringen. Doch in dem ganzen Aufruhr geht unter, dass die USA viel schlimmer da stehen. Das Defizit in den USA im Monat Februar lag bei 220 Milliarden Dollar. Das war das höchste Monatsdefizit in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

Das ganze Ausmaß der Dramatik wird deutlich, wenn man die Zinslast betrachtet, die da auf die USA zukommt und die Jahr für Jahr schwerer wird. 2010 dürften die Zinsen etwa 1,4 Prozent der Wirtschaftsleistung auffressen. Schon im Jahr 2020 dürfte laut CBO-Berechnungen der Anteil der Zinsen 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) ausmachen, erläutert Unger. Bis 2040 dürften die Sollzinsen dann so weit gestiegen sein, dass sie 25 Prozent des BIP verschlingen, wie Berechnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ergaben.

Großbritannien steht ganz schlimm da
Zur besseren Einordnung: Derzeit werden als Messlatte für eine stabilitätsorientierte Budgetpolitik in Europa nicht etwa die Sollzinsen herangezogen, sondern das Haushaltsdefizit in Prozent des BIP. Als Obergrenze hat Maastricht für die Euroländer eine jährliche Neuverschuldung von maximal 3 Prozent des BIP festgelegt. Mit 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts lag die Neuverschuldung Griechenlands 2009 viermal so hoch wie die erlaubten 3 Prozent.

Doch hier ist nur von den Zinsen für die Staatsschulden die Rede, die bereits heute die Handlungsfähigkeit der Staaten massiv einschränken. Die Zinslast dürfte in Griechenland übrigens in 30 Jahren genauso hoch sein wie in den USA. Laut den BIZ-Berechnungen werden die Zinsen 25 Prozent des BIP vertilgen. Deutschland steht auch nicht wirklich besser da: 2040 wird die Schuldenlast 15 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung verbrauchen. Und in Großbritannien werden sogar 30 Prozent des BIP für Zinsen draufgehen.

"Soziale Unruhen so gut wie sicher"
Die Realität könnte noch schlimmer aussehen, da in Schätzungen nicht berücksichtigt ist, dass die Budgets durch die rückläufige Bevölkerung und Überalterung zusätzlich belastet werden. Laut Unger sind soziale Unruhen so gut wie sicher. "Die USA tragen ebenso wie viele andere Industrienationen in ihrer absurd hohen Staatsverschuldung den Keim zum Untergang ihrer Gesellschaftsordnung", so sein beängstigendes Fazit.  Es gibt auch Auswege aus der Schuldenkrise...

bs
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