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10.03.2010 15:25
Sind private Zocker nur Kanonenfutter?
von Mark Ehren
Privatanlegern wird nachgesagt, professionellen Anlegern tendenziell unterlegen zu sein. Manche sehen sie gar als "Kanonenfutter", die den Profis ihre Gewinne finanzieren. Ein neuer Index der Stuttgarter Börse könnte diese These untermauern.
Quelle: dpa vergrößern 

Die Schwaben haben es sich in der Nische bequem gemacht. Trotz der übermächtigen Konkurrenz aus Frankfurt hat die Stuttgarter Börse immerhin noch einen Marktanteil von 34 Prozent am Parketthandel in Deutschland. Grund ist das Handelssegment Euwax, einer Handelsplattform für Privatanleger, auf der Optionsscheine und Zertifikate aller Art gehandelt werden. Bei einem Teilbereich, den Hebelprodukten, sieht sich die Euwax als größten Markt für Hebelprodukte in Europa. Dazu zählt man Optionsscheine und Knock-Out-Produkte, auch Hebel-Zertifikate genannt. Mit solchen Wertpapieren kann sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse gesetzt werden.

Durch ihre Marktposition verfügen die Stuttgarter über die nötige Menge an Daten, die Stimmung der Anleger zu ermitteln. Seit rund einem Jahr berechnen sie das so genannte Euwax Sentiment, mit dem die Stimmung von spekulativ orientierten Privatanlegern gemessen wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Sentiment-Indizes (s. a. Click-Tool "Die wichtigsten Stimmungsindikatoren") geschieht das nicht durch die Befragung von Marktteilnehmern, sondern durch die Auswertung von Transaktionen an der Euwax.

Dax-Transaktionen entscheidend
Doch nicht der komplette Handel an der Euwax wird in die Berechnung mit einbezogen. In das Euwax Sentiment fließen ausschließlich unmittelbar ausgeführte Transaktionen von Optionsscheinen und Knock-Outs ein, die den Dax als Basiswert haben. Der Indikator kann dabei maximal auf plus 100 steigen und minimal auf minus 100 fallen. Das Euwax Sentiment wird bisher für die Zeiträume ein Monat, drei Monate oder zwölf Monate täglich nach Handelsschluss ermittelt.

Der zuletzt genannte Zeitraum dürfte der wohl interessanteste sein. Hier bezieht man sich auf die Orders der vergangenen 20 Handelstage, um den Verlauf des Index etwas zu glätten.

Bild zum Artikel vergrößernPrivatanleger nicht mit dem besten Händchen 

Ein guter Kontraindikator?
Betrachtet man den Zeitraum seit März 2009, fällt die überwiegend skeptische Positionierung der Privatanleger an der Euwax auf, die sich bis weit in den Oktober hielt. In diesem Zeitraum setzten die Investoren tendenziell auf Kursverluste des Dax'. Tatsächlich stieg der deutsche Leitindex in diesem Zeitraum aber von rund 4.000 bis knapp unter 5.900 Punkte – ein Anstieg um mehr als 45 Prozent.

Von Mitte Oktober bis zum Februar überwog dann der Optimismus bei den privaten Markteilnehmern an der Euwax. Zwar konnte der Dax in der Spitze weitere knapp vier Prozent hinzugewinnen, doch die Geschwindigkeit des Anstiegs nahm, verglichen mit den Monaten zuvor, rapide ab - ein Seitwärtstrend auf hohem Niveau also.

Euwax Sentiment mit kurzer Historie
Somit erscheint die anfangs aufgestellte kritische These über den Erfolg von spekulativ eingestellten Privatanlegern zumindest durch den Verlauf des Euwax-Sentiments untermauert zu werden. Doch Vorsicht! Wer nun glaubt, damit die künftige Börsenentwicklung vorhersagen zu können, wird möglicherweise schnell enttäuscht. Denn erstens ist die bisherige Historie des Euwax-Sentiments noch äußerst kurz. Außerdem sollte man erfahrungsgemäß Anlageentscheidungen nicht allein aufgrund einer Information treffen.

Interessant ist indessen auch die jüngste Entwicklung. Seit Ende Februar hat der Pessimismus laut dem Euwax Sentiment wieder massiv zugenommen und annähernd die Maximalwerte aus dem vergangenen Jahr erreicht. Der Dax könnte also nach den bisherigen Erfahrungen kurzfristig recht gut nach unten abgesichert sein.

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