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10.03.2010 00:00
Im März 2000 platzte die Dotcom-Blase
von Mark Ehren
Es war am 10. März 2000. Das Fieber an den Börsen stieg schon seit Wochen und Monaten. Dax, Nemax und Nasdaq kletterten von Rekord zu Rekord. Drei Tage vor dem Börsengang von Infineon hätte wohl niemand geglaubt, dass es nun für lange Zeit an den Börsen nur noch abwärts gehen sollte - boerse.ARD.de blickt zurück.
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An diesem besagten Freitag erreichte der Nemax 50, der die Kursentwicklung der "Blue-Chips" unter den so genannten Wachstumswerten abbildete, sein absolutes Allzeithoch bei 9.666 Punkten. Damit hatte sich der Index in nur gut zwei Jahren mehr als verzehnfacht – eine Kursentwicklung, für die Aktienindizes normalerweise selbst in wirtschaftlich guten Zeiten mehrere Jahrzehnte benötigen.

Die 229 Firmen des breit gefassten Nemax All Share waren damals auf dem Papier 234 Milliarden Euro "wert", obwohl die meisten keine schwarzen Zahlen schrieben und die Gewinnschwelle auch niemals erreichten sollten.

"Gekauft wird, was da ist"
Doch damals wollten Anleger von Zweifeln nichts wissen, zu sehr hatte sich der Eindruck verfestigt, man habe das Perpetuum Mobile der Geldvermehrung gefunden. Die Firmen wurden einfach der ominösen "New Economy" zugeschlagen, also Branchen, deren Geschäft vermeintlich anderen Gesetzen folgte als bisher. Oder, wie es ein damaliger Börsenhändler ganz einfach ausdrückte: "Gekauft wird, was da ist."

Aber auch bei den eigentlich soliden Standardwerten grassierte das Spekulationsfieber. Der Dax erreichte in jener Woche seinen damaligen historischen Höchststand mit 8.136 Punkten – ein Niveau, das im Jahr 2007 nur um wenige Pünktchen übertroffen werden sollte.

Doch nicht nur in Deutschland hatte die Gier längst über den Verstand gesiegt. Auch in den USA hatte sich eine selten gesehene Börsen-Blase gebildet. So erreichte der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq mit knapp über 5.000 Punkten ein später nicht mehr erreichtes Niveau.

Schritt für Schritt nach unten
Die nach dem 10. März einsetzende Abwärtsbewegung war zu Beginn allerdings vergleichsweise unspektakulär. Von einem klassischen Crash a la 1929 oder 1987 kann man rückblickend nicht sprechen. Vielmehr bröckelten die Kurse nach und nach ab. Schnell war von einem "Salami-Crash" die Rede.

Nach Infineon war der Ofen aus
So ist es wohl auch kein Wunder, dass die Stimmung am 13. März per Saldo immer noch hervorragend war, als die ehemalige Siemens-Tochter Infineon, die damals das noch nicht allzu rutschige Börsenparkett betrat. Infineon-Aktien im Wert von 6,1 Milliarden Euro waren damals im Angebot, Investoren hatten dagegen Papiere im Wert von mehr als 200 Milliarden Euro bestellt. Die Glücklichen, die eine Zuteilung zu 35 Euro erhielten und – besonders wichtig – rechtzeitig auf die Verkaufstaste drückten, konnten sich immerhin über eine Verdopplung ihres Einsatzes freuen.

Dass die Börsen-Welt trotz der Gewinne für Infineon-Erstzeichner nicht mehr ganz ungetrübt war, zeigt ein Vergleich mit den so genannten Graumarktkursen. Im vorbörslichen Handel waren für eine Infineon-Aktie sogar mehr als 100 Euro bezahlt worden.

Verluste für die Geschichtsbücher
Später konnte auch Infineon den hohen Vorschusslorbeeren nicht gerecht werden und wurde mit in den allgemeinen Abwärtsstrudel gerissen. Während die Nasdaq in der Spitze "nur" fast 80 Prozent einbüßte, organisierten die Anleger am deutschen Aktienmarkt den Absturz besonders "gründlich". Bis Oktober 2002 kollabierte der Nemax 50 förmlich bis auf 318 Punkte oder um fast 97 Prozent. Am Neuen Markt hatten sich insgesamt mehr als 200 Milliarden Euro in Luft aufgelöst.

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