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Analyse & Strategie: Anlagestrategie


28.11.2009 18:48
Vermögensverwalter warnen vor "Anlagenotstand"
von Notker Blechner
Zahlreiche Aktienstrategen rechnen für 2010 mit weiteren (leichten) Kurssteigerungen. Deutlich pessimistischer sind die Vermögensverwalter. Sie prophezeien Rückschläge und warnen vor den Folgen der gigantischen Staatsverschuldung.
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Beim Vermögensverwalter Flossbach & von Storch sieht man die jüngste Dax-Rally mit Bauchschmerzen. Bert Flossbach, Chef der Firma, spricht von einem "Anlagenotstand". Da es derzeit für sichere Anlagen kaum Zinsen gebe, seien die Anleger gezwungen, ein Großteil ihres Gelds in Aktien zu stecken. Viele würden das Glas halbvoll sehen und Risiken ausblenden. Für Philipp Vorndran, Marktstratege von Flossbach & von Storch, handelt es sich um eine "Hoffnungs-Rally", die sich längst von der Realität abgekoppelt habe.

Kaum Alternativen wegen Niedrig-Zinsen
Am "Anlage-Notstand" dürfte sich seiner Ansicht nach auch 2010 nichts ändern. "Die Anleger suchen weiter händeringend nach Investment-Alternativen, weil die Zinsen niedrig bleiben werden", erklärt er im Interview mit boerse.ARD.de. Im Gegensatz zu einigen Volkswirten rechnet er im kommenden Jahr mit keiner Zinswende - weder in den USA noch im Euro-Raum. "Die Staaten werden die Zinsen niedrig halten, damit die Finanzierungskosten für die ausgegebenen Anleihen nicht steigen", sagte er.

Somit dürfte mit Staatsanleihen 2010 wenig zu holen sein. Zumal fast keine Woche vergeht, ohne dass über neue Staatspleiten spekuliert wird. Nach Island, Ungarn, Lettland, Ukraine werden inzwischen Griechenland und Dubai als Kandidaten genannt. Ein Staatsbankrott sei keine Frage des Ob mehr, sondern nur noch eine Frage des Wann, meint Vorndran gegenüber boerse.ARD.de. "Wir werden Volkswirtschaften sehen, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Staatsschulden zu bedienen."

Auch andere Vermögensverwalter sehen die wachsende Staatsverschuldung und die Billionen-Gelder, die in den Markt gepumpt wurden, mit Sorge. Sie warnen vor einer bald wieder anziehenden Inflation. In den USA sind einige Anleger bereits darauf vorbereitet. Die drei großen US-Vermögensverwalter Blackrock, Pacific Investment und Vanguard Group verwiesen vor kurzem auf hohe Kapitalzuflüsse in inflationsgebundene Anleihen.

Lieber gute Firmenanleihen als Staatsanleihen
Vermögensverwalter wie Jens Erhardt oder Flossbach & von Storch favorisieren hochwertige Unternehmensanleihen gegenüber schlecht verzinsten Staatsanleihen, auch wenn sich die Spreads inzwischen etwas reduziert hätten. Stratege Vorndran schwärmt für erstklassige Firmenanleihen, die in den letzten 100 Jahren schon viele Staaten haben kommen und gehen sehen.

Luft für Aktien wird dünner
An der Börse rechnen viele Vermögensverwalter vorerst nicht mehr mit großen Sprüngen nach oben. Vorndran von Flossbach & Storch prophezeit für 2010 eine Seitwärtsbewegung an den Aktienmärkten. Die Hamburger Vermögensverwalter Mack & Weise sind noch skeptischer. Sie glauben nicht an eine V-förmige Wirtschaftserholung und halten die kursierenden Gewinnschätzungen bei Unternehmen für illusionär. Auslaufende Konjunkturprogramme, steigende Arbeitslosigkeit und der Schuldenabbau der Konsumenten dürften den Firmen zusetzen. Deshalb werden die Börsen 2010 alte oder gar neue Tiefstände testen, glauben sie.

Bei einigen Aktien sehen aber Vermögensverwalter wie Vorndran noch Potenzial. Dividendenstarke Titel wie Nestlé oder Eon sieht er als Favoriten für das Jahr 2010.

(Physisches) Gold gehört ins Depot
Um für die holprige Zukunft gewappnet zu sein, empfehlen die Vermögensverwalter den Anlegern eine breite Diversifikation. Dazu gehören auch Rohstoffe und Edelmetalle. Als Krisenwährung und Inflationsschutz rät Vorndran zu Gold. Rund zehn Prozent des Geldes würde er als physisches Gold aufbewahren, erklärte er gegenüber boerse.ARD.de. Zudem investiert er (privat) in Silbermünzen.

Vermögensverwalter erleben Comeback
Die Vermögensverwalter wie Flossbach & von Storch, Keppler/ Lingohr oder auch die französische Carmignac Investissement haben sich mit ihren Spezialfonds in den letzten ein bis eineinhalb Jahren relativ gut gegen die Krise behauptet. Bei den internationalen Aktienfonds erzielten sie Renditen von bis zu 40 Prozent und schlugen den MSCI World Index um Längen. Sie sicherten die Depots mit hohen Anleihe- oder Cash-Anteilen ab. Der neue Star am Fondshimmel, Edouard Carmignac, setzte in den vergangenen drei Jahren auf eine hohe Liquiditätsquote, Derivaten zur Absicherung und defensiven Werten. Flossbach & von Storch nennt als ein Erfolgsrezept für die gute Performance, dass man schon 2007 aus dem Finanzsektor ausgestiegen sei.

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