Es wäre ein grundlegender Wandel der Finanzarchitektur des mittleren Ostens und alleine die Gerüchte bringen den US-Dollar mächtig unter Druck. Wie die Tageszeitung "The Independent" berichtet, haben die arabischen Golfstaaten geheime Gespräche mit China, Russland, Japan und Brasilien geführt. Die US-Währung solle im Ölhandel als Zahlungsmittel durch einen Währungs- und Rohstoffkorb ersetzt werden. Der solle unter anderem aus japanischem Yen, chinesischem Yuan, Euro und Gold bestehen. Dazugehören solle auch die geplante neue Gemeinschaftswährung für Saudi Arabien, Abu Dhabi, Kuwait und Katar.
Dollar verliert an Attraktivität
Die Pläne könnten den Anstieg des Goldpreises erklären, schreibt der "Indpendent" und beruft sich auf Quellen aus der Bankbranche in Hongkong. Angesichts des enormen US-Haushaltsdefizits verliere der Dollar immer mehr an Attraktivität für die Erdöl exportierenden Staaten.
Saudi-Arabien hat den Bericht inzwischen als falsch zurückgewiesen. "Diese Nachricht hat überhaupt keinen Wahrheitsgehalt", sagte der Zentralbankchef Saudi-Arabiens Muhammad al-Jasser. Aus dem russischen Finanzministerium hieß es, derartige Gespräche habe es nicht gegeben. Während der Ära von US-Präsident George W. Bush hatten die arabischen Golfstaaten mehrfach versichert, dass sie am Dollar als Leitwährung für den Ölhandel festhalten wollten. Der Iran war mehrfach mit dem Versuch gescheitert, die Mitgliedstaaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) dafür zu gewinnen, vom Dollar auf den Euro umzusteigen.
Goldpreis auf Rekordhoch
Dennoch erscheinen Verschiebungen in der globalen Wirtschaftsarchitektur in der Krise möglicher denn je. Auf der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Istanbul hatte gestern Weltbank-Präsident Robert Zoellick diese Entwicklung angedeutet: "Das internationale System braucht eine Weltbank, die die wirtschaftliche Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts widerspiegelt", sagte der frühere US-Vizeaußenminister. Die Weltbank will bis zum nächsten Frühjahr die Stimmrechtsanteile für Entwicklungs- und Schwellenländer um mindestens drei Prozentpunkte auf 47 Prozent anheben. Auch der IWF strebt eine Erhöhung der Stimmrechte für diese Länder von mindestens fünf Punkten an.
Nach den Gerüchten kletterte der Goldpreis auf ein neues Rekordhoch. Eine Feinunze kostete am Nachmittag rund 1.032 US-Dollar. Damit übertraf der Preis sein bisheriges Allzeithoch von Mitte März 2008. Damals hatte die Feinunze 1.030 Dollar gekostet. Auch der Euro von den Gerüchten und notierte um 1,4749 Dollar, nachdem er im späten US-Vortagesgeschäft noch um 1,4655 Dollar gehandelt worden war.
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