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19.05.2009 08:32
Anleger werden in der Krise schlechter informiert
von Notker Blechner
In Krisenzeiten sind vor allem die Investor-Relations-Abteilungen der Firmen gefordert: Sie müssen schlechte Zahlen erklären und Vertrauen zu den Anlegern herstellen. Doch tatsächlich wird die IR vernachlässigt. Das belegt eine Studie.
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Bis Dienstag trifft sich die IR-Branche zum Jahreskongress des Deutschen Investor Relations Kreis (DIRK) in Frankfurt. In zahlreichen Workshops wird viel diskutiert – über ARUG, Trust Improvement, Erwartungsmanagement, Fire.sys, XBRL und den IRO (Investor Relations Officer) der Zukunft. Höhepunkt des Treffens ist die alljährliche Verleihung des Deutschen Investor-Relations-Preises im Rahmen eines Gala-Dinners. Die besten IR-Abteilungen des Dax (Fresenius Medical Care), MDax (Deutsche Euroshop), SDax (Takkt) und TecDax (Software AG) werden geehrt und dürfen in die Kameras lächeln. Danach ist Partystimmung angesagt.

Keine Erklärungen zu schlechten Zahlen
Die Krise taucht nur vereinzelt im Programm auf – zum Beispiel beim Thema "Umgang mit Prognosen in unruhigen Zeiten" oder "Überraschungen vorbeugen mit aktiver IR". Kein Wunder, denn die Krise wird in der täglichen IR-Arbeit ausgeblendet. Das zumindest geht aus einer Studie der Kommunikationsagentur Netfederation hervor. Geschäftsführer Thorsten Greiten, Autor der Studie, vergleicht die IR-Manager mit den drei Affen: Sie hören nichts, sehen nichts und sagen nichts - zur Krise.

Nur die wenigsten Unternehmen wie die Allianz würden die Krise auf ihrer Website thematisieren, bemängelt er. Investoren würden vergeblich nach Erklärungen für negative Zahlen und sinkende Aktienkurse suchen. Statt aufzuklären reagierten viele Unternehmen nur noch auf negative Medienberichte und verschanzten sich hinter dem Tagesgeschäft, meint Greiten. "Die meisten Firmen haben sich darauf zurückgezogen, nur ihre Pflicht zu erfüllen."

Fehlende Ausblicke
Angesichts der unsicheren Zukunft hätten die meisten Unternehmen ihre Ausblicke zurückgezogen. Von den IR-Internetseiten sei der Navigationspunkt "Ausblick" völlig verschwunden, hat er beobachtet. "Bei vielen Dax-Konzernen findet man inzwischen kaum noch Angaben zu den nächsten zwei bis fünf Jahren. Essentielle Fragen der Investoren wie zur künftigen Entwicklung der Dividende werden ausgeblendet."

Viele IR-Abteilungen seien hoffnungslos überfordert und müssten sich mit regulatorischen Fragen auseinandersetzen, anstatt dem eigentlichen Geschäft nachgehen zu können: der Kontaktpflege mit den Investoren. Für strategische Weichenstellungen sei da offenbar keine Zeit mehr. Die Folge: Vorstand und IR-Abteilungen vernachlässigen die Story des Unternehmens, kritisiert Greiten.

Kommunikation lässt sich nicht kontrollieren
Als in den letzten Jahren die Kurse nach oben schnellten, hinterfragte kaum jemand die Funktionsfähigkeit der Investor-Relations-Abteilungen. Jetzt aber legt die Finanzkrise die Schwächen der Informationspolitik der Firmen offen. Greiten: "Einige Firmen halten immer noch an Einbahnstraßen-Information fest" und glaubten, die Kommunikation kontrollieren zu können. Das sei ein Trugschluss. Im Internet gehe es darum, nicht zu kontrollieren, sondern mitzukommunizieren.

Schere zwischen Dax- und TecDax-Firmen
Freilich: Nicht alle Unternehmen vernachlässigen die IR in der Krise. Ein paar Dax-Unternehmen wie BASF, Deutsche Post und Bayer würden vorbildliche IR machen und Jahr für Jahr ihre Kommunikation noch verbessern, meint Greiten. Die Kluft zwischen IR-Musterschülern und –Bremsern sei größer geworden. So hat Netfederation im MDax und TecDax einfalls- und navigationslose IR-Seiten gefunden, die die Anlegerbedürfnisse ignorierten. Die schlechtesten Noten bekommt der Autozulieferer ElringKlinger. Die Seiten seien ohne Konzept, technisch ungenügend und arm an verwertbaren Informationen, lautet das vernichtende Urteil.

Netfederation nimmt jährlich die Investor-Relations-Seiten der 110 Dax-, MDax- und TecDax-Firmen unter die Lupe und bewertet sie. Die Agentur erstellt ein Ranking.

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