Das Ranking der in Deutschland erhältlichen Geldmarktfonds sieht im Mai 2009 aus wie die Rangliste einer Auswahl von Aktienfonds. Auf der einen Seite haben es Fonds binnen eines Jahres zweistellig ins Plus geschafft, weil sie auf die Wertentwicklung bestimmter Währungen spekuliert haben wie der db-x-Tracker currency valuation (WKN DBX1AW) aus dem Hause Deutsche Bank.
Langweiler mit kleiner Rendite
Dazwischen gibt es eine Reihe von Fonds mit eher langweiliger Performance und monotonem Kurschart zwischen null und zwei Prozent Wertentwicklung wie den HSBC Trinkaus Euro Geldmarktfonds (WKN 975668), der brav auf Geldmarktinstrumente mit Zinsbindung setzt.
Am anderen Ende der Skala stehen Geldmarktfonds mit 30, 40 oder gar 50 und mehr Prozent auf Jahressicht im Minus. Produkte, die vielen Privatanlegern, aber auch professionellen Investoren als sicherer Aufbewahrungsort für flüssige Mittel dienen sollten, haben schwere Schlagseite bekommen.
Mittelabfluss fast 100 Prozent
Den Vogel schießt dabei der CB World ABS Plus (WKN A0MMXA) von Cominvest ab, der im vergangenen Jahr sage und schreibe 73 Prozent an Wert verloren hat. Mit einem aktuellen Mittelbestand von rund fünf Millionen Euro ist der Fonds praktisch nicht mehr existent. Im letzen Halbjahresbericht wird vor allem auf den "illiquiden ABS-Markt" als Grund für den drastischen Verfall bei den Kursen der Wertpapiere im Portfolio verwiesen.
Nicht ganz so dramatisch hat der OP Cash Euro Plus (WKN A0B9FT) von Oppenheim Fonds verloren, der seit Mai vergangenen Jahres 55,5 Prozent an Wert verloren hat. siehe dazu unsere Übersicht:
Die schlechtesten Geldmarktfonds
ABS – eine Anlageklasse gerät in Verruf
Das "Plus" im Namen des Produkts kann derzeit leicht als Erkennungsmerkmal für "besondere" Geldmarktfonds dienen. Bei vielen dieser so gelabelten Produkte waren neben klassischen Termingeldern und kurzlaufenden Schuldverschreibungen auch viele ABS (Asset Backed Securites) mit im Portfolio. Bei ABS handelt es sich um Wertpapiere, die Zahlungsansprüche gegen Zweckgesellschaften verbriefen. Diese Ansprüche werden durch Forderungen gedeckt (asset backed). Die ganze Anlageklasse geriet in der Finanzkrise in Verruf, weil oft nicht transparent war, welche Art von Forderungen in den Papieren gebündelt war. Die zumeist hohen Bonitätsnoten erschienen im Licht der US-Hypothekenkrise oft nicht gerechtfertigt.
"Viele haben rechtzeitig verkauft"
Auch Pioneer Investments hat mit dem Euro Geldmarkt Plus (einem ehemaligen Activest-Fonds, WKN 975247) ein Produkt im Markt, das dramatische Verluste eingefahren hat. Für Pioneer-Sprecher Michael Finkbeiner liegt die Erklärung für die Kursverluste der vergangenen Monate auf der Hand: "Unser Fonds war zu großen Teilen in ABS-Papieren engagiert. Und im Zuge der Finanzkrise sind die Kurse der ABS-Papiere stark gefallen." Der Fonds hatte laut Finkbeiner große Abflüsse zu verzeichnen und ist auf ein Volumen von knapp 130 Millionen Euro zusammen geschrumpft. "Viele der Anleger haben ihre Fondsanteile aber verkauft, als die Finanzkrise ihren Anfang genommen hat. Wer bis Janur 2008 ausgestiegen ist, hat zwar keine nennenswerte Rendite mehr eingefahren, aber auch den Kurssturz der letzten Monate nicht mehr mitbekommen."
Der Anlagefokus des Fonds soll unverändert bleiben. Lehren, die man während der Finanzkrise gezogen hat, sollen vor allem bei neu aufgelegten Fonds in die Produktgestaltung einfließen. "Auf die gesamte Branche hat diese Krise Auswirkungen. Sie werden uns noch lange beschäftigen."
Aufgestockt statt abgestoßen
Mittelabflüsse und der Kursverfall bei ABS-Papieren haben auch andere ehedem als wertstabile Fonds gehandelte Produkte in Bedrängnis gebracht. Der Deka Euro Flex Plus (WKN DK0AYD) etwa setzte ebenfalls vorwiegend auf ABS-Papiere und stockte in der ersten Jahreshälfte seine Positionen mit solchen Konstrukten "besserer Kreditqualität" sogar noch auf. Bonitätsnoten zwischen "BBB" und "AAA" halfen bei der folgenden Vertrauenskrise in die ganze Wertpapier-Kategorie freilich wenig. In den Sog des Kursverfalls wurden auch die "Triple AAA"-Papiere gezogen.
Wer braucht Geldmarktfonds?
Für Anleger bleibt nur, sich genau über die jeweilige Strategie des Fonds zu informieren und die klassischen, aber eher renditeschwachen Produkte auszuwählen. Viele Verbraucherschützer raten inzwischen generell von Geldmarktfonds als Anlageklasse ab. Begründung: Mangelnde Transparenz, zu deutsch: Man weiß nie wirklich ganz genau, was drinsteckt.
"Wir brauchen eine Revolution"
Wo Sie Honorarberater finden
Standort:
ARD.de
Börse
performance_fondsDie Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, radiobremen, rbb, SR>, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, arte, PHOENIX, 3sat, KIKA, DeutschlandRadio, DW-World.de Deutsche Welle