Es ist bereits der siebte Zinsschritt von Europas Währungshütern seit Oktober 2008. Binnen acht Monaten haben sie den Leitzins um 2,75 Prozentpunkte auf das niedrigste Niveau seit Bestehen der EZB heruntergeschraubt. Damit nähert sich der europäische Leitzins immer mehr dem Niveau in den USA an, das zwischen 0,00 und 0,25 Prozent liegt.
Zusätzlich senkte die EZB den so genannten Spitzenfinanzierungssatz, zu dem sich Banken über Nacht Geld bei der Zentralbank leihen können - und zwar recht deutlich um einen halben Prozentpunkt auf 1,75 Prozent. Der Satz für die Übernachteinlage von Geld bei der EZB wurde bei 0,25 Prozent belassen. Normalerweise liegen diese beiden Zinssätze einen Prozentpunkt über beziehungsweise unter dem Leitzins.
Gleichzeitig wurde die Laufzeit der Refinanzierungsgeschäfte mit den Banken auf bis zu ein Jahr verlängert.
Auch EZB greift zum "Quantitative Easing"
Ähnlich wie die amerikanische Notenbank Fed und die Bank of England weitete die EZB auch ihre weiteren Maßnahmen zur Erhöhung der Marktliquidität aus. So kündigte EZB-Chef Jean-Claude Trichet auf der nachfolgenden Pressekonferenz den Kauf von besicherten Anleihen (Covered Bonds, in Deutschland Pfandbriefe) im Wert von bis zu 60 Milliarden Euro an.
"Erste Anzeichen" für Stabilisierung
Trichet zeigte sich außerdem prinzipiell offen für weitere Zinssenkungen. Das Niveau von 1,0 Prozent sei zwar "angemessen", aber keine Untergrenze.
Insgesamt bleibe die konjunkturelle Situation von Schwäche geprägt und weitere Verschlechterungen der Arbeitsmarktbedingungen seien zu erwarten. Dennoch gebe es erste vorsichtige Anzeichen für eine Stabilisierung der Konjunktur.
Euro profitiert von Trichet-Aussagen
Die Reaktion an den Aktien- und Devisenmärkten war spürbar: Der Euro stieg nach den Aussagen Trichets auf über 1,34 Dollar. Der Bund-Future weitete seine Verluste leicht aus. Der Dax konnte indes seine Kursgewinne zunächst ausbauen, bevor ihn die Wall Street etwas bremste.
Der Bundesverband Öffentlicher Banken kritisierte die neuerliche Zinssenkung als "einen verspäteten Schritt". Die Entscheidung mache deutlich, dass die EZB in der Vergangenheit zu defensiv agiert habe. Schon Anfang April hatte der Verband die jüngste Zinssenkung als zu zaghaft gerügt.
Bank of England erhöht Anleihenkäufe
Am Mittag hatte bereits die britische Notenbank ihre Leitzins-Entscheidung bekannt gegeben. Sie beließ den Zins erwartungsgemäß bei 0,5 Prozent. Die Ankaufprogramme für Anleihen wurden aber auf 125 Milliarden Pfund erhöht.
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