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28.10.2008 09:59
Eine VW-Aktie für 1000 Euro!
Die Volkswagen-Aktie hat am Dienstag ihren steilen Höhenflug fortgesetzt. Für einen Titel zahlten Händler gut eine halbe Stunde nach Handelsstart 1005,01 Euro und damit fast doppelt so viel wie zum Handelsschluss am Montag.

Zu Jahresbeginn hatte der Kurs noch um 150 Euro gelegen. Bereits zu Wochenbeginn hatte die Aktie ihren Wert zeitweise verdreifacht und war mit einem Plus von fast 150 Prozent aus dem Handel gegangen. Trotz der exorbitanten Kurssteigerungen will die Deutsche Börse die VW-Aktie nicht aus dem Leitindex Dax nehmen. "Solange fünf Prozent der Aktien im Streubesitz sind, gibt es dazu keine Veranlassung", sagte ein Sprecher des Marktbetreibers am Dienstag und verwies dabei auf das Regelwerk der Deutschen Börse.

Dax wird zum VW-Spielball
Dabei verkommt der deutsche Leitindex immer mehr zum Spielball eines einzelnen Titels. Am Dienstag Morgen bescherte allein das VW-Kursplus dem Dax einen Zugewinn von rund 700 Punkten in der Spitze. Ohne VW hätte der Dax gegen 10 Uhr rund 350 Punkte im Minus anstatt 350 Punkte im Plus notiert.

Den Anlass zu der Kursexplosion am Montag und Dienstag hatte Porsche gegegeben. Der Autobauer hatte am Sonntag bekannt gegeben, seinen Anteil am Wolfsburger Konzern auf 42,6 Prozent aufgestockt zu haben. Zusätzlich halte man Optionen auf weitere 31,5 Prozent. Dies ergibt in der Summe 74,1 Prozent. Sofern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmten, solle der Anteil an VW im kommenden Jahr auf 75 Prozent aufgestockt werden und der Weg für einen Beherrschungsvertrag frei gemacht werden.

Den Shorties gehen die Aktien aus
Marktteilnehmer halten die exorbitanten Kurssprünge bei der VW-Aktie nach wie vor nicht für "fundamental" begründet. Vielmehr dürfte das Papier Spielball von Spekulanten geworden sein: Experten sprechen von massiven Short-Eindeckungen. In der Aktie sind nämlich viele so genannte Leerverkäufer aktiv, die auf fallende Kurse spekulieren und Short-Positionen aufbauen: Sie leihen sich Aktien und verkaufen diese an der Börse. Ihre Hoffnung ist, die Papiere später günstiger über die Börse erwerben zu können, und sie dann an den Verleiher zurückzugeben.

Porsche weist Manipulationsverdacht zurück
Porsche äußerte sich am Dienstagnachmittag zu dem Gerücht, man habe den VW-Kurs gezielt nach oben getrieben. Den Vorwurf weise man entschieden zurück, hieß es vom Unternehmen. Verursacher der Kursausschläge seien "diejenigen, die mit riesigen Wetten auf fallende Kurse gesetzt haben."

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Problematisch bei VW ist: Im vergangenen Monat sind rund 15 Prozent der Stammaktien an Leerverkäufer verliehen gewesen, erklärte ein Händler. Zur Eindeckung stehe den auf fallende Kurse setzenden Spekulanten jetzt aber nur noch ein echter Streubesitz von 5,9 Prozent zur Verfügung – schließlich hält das Land Niedersachsen 20,2 Prozent an VW, und Porsche die eingangs genannten 74,1 Prozent. "Die Folge ist ein massiver Short-Squeeze", sagte der Börsianer - also der panikartige Rückkauf von leer verkauften Beständen, um die Positionen wieder glatt zu stellen.

Der steigende VW-Kurs verstärkt diese Tendenz: Leerverkäufer werden bei Kurssteigerungen versuchen, ihre Verluste zu minimieren und daher die Aktien schleunigst zurückkaufen.

VW wehrt sich gegen Porsche
Die Anteilsaufstockung von Porsche stößt der VW-Belegschaft sauer auf. Betriebsratschef Bernd Osterloh lehnt einen "Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag" strikt ab. "Für die mehr als 360.000 Beschäftigten von Volkswagen wäre es eine Katastrophe, wenn Manager, die Arbeitnehmerrechte mit Füßen treten, in diesem Unternehmen das Sagen bekämen", erklärte Osterloh am Sonntag. "Und wir sehen nicht, dass Porsche bereit ist, sich seiner sozialen Verantwortung für die Beschäftigten bei Volkswagen zu stellen."

Noch fühlt man sich dank des VW-Gesetzes einigermaßen sicher, da es dem Land Niedersachsen ein Vetorecht auf der Hauptversammlung zusichert. Zwar hat der Großaktionär nur gut 20 Prozent Stimmrechtsanteil, laut Aktienrecht wäre dafür eine Sperrminorität von 25 Prozent nötig. Doch das VW-Gesetz sichert dem Land die entsprechende Macht.

VW-Großaktionär Porsche dringt darauf, das Schutzgesetz abzuschaffen und die Sperrminorität auf 25 Prozent zu erhöhen. Unterstützung naht von der EU, die das VW-Gesetz kippen will. Nach einem "Spiegel"-Bericht startet die Kommission vermutlich in der nächsten Woche einen weiteren Anlauf in diese Richtung. Berlin habe dann eine letzte Chance, die Brüsseler mit neuen Argumenten umzustimmen. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sieht jedoch keine Chance mehr auf eine außergerichtliche Einigung. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa: "Ich erwarte, dass der Europäische Gerichtshof erneut entscheiden muss."

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